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Berücksichtigung von Nachfrageschwankungen bei der Produktionsplanung für industrialisierte Dienstleistungen

Berücksichtigung von Nachfrageschwankungen bei der Produktionsplanung für industrialisierte Dienstleistungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Björn Westerhold
  • Abgabedatum: Januar 2003
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 735,8 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6673-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6673-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6673-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Westerhold, Björn Januar 2003: Berücksichtigung von Nachfrageschwankungen bei der Produktionsplanung für industrialisierte Dienstleistungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Dienstleistungsdefinition, Standardisierte Dienstleistungen, Call Center, Transportplanung, Kapazitätsplanung

Diplomarbeit von Björn Westerhold

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit basiert auf dem Wandel im tertiären Sektor hin zu einer zunehmenden Technologisierung und Industrialisierung der Dienstleistungsproduktion. Diese Entwicklung erfordert eine spezielle Betrachtung der Dienstleistungsunternehmen, die ihre Leistungen in sehr großen Stückzahlen und industrieähnlichen Prozessen erstellen. Die industrielle Produktion von Sachgütern ist traditioneller Gegenstand der betriebswirtschaftlichen Wissenschaftstheorien. Dagegen werden Dienstleistungsprozesse nur unzureichend dokumentiert. Die Betriebswirtschaftslehre beschäftigt sich primär mit Definitionsansätzen oder allgemeinen Management- und Marketingkonzepten für Dienstleistungen. Der Dienstleistungssektor stellt sich jedoch als außergewöhnlich heterogen dar (Banken, Touristik, Transport, Telekommunikation, Bildung usw.). Daraus ergeben sich Probleme bei der Übertragung allgemeiner Aussagen auf die unterschiedlichen Dienstleistungsbranchen und Anwendungssituationen. Zudem werden heute nicht nur laufend neue Dienstleistungen entwickelt, sondern viele, vormals im Industriesektor selbst produzierte Dienstleistungen, im Zuge einer Outsourcing-Strategie in den tertiären Sektor ausgelagert. Dienstleistungsunternehmen wie Call Center, KEP-Unternehmen (Kurier-, Express-, und Paketdienstleister) und Airlines erbringen ihre Leistungen in großen Stückzahlen und mit Hilfe industrialisierter Prozesse. Diese industrialisierten Dienstleistungen bewegen sich in einem Spannungsfeld von Standardisierung und Automatisierung einerseits, sowie individueller Qualitätssicherung andererseits und unterscheiden sich somit hinsichtlich ihrer Produktionsplanung von traditionellen Services wie z. B. Friseur, Gastronomie, Beratungsunternehmen oder Ärzten.

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Begriff industrialisierte Dienstleistungen definiert und die Produktionsplanung für diese speziellen Dienstleistungen betrachtet. Weil dieser spezielle Typ von Dienstleistungen in der bisherigen Literatur noch nicht umfassend untersucht wurde, werden wissenschaftliche Aspekte aus der Dienstleistungs- und Sachgüterproduktion auf die industrialisierten Dienstleistungen übertragen. Im Gegensatz zur Herstellung von Sachgütern sind Dienstleistungsprozesse dadurch gekennzeichnet, dass der Nachfrager oder dessen Objekte, als externe Faktoren in die Leistungserstellung einzubinden sind. Daraus resultiert, dass Absatz und Produktion der Leistung zeitlich zusammenfallen und Dienstleistungen folglich nicht auf Lager (Vorrat) produziert werden können. Durch die Nichtlagerfähigkeit gewinnt eine effiziente Nutzung der verfügbaren Kapazitäten an Bedeutung. Bezüglich dieser Problematik wird untersucht, wie Nachfrageschwankungen als exogene Einflüsse bei der Produktionsplanung berücksichtigt werden, und wie Anbieter von industrialisierten Dienstleistungen eine hohe Auslastung der Kapazität, bei gleichzeitiger Sicherstellung eines optimalen Servicegrades, gewährleisten können.

Gang der Untersuchung:

Das zweite Kapitel schafft die Grundlagen der Untersuchung. Dabei werden unterschiedliche Dienstleistungsdefinitionen (enumerative Definition, Negativdefinition, potenzialorientierte Definition, ergebnisorientierte Definition, prozessorientierte Definition und phasenorientierte Definition) diskutiert und spezifische Charakteristika sowie konstitutive Merkmale von Dienstleistungen herausgearbeitet.

Im dritten Kapitel erfolgt eine typologische Einordnung von industrialisierten Dienstleistungen, die mit einer Begriffsdefinition abgeschlossen wird. Dazu werden Abgrenzungskriterien untersucht, die zunächst standardisierte Dienstleistungen und darauf aufbauend industrialisierte Dienstleistungen charakterisieren.

Im vierten Kapitel werden grundlegende Aspekte der Produktionsplanung und die Auswirkung von Nachfrageschwankungen auf industrialisierte Dienstleistungen erläutert. In diesem Zusammenhang wird analysiert wie Großküchen, Call-Center, Paketdienste, Flug- und Bahngesellschaften ihre Produktionsprozesse unter der Berücksichtigung von Nachfrageschwankungen planen. Während der Ressourceneinsatz in Großküchen vorwiegend von Menschen geplant und gesteuert wird, basiert die Kapazitätsplanung und –steuerung bei Call-Centern und Transportunternehmen auf komplexen, IT-gestützten Systemen (vgl. Workforce-Managment, Prognose-Tools und Revenue Management bzw. Yield Management). Die Funktion und der Einsatz dieser Systeme wird anhand von Praxisbeispielen erläutert und mit verständlichen Grafiken veranschaulicht. Zu den einzelnen Dienstleistungsbereichen werden zudem zahlreiche fundierte und wissenschaftliche Literaturquellen sowie Internetseiten für ein weitergehendes Studium bereitgestellt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Untersuchung 2
2. Dienstleistungstheoretische Grundlagen 3
2.1 Definition und Abgrenzung des Dienstleistungsbegriffs 4
2.1.1 Potenzialorientierte Definition 5
2.1.2 Ergebnisorientierte Definition 5
2.1.3 Prozessorientierte Definition 6
2.1.4 Phasenorientierte Definition 7
2.2 Besonderheiten der Dienstleistungsproduktion 8
2.2.1 Grundlagen der Dienstleistungsproduktion 9
2.2.2 Nichtlagerbarkeit 11
2.2.3 Qualitätswahrnehmung 11
2.2.4 Integration des externen Faktors und das uno-actu-Prinzip 12
2.3 Dienstleistungsdefinition 15
3. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes: Industrialisierte Dienstleistungen 17
3.1 Industrialisierung der Dienstleistungsproduktion 18
3.2 Standardisierte Dienstleistungen 20
3.2.1 Standardisierung von Dienstleistungen 21
3.2.2 Ansätze zur Dienstleistungsstandardisierung 22
3.2.2.1 Standardisierung des Dienstleistungsergebnisses 23
3.2.2.2 Standardisierung des Kundenverhaltens 24
3.2.2.3 Standardisierte Teilleistungen in Leistungsbündeln 24
3.2.2.4 Potenzialstandardisierung 25
3.2.2.5 Prozesstandardisierung 25
3.2.3 Merkmale standardisierter Dienstleistungen 28
3.2.4 Typologische Einordnung standardisierter Dienstleistungen 30
3.2.4.1 Integrationsgrad 30
3.2.4.2 Art des externen Faktors 31
3.2.4.3 Interaktionsgrad 32
3.3 Industrialisierte Dienstleistungen 35
3.3.1 Ansätze zur Industrialisierung von Dienstleistungen 36
3.3.2 Typologische Einordnung industrialisierter Dienstleistungen 37
4. Produktionsplanung für industrialisierte Dienstleistungen 41
4.1 Aufgabenkomplexe industrieller Produktionsplanung 41
4.2 Kapazitätsplanung bei industrialisierten Dienstleistungen 44
4.2.1 Berücksichtigung von Nachfrageschwankungen 44
4.2.2 Berücksichtigung der Servicequalität und deren Wahrnehmung 47
4.2.3 Kapazitätsgestaltungsmaßnahmen 48
4.2.3.1 Angebotsorientierte Maßnahmen 49
4.2.3.2 Nachfrageorientierte Maßnahmen 49
4.3 Produktions- und Kapazitätsplanung bei verschiedenen industrialisierten Dienstleistungen 51
4.3.1 Produktionsplanung in Großküchen 51
4.3.2 Produktionsplanung in (Inbound) Call Centern 54
4.3.2.1 Komponenten von Call Centern 55
4.3.2.2 Personaleinsatzplanung in Inbound Call Centern 56
4.3.2.3 Probleme und neue Erkenntnisse 59
4.3.3 Produktionsplanung von Paketdienstleistern 60
4.3.3.1 Analyse und Prognose der schwankenden Sendungsströme 62
4.3.3.2 Prognosebasierte Personalbedarfs- und Transportplanung 64
4.3.4 Flugplanung von Linienfluggesellschaften 66
4.3.4.1 Nachfrageprognose 67
4.3.4.2 Flugplanungsprozess 69
4.3.4.3 Ressourcenplanung 71
4.3.4.4 Flugzeugbedarf und Personaleinsatz 72
4.3.5 Produktionsplanung von Bahngesellschaften 73
4.3.6 Revenue-Management als effiziente Preis-Kapazitäts-Steuerung von Flug- und Bahngesellschaften 75
4.3.6.1 Grundkonzept einer Preis-Kapazitäts-Steuerung 76
4.3.6.2 Revenue Management 77
5. Zusammenfassung und Ausblick 82
Literaturverzeichnis 84
Anhang 94
Anhang 1 Wirtschaftsbereiche und volkswirtschaftliche Sektoren 94
Anhang 2 Zahlen zu Call-Centern 95
Anhang 3 Zahlen zum KEP-Markt 96

Automatisiert erstellter Textauszug:

den einzelnen Komponenten selbst zusammenstellen muss. Dagegen variiert die Interaktion zwischen Anbieter und Nachfrager von sehr niedrig (bei der Essenausgabe durch Personen) bis gar nicht (bei der Essensausgabe an Laufbändern). Demgegenüber sind die Dienstleistungen von Restaurants durch zahlreiche Interaktionen geprägt. Diese reichen von der Reservierung über die Begrüßung und Tischwahl, die individuelle Speisewahl mit möglichen Abwandlungen, bis hin zur Bedienung und den Möglichkeiten der Reklamation. Im Gegensatz zur Autoreparatur in einer Werkstatt kann auch der Pannendienst des ADAC als standardisiert bezeichnet werden. Für eine optimale Einsatzplanung beim ADAC haben Informatiker einen Algorithmus entwickelt, der in weniger als zehn Sekunden die perfekte Koordination zwischen Kundenanruf und Pannendienst errechnen soll. Dieser neue Algorithmus nähert sich schrittweise dem Optimum an, nachdem die Einsatzfahrzeuge und Mechaniker auf die Einsatzorte zu verteilen sind [o. V. 2002a, S. 9]. Der Begriff standardisierte Dienstleistungen lässt sich nunmehr ableitend aus der Typologischen Einordnung folgendermaßen definieren: Standardisierte Dienstleistungen sind Dienstleistungen (per Definition), die hochgradig determinierte Prozesse aufweisen, welche im Wiederholungsfall vereinheitlicht und gleichförmig ablaufen. Die Determiniertheit hängt dabei vom Interaktionsgrad zwischen dem Anbieter und dem externen Faktor ab. [...]

Als standardisiert lassen sich auch die Dienstleistungen von Airlines bezeichnen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass sich die Dienstleistung „Fliegen“ aus mehreren Teilprozessen zusammensetzt, die hinsichtlich verschiedener Flugangebote einen unterschiedlichen Standardisierungsgrad aufweisen. So kann der Interaktionsgrad beim Service an Bord und am Boden zwischen verschiedenen Airlines (z. B. Air Berlin und Lufthansa) und verschiedenen Flugangeboten (z. B. Linienflug, Charterflug, Inlands-, Überseeflug), aber auch innerhalb eines Fluges zwischen den verschiedenen Klassen (z. B. zwischen First, Business und Economy Class) variieren. Einer ähnlichen Abgrenzung unterliegen verschiedene Dienstleistungen der Gastronomiebranche. In Fast-Food Restaurants (z. B. McDonald´s, Burger King) laufen die Prozesse soweit standardisiert ab, dass der Kunde lediglich aus einer kleinen Palette von Gerichten oder bereits zusammengestellten Menüs wählen kann. Eine individuelle Variation der Menüs ist nicht möglich. Die Interaktion beschränkt sich dabei auf die „Abfertigung“ des Kunden bei der Übergabe der Speisen, welche durch die Einführung von Drive-Ins weiter eingeschränkt wird. Als hochgradig standardisiert kann der Dienstleistungsprozess einer Mensa charakterisiert werden. Dieses Beispiel verdeutlicht zudem, warum der Standardisierungsgrad nicht zwingend vom Integrationsgrad abhängen muss. Der Teilprozess der Essenszubereitung verläuft wie bei den Fast-Food Restaurants ohne Integration und Interaktion des externen Faktors ab. In den Prozess der Leistungsübergabe wird der Kunde in der Mensa jedoch stark integriert, weil er sich sein Menü aus [...]

3.2.4.3 Interaktionsgrad Unter Interaktion soll hier ein „aufeinander bezogenes Handeln mindestens zweier Personen“ [o.V. 1990, S. 355] verstanden werden. Um von einer Interaktion sprechen zu können, müssen somit mindestens zwei Individuen in Kontakt treten und es muss eine zeitliche Abfolge von inderdepedenten Aktionen und Reaktionen vorliegen [Corsten/Stuhlmann 2000, S. 5]. Die Interaktion zwischen Anbieter und Nachfrager ist eine logische Konsequenz der Integration des externen Faktors in den Erstellungsprozess [Corsten 2001a, S. 335] und kann bezüglich Art, Intensität, Häufigkeit und Dauer betrachtet werden. Ein hoher Interaktionsgrad ist durch Möglichkeiten der wechselseitigen Einflussnahme der Teilnehmer auf den Dienstleistungsprozess gekennzeichnet [Corsten/Stuhlmann 2000, S. 5]. Hinsichtlich des Ausmaßes der Interaktion und der damit einhergehenden Unsicherheit der Dienstleistungsproduktion differenzieren Mills/Margulies zwischen drei Dienstleistungsarten [Mills/Margulies 1980, S. 255-265]: Persönlich-interaktive Dienstleistungen weisen die Besonderheit auf, dass bei ihnen die Leistung ausschließlich aus der Interaktion selbst besteht. Infolge von intensiven und komplexen Interaktionen erfordert jede Nachfrage eine neue und andersartige Lösung, so dass keine Möglichkeit zur Standardisierung besteht. Problemorientiert-interaktive Dienstleistungen sind durch eine intensive Interaktion gekennzeichnet, die den Austausch komplexer Informationen beinhaltet. Neben dem interaktiven Informationsaustausch können Leistungsteilprozesse außerhalb der Interaktion erfolgen, die jedoch aufgrund der spezifischen Informationen zu individuellen Ergebnissen führen. Unterstützend-interaktive Dienstleistungen zeichnen sich durch einen begrenzten Informationsaustausch zwischen Anbieter und Nachfrager aus. Die [...]

Arbeit zitieren:
Westerhold, Björn Januar 2003: Berücksichtigung von Nachfrageschwankungen bei der Produktionsplanung für industrialisierte Dienstleistungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Dienstleistungsdefinition, Standardisierte Dienstleistungen, Call Center, Transportplanung, Kapazitätsplanung

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