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Die Berichterstattung über die Europäische Union anhand der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vor dem Hintergrund der Entwicklung einer europäischen Identität

Eine Analyse der drei reichweitenstärksten Tageszeitungen Österreichs

Die Berichterstattung über die Europäische Union anhand der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vor dem Hintergrund der Entwicklung einer europäischen Identität
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Stefanie Kukla
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 144 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Salzburg Österreich
  • Bibliografie: ca. 86
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0249-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0249-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0249-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kukla, Stefanie Februar 2007: Die Berichterstattung über die Europäische Union anhand der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vor dem Hintergrund der Entwicklung einer europäischen Identität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: European Public Sphere, Türkei, Tageszeitung, Österreich, Zypern-Konflikt

Magisterarbeit von Stefanie Kukla

Einleitung:

Dieser Diplomarbeit liegt das Interesse zugrunde, welches Bild in den österreichischen Tageszeitungen über die Europäische Union gezeichnet wird. Das Hauptinteresse liegt dabei auf den medialen Konstruktionen der Europäischen Union und welche Stereotypisierungen in den Tageszeitungen Österreichs zu finden sind. Wird die Europäische Union positiv oder negativ dargestellt? Wie wird über die EU-Erweiterung berichtet? Welche Fremd- oder Feindbilder werden dabei generiert? Welche Themen dominieren die Darstellung der EU? Welches Meinungsklima über die EU überwiegt in den österreichischen Medien? Werden europaskeptische oder eher pro-europäische Bilder in den Medien konstruiert?

Obwohl diese Fragen das grundsätzliche Forschungsinteresse widerspiegeln, würde die Beantwortung all dieser Fragen den Rahmen einer Diplomarbeit sprengen. Aus diesem Grund wurde das Erkenntnisinteresse auf einen fassbaren und vor allem machbaren Rahmen, nämlich der EU-Berichterstattung über die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, reduziert.

Für die Wahl dieses Forschungsschwerpunktes sprachen zwei Gründe: Erstens kommt dieser Thematik in Anbetracht des im Dezember 2006 auslaufenden Ultimatums mit der Türkei ein hoher Grad an Brisanz und Aktualität zu, was gemäß der Nachrichtenwerttheorie zur Folge hat, dass über dieses Spannungsfeld verstärkt in den Tageszeitungen Bericht erstattet werden wird. Zweitens stellt der mögliche EU-Beitritt der Türkei einen historischen Wendepunkt in der Geschichte der Europäischen Union dar.

Die Türkei wäre der erste Mitgliedsstaat in der EU, dessen Wertegemeinschaft auf der muslimischen Religion beruht und nicht dem Christentum angehört. Dass die Aufnahme der Türkei nicht nur die EU vor eine außergewöhnliche Herausforderung stellt, sondern auch ein großes gesellschaftliches Konfliktpotential in sich birgt, geben bereits die im Jahr 2006 durchgeführten Eurobarometerstudien zu erkennen. Der Großteil der ohnehin schon europaskeptischen BürgerInnen Österreichs lehnt aufgrund der Angst vor dem Fremden, sprachlicher sowie kultureller Barrieren, den EU-Beitritt der Türkei vehement ab.

Problemstellung:

Drei konkrete Forschungsfelder gilt es in dieser Arbeit zu beantworten, um einen Bogen über die Inhalte der EU-Berichterstattung in den österreichischen Tageszeitungen zu spannen.

In einer ersten Ebene wird der Frage nachgegangen, über welche Themen in den österreichischen Tageszeitungen berichtet wird, wenn die EU thematisiert wird, was anschließend die Frage aufwirft, welche Wertungen die EU-Berichterstattung der Tageszeitungen beinhalten.

Zuletzt wird der Frage nachgegangen, ob die EU-Berichterstattung den Gratifikationsbedürfnissen der RezipientInnen entspricht, d. h. ob die Inhalte der EU-relevanten Artikel den Vorstellungen der EuropäerInnen entsprechen. Um eine aussagekräftige Antwort auf diese forschungsleitenden Fragestellungen zu gewähren, fiel die Wahl der zu untersuchenden Medien auf die reichweitenstärksten Tageszeitungen Österreichs, also der Kronen Zeitung, der Kleinen Zeitung und dem Kurier, da diese Printmedien einen Aufschluss über die vorherrschende Meinung der österreichischen Gesellschaft zulassen. Und gerade durch die geographische Weitläufigkeit der EU und der Fülle an täglichen Informationsflüssen in der EU sind die RezipientInnen auf die komplexitätsreduzierende EU-Berichterstattung durch die Massenmedien angewiesen.

Gang der Untersuchung:

Um sich der EU-Berichterstattung in den österreichischen Tageszeitungen anzunähern, bedarf es vorerst einer differenzierten Klärung des Begriffes der European Public Sphere. Im deutschsprachigen Raum auch unter dem Begriff der Europäischen Öffentlichkeit(en) bekannt, handelt es sich um ein Forschungsfeld, das sich mit den EU-Berichterstattung(en) in den europäischen Medien beschäftigt.

Nach einer Präsentation der aktuellen Forschungsergebnisse über die Konsistenz der europäischen Öffentlichkeiten folgt der zweite Teil der theoretischen Heranführung an das Thema der Diplomarbeit. Hier wird der Frage nach dem Bildungsprozess von Identität nachgegangen, wobei speziell die Konstruktion von nationaler Identität als Form der kollektiven Identität und in weiterer Folge die Beschaffenheit einer europäischen Identität geklärt wird.

Der dritte Teil dieser Arbeit beinhaltet einen einführenden Abriss über die geschichtlichen Entwicklungen der Europäischen Union und im Anschluss eine genaue Abhandlung der Rolle der Türkei in der EU unter dem speziellen Fokus des Verhandlungsprozesses über einen EU-Beitritt der Türkei. Der letzte Theorieteil beschäftigt sich mit der Rolle der Massenmedien als Konstrukteure von Wirklichkeit(en) und (Mit)Konstrukteure von Identität anhand des epistemologischen Ansatzes des Radikalen Konstruktivismus.

Im empirischen Teil werden, nach einem Überblick über die Methode der Inhaltsanalyse, die detaillierten Forschungsfragen, die Stichprobe, die Operationalisierung und das Kategoriensystem offen gelegt. Dem Hauptteil dieser Arbeit, also der Präsentation der Untersuchungsergebnisse, wurden drei Kapitel subsumiert, die die Ergebnisse der (1) allgemeinen EU-Berichterstattung, (2) der Türkei-spezifischen Berichterstattung und (3) der rezipientInnenorientierten Fragestellung darstellen. Der Abschluss der Arbeit stellt das Kapitel „Diskussion und Ausblick“ dar, in dem die persönliche Ergebnisinterpretation, Gedanken zu weiterführenden Untersuchungen und etwaige Untersuchungsänderungen offen gelegt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. VORWORT 1
2. EINLEITENDE WORTE ZUM AUFBAU DIESER ARBEIT 3
3. EUROPEAN PUBLIC SPHERE - DIE KONVERGENZ NATIONALER ÖFFENTLICHKEITEN 4
3.1 EINFÜHRUNG IN DEN DISKURS DER EUROPÄISCHEN ÖFFENTLICHKEIT(EN) 4
3.2 DAS SPANNUNGSFELD DER EUROPÄISCHEN ÖFFENTLICHKEIT 5
3.3 AKTUELLER FORSCHUNGSSTAND 7
3.4 ZUSAMMENFASSUNG DER DISKUSSION 11
4. DER PROZESS DER IDENTITÄTSBILDUNG UND DEREN EINGLIEDERUNG IN DIE EU 12
4.1 DIE KONSTRUKTION VON STEREOTYPEN UND VORURTEILEN 12
4.2 DIE ERSTE EBENE VON IDENTITÄT: INDIVIDUELLE IDENTITÄT 13
4.2.1 DIE NOTWENDIGKEIT VON WERTEN UND NORMEN 14
4.3 NATIONALE IDENTITÄT ALS KOLLEKTIVE IDENTITÄT 15
4.4 EUROPÄISCHE IDENTITÄT ALS KONGLOMERAT MULTIPLER IDENTITÄTEN? 16
4.4.1 DIE PROEUROPÄISCHE IDENTITÄT DER EUROPÄERINNEN 18
4.4.2 DIE EUROPASKEPTISCHE IDENTITÄT DER EUROPÄERINNEN 21
4.4.2.1 DIE MEINUNGEN DER ÖSTERREICHERINNEN ZUR EU UND DER TÜRKEI 22
4.5 FAZIT ZUR IDENTITÄTS-DEBATTE 26
5. DER INTEGRATIONS- UND ERWEITERUNGSPROZESS DER EUROPÄISCHEN UNION 27
5.1 DIE MEILENSTEINE DER GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN UNION 27
5.2 DIE TÜRKEI IN DER EUROPÄISCHEN UNION 30
5.2.1 FUNKTION UND INHALTE DER BEITRITTSBESTIMMUNGEN 30
5.2.1.1 DER ZYPERN-KONFLIKT 31
5.2.2 DER STELLENWERT DER RELIGIONEN IN DER EU 33
5.3 ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN ZUR EU 34
6. DER RADIKALE KONSTRUKTIVISMUS, MEDIEN UND IDENTITÄT 36
6.1 DER RADIKALE KONSTRUKTIVISMUS ALLGEMEIN 36
6.2 DER RADIKALE KONSTRUKTIVISMUS UND DIE ROLLE DES INDIVIDUUMS 37
6.3 MASSENMEDIEN ALS SYSTEM IM RADIKALEN KONSTRUKTIVISMUS 39
6.4 DIE ROLLE DER MEDIEN ALS (MIT)KONSTRUKTEURE VON IDENTITÄT 41
6.5 FAZIT ZUR KONSTRUKTIVISMUS-DEBATTE 44
7. EMPIRISCHER TEIL 45
7.1 DER ENTDECKUNGSZUSAMMENHANG 45
7.2 DETAILLIERTE FORSCHUNGSFRAGEN 47
7.3 DIE METHODEN DER INHALTSANALYSE 49
7.3.1 DIE ELEMENTE DER INHALTSANALYSE 52
7.3.1.1 GRUNDGESAMTHEIT UND STICHPROBE 52
7.3.1.2 ANALYSEEINHEIT 53
7.3.1.3 OPERATIONALISIERUNG 53
7.4 DER BEGRÜNDUNGSZUSAMMENHANG 55
7.4.1 DIE WAHL DER METHODE 55
7.4.2 DIE WAHL DER STICHPROBE 56
7.4.2.1 DIE WAHL DES MEDIUMS 57
7.4.2.2 DIE WAHL DES ZEITRAUMES 58
7.4.3 DIE WAHL DER ANALYSEEINHEIT 59
7.4.4 DIE ERSTELLUNG DES KATEGORIENSYSTEMS 59
7.4.4.1 DER PRETEST 62
7.4.5 DIE DEFINITIONEN DER THEMEN 62
8. ERGEBNISSE 67
8.1 ERGEBNISSE DER EU-BERICHTERSTATTUNG ALLGEMEIN 68
8.1.1 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE TEIL I 83
8.2 ERGEBNISSE DER TÜRKEI-SPEZIFISCHEN EU-BERICHTERSTATTUNG 84
8.2.1 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE TEIL II 102
8.3 ERGEBNISSE DER REZIPIENTINNENORIENTIERTEN FRAGESTELLUNG 104
9. DISKUSSION UND AUSBLICK 108
10. ABSTRACT 113
11. LITERATURVERZEICHNIS 114
12. LEGENDE 121
Anhang Kategoriensystem 122

Inhaltsverzeichnis:

1. VORWORT 1
2. EINLEITENDE WORTE ZUM AUFBAU DIESER ARBEIT 3
3. EUROPEAN PUBLIC SPHERE - DIE KONVERGENZ NATIONALER ÖFFENTLICHKEITEN 4
3.1 EINFÜHRUNG IN DEN DISKURS DER EUROPÄISCHEN ÖFFENTLICHKEIT(EN) 4
3.2 DAS SPANNUNGSFELD DER EUROPÄISCHEN ÖFFENTLICHKEIT 5
3.3 AKTUELLER FORSCHUNGSSTAND 7
3.4 ZUSAMMENFASSUNG DER DISKUSSION 11
4. DER PROZESS DER IDENTITÄTSBILDUNG UND DEREN EINGLIEDERUNG IN DIE EU 12
4.1 DIE KONSTRUKTION VON STEREOTYPEN UND VORURTEILEN 12
4.2 DIE ERSTE EBENE VON IDENTITÄT: INDIVIDUELLE IDENTITÄT 13
4.2.1 DIE NOTWENDIGKEIT VON WERTEN UND NORMEN 14
4.3 NATIONALE IDENTITÄT ALS KOLLEKTIVE IDENTITÄT 15
4.4 EUROPÄISCHE IDENTITÄT ALS KONGLOMERAT MULTIPLER IDENTITÄTEN? 16
4.4.1 DIE PROEUROPÄISCHE IDENTITÄT DER EUROPÄERINNEN 18
4.4.2 DIE EUROPASKEPTISCHE IDENTITÄT DER EUROPÄERINNEN 21
4.4.2.1 DIE MEINUNGEN DER ÖSTERREICHERINNEN ZUR EU UND DER TÜRKEI 22
4.5 FAZIT ZUR IDENTITÄTS-DEBATTE 26
5. DER INTEGRATIONS- UND ERWEITERUNGSPROZESS DER EUROPÄISCHEN UNION 27
5.1 DIE MEILENSTEINE DER GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN UNION 27
5.2 DIE TÜRKEI IN DER EUROPÄISCHEN UNION 30
5.2.1 FUNKTION UND INHALTE DER BEITRITTSBESTIMMUNGEN 30
5.2.1.1 DER ZYPERN-KONFLIKT 31
5.2.2 DER STELLENWERT DER RELIGIONEN IN DER EU 33
5.3 ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN ZUR EU 34
6. DER RADIKALE KONSTRUKTIVISMUS, MEDIEN UND IDENTITÄT 36
6.1 DER RADIKALE KONSTRUKTIVISMUS ALLGEMEIN 36
6.2 DER RADIKALE KONSTRUKTIVISMUS UND DIE ROLLE DES INDIVIDUUMS 37
6.3 MASSENMEDIEN ALS SYSTEM IM RADIKALEN KONSTRUKTIVISMUS 39
6.4 DIE ROLLE DER MEDIEN ALS (MIT)KONSTRUKTEURE VON IDENTITÄT 41
6.5 FAZIT ZUR KONSTRUKTIVISMUS-DEBATTE 44
7. EMPIRISCHER TEIL 45
7.1 DER ENTDECKUNGSZUSAMMENHANG 45
7.2 DETAILLIERTE FORSCHUNGSFRAGEN 47
7.3 DIE METHODEN DER INHALTSANALYSE 49
7.3.1 DIE ELEMENTE DER INHALTSANALYSE 52
7.3.1.1 GRUNDGESAMTHEIT UND STICHPROBE 52
7.3.1.2 ANALYSEEINHEIT 53
7.3.1.3 OPERATIONALISIERUNG 53
7.4 DER BEGRÜNDUNGSZUSAMMENHANG 55
7.4.1 DIE WAHL DER METHODE 55
7.4.2 DIE WAHL DER STICHPROBE 56
7.4.2.1 DIE WAHL DES MEDIUMS 57
7.4.2.2 DIE WAHL DES ZEITRAUMES 58
7.4.3 DIE WAHL DER ANALYSEEINHEIT 59
7.4.4 DIE ERSTELLUNG DES KATEGORIENSYSTEMS 59
7.4.4.1 DER PRETEST 62
7.4.5 DIE DEFINITIONEN DER THEMEN 62
8. ERGEBNISSE 67
8.1 ERGEBNISSE DER EU-BERICHTERSTATTUNG ALLGEMEIN 68
8.1.1 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE TEIL I 83
8.2 ERGEBNISSE DER TÜRKEI-SPEZIFISCHEN EU-BERICHTERSTATTUNG 84
8.2.1 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE TEIL II 102
8.3 ERGEBNISSE DER REZIPIENTINNENORIENTIERTEN FRAGESTELLUNG 104
9. DISKUSSION UND AUSBLICK 108
10. ABSTRACT 113
11. LITERATURVERZEICHNIS 114
12. LEGENDE 121
Anhang Kategoriensystem 122

Textprobe:

Kapitel 5.1, DIE MEILENSTEINE DER GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN UNION: Im Jahr 1950, fünf Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs, war der europäische Kontinent geprägt von Zerstörung und politischen Spannungen. Auch der 1961 errichtete „Eiserne Vorhang“, der das amerikanisch besetzte Westeuropa von dem von der kommunistischen Sowjetunion beherrschten Osten Europas trennte, und der Kalte Krieg dominierten diese Zeit.

Deutschland nahm in dieser historischen Epoche eine besondere Stellung ein, da es nicht nur in zwei politische Hälften geteilt wurde, sondern auch zögerliche Reaktionen seitens der Siegermächte auf ihre Souveränitätsforderungen erhielt. Vor allem für Frankreich, dem Kriegsgegner Deutschlands, war die Diskussion über den zukünftigen Umgang und die Wiedereingliederung der Bundesrepublik von großer Bedeutung. Zusätzlich hatte das wirtschaftliche Aufsteigen der neuen Weltmächte und dem damit einhergehenden Bedeutungsverlust der Nationalstaaten zur Folge, dass die Produkte rationaler Produktionsweisen von den nationalen Märkten nicht mehr gefasst werden konnten und nur mit Hilfe gemeinsamer Expansion wieder an Bedeutung gewinnen konnten.

Europa stand demzufolge vor der Aufgabe, sich gegenüber der Sowjetunion und den USA mit vereinten europäischen Kräften zu behaupten. Ein gemeinsamer Markt und ein verbündetes Auftreten in einem europäischen Rahmen wurden zu einem unabdingbaren Instrument der Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen. Der ökonomische Druck war Anlass eines transnationalen Integrations- und Verflechtungsprozesses. Der französische Außenminister namens Robert Schuman und der Leiter des französischen Amtes für wirtschaftliche Planung, Jean Monnet, erkannten, dass eine europäische Versöhnung basierend auf wirtschaftlicher Zusammenarbeit die einzige Lösung darstellen würde. Gerade die gemeinsame Produktion und Verwaltung der umkämpften und für den Wiederaufbau äußerst notwendigen Rohstoffe Kohle und Stahl würden eine friedliche Kooperation zwischen den Nationen erzwingen.

Der am 9. Mai 1950 signierte Schuman-Plan rief die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), auch Montanunion genannt, ins Leben und vereinte die Niederlande, Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Belgien und Italien unter einer gemeinsamen wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Sieben Jahre später, im Jahr 1957, wurde durch den Vertrag von Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet.

Bis 1986 traten weitere sieben Nationen, nämlich Dänemark, Irland, das Vereinigte Königreich, Griechenland, Portugal und Spanien, der Montanunion bei. Die Wirtschaftsgemeinschaft zählte zu diesem Zeitpunkt 12 Mitglieder. Durch den bis in die 60er Jahre stattfindenden Integrationsprozess wurden also die nationalstaatlichen Interessen unter eine gemeinsame wirtschaftliche Ausrichtung gestellt. Das nächste historische Ereignis war der Zusammenbruch des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa durch den Fall des „Eisernen Vorhanges“ 1989 und dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1990.

Die bis dahin deprivierten Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme, die jahrzehntelang neben den sich entwickelnden westeuropäischen Nationen koexistierten, mussten nicht nur restrukturiert werden, sondern auch in Form von Verhandlungen in das bisherige Konstrukt der EGKS integriert werden. Dieser Integrationsprozess wurde im Wesentlichen durch den im Jahr 1992 verabschiedeten Vertrag von Maastricht und den Vertrag von Amsterdam 1997 vorangetrieben. Durch den am 7. Februar 1992 verabschiedeten Vertrag von Maastricht wurde die Europäische Gemeinschaft (EG) in die Europäische Union (EU) umgewandelt, die sich einer gemeinsamen Währung sowie einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik versprach.

Fünf Jahre später und in Anlehnung an den Vertrag von Maastricht wurde der Vertrag von Amsterdam entwickelt, der die Reformierung der EU-Organe, die Rolle der EU auf globaler Ebene sowie die Förderung der Menschenrechte festlegte. In Anbetracht der im Jahr 1995 beigetretenen Staaten Finnland, Österreich und Schweden sowie der größten Osterweiterungsrunde3 der EU im Jahr 2004, wo zehn neue Mitgliedsstaaten beitraten und die EU 25 Mitglieder zählt, wurde auch die Verabschiedung eines Vertrages über eine Europäische Verfassung notwendig, der die Beschluss- und Handlungsfähigkeit der erweiterten EU verbessern sollte.

Arbeit zitieren:
Kukla, Stefanie Februar 2007: Die Berichterstattung über die Europäische Union anhand der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vor dem Hintergrund der Entwicklung einer europäischen Identität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
European Public Sphere, Türkei, Tageszeitung, Österreich, Zypern-Konflikt

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