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Die Bekleidungsindustrie

Ein gesamtwirtschaftlicher Konjunkturfrühindikator für Deutschland

Die Bekleidungsindustrie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Johannes Engel
  • Abgabedatum: August 2002
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 659,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bad Homburger Akademie für Betriebswirtschaft und Fremdsprachen / International Business School Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5984-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5984-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5984-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Engel, Johannes August 2002: Die Bekleidungsindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konjunkturindikator, Bekleidungsbranche, Konjunktur, Kapazitätenauslastung, IFO

Diplomarbeit von Johannes Engel

Zusammenfassung:

Die Wirtschaftspolitik in Deutschland ist per Gesetz seit 1967 dazu verpflichtet, in ihrem Streben nach einem gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht vier Ziele zu verfolgen. Dies sind Preisniveaustabilität, hoher Beschäftigungsstand, stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum und außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Man kann argumentieren, dass die beiden letztgenannten Ziele als Vorziele oder Voraussetzungen für die beiden ersten Ziele verstanden werden können. Diese Argumentation erhebt das Streben nach Preisniveaustabilität und hohem Beschäftigungsstand zu Primärzielen.

Wie an späterer Stelle (vgl. Kapitel 2.2.1) noch deutlich wird, spielt das Konjunkturphänomen im Streben nach diesen zwei Primärzielen eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang ist es die Aufgabe der Wirtschaftspolitik, konjunkturelle Schwankungen möglichst gering zu halten, also mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, konjunkturellen (Fehl-)Entwicklungen entgegenzuwirken. Um diese Aufgabe erfolgreich zu erfüllen, ist es besonders wichtig für die Wirtschaftspolitik, rechtzeitig zu wissen, in welche Richtung sich die Konjunktur in Zukunft bewegen wird. Denn die Werkzeuge der Wirtschaftspolitik wirken meist mit zeitlicher Verzögerung. Sie müssen daher frühzeitig eingesetzt werden, damit sie auch die gewünschte antizyklische Wirkung erzeugen. Setzt ihre Wirkung zu spät, also möglicherweise prozyklisch ein, besteht die Gefahr, dass sie unerwünschte konjunkturelle Entwicklungen sogar noch verstärken.

Idealerweise müssten daher konjunkturelle Entwicklungen für die Wirtschaftspolitik zeitlich genau vorhersehbar sein. Wie in Kapitel 2.2.1 noch näher erläutert wird, gibt es mittlerweile mehrere Konjunkturprognoseverfahren, die der Wirtschaftpolitik ein frühzeitiges Erkennen wirtschaftlicher Fehlentwicklungen ermöglichen sollen. Kaum eines dieser Verfahren ist unumstritten. Allerdings wird einem davon ein vergleichsweise hoher Grad an Zuverlässigkeit zugesprochen: dem Einsatz von Konjunkturindikatoren, bzw. Konjunkturfrühindikatoren. Konjunkturfrühindikatoren sind konjunkturempfindliche wirtschaftliche Kennzahlen, die sich dadurch auszeichnen, dass ihre konjunkturbedingten Schwankungen mit einem regelmäßigen zeitlichen Vorlauf zur tatsächlichen Konjunktur eintreten. Es sind bisher jedoch nur wenige Kennzahlen bekannt, welche die Mindestanforderungen für eine zuverlässige Prognoseeignung erfüllen.

Anhand empirischer Untersuchungen soll nun in der vorliegenden Arbeit herausgefunden werden, ob die Entwicklung der deutschen Bekleidungsindustrie diesen Voraussetzungen für den Einsatz als konjunktureller Frühindikator gerecht wird. Der Anstoß zur Bearbeitung dieser Fragestellung war eine Äußerung eines Angestellten des Aschaffenburger Arbeitsamtes. Sie lautet: „Wenn die Gesamtwirtschaft hüstelt, hat die Bekleidungsindustrie schon eine Grippe.“ Dieser Aussage ging die Überlegung voraus, dass die Menschen in schlechten Zeiten, also wenn das Einkommen niedrig ist oder ein niedriges Einkommen erwartet wird, zuerst an der Bekleidung sparen, bevor sie auf andere Konsumgüter verzichten. Für die Siebziger Jahre bestätigt auch Breitenacher vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München diese Annahme.2 Ferner gab es vereinzelt empirische Untersuchungen, die ein konjunkturelles Vorlaufverhalten bestimmter Bereiche der Konsumgüterindustrie demonstrieren (vgl. Kapitel 2.2.3.3).

Es scheint also Indizien zu geben, die es lohnenswert erscheinen lassen der Frage danach, ob die Bekleidungsindustrie in Deutschland den Charakter eines Konjunkturfrühindikators hat, auf den Grund zu gehen. Führte diese Untersuchung tatsächlich zu einem positiven Ergebnis, so wäre der Wirtschaftspolitik möglicherweise ein weiteres Mittel an die Hand gegeben, mit dem sie konjunkturelle Fehlentwicklungen wie Arbeitslosigkeit oder Inflation prognostizieren und damit wirkungsvoll bekämpfen könnte.

Die Arbeit ist neben der Einleitung in vier weitere Teile untergliedert: Kapitel 0 bis 5. In Kapitel 0 wird ein theoretisches Fundament gelegt, in dem die für die späteren Analysen wichtigen Begriffe „Konjunktur“, „Konjunkturprognosen“ und „Konjunkturindikatoren“ vorgestellt und näher erläutert werden. Kapitel 3 befasst sich konkret mit dem Konjunkturphänomen in Deutschland während der Jahre 1973 bis 2000. Anhand von in Kapitel 2.1.3 eingeführten konjunkturellen Referenzreihen (Kapazitätsauslastungsgrad des Verarbeitenden Gewerbes, Nettoproduktionsindex des Produzierenden Gewerbes und gesamtwirtschaftliche Beschäftigtenzahl) wird der Konjunkturverlauf dieser Periode dargestellt und genauer erklärt. Nach dieser grundlegenden Einführung in das Konjunkturphänomen (Kapitel 0 und 3) konzentriert sich das 4. Kapitel schließlich auf die Bekleidungsindustrie. Die in Kapitel 0 und 3 vorgestellten gesamtwirtschaftlichen konjunkturellen Referenzreihen einschließlich dem Geschäftsklimaindex, einer der zuverlässigeren Frühindikatorreihen (vgl. Kapitel 2.2.3.2), werden den entsprechenden Reihen für die Bekleidungsindustrie gegenübergestellt und deren Verläufe auf zeitlich-konjunkturelles Verhalten hin miteinander verglichen. Zur Absicherung geschieht dasselbe auch mit den entsprechenden Reihen für die Konsumgüterindustrie. Nur so kann sichergestellt werden, dass auffällige konjunkturelle Verhaltensmuster der gesamten Konsumgüterindustrie nicht fälschlicherweise der Bekleidungsindustrie zugesprochen werden. Denn es sollen ja gerade Muster aufgedeckt werden, die in besonderem Maße typisch für die Bekleidungsindustrie sind und sich damit von denen der gesamten Konsumgüterindustrie abheben.

Die Analyse wird für insgesamt vier verschiedene Reihen durchgeführt, denn nur unter Berücksichtigung mehrerer Kennzahlen und mit der Identifizierung von Gemeinsamkeiten in deren Verläufen kann näherungsweise eine Aussage über das konjunkturelle Verhalten der Bekleidungsindustrie gemacht werden. Andernfalls würden sich Aussagen lediglich auf ausgewählte Kennzahlen der Bekleidungsindustrie – nicht aber auf die Bekleidungsindustrie als solche – beziehen. Selbstverständlich wäre das eingangs genannte Ziel, einen weiteren zuverlässigen Konjunkturfrühindikator zu finden, auch – oder sogar viel eher – damit erreicht, wenn sich herausstellte, dass eine der ausgewählten Kennzahlen für die Bekleidungsindustrie einen stetigen Vorlaufcharakter besitzt. Das ist jedoch nicht das Thema dieser Arbeit. Es soll vielmehr untersucht werden, ob die Bekleidungsindustrie als solche eine Tendenz zum konjunkturellen Vorlauf hat. Würde sich diese Annahme bestätigen, könnte man in einer weiteren Untersuchung prüfen, welche der bekleidungsspezifischen Kennzahlen am ehesten für Konjunkturprognosen geeignet wären. Aus den Ergebnissen der vier Einzelanalysen wird in Kapitel 4.1.5 schließlich festgestellt, ob die Bekleidungsindustrie der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur vor-, gleich oder nachläuft. Das Untersuchungsergebnis wird daraufhin versucht, volkswirtschaftlich zu begründen (Kapitel 4.2).

Wie aus dem Grundlagenteil (Kapitel 2.2.3.1) hervorgeht, ist allerdings ein konjunktureller Vorlaufcharakter an sich nicht ausreichend, um den Anforderungen, die an einen für Prognosen geeigneten Konjunkturfrühindikator gestellt werden, gerecht zu werden. Aus diesem Grund werden im 5. Kapitel – der Schlussbetrachtung – zur vollständigen Beantwortung der im Arbeitstitel gestellten Frage die vier Kennzahlen zusätzlich noch auf die übrigen Kriterien, die ein Konjunkturfrühindikator erfüllen muss, hin untersucht. Dieser Teil, der eher auf die einzelnen Kennzahlen als auf die Bekleidungsindustrie insgesamt eingeht, stellt ansatzweise dar, wie eine mögliche Untersuchung einzelner Reihen auf ihre Prognoseeignung hin aussehen könnte.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis v
Abbildungsverzeichnis vi
Tabellenverzeichnis viii
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
1.3 Grenzen und Prämissen 4
2. Theoretische Grundlagen der Konjunkturanalyse 8
2.1 Der klassische Konjunkturverlauf 8
2.1.1 Begriff und Darstellung 8
2.1.2 Kennzeichen eines klassischen Konjunkturverlaufs 10
2.1.3 Referenzgrößen zur Messung der Konjunktur 11
2.2 Konjunkturindikatoren 16
2.2.1 Notwendigkeit und Methoden der Konjunkturprognose 16
2.2.1.1 Ökonometrische Modelle 17
2.2.1.2 Iterativ-analytische Prognosen 18
2.2.1.3 Der Indikator-Ansatz 19
2.2.2 Klassifizierung von Indikatoren 19
2.2.3 Frühindikatoren 23
2.2.3.1 Ansprüche und Kriterien 23
2.2.3.2 Für Konjunkturprognosen geeignete Frühindikatoren 24
2.2.3.3 Branchenspezifische Frühindikatoren 26
3. Konjunktur in Deutschland zwischen 1973 und 2000 29
3.1 Identifizierung des Konjunkturverlaufs nach 1973 29
3.2 Erläuterung der drei Konjunkturzyklen 30
3.2.1 1973 bis 1980 30
3.2.2 1980 bis 1990 31
3.2.3 1991 bis 2000 34
3.3 Darstellung des Konjunkturverlaufs anhand ausgewählter Kennzahlen 35
3.3.1 Kapazitätsauslastungsgrad des Verarbeitenden Gewerbes 35
3.3.2 Nettoproduktionsindex des Produzierenden Gewerbes 38
3.3.3 Gesamtwirtschaftlicher Beschäftigungsstand 43
4. Die Bekleidungsindustrie im konjunkturellen Verlauf 51
4.1 Kapazitätsauslastung, Nettoproduktion, Beschäftigung und Geschäftsklima zwischen 1973 und 2000 52
4.1.1 Kapazitätsauslastung 52
4.1.2 Nettoproduktion 58
4.1.3 Geschäftsklima 68
4.1.4 Beschäftigungsstand 74
4.1.5 Zusammenfassung der beobachteten zeitlichen Verhaltensweisen 79
4.2 Mögliche Ursachen 82
4.2.1 Steigende Exportquote und wachsende Importe 84
4.2.2 Sinkender Anteil der Nachfrage nach Bekleidung an der Gesamtnachfrage 87
4.2.3 Wachsender Anteil exklusiver Mode an der Gesamtproduktion 88
4.2.4 Zusammenfassung 90
5. Schlussbetrachtung: Ist die Bekleidungsindustrie ein konjunktureller Frühindikator? 92
Literaturverzeichnis I

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Löhne stiegen in dieser Periode auch nur mäßig und unterstützten damit die erfreuliche Entwicklung der Verbraucherpreise, die selbst durch die Abwertung der DM gegenüber dem Dollar 1984 nicht merklich gestört wurde, obwohl dadurch die Importpreise stiegen. In den Jahren 1986 und 1987 stieg die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nochmals kräftig an. Durch den enormen Rückgang der Ölpreise 1985 und 1986 sowie die Aufwertung der DM gegen den Dollar stieg das verfügbare Einkommen der Deutschen schon allein wegen der Energiekosteneinsparungen deutlich. Auch wegen der durch die starke D-Mark bedingten sinkenden Einfuhrpreise sank der Preisindex der Lebenshaltungskosten 1986 um 0,2 Prozent. Ein weiterer nachfragestimulierender Faktor war die zu Gunsten der Bürger ausfallende Einkommensteuerreform, deren erste Stufe 1986 in Kraft trat. Auch die Ausrüstungsinvestitionen stiegen in diesen Jahren wieder, jedoch nicht so sehr wie die Gewinnlage der Unternehmen hätte vermuten lassen. Der sich drohend ankündigende Einstieg in die 35-Stundenwoche sowie die schlechten Exportentwicklungen durch die Aufwertung der D-Mark waren sicherlich ursächlich für die Zurückhaltung der Unternehmen. Nachdem Ende 1986 die Unternehmensgewinne noch einmal leicht zurückgingen, kam ab 1988 ein starker Impuls aus dem Ausland, der das Wachstum in Deutschland wieder beschleunigte. Die D-Mark hatte erneut eine leichte Abwertung erfahren und weltweit hatte sich ein Investitionsboom eingestellt, der die Exporte Deutschlands in die Höhe schießen ließ. Daraufhin stiegen auch die Gewinne wieder – diesmal sogar im zweistelligen Bereich – und das Investitionsverhalten in Deutschland verstärkte sich entsprechend, namentlich in Form von Ausrüstungsinvestitionen. Doch auch der Bausektor hatte sich 1988 wieder erholt und besonders ab 1989 stiegen Wohnungsnachfragen drastisch durch die vielen Zuwanderungen aus Ostdeutschland und die allgemein positive Einkommensentwicklung. Allerdings zog die hohe Wohnungsnachfrage auch einen starken Anstieg der Baupreise nach sich. [...]

erwartete für die zweite Hälfte von 1982 schon wieder einen Anstieg der Gesamtnachfrage. Expansive wirtschaftspolitische Maßnahmen wurden nicht für nötig befunden, weil man glaubte, die kurze Flaute würde sich von alleine wieder umkehren. Doch so schnell sollte der Wiederaufschwung nicht eintreten. Restriktive Finanzpolitische Maßnahmen wie Kürzung der staatlichen Investitionen sowie eine aus währungspolitischen Gründen stringent verfolgte restriktive Geldpolitik der Bundesbank (erhöhte Zinsen) führte zu einem Rückgang des BSP um 1,1 Prozent im Jahre 1982. 64 Die Depression von 1982 ging in eine fast 10 Jahre lange Aufschwungphase über, die Anfang 1983 durch eine erhöhte Verbrauchernachfrage eingeleitet wurde. Grund hierfür war ein starker Rückgang der Inflationsrate. Hinzu kamen drastisch sinkende Zinsen, die zusätzlich – über eine Verringerung der Sparneigung – stimulierend auf die Entwicklung der Konsumgüterachfrage einwirkten. Auch das Investitionsverhalten der Unternehmen wurde durch die niedrigeren Zinsen, sowie durch die erhöhte Konsumgüternachfrage, angeregt. Besonders stark stiegen 1983 die Vorratsinvestitionen, 1984 sanken sie jedoch wieder deutlich. Eine ähnliche Entwicklung war bei den Ausrüstungsinvestitionen zu beobachten: N achdem sie 1983 einen positiven Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum geliefert hatten, stagnierten sie 1984 aufgrund von Tarifpartnerkonflikten und Streiks in der Metallindustrie. Die Bauinvestitionen hingegen zeigten 1983 nur eine schwache Erholung und setzten dann ihren Rückgang, der 1980 begonnen hatte, bis 1987 fort. Die Beiträge des deutschen Exports zum Aufschwung kamen erst später, nämlich nachdem die D-Mark 1984 wieder schwächer geworden war (sinkende Exportpreise) und sich weltweit eine konjunkturelle Erholung eingestellt hatte. Dass der erste Teil der Aufschwungsphase bis 1985 vergleichsweise langsam verlief – das BIP wuchs in diesen Jahren im Durchschnitt nur um 2 Prozent jährlich – ist einerseits auf die noch immer rückläufigen Bauinvestitionen zurückzuführen. Ein zweiter Grund war der nur mäßige Beitrag des Staates zum wirtschaftlichen Aufschwung, denn die Fiskalpolitik sah es als oberste Priorität an, das hohe Haushaltsdefizit zu verringern. [...]

nungen – besonders der beiden Wirtschaftsforschungsinstitute in Kiel und Essen61 – verfolgte. In Zeiten expansiver Wirtschaftspolitik verlassen sich Unternehmen nämlich häufig darauf, dass Nachfragerückgänge durch den Staat kompensiert werden, der Staat also als Nachfrager in den Wirtschaftskreislauf eingreift, um weitere Verluste von Arbeitsplätzen zu verhindern. Mit diesem Wissen, dass der Absatz durch den Staat gesichert ist, verlieren Unternehmen ihre Vorbehalte gegenüber Lohnerhöhungen, denn sie können die erhöhten Lohnkosten unmittelbar auf die Preise aufschlagen ohne einen Nachfragerückgang befürchten zu müssen. Aufgrund dieser Expansionspolitik wurde vom Sachverständigen Rat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) noch ein Wachsen des Bruttosozialprodukts (BSP) für 1975 vorausgesagt. In Wirklichkeit stellte sich jedoch ein Rückgang um 4 Prozent ein. Die Ursache hierfür lag nach dem Urteil des SVR nicht an der straffen Geldpolitik der Bundesbank, sondern an der verminderten Auslandsnachfrage. Diese wiederum war zurückzuführen auf die starke Aufwertung der Deutschen Mark nach der Freigabe der Wechselkurse 1973 und die 1974 stark gestiegenen Löhne. Diese Kombination schlug sich in hohen Exportpreisen nieder und machte deutsche Produkte im internationalen Vergleich weniger wettbewerbsfähig.62 Der Aufschwung der Jahre 1975 bis 1980 wurde in erster Linie von einer expansiven Wirtschaftspolitik der Regierung getragen. Auf dem Bonner Wirtschaftsgipfel 1978 verpflichtete sich Deutschland dazu, seine Wirtschaft stärker anzukurbeln um damit eine expansive Entwicklung der Weltwirtschaft zu unterstützen. Das Konjunkturprogramm der Regierung führte zu einem hohen Haushaltsdefizit, dem ersten seiner Größenordnung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Boomphase endete im ersten Quartal 1980 (I/80) aufgrund der erhöhten Zinsen und des in der Ölkrise drastisch gestiegenen Ölpreises.63 3.2.2 1980 bis 1990 [...]

Arbeit zitieren:
Engel, Johannes August 2002: Die Bekleidungsindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konjunkturindikator, Bekleidungsbranche, Konjunktur, Kapazitätenauslastung, IFO

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