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Behavioral Finance und Kapitalmarkt

Private und institutionelle Investoren im Kontext von Börsenboom und -crash

Behavioral Finance und Kapitalmarkt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Florian Bosch
  • Abgabedatum: Oktober 2005
  • Umfang: 95 Seiten
  • Dateigröße: 563,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9410-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9410-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9410-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bosch, Florian Oktober 2005: Behavioral Finance und Kapitalmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Börsenhandel, Spekulation, Kapitalmarktforschung, Kapitalmarktanomalien, Verhaltensanomalien

Diplomarbeit von Florian Bosch

Zusammenfassung:

Als Folge des in den Jahren 1998 bis 2000 beobachteten Börsenbooms und -crashs und den damit verbundenen immensen Verlusten privater und institutioneller Investoren verfolgt die Arbeit das Ziel, herauszuarbeiten, ob Erkenntnisse der noch jungen Forschungsrichtung Behavioral Finance existieren, die Anomalien im Investorenverhalten gezielt in den Phasen von Börsenboom und -crash beleuchten. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, inwieweit die Aussagen der klassischen Kapitalmarkttheorie einer Ergänzung behavioristischer Elemente bedürfen, um die Geschehnisse am Kapitalmarkt adäquat wieder geben zu können.

Nach der Erarbeitung möglicher Ursachen für Spekulationen an internationalen Börsen wird auf die Regelmäßigkeit eingegangen, in der Boom- und Crashphasen am Kapitalmarkt auftreten. Ausgewählte historische Beispiele werden vorgestellt. Die wissenschaftliche Beschreibung des Kapitalmarktes an Hand von Kapitalmarkteffizienz und -vollkommenheit führt zu einer Präsentation der bedeutendsten Modelle der klassischen Kapitalmarkttheorie sowie deren Erweiterung um behavioristische Gesichtspunkte. Anschließend werden ausgewählte empirische Kapitalmarktanomalien aufgezeigt, um die Bedeutung der Behavioral Finance zu unterstreichen. Zur Vertiefung werden als Anomalien im Investorenverhalten Beispiele aus dem Prozess der Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung, das Noise Trading sowie das Herdenverhalten genauer vorgestellt.

Die Anlegergruppierung in informierte und uninformierte Investoren an Hand eines ausgewählten Modells zeigt, dass neben privaten Investoren auch Fondsgesellschaften als uninformiert gelten. Im Rahmen des Boom- bzw. Crashverhaltens privater Investoren werden als ausschlaggebende Anomalien eine verstärkte Bildung von Heuristiken, die Anreizwirkung mentaler Konten, ein spekulatives Herdenverhalten, eine Status Quo Bias mit verbundener Kontrollillusion sowie insbesondere in Crashphasen das Noise Trading identifiziert. Als Anomalien auf Seiten institutioneller Investoren werden Verlustaversion, Noise Trading, Herdenverhalten, eine selektive Informationswahrnehmung sowie die Auswirkungen des Informationsquelleneffekts herausgearbeitet.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Erkenntnisse der noch recht jungen Forschungsrichtung Behavioral Finance als verhaltenswissenschaftlich geprägte Kapitalmarktforschung. Kapitel zwei stellt die Ereignisse von Börsenboom und -crash in einen historischen Kontext. Es soll damit ein Überblick vermittelt werden, welches Ausmaß vergangene Boomphasen und deren Ende angenommen und in wieweit sie private wie auch institutionelle Investoren in Mitleidenschaft gezogen haben.

In Kapitel drei werden die Grundkonzepte der klassischen Kapitalmarkttheorie vorgestellt. Neben dem Konzept informationseffizienter und vollkommener Kapitalmärkte werden die bis heute bedeutenden Aussagen zum Portfolio Selection Modell von Markowitz, dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) von Sharpe, Lindner und Mossin sowie der Arbitrage Pricing Theory (APT) von Ross präsentiert. Anschließend soll auf mögliche Abweichungen der Modellaussagen gegenüber der Realität eingegangen werden, indem empirisch erforschte Kapitalmarktanomalien zusammengetragen werden.

Kapitel vier behandelt die Behavioral Finance. Im Rahmen dieser verhaltenswissenschaftlich geprägten Kapitalmarktforschung wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begonnen, den Prozess der Informationsverarbeitung von Anlegern auf verhaltenswissenschaftlich fundierte Auffälligkeiten zu untersuchen, um Erkenntnisse für das Zustandekommen von Kapitalmarktanomalien zu gewinnen. Dazu wird ein kurzer Abriss der noch jungen Geschichte dieser Forschungsrichtung gegeben. Die Abkehr vom Rationalitätspostulat der klassischen Kapitalmarkttheorie bildet den Ausgangspunkt für die Darstellung ausgewählter Verhaltensanomalien, wie sie die Behavioral Finance untersucht.

Kapitel fünf bildet den Hauptbestandteil dieser Arbeit. Darin sollen Einflüsse auf das Verhalten privater und institutioneller Investoren aufgezeigt werden, die das Zustandekommen bestimmter behavioristischer Anomalien in Phasen von Börsenboom und -crash fördern. Neben einer Gegenüberstellung der grundlegenden Handlungsziele beider Anlegergruppierungen wird ein Modell gezeigt, dass mit Bezug auf die Börsencrashs von 1929 und 1987 Anlegergruppen identifiziert, die während eines Booms einen unterschiedlichen Informationsstand aufweisen und dementsprechend gegenläufig agieren.

Mit den bis dato zusammen getragenen Erkenntnissen kann im zweiten Teil von Kapitel fünf begonnen werden, an Hand nachweisbarer Aussagen über das Verhalten privater und institutioneller Investoren in Phasen von Börsenboom und -crash Verhaltensanomalien nachzuweisen, die zu nicht-rationalen Entscheidungen der jeweiligen Marktteilnehmer geführt haben. Unterstützt werden die Aussagen von Untersuchungsergebnissen des US-amerikanischen Aktienmarktes.

Kapitel sechs fasst die wesentlichen Ergebnisse dieser Arbeit zusammen und versucht sie in einem Gesamtzusammenhang mit der Behavioral Finance einzuordnen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 6
1.1 Problemstellung 6
1.2 Aufbau der Arbeit 7
2. Historische Betrachtung von Börsenboom und –crash 9
2.1 Begriffsdefinitionen 9
2.2 Börsenhandel als Ausgangspunkt für Spekulationen 12
2.2.1 Entwicklung des Börsenwesens 13
2.2.2 Der Ursprung des Aktienhandels 14
2.3 Spekulationen als Ursache für Boom und Crash 16
2.3.1 Historische Spekulationen 16
2.3.2 Ereignisse des 20. Jahrhunderts 19
3. Kapitalmarktforschung 22
3.1 Kapitalmarkteffizienz und –vollkommenheit 23
3.2 Klassische Kapitalmarkttheorie 25
3.2.1 Portfoliotheorie 26
3.2.2 Kapitalmarkttheorie 28
3.2.3 Weiterentwicklung der Kapitalmarkttheorie 30
3.3 Kapitalmarktanomalien 33
4. Behavioral Finance 36
4.1 Ursprung und Grundlagen 36
4.2 Rationalitätskonzept der Behavioral Finance 40
4.2.1 Prozess der Informationsverarbeitung 40
4.2.2 Begrenzte Rationalität und Quasi-Rationalität 42
4.3 Anomalien im Investorenverhalten 43
4.3.1 Informationsbezogene Verhaltensanomalien 44
4.3.2 Noise Trading und Charttechnik 48
4.3.3 Herdenverhalten 50
4.4 Forschungsstand der Behavioral Finance 52
5. Behavioristisches Investorenverhalten in Boom und Crash 53
5.1 Anlegergruppierung 54
5.1.1 Private Investoren 54
5.1.2 Institutionelle Investoren 55
5.2 Informationsnutzung nach Gennotte/Leland 58
5.2.1 Informierte Anleger 60
5.2.2 Uninformierte Anleger 61
5.3 Private Investoren in Boom und Crash 62
5.3.1 Verstärke Bildung von Heuristiken 63
5.3.2 Anreizwirkung Mentaler Konten 63
5.3.3 Spekulatives Herdenverhalten 65
5.3.4 Status Quo Bias und Kontrollillusion 65
5.3.5 Noise Trading in Crashphasen 66
5.4 Institutionelle Investoren in Boom und Crash 67
5.4.1 Verlustaversion und Risikoabsicherung 67
5.4.2 Performanceorientiertes Noise Trading 68
5.4.3 Herdenverhalten bei Investmentfonds 69
5.4.4 Selektive Wahrnehmung bei Informationsflut 70
5.4.5 Informationsquellen-Effekt durch Analystenmeinungen 71
6. Zusammenfassung und Schlussbemerkung 72
Anhang 75
Literaturverzeichnis 76
Verzeichnis der Internetquellen 95

Automatisiert erstellter Textauszug:

Jede einzelne der drei Stufen kann auf verschiedenen Wegen stattfinden. So ist bei der Informationsaufnahme an visuelle oder auditive Prozesse zu denken, falls der Anleger beispielsweise die Börsenzeitung liest oder Finanznachrichten hört. Die Informationsverarbeitung kann räumlich oder verbal erfolgen, beispielsweise in Form einer Diskussion mit anderen Anlegern. Zuletzt ist an eine manuelle oder verbale Reaktion zu denken, falls der Investor z. B. eine Kauforder aufgibt. Dieses kleine Beispiel zeigt bereits, dass der hier skizzierte Verarbeitungsprozess auf mindestens 2 x 2 x 2 = 8 Informationswegen erfolgen kann. Ob dabei eine vollständige Wahrnehmung aller Reizereignisse (im Beispiel alle Kauf- oder Verkaufempfehlungen zu einem bestimmten Wertpapier) stattfindet und auch eine uneingeschränkte Bewertung der Information (ist der aktuelle Anteilswert am Unternehmen gerechtfertigt?) in der Realität möglich ist, scheint eher unwahrscheinlich, da die Komplexität einer realen Entscheidungssituation vor allem am Kapitalmarkt sehr hoch ist. Damit stehen die eingangs erwähnten Eigenschaften eines rationalen Investors auf wackligen Füßen und bedürfen einer Erweiterung dieses Konzeptes in Bezug auf reale Gegebenheiten. [...]

Kapitel 3 hat gezeigt, dass die klassische Kapitalmarktforschung großen Wert auf die Annahme eines rationalen Investors im Sinne eines homo oeconomicus legt. Hier sei noch einmal kurz daran erinnert, dass dieser als egoistischer Nutzenmaximierer unter vollständigem Einbezug und richtiger Auswertung jeglicher verfügbarer Information immer die Transaktion ausführt, die für ihn den höchsten Wert hat.158 Die Behavioral Finance nimmt von dieser Art Investor Abstand, indem sie davon ausgeht, dass sich gegenseitig beeinflussende irrationale Verhaltensmuster existieren, die zum Versagen der Postulate der bisher gültigen Kapitalmarkttheorie beitragen.159 Das nicht-rationale Verhalten des behavioristisch geprägten Anlegers ist bedingt durch Probleme im Prozess der Informationsverarbeitung, weshalb dieser nachfolgend vorgestellt wird, um im Anschluss daran das Rationalitätskonzept der Behavioral Finance ableiten zu können. 4.2.1 Prozess der Informationsverarbeitung Bei Entscheidungen auf Finanzmärkten handelt es sich um den Prozess der kognitiven Informationsverarbeitung, bei dem die Akteure auf Informationsangebote antworten, indem sie ihre (eigenen) Ziele berücksichtigen und ihr (eigenes) Wissen einsetzen.160 Die Mehrdimensionalität der Untersuchung von Anlageentscheidungen kombiniert mit den außerhalb der Finanzwissenschaften existierenden Forschungsansätzen zur menschlichen Infor- [...]

Die Abbildung macht deutlich, dass auf Grund der unterstellten Kausalbeziehung zwischen Verhaltens- und Kapitalmarktanomalien in der Behavioral Finance versucht wird, deduktiv Rückschlüsse auf Anomalien im Verhalten der Investoren zu ziehen. Die Erkenntnisse von Shiller und De Bondt/Thaler stellten einen bedeutenden Antrieb für die Behavioral Finance dar, verstärkt Augenmerk auf die Erforschung möglicher kursbeeinflussender Verhaltensanomalien zu legen. In der weiteren Entwicklung der Behavioral Finance wurden in Anlehnung an die Prospect Theory auf Basis der beobachteten Anomalien zahlreiche weitere Theorien entwickelt, jedoch ohne diese zu einem einheitlichen Theoriegebäude zusammenzufassen.154 Damit besteht die Behavioral Finance aus einer Vielzahl einzelner Theorien und Erkenntnisse, die keineswegs den Anspruch erheben, die normative neoklassische Finanzierungstheorie ersetzen, sondern um die deskritptive, realitätsnahe Seite ergänzen zu wollen.155 Einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand der Behavioral Finance liefert Kapitel 4.4. Tabelle 1 zeigt noch einmal zusammenfassend die grundlegenden Unterschiede zwischen neoklassischer Finanzierungstheorie, die in Kapitel 3.2 beschrieben worden ist und der Behavioral Finance. [...]

Arbeit zitieren:
Bosch, Florian Oktober 2005: Behavioral Finance und Kapitalmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Börsenhandel, Spekulation, Kapitalmarktforschung, Kapitalmarktanomalien, Verhaltensanomalien

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