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Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala

Entscheidungen bei Malaria, Atemwegserkrankungen und Enteroparasiten im Licht soziokultureller Faktoren

Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Claudio Priesnitz
  • Abgabedatum: Januar 2004
  • Umfang: 145 Seiten
  • Dateigröße: 1,9 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8052-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8052-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8052-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Priesnitz, Claudio Januar 2004: Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ethnomedizin, Ethnobotanik, Pharmaka, Maya-Biosphären-Reservat, alternative Medizin

Magisterarbeit von Claudio Priesnitz

Zusammenfassung:

Auf Feldforschung beruhende Untersuchung (2003) im größten zusammenhängenden Regenwaldgebiet Mesoamerikas (Uaxactún/ Tikal, Maya-Biosphären-Reservat), welche die individuellen Überlegungen zur Wahl der Behandlungsalternativen synthetisch produzierte Pharmaka oder natürliche Heilpflanzen (aus der direkten Umgebung des Dorfes) gegenüberstellt und evaluiert. Darstellung der Behandlungsalternativen, ethnomedizinische Theoriebildung auf Grundlage der kognitiven Anthropologie, Untersuchungsmethoden und Soziographie/ Ethnographie Uaxactúns. Quantitative (SPSS-Kreuztabellen-Signifikanzen: Pearson´s Chi-Square-Test) und qualitative (individuelle Fallbeschreibungen) Analyse der Ergebnisse.

Im Anhang Ethnobotanik der gebräuchlisten Heilpflanzen für Malaria, Enteroparasiten (Durchfall, Amöben, Giardia), Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen, Grippe, Entzündungen), Haut-Leishmaniase, Diabetes, Nierenprobleme, Hautkrankheiten allgemein, Krebs, Schlangenbisse (spez. Bothrops asper), Böser Blick (mal de ojo), susto etc. unter Angabe der lokal verwendeten und wissenschaftlichen Pflanzentermini und -familien. Kartenmaterial, ausführliche Literaturangaben, Photos, Tabellen, Grafiken.

Struktur der Arbeit:

Nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik und die ethnologische Relevanz der vorliegenden Arbeit, wird in Kapitel 2. auf die konkreten Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung eingegangen. In diesem Zusammenhang werden auch die Vor- und Nachteile des Untersuchungsraumes dargelegt.

Es folgt in Kapitel 3. die Entwicklung der Theoriebildung und Untersuchungsmethoden der Arbeit. Vor diesem Hintergrund werden im Anschluss daran wesentliche Definitionen der in dieser Arbeit gebräuchlichen ethnomedizinischen und ortstypischen Begrifflichkeiten gegeben, um so den Rahmen der Arbeit genauer abzustecken. Anschließend wird in Kapitel 5 eine ethnografische Darstellung der örtlichen Gegebenheiten präsentiert. Mit diesem Vorwissen können die generell vorhandenen Behandlungsalternativen in Kapitel 6. erläutert und in den nationalen bzw. mesoamerikanischen Kontext eingeordnet werden, bevor in Kapitel 7. auf die Krankheiten und ihre speziellen Behandlungsmethoden im Einzelnen eingegangen wird. Im Anschluss daran folgt in Kapitel 8. eine Beschreibung und Evaluation der Entscheidungsfindungsprozesse anhand von Fallbeispielen, nach Krankheiten sortiert.

Vor dem Hintergrund der Präsentation der deskriptiven Ergebnisse kann abschließend eine Auswertung der statistisch aufgearbeiteten Resultate erfolgen, um die beschreibende Evaluation zu stützen und zu ordnen. In der Kombination der qualitativen und statistisch-quantitativen Ergebnisse der Feldforschung soll das Thema möglichst umfassend abgehandelt werden.

Im Fazit werden die Kernpunkte der Feldforschungsergebnisse zusammengefasst und potenzielle zukünftige Möglichkeiten und Entwicklungen des Gesundheitswesens in Uaxactún aufgezeigt. Hinweise zur Schreib- und Zitierweise der Arbeit finden sich unter Anhang I.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 6
1.1 Struktur der Arbeit 6
1.2 Medizinische Versorgung in Guatemala 6
1.3 Ethnomedizin in Mesoamerika 7
1.3.1 Der Nutzen traditioneller Heilpflanzen 10
1.3.1.1 Ethnopharmakologie und kulturelle Rechte 11
1.3.1.2 Psychosomatik und alternative Heilmethoden 12
2. DIE FRAGESTELLUNGEN 14
2.1 Hypothesen 15
2.2 Warum Uaxactún? 15
2.2.1 Nachteile 15
2.2.2 Vorteile 17
3. THEORIEBILDUNG UND UNTERSUCHUNGSMETHODEN 18
3.1 Die Grundlagen der kognitiven Anthropologie 18
3.2 Das Entscheidungsmodell 20
3.3 Das Beschreibungsmodell und seine Weiterentwicklung: EM und EMIC 21
3.4 Die Modellanwendung auf Uaxactún 22
3.5 Die Befragung der Bevölkerung 24
3.5.1 Die Methodik der Feldforschung und der Interviews 25
3.5.2 Technik 26
3.5.3 Interviewthemen 27
3.5.4 Die Interviewpartner 28
3.5.4.1 Probleme und Überlegungen bei der Informationsgewinnung 29
3.5.4.2 Die Rolle des Puesto de Saludund des enfermero 30
4. DEFINITIONEN 31
4.1 Medizinsysteme 31
4.1.1 Das westliche Medizinsystem 32
4.1.1.1 Biomedizin 33
4.1.2 Traditionelle Medizinsysteme Guatemalas 34
4.1.3 Populärmedizin 35
4.2 Gesundheit und Krankheit 36
4.3 Emische Definitionen in Uaxactún 38
4.3.1 Krankheitsbezeichnungen 38
4.3.2 Gesundheit 40
4.3.3 Remedios caseros 41
4.3.4 Vertrauen: die Rolle des fe in Gesundheitsfragen 42
5. DAS DORF 43
5.1 Geschichtlicher Hintergrund: die wirtschaftliche Bedeutung des Petén 43
5.1.1 Chicle und Uaxactún 44
5.2 Geografie: die Lage Uaxactúns im Maya Biosphären Reservat 45
5.3 Dorfpolitik 47
5.4 Ethnien, Sprache und Familienstrukturen 47
5.5 Religion und Glaubensvorstellungen 48
5.6 Wasserversorgung 49
5.7 Soziale Verhältnisse: Dorfleben und Infrastruktur 51
5.8 Weitere ethnografische Daten 52
5.9 Lebensunterhalt 53
5.9.1 Feldbau 54
5.9.2 Waldarbeit 54
5.9.2.1 Chicle, Xate, Pimienta 55
5.9.2.2 Spezifische gesundheitliche Risiken bei der Waldarbeit 56
5.9.3 Weitere Einkunftsmöglichkeiten 57
6. DIE GESUNDHEITSVERSORGUNG 59
6.1 Schulmedizinisch orientierte Gesundheitszentren 59
6.2 H´men, Kräuterkundige, Heiler/-innen, Hebammen 60
6.3 Apotheken 62
6.4 „Offizielle“ Heilung in Uaxactún 62
6.4.1 Comadronas 62
6.4.2 Der Gesundheitsposten 64
7. DIE KRANKHEITEN UND IHRE BEHANDLUNG 66
7.1 Prä- und postkoloniale Krankheitserreger im mesoamerikanischen Raum unter besonderer Berücksichtigung von Influenza-Viren und Protozoen 66
7.2 Krankheiten und Heilungsalternativen in Uaxactún 68
7.2.1 Malaria 70
7.2.1.1 Heilungsmethoden und -dauer bei Malaria 71
7.2.1.1.1 Pharmaka 71
7.2.1.1.2 Heilpflanzen 72
7.2.2 Durchfallerkrankungen/ Enteroparasiten 72
7.2.2.1 Heilungsmethoden für Enteroparasiten und Diarrhö 73
7.2.2.1.1 Pharmaka 73
7.2.2.1.2 Heilpflanzen 74
7.2.3 Schwere Atemwegserkrankungen 74
7.2.3.1 Heilungsmethoden schwere Atemwegserkrankungen 75
7.2.3.1.1 Pharmaka 75
7.2.3.1.2 Heilpflanzen 75
7.2.4 Andere Symptome und Krankheiten 76
8. ENTSCHEIDUNGEN IM KRANKHEITSFALL 78
8.1 Heilung und Entscheidungsfindung: deskriptive Auswertung anhand von Fallbeispielen 79
8.1.1 Einleitung 79
8.1.2 Malaria 81
8.1.3 Grippe/Atemwegserkrankungen 83
8.1.4 Darmparasiten und empacho 86
8.1.5 Verbrennung 88
8.1.6 Schlangenbisse der Bothrops asper 89
8.1.7 Hautleishmaniose 91
8.2 Heilung und Entscheidungsfindung: Statistische Auswertung 92
8.2.1 Die Wahl der Heilmethoden und Entscheidungsfindung 93
8.2.3 Gründe der Entscheidungen 95
8.2.1 Informationsquellen des Heilwissens 97
8.3 Fazit 100
SCHLUSS UND AUSBLICK 103
LITERATURVERZEICHNIS 106
Literatur zu Bestimmung und Anwendung der Heilpflanzen (vgl. IV) 119
Literaturverzeichnis Internet 120
ANHANG 122
I. Hinweise zur Schreib- und Zitierweise der Arbeit 122
II. Fragebogen 123
IIa. Erläuterung der Interviewfragen und Klassifikationen der Antworten 124
Abb. I Maya-Biosphärenreservat mit Nationalparks, Biotopen und Schutzzonen 126
ABB. II Konzessionsgebiet der OMYC mit Waldcamps der Xateros 127
Abb III Karte von Uaxactún mit Häusern der Interviewpartner 128
Abb. IV + V. Hauptkrankheiten und -symptome Statistik des Puesto de Salud 129
IV. Ethnobotanik: Die Krankheiten und ihre pflanzliche Behandlung 130
IV.a Heilpflanzen Uaxactúns 131
V. Liste der zitierten und interviewten Personen 141
LEBENSLAUF 144

Automatisiert erstellter Textauszug:

Malaria130 ist nach modernem Wissensstand eine Krankheit der Alten Welt, die aus Europa und Afrika eingeführt wurde; darin ist sich die Fachliteratur überwiegend einig (VAN BLERKOM 1997:146, DUNN 1993:860). Das erste wirksame Heilmittel gegen Malaria kam hingegen aus der Neuen Welt, wo man um 1630 in Peru die Rinde der Gattung Cinchona (China-Rinde) mit dem aktiven Wirkstoff Chinin entdeckte. Schon bald darauf wurde die Rinde nach Europa und in Malariageplagte Kolonien in Südost-Asien exportiert. In Europa war zu jener Zeit die Malaria in nahezu jedem Land anzutreffen, daher war die Rinde sehr gefragt, auch für andere mit Fieber verbundene Krankheiten (ibid.). [...]

Durch die Anwesenheit von domestizierten Nutztieren ist ein präkoloniales Auftreten von Enteroparasiten in Form der heute vornehmlich pathogenen intestinalen Protozoenformen ebenfalls wahrscheinlich. Hier bieten nur wenige Funde von anaerob konservierten menschlichen Überresten einen Anhaltspunkt für sichtbare Beweise (BLACK 1975:515), da die Erreger keine Einwirkung am Skelett hinterlassen (RAMENOFSKY 1993:305). Ethnologische Vergleiche der Gesellschaftsstrukturen urbaner Zentren präkolonialer Hochkulturen mit heutigen Kulturen und Lebensgemeinschaften lassen ebenfalls die Hypothese zu, dass es schon in der Zeit vor dem Kontakt mit Europa Enteroparasiten gegeben haben muss. Die erwähnte Anämie ist eindeutig anhand von Knochenanalysen nachweisbar; diese Krankheit kann unter anderem auch auf Enteroparasiten zurückzuführen sein, so dass hier ein Hinweis auf die eventuelle präkoloniale Verbreitung von Parasiten zu finden ist (VERANO 1993:19). Newman geht davon aus, dass sowohl Protozoen (Endo- und Enteroparasiten, Leishmaniose) als auch Influenza-Viren bereits im präkolonialen Amerika vorhanden waren (1976:669, zitiert nach SAUNDERS, RAMSDEN UND HERRING 1993:118). VAN BLERKOM weist diesbezüglich darauf hin, dass bestimmte Zugvögel den Influenza A-Virus generell in sich tragen und dieser somit bereits vor der Kolonisation in Amerika hätte anwesend sein können, nur um durch eine neue Unterart des Virus mit Ankunft der Spanier ergänzt zu werden, welche daraufhin die ersten Epidemien zur Folge hatte (1997:145ff). Der überwiegende Konsens in der Literatur ist allerdings dahingehend, dass Influenza-Viren höchstwahrscheinlich erst von den Europäern in die Neue Welt eingeführt wurden (RAMENOFSKY 1993:322ff, CROSBY 1993:809). Dafür spräche auch, dass die Grippe nach heutigem Wissenstand als einer der Auslöser der ersten großen Epidemien in Amerika gilt, neben Pocken, Typhus und Masern (ibid., STANNARD 1993:40). Wäre schon ein GrippeStamm vor Ankunft der Europäer vorhanden gewesen, so wären die Epidemien sicherlich weniger stark dezimierend ausgefallen. Schwere Atemwegserkrankungen sowie gastro-intestinale Durchfallsyndrome gehören definitiv spätestens seit 1700 zu den Hauptkrankheitsursachen in Mittelamerika (KUNITZ 1993:329). Wie es sich mit bakteriell verursachten Erkältungen mit Fieber und Husten verhält, konnte anhand der Literatur nur indirekt evaluiert werden: BLACK gibt unter Berufung auf seine neuzeitlichen Forschungen isoliert lebender Ethnien im Regenwald Amazoniens zu bedenken, dass nach ethnomedizinischen Gesichtspunkten Epidemien bei ähnlich verstreut lebenden Gesellschaften in präkolonialer Zeit ausgeschlossen seien, da sich die Erreger nicht hätten ausbreiten können (1975:518). Diese Theorie würde jedoch dann die urbanen Zentren der altamerikanischen Hochkulturen ausklammern müssen. Schwere, durch Bakterien hervorgerufene Atemwegserkrankungen (z.B. Lungenentzündung), sind laut RAMENOFSKY mit großer Sicherheit schon vor Ankunft der Spanier aufgetreten, wobei aber auch diesbezüglich in der Fachliteratur einige Gegenstimmen laut werden (1993:322f). [...]

Es soll zunächst ein grober Überblick der geschichtlichen Bedeutung und Herkunft hauptsächlich der drei untersuchten Krankheitsbilder Malaria, Grippe und Enteroparasiten sowie deren Erreger im mesoamerikanischen Kontext gegeben werden. Mit diesem Hintergrundwissen lassen sich gegebenenfalls Rückschlüsse auf die Heilungsmethoden und die Entscheidungsfindung unter einem traditionell-historischen Gesichtspunkt ziehen. Die Kernfrage lautet diesbezüglich: Handelt es sich um Krankheiten der Alten Welt128 oder der Neuen Welt, deren Behandlung gegebenenfalls schon in vorspanischer Zeit mit traditionellen Heilpflanzen bzw. –methoden erfolgte, so dass für diese Krankheiten ein umfassenderes Heilpflanzenwissen bzw. eine traditionelle Heilungsvariante feststellbar ist? Forschungen bezüglich präkolonialer Krankheiten in der Neuen Welt beruhen auf einer Synthese darwinistisch-evolutionstheoretischer, ökologischer, mikrobiologischer, archäologischer, geschichtlich-quellenkundlicher bzw. ethnohistorischer sowie geografischer Untersuchungsmethoden (RAMENOFSKY [...]

Arbeit zitieren:
Priesnitz, Claudio Januar 2004: Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ethnomedizin, Ethnobotanik, Pharmaka, Maya-Biosphären-Reservat, alternative Medizin

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