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Begräbniszeremonien und Staatlichkeit am Beispiel Karls IV.

Begräbniszeremonien und Staatlichkeit am Beispiel Karls IV.
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Heila Lautenschläger
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 64 Seiten
  • Dateigröße: 445,5 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9631-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9631-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9631-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lautenschläger, Heila August 2001: Begräbniszeremonien und Staatlichkeit am Beispiel Karls IV., Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Begräbnis, Herrschaftskontinuität, Rituale, Effigies, Kulturgeschichte

Staatsexamensarbeit von Heila Lautenschläger

Einleitung:

Begräbniszeremoniell und Staatlichkeit – welchen Zusammenhang gibt es zwischen politischem Verständnis eines Königs und seinem Begräbnis ? Dieser Frage wird in der vorliegenden Examensarbeit exemplarisch nachgegangen.

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern die symbolische Sprache des Begräbniszeremoniells von Karl IV. ein Bild von einer bestimmten Ordnung entwirft.

Friedrich Bruck beschrieb die Einstellung des Menschen zum Tod mit den Worten: „[Wie] die Menschen sich zum Tode einstellen, bestimmt ihre Haltung gegenüber dem Leben“.

Somit läßt sich auch aus dem Begräbnis sehr viel über das Leben des Verstorbenen und seiner Umwelt ablesen. Welche Aussagen werden über „Staat“ und König im Begräbniszeremoniell getroffen? Was soll dem Publikum dieses öffentlichen Ereignisses und der Leserschaft der oben zitierten Aufzeichnungen mitgeteilt werden? Für die Beantwortung dieser Fragen ist die Betrachtung der Grablege Karls IV., der Aufbahrung, des Trauerzuges und des Opferganges bedeutsam. Insbesondere die Rolle von Ort und Wahl der Grablege wird dabei aber nur auf dem Hintergrund des Wissens um Karls Herrschafts- und Traditionsverständnis offenbar werden. Demzufolge soll dieses und das zeitgenössische Verständnis von König und Herrschaft hinführend erörtert werden.

Auch wenn der Charakter eines Zeremoniells vermuten läßt, daß sich daraus allgemeine Aussagen zu Königs-und Kaiserbegräbnisssen machen lassen, soll diese Arbeit nur konkret am Beispiel Karls IV. das Zeremoniell und die Funktion ihrer Bestandteile erschließen.

Gang der Untersuchung:

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich zunächst mit dem allgemeinen politischen Verständnis Kaiser Karls IV., wobei seine testamentarischen Verfügungen sowie die Wahl der Grablege eine große Rolle spielen. Gegenstand dieser Erörterung ist auch die Frage, ob Karl IV. sich in luxemburgischer oder premyslidischer Tradition sah.

Im weiteren Verlauf wird die Sterbe – und Begräbnisliturgie des Mittelalters kurz erläutert, um dann die Bedeutung der Begräbniszeremonie Karls IV. herauszuarbeiten.

Bei dieser Untersuchung bleibe ich sehr eng an den Primärquellen, bei denen es sich um Auszüge aus Chroniken in frühneuhochdeutscher und lateinischer Sprache handelt.

Im Mittelpunkt steht vor allem die Problemstellung der zwei Körper des Königs. In der Theorie folge ich hier den Gedankengängen von Ernst H. Kantorowicz. Aufbahrung und Prozession werden detailliert analysiert. Infolge meiner Forschung widerspreche ich vehement der bisherigen (Stand 2001) geschichtswissenschaftlichen Ansicht zum Thema Begräbniszeremonie im Wahlkönigtum, nach der das Begräbnis keine staatskonstituierende Bedeutung besitzt, und übertrage die Theorie von Ernst H. Kantorowicz nachweislich auf jenes gewählte Beispiel des Begräbnisses eines deutschen Königs.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Forschungsstand 5
3. Quellen zu Tod und Begräbnis Karls IV 7
4. Karl IV. und „Staatlichkeit“ am Ende des 14. Jahrhunderts 10
4.1 Politisch-religiöse Prägung der Jugendjahre 11
4.2 Erste politische Aktivitäten 12
4.3 Politische Ziele: Hausmacht und Residenz auf dem Weg zur Staatlichkeit 13
4.4 Die Goldene Bulle von 1356 15
4.5 „Corona Bohemiae“ 16
4.6 Die Krönungen Karls 17
4.7 König „dei gratia“ und Kaiser durch „translatio imperii“ 19
4.8 Testamentarische Verfügungen Karls 20
5. Eine dynastische Grablege im St. Veitsdom zu Prag 22
5.1 Kirchenbauten auf dem Prager Burgberg als Grabstätte premyslidischer Herrscher und ihrer Angehörigen 22
5.2 Die neue St.-Veit-Kathedrale 24
5.3 Begräbnisstätte von Karls Ehefrauen und die seiner Söhne 26
5.4 Premyslidisch oder königlich? 27
5.5 Grab und Grabmal Karls IV 29
6. Der Tod Karls IV 32
7. Sterbe- und Begräbnisliturgie 33
7.1 Die Buße 34
7.2 Die letzte Ölung 35
7.3 Kommunion 35
7.4 Waschung und Leichenpflege 35
7.6 Einbalsamierung 36
7.7 Ankleidung 37
8. Öffentliche Aufbahrung 39
8.1 Die Effigies 41
8.2 Repräsentation 42
8.3 Der politische Körper Karls IV. 43
9. Prozession 44
9.1 Prozessionsteilnehmer 46
9.2 Prozessionsweg 50
10. Opfergang 52
11. Das Begräbnis 55
12. Gedächtnismesse zum Tode Karls IV 56
13. Schlußbemerkungen 57
Anhang 60
Quellen und Literaturverzeichnis 60

Automatisiert erstellter Textauszug:

zu werden: „(...) deus alme precor meus astra subintret.“192 Die Betrachter bittet er in aller Deutlichkeit um Fürbitte, denn so kann „anima eius requiescat in sancta pace“.193 Wenn Karl IV. an der Gestaltung seines Grabmals mitgewirkt haben sollte, so liegt die Begründung dafür meiner Meinung nach nicht in seinem, von vielen Autoren überbetonten Repräsentationsbedürfnis. Karl IV. hat sich, wie Horst Fuhrmann so schön beschreibt, was Reliquien anging „geradezu arm gekauft“.194 Dies hat er gewiß nicht aus politischen Erwägungen heraus getan. Ein stark religiöser Mensch wie Karl IV., ist sicher um sein Seelenheil in besonderer Weise bemüht gewesen. Diesen Umstand sehe ich als wesentliche Begründung für eine mögliche Einflußnahme seinerseits auf die Planung seines Grabes und Grabmales und eventuell auch auf seine Begräbnisfeierlichkeit an. Diese Überlegungen bleiben jedoch spekulativ. Borgolte gibt zu bedenken, daß die Gestaltung von Grabmälern häufig nicht nur auf Planung und Wunsch des Verstorbenen beruhte, sondern „Ausdruck einer Mentalität [war], die der Tote mit einem engeren Kreis von Vertrauten oder mit sozialen Großgruppen teilte“.195 6. Der Tod Karls IV. [...]

wurde.185 Der erste Herausgeber der Leichenpredigt, Josef Emler, datiert sie auf den Zeitraum zwischen dem 15. Dezember 1378 und dem 12. Januar 1379, wobei er eher das erste Datum in Erwägung zieht.186 Aber in der Forschung wird nicht nur das Datum, sondern auch ihr Verfasser angezweifelt. Emler hat die Predigt Johann V., dem Prager Erzbischof, zugeschrieben. Die Rede kommt jedoch auch in den Predigtsammlungen Johann von Jensteins, dem nachfolgenden Erzbischof, vor. Deshalb nimmt Jaroslav Kadlec an, daß die Autorenschaft eher Johann von Jenstein zuzuordnen ist.187 Der in der Rede zitierte Wortlaut des Epitaphs ist folgender: „Anno mill. Trecen. LXXVIII, tercia Kal. Decembris Quartus ego Carolus magni quondam tremor orbis, Cesar et invictus, modo victus morte, sub ista Fossa tegor, deus alme precor meus astra subintret. Spiritus, o cunti, pro me pia solvite vota, Quos moriens liqui, quos vivens optime fovi. Et sic anima eius requiescat in sancta pace.“188 Die Aussage von epigrahischen Inschriften bewegt sich im allgemeinen inhaltlich zwischen „gläubiger Demut in Erwartung dessen, was kommt, und dem Wunsch nach Repräsentation, dem Festhalten der persönlichen Individualität zum bleibenden Gedenken und der bloßen Identifikation der menschlichen Überreste“.189 Genannt wird der Name des Verstorbenen mit Erweiterungsangaben (Angaben zum Stand), der Todestag und ein Appell an den Passanten in Form einer Bitte um Gebet oder einer Mahnung. Somit diente das Grabmal dazu, die Memoria immer wieder neu zu initiieren.190 Es wird in der Inschrift nur das Todesdatum, nicht auch das Geburtsdatum, erwähnt. Für das jährliche Gedenken (Anniversarium) ist auch nur der Todestag von Bedeutung. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist er der Geburtstag für den Himmel. Er ist feierlich mit Glockengeläute, Kerzen, Vigilien, Messen, Besuch des Grabes und mit der commentatio animae sowie den üblichen Gebeten zu begehen.191 Im Epitaph des Grabmals Karls IV. sind mehre Formulierungen sehr aufschlußreich. Der unbesiegbare Kaiser wurde nur durch den Tod besiegt. Diese Sicht auf den Tod bringt das Todesbild des Spätmittelalters sehr zum Ausdruck. Hier sei nur auf die Darstellungen des Totentanzes (dance macabre) verwiesen, die veranschaulichen, daß alle dem Tod ausgeliefert sind, auch die Mächtigen. Der Kaiser bittet Gott, in den Himmel eingelassen [...]

Über der Gruft Karls IV. befand sich ein Grabmal. Aber weder das Grabmal noch eine Abbildung blieben erhalten.177 Der Theologe und Geschichtsschreiber, Thomas Ebendorfer, beschreibt in seiner Chronik die Grabstätte Karls: „Tandem vero Karolus (...) anno domini MCCCLXXVIII (postquam XXXII annis administravit imperium) Prage rebus excessit humanis, sepultus in ecclesia kathedrali ante aram sancti Viti in regio mausoleo, quadris lapidibus structo et ad duorum pedum altitudinem a pavimento in sursum elevato, desuper ferreo munito cancello, quod et ego in tribus locis ruptum et apertum et per quorundam furiam conspexi temeratum.“178 Nach diesem Bericht handelte es sich also um ein eher prunkloses Grabmal mit einem Eisengeländer. Σmahel nimmt an, daß es sich bei diesem Grabmal um ein provisorisches gehandelt haben muß, das später durch einen repräsentativen Sarkophag ersetzt werden sollte, wozu es aber nicht mehr kam.179 Meyer übersieht die zitierte Quelle offensichtlich ganz, denn er geht davon aus, „daß es [das Grabmal] ähnlich prunkvoll war, wie die erhaltenen Przemyslidengrabmäler.“180 Ein Grabmal konnte eine einfache Grabplatte auf dem Sarkophag, eine Grabstele (meist mit Kreuz), die sich zum Grabkreuz oft aus Stein (mit oder ohne Inschrift) entwickelte, eine Personendarstellung in einer Tumba integriert, ein Hochgrab oder ein Baldachin mit Epitaph sein.181 Edgar Hertlein erwähnt in seinem Aufsatz zum Grabmal Friedrich III., daß es sich bei Karls Grabmal um ein Grabmal mit Baldachin handelte, jedoch ohne seine Quelle zu nennen.182 Das Grabmal Karls war am Schlußtag der Bestattung bereits fertig, davon gehen Σmahel und Meyer mit Sicherheit aus.183 Σmahel sieht den Beweis für diese Behauptung in einem Epitaph (einer Grabschrift), das damals zu Ehren Karls IV. in das Grabmal eingehauen wurde. Dessen Wortlaut wurde nämlich in der Grabrede zitiert, von der Σmahel annimmt, daß sie am Tag der Beerdigung gehalten wurde.184 Bedenkt man die wohl nötige Herstellungszeit, wird klar, daß die Arbeit am Grabmal noch zu Lebzeiten Karls begonnen wurde. Das wiederum läßt ein Mitwirken Karls als wahrscheinlich erscheinen. Diese Grabrede ist jedoch keineswegs so beweiskräftig, wie Σmahel meint. Der in ihr zitierte Wortlaut beweist lediglich, daß es eine Inschrift gegeben hat und mit ihr ein Grabmal. Der Zeitpunkt, an dem diese Rede gehalten wurde, ist dagegen durchaus umstritten und damit auch der Zeitpunkt, an dem das Grabmal erstellt wurde. Bansa erwähnt in der Veröffentlichung der Leichenpredigten Heinrich von Wildensteins, daß die Rede des Erzbischofs Johann Vla imi (Johann Oχko von Vla im) erst am 12. Januar 1379 gehalten wurde. Dies begründet er mit der Form, in der das Publikum angesprochen [...]

Arbeit zitieren:
Lautenschläger, Heila August 2001: Begräbniszeremonien und Staatlichkeit am Beispiel Karls IV., Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Begräbnis, Herrschaftskontinuität, Rituale, Effigies, Kulturgeschichte

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