Begegnungsstätte Bauernhof
Ein sozialpädagogischer Lösungsansatz für eine entfremdete Gesellschaft im 21. Jahrhundert
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marion Hens
- Abgabedatum: Januar 2010
- Umfang: 101 Seiten
- Dateigröße: 2,5 MB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Düsseldorf Deutschland
- Bibliografie: ca. 79
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0665-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hens, Marion Januar 2010: Begegnungsstätte Bauernhof, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Entfremdung, Marx, Fromm, Soziale Landwirtschaft, Bauernhof
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Diplomarbeit von Marion Hens
Einleitung:
Diese Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Entfremdung aus soziologischer und psychologischer Sicht, seiner Auswirkung und der Skizzierung eines Weges, ihm im Rahmen der sozialpädagogischen Intervention zu entgehen bzw. sich dessen Einfluss zu entziehen.
Stellen wir uns einen Tag in der Woche eines gewöhnlichen Angestellten in Deutschland vor. Er geht früh morgens zu seiner Arbeit, die er in der Regel nicht machen würde, wenn er kein Geld dafür bekommen würde. Er verrichtet seine Arbeit routinemäßig, jedoch ohne Hingabe, da die Ziele der Arbeit nicht die seinen sind. Wenn er abends nach Hause kommt, dann möchte er den anstrengenden Arbeitstag schnell vergessen und sucht sich Unterhaltung, die keinerlei weitere Anstrengung verursacht, da seine Energiereserven erschöpft sind. Diese Unterhaltung findet er meist beim fernsehen. Am nächsten Tag wiederholt sich diese Prozedur.
So einen Tag erleben viele Menschen. Sie leben routiniert und gehen ihren Pflichten nach. Doch wer sagt ihnen, welche Pflichten sie zu erfüllen haben? Wäre es möglich, dass sie den falschen Pflichten nachkommen?
Wie könnte der Tag eines Menschen aussehen, an dem er Dinge tut, die ihm aus persönlichen Gründen wichtig sind und ihn mit tiefer Freude erfüllen?
Ich denke, viele Menschen fühlen sich heutzutage entfremdet, oder anders gesagt, sie sind nicht mit voller Anteilnahme an ihrem eigenen Leben beteiligt. Daher stelle ich folgende These auf: ‘Die Menschen wissen heute nicht mehr, wer sie sind. Dies hat schwerwiegende Folgen für sie und ihre Umwelt.’ Zuerst werde ich versuchen anhand von Jaeggi und Marx darzustellen, was der Begriff ‘Entfremdung’ bedeutet. Wie fühlt sich ein entfremdeter Mensch? Woran merkt man, dass man entfremdet ist? Diese Fragen werden im ersten Teil des ersten Kapitels erörtert. Im zweiten Teil wird anhand von Marx erklärt, wie es zur Entfremdung gekommen sein könnte. Daraufhin wird im dritten Teil anhand der Theorie von Fromm über die ‘Situation des Menschen’ das Wesen des Menschen erläutert, um eine Idee zu bekommen, was der Unterschied zwischen ‘normal’ und ‘entfremdet’ sein könnte. Im zweiten Kapitel folgt eine Abhandlung über die Situation der Entfremdung im 21. Jahrhundert und ihrer Auswirkung auf die Menschen und die Umwelt. Dies ist der erste Teil der Arbeit und stellt die theoretische Grundlage über die Entfremdungsproblematik dar, auf die der zweite Teil aufgebaut ist.
Im zweiten Teil werde ich anhand von bereits vorhandenen und eigenen Ideen sozialpädagogische Handlungsmöglichkeiten beschreiben, die dem Phänomen der Entfremdung entgegenwirken können. Angefangen mit der Darstellung der sozialen Landwirtschaft und dem diesbezüglichen aktuellen Stand der Dinge, gehe ich über zu einer ihrer besonderen Formen, der Jugendfarm. Es folgt eine detaillierte Beschreibung darüber, was man sich unter einer Jugendfarm vorzustellen hat und wie sie konzeptionell aufgebaut ist. Im nächsten Punkt möchte ich die Idee einer ‘Begegnungsstätte Bauernhof’ entwerfen. Das Konzept der Begegnungsstätte Bauernhof ist dem der Jugendfarm ähnlich. Der Unterschied ist eine Bereicherung durch eine zusätzliche Methode, die auf die Entfremdungsproblematik zugeschnitten ist.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 1.1 | Themavorstellung | 4 |
| 1.2 | Vorgehensweise | 5 |
| 2. | Die Entfremdung und die menschliche Situation | 6 |
| 2.1 | Definitionen | 6 |
| 2.2 | Entfremdungstheorie nach Karl Marx | 8 |
| 2.3 | Das Wesen oder die ‘Situation des Menschen’ nach Erich Fromm | 9 |
| 3. | Heutige Situation: Entfremdung. | 18 |
| 3.1 | von sich selbst | 18 |
| 3.1.1 | Marketing-Charakter | 18 |
| 3.1.2 | Haben und Sein | 20 |
| 3.1.3 | Stadtkinder, Naturabenteuer und Medienkonsum | 21 |
| 3.2 | von anderen Menschen | 23 |
| 3.2.1 | Individualisierung | 23 |
| 3.2.2 | Mann-Frau-Konflikt | 29 |
| 3.2.3 | Generationenkonflikt | 30 |
| 3.3 | Auswirkungen auf die Tiere und die Natur | 31 |
| 3.3.1 | Tierausbeutung | 32 |
| 3.3.1.1 | Schweine-Intensivtierhaltung | 32 |
| 3.3.1.3 | Tierversuche | 36 |
| 3.3.2 | Zerstörung der Natur/Umwelt | 38 |
| 4. | Zusammenfassung und Überleitung | 40 |
| 4.1 | Zusammenfassung | 40 |
| 4.2 | Überleitung | 42 |
| 5. | Die soziale Landwirtschaft | 43 |
| 5.1 | Was ist ‘Soziale Landwirtschaft’? | 43 |
| 5.2 | Internationale Projekte, Organisationen | 44 |
| 5.3 | Nationale Projekte, Organisationen | 49 |
| 6. | Die Jugendfarm | 51 |
| 7. | Zusammenfassung und Überleitung | 57 |
| 7.1 | Zusammenfassung | 57 |
| 7.2 | Überleitung | 57 |
| 8. | Begegnungsstätte Bauernhof | 58 |
| 8.1 | Methode: Tiergestützte Intervention | 58 |
| 8.1.1 | Kurze Einführung | 58 |
| 8.1.2 | Formen der Tiergestützten Intervention | 59 |
| 8.1.3 | Wirkungen von Tieren auf den Menschen | 61 |
| 8.1.4 | Beispiel: Tiergestützte Intervention mit einem Esel | 65 |
| 8.2 | Methode: Ökologisch-landwirtschaftliches Arbeiten | 68 |
| 8.3 | Methode: Künstlerisch-handwerkliches Arbeiten | 70 |
| 8.4 | Methode: Übung in der Kunst des Liebens nach Erich Fromm | 71 |
| 9. | Fazit | 75 |
| 9.1 | Zusammenfassung | 75 |
| 9.2 | Schlussbetrachtung | 76 |
| Quellenangaben | 78 | |
| Literatur | 78 | |
| Bilder, Grafiken | 87 | |
| Anhang | 88 | |
| Weitere Informationen im Internet | 88 | |
| Ausbildung, Weiterbildung, Studium, Lehrgang zum Thema ‘Tiergestützte Pädagogik’ | 90 | |
| Informationsquellen zu Schulbauernhöfen in Deutschland | 94 | |
| Adressen von Jugendfarmen in Deutschland (Homepage u. e-mail) | 95 |
Textprobe:
Kapitel 3.2.1, Individualisierung:
‘Individualisierung bedeutet, dass das Individuum zentraler Bezugspunkt für sich selbst und die Gesellschaft wird.’ Durch die Individualisierung steht also nicht mehr die Gesellschaft im Mittelpunkt, sondern der einzelne Mensch. Ein Beispiel dafür sind die Menschenrechte, welche für jeden einzelnen Menschen auf der Welt gelten, egal welcher Gemeinschaft er angehört. Die heute sehr weit fortgeschrittene Individualisierung hat für die Menschen der Industrienationen Vorteile, aber auch Nachteile. Die Menschen sind befreit von den Zwängen der Traditionen. Sie können selbst entscheiden, z.B. welchen Beruf sie ergreifen möchten oder welche Lebensform sie bevorzugen, z. B. ob Eheleben oder Singledasein. Es gibt keine traditionelle Vorherbestimmtheit mehr, jeder ist frei selbst zu bestimmen, wie er leben möchte.
Andererseits hat der Mensch heute nicht nur die Wahl zu entscheiden, sondern er muss sich entscheiden. Das kann auch eine große Last für das Individuum sein. Jeder ist verantwortlich für alles, was er tut und muss sich selbstständig um die Tätigkeiten seines Lebens und die Erfüllung seiner Wünsche kümmern. Das bedeutet, dass jeder auch die mehr oder weniger großen Risiken seiner Entscheidungen zu tragen hat. Im 21. Jahrhundert ist das individuelle Risiko, das es zu tragen gilt, aber nicht mehr das einzige Problem, das auf dem Individuum lastet.
Der ‘schwere’ Kapitalismus, der Fordismus, war die bisher höchstspezialisierteste Form ‘ordnungsorientierter Sozialplanung’. Alles war geplant, nichts wurde dem Zufall überlassen. Die strikte Ordnung hat sich in der Postmoderne, im ‘leichten’ Kapitalismus aufgelöst. Es gibt nun nicht mehr ein von oben angeordnetes Ziel, sondern es gibt eine Unmenge an Zielen. Die Individuen müssen nun nicht mehr überlegen, mit welchem Mittel sie ‘das’ Ziel erreichen können, sondern welches Ziel sie überhaupt erreichen wollen.
Ebenfalls im Überfluss ist die Anzahl der Risiken, auf die sich ein Mensch, der heutzutage geboren wird, einstellen muss. Wir leben in einer Risikogesellschaft, in der es nicht mehr um die Verteilung von Reichtümern, sondern von den durch die technisch-ökonomische Entwicklung mitproduzierten Risiken geht. Die elementaren Bedürfnisse der Menschen in den industrialisierten Ländern sind in der fortgeschrittenen Moderne weitgehend befriedigt, die Natur ist unterworfen. Nun geht es darum, wie mit den Folgen dieser Entwicklung, der Umweltzerstörung, der Atomkraft, der Gentechnik, etc. umgegangen werden soll, und zwar möglichst (oder ausschließlich) ohne die weitere Entwicklung des technisch-ökonomischen Fortschritts zu behindern.
Vor der Moderne gab es auch Risiken, jedoch waren diese von individueller Art. Früher setzte man sich dem Risiko aus, von einem Pferd zu fallen oder sich als Handwerker den Daumen zu brechen. Alle durch die Modernisierung entstandenen Risiken (Atombombe, Umweltverschmutzung, Gift in Nahrungsmitteln...) sind von globaler Auswirkung und man kann sich als Einzelner nicht davor schützen. Außerdem sind sie nicht unmittelbar durch menschliche Sinne erfahrbar. Entweder wird man aufgeklärt und ist sich dadurch der Risiken bewusst, oder man bekommt davon überhaupt nichts mit, solange das Risiko nur ein Risiko bleibt.
Die Risiken der entwickelten Moderne sind global, führen meist zu irreversiblen Schäden jeglichen Lebens auf der Welt. Sie sind nur über kausale Interpretationen zu erkennen, entziehen sich ansonsten gänzlich der menschlichen Wahrnehmung.
Neu ist auch der in den heutigen Risiken enthaltene ‘Bumerang-Effekt’. Die Risiken können von den Verursachern nicht abgeschoben werden, z. B. in arme Länder nach Afrika oder Asien. Die Verursacher sind früher oder später genauso betroffen wie alle anderen Menschen der Erde auch. Somit machen die modernen Risiken keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, Ober- und Unterschicht.
Die Risikogesellschaft steht nicht nur vor großen ökologischen, sondern auch sozialen Problemen. Diese entstanden durch die Herauslösung der Individuen aus ihren traditionellen sozialen Verhältnissen im Zuge der Industrialisierung. In diesen traditionellen Verhältnissen war jedem Mensch von Geburt an ein bestimmter Platz zugewiesen. Heute werden die Wahlmöglichkeiten der Menschen immer vielfältiger, man hat die ‘Qual der Wahl’. Daher steht die Soziale Arbeit vor einer Menge neuen Aufgaben. Zwei Sorten sozialer Risiken sind:
1. Begleiterscheinung der Weiterentwicklung der Industriegesellschaft.
2. Dadurch entstandene neue soziale Wahl- und Handlungsmöglichkeiten.
zu 1: Junge Menschen müssen sich heutzutage für einen Beruf entscheiden ohne die Folgen absehen oder gar steuern zu können. Macht ein Jugendlicher eine Ausbildung in einem bestimmten Beruf, so ist es überhaupt nicht sichergestellt, dass er später auch einen Job findet. Jede Berufswahl ist also mit einem hohen Risiko und großer Unsicherheit verbunden.
zu 2: Stärker auf eigenes soziales Handeln bezogen sind Entscheidungen, welche man heutzutage treffen kann, aber nicht muss. Keine Entscheidung ist heutzutage mehr mit Gewissheit auf Dauer und Sicherheit zu treffen. Heirat, Wahl des Berufes, Kauf einer Eigentumswohnung.
Dieser permanenter Entscheidungszwang gepaart mit hoher Unsicherheit führt zu psycho-sozialen Krisen. Früher gab es Sicherungssysteme, die sich heutzutage Schritt für Schritt auflösen, z. B. die Familie mit ihren tradierten Lebensformen, oder die (Lohn-)Arbeit als sozial-integratives Element für Männer. Jeder muss sich heutzutage um sein eigenes Leben kümmern und es planen. Es gibt keine traditionell überlieferten Vorgaben mehr. Somit erhöhen sich im Umkehrschluss auch die Risiken für jeden Einzelnen. Jeder kann mit der Planung und Umsetzung seines Werdegangs scheitern. Die Unsicherheit überträgt sich auch auf zwischenmenschliche Beziehungen. Daher ist heutzutage ein größeres Wissen über soziale Zusammenhänge notwendig. Hier ist die Soziale Arbeit gefragt, denn sie kann als neue Sicherheitsinstanz fungieren.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842806658
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Schlagworte:
Entfremdung, Marx, Fromm, Soziale Landwirtschaft, Bauernhof



