Bedingungen für kooperatives Verhalten in Unternehmen
Betrachtungen aus Sicht von Spieltheorie und Sozialpsychologie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Florian Ebert
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 137 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Aschaffenburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8106-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8106-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8106-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ebert, Florian März 2004: Bedingungen für kooperatives Verhalten in Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Extra-Rollenverhalten, Interdependenztheorie, Organizational Citizenship Behavior, Chicken Game, Gefangenendilemma
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Diplomarbeit von Florian Ebert
Zusammenfassung:
In der vorliegenden Diplomarbeit werden aus der Spieltheorie und ausgewählten sozialpsychologischen Theorien Bedingungen abgeleitet, wie das kooperative Verhalten der Mitarbeiter durch die Unternehmensführung gefördert werden kann. Kooperatives Verhalten geht in dieser Arbeit über den Willen der Mitarbeiter zur Kooperation mit Kollegen hinaus. Es umfasst ferner die Summe aller Verhaltensweisen, die sich positiv auf die Organisation auswirken, vom Mitarbeiter freiwillig gezeigt werden und nicht in Stellenbeschreibungen fixiert werden können. Es ist somit weitgehend synonym zu Begriffen wie Extra-Rollenverhalten, Arbeitsengagement aus freien Stücken, Organizational Citizenship Behavior (OCB) oder Organizational Spontaneity (OS).
In Kapitel 2 erfolgt eine Dimensionierung der kooperativen Verhaltens-weisen sowie ein Vergleich mit den Konzepten des OCB von Organ und der OS von George/ Brief. Im Anschluss daran wird der Fokus auf unkooperative Verhaltensweisen in Unternehmen gelegt, die durch die Förderung von kooperativen Verhaltensweisen eingedämmt werden können.
Die spieltheoretischen Grundlagen sowie diverse Lösungskonzepte werden in Kapitel 3 dargestellt und auf Bedingungen für kooperatives Verhalten untersucht.
Im 4. Kapitel werden aus der Vielzahl von sozialpsychologischen Verhaltenstheorien die Lerntheorie von Skinner, die Austausch- und Interdependenztheorie von Kelley/ Thibaut sowie zwei gerechtigkeits-theoretische Ansätze vorgestellt, um daraus Bedingungen für kooperatives Verhalten abzuleiten. Das Kernstück dieses Kapitels bildet die Austausch- und Interdependenztheorie aufgrund Ihrer Ähnlichkeit zur Spieltheorie, was einen Vergleich ermöglicht. Die Lerntheorie wurde ausgewählt, da sie die geistige Grundlage für die Austauschtheorie bildet, die Gerechtigkeitstheorie, weil sie sowohl lern- als auch austausch-theoretische Elemente beinhaltet und durch den Vergleich mit anderen Personen eine erweiterte Sichtweise auf das individuelle Verhalten bietet.
Insgesamt werden in diesem Kapitel mehr als 20 Bedingungen für kooperatives Verhalten aus den verschiedenen Theorien abgeleitet.
Das Herzstück dieser Arbeit bildet das 5.Kapitel: hierin werden die bekannten Spiele „Gefangenendilemma“, „Kampf der Geschlechter“ und das „Chicken Game“ mithilfe von Instrumentarien analysiert, wie sie theoretisch in Kapitel 3 bzw. 4 vorgestellt wurden. Darüber hinaus wird spieltheoretisch bzw. sozialpsychologisch fundiert, mit welchen Maßnahmen Kooperation bzw. kooperatives Verhalten im Unternehmen in den speziellen Situationen gesichert werden kann.
Im letzten Kapitel werden die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen erwähnt sowie anhand eines Beispiels dargestellt, wie die abgeleiteten Bedingungen für kooperatives Verhalten in japanischen Unternehmen umgesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | VIII | |
| Abkürzungsverzeichnis | IX | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Kooperatives Verhalten | 3 |
| 2.1 | Dimensionen des kooperativen Verhaltens | 3 |
| 2.1.1 | Aufgabenerfüllung | 3 |
| 2.1.2 | Helfendes Verhalten | 4 |
| 2.1.3 | Persönliche Initiative | 6 |
| 2.1.4 | Toleranz gegenüber Unannehmlichkeiten | 7 |
| 2.2 | Abgrenzung zu OCB und OS | 7 |
| 2.3 | Ausprägungen unkooperativen Verhaltens in Unternehmen | 9 |
| 2.3.1 | Konflikte | 9 |
| 2.3.2 | Innere Kündigung | 12 |
| 2.3.3 | Mobbing | 13 |
| 2.3.4 | Sabotage | 14 |
| 3. | Kooperatives Verhalten in der Spieltheorie | 15 |
| 3.1 | Grundlagen der Spieltheorie | 15 |
| 3.1.1 | Gegenstand der Spieltheorie | 15 |
| 3.1.2 | Strategie | 16 |
| 3.1.3 | Der Nutzenbegriff | 17 |
| 3.1.4 | Typologie der Spiele | 17 |
| 3.1.4.1 | Zweipersonen- vs. n-Personenspiele | 18 |
| 3.1.4.2 | Nullsummen- vs. Nicht-Nullsummenspiele | 18 |
| 3.1.4.3 | Spiele mit vollständiger vs. unvollständiger Information | 18 |
| 3.1.4.4 | Statische vs. dynamische Spiele | 19 |
| 3.1.4.5 | Nicht-kooperative vs. kooperative Spiele | 20 |
| 3.1.5 | Darstellung der Spiele | 21 |
| 3.2 | Spieltheoretische Lösungskonzepte | 23 |
| 3.2.1 | Dominante Strategien | 23 |
| 3.2.2 | Maximinlösung | 24 |
| 3.2.3 | Gleichgewichtslösungen | 25 |
| 3.2.3.1 | Nash-Gleichgewicht in reinen Strategien | 26 |
| 3.2.3.2 | Nash-Gleichgewicht in gemischten Strategien | 27 |
| 3.2.3.3 | Gleichgewicht in korrelierten Strategien | 29 |
| 3.2.3.4 | Verfeinerungen des Nash-Gleichgewichts | 31 |
| 3.3 | Bedingungen für kooperatives Verhalten in der Spieltheorie | 32 |
| 4. | Kooperatives Verhalten in der Sozialpsychologie | 36 |
| 4.1 | Gegenstand der Sozialpsychologie | 36 |
| 4.2 | Bedingungen für kooperatives Verhalten in ausgewählten sozialpsychologischen Verhaltenstheorien | 38 |
| 4.2.1 | Lerntheorie von Skinner | 38 |
| 4.2.1.1 | Grundlagen | 39 |
| 4.2.1.2 | Verstärkerpläne | 39 |
| 4.2.1.3 | Lernen in Gruppen | 40 |
| 4.2.1.4 | Internalisierung | 42 |
| 4.2.1.5 | Bedingungen für kooperatives Verhalten | 43 |
| 4.2.2 | Austausch- und Interdependenztheorien | 47 |
| 4.2.2.1 | Die Austauschtheorie von Kelley/ Thibaut | 47 |
| 4.2.2.1.1 | Grundlagen | 47 |
| 4.2.2.1.2 | Die Ressourcentheorie | 48 |
| 4.2.2.1.3 | Ergebnis- und Verhaltenskontrolle | 49 |
| 4.2.2.1.4 | Aussagen der Theorie | 50 |
| 4.2.2.1.5 | Abgrenzung zur Spieltheorie | 51 |
| 4.2.2.2 | Die Interdependenztheorie | 51 |
| 4.2.2.2.1 | Die effektive Matrix | 52 |
| 4.2.2.2.2 | Der Transformationsprozess | 52 |
| 4.2.2.2.2.1 | Interpersonale Dispositionen | 53 |
| 4.2.2.2.2.2 | Beziehungsspezifische Motive | 54 |
| 4.2.2.2.2.3 | Soziale Normen | 55 |
| 4.2.2.2.3 | Mathematische Analysen der Matrix | 56 |
| 4.2.2.2.3.1 | Komponente der Interdependenzmatrix | 56 |
| 4.2.2.2.3.2 | Zerlegung der Interdependenzmatrix | 57 |
| 4.2.2.2.4 | Aussagen der Interdependenztheorie | 60 |
| 4.2.2.3 | Bedingungen für kooperatives Verhalten | 61 |
| 4.2.3 | Gerechtigkeitstheorien | 69 |
| 4.2.3.1 | Die Equity-Theorie von Walster et al. | 69 |
| 4.2.3.1.1 | Grundlagen der Equity-Theorie | 69 |
| 4.2.3.1.2 | Auswirkungen von Unausgewogenheit | 71 |
| 4.2.3.1.3 | Kritik an der Equity-Theorie | 72 |
| 4.2.3.2 | Verfahrensgerechtigkeit | 73 |
| 4.2.3.3 | Bedingungen für kooperatives Verhalten | 74 |
| 5. | Bedingungen für kooperatives Verhalten in strategischen Situationen | 80 |
| 5.1 | Koordinationssituationen | 80 |
| 5.1.1 | Koordinationsspiel | 80 |
| 5.1.1.1 | Darstellung | 80 |
| 5.1.1.2 | Spieltheoretische Lösung | 81 |
| 5.1.1.3 | Sozialpsychologische Lösung | 83 |
| 5.1.1.4 | Resümee | 83 |
| 5.1.2 | Kampf der Geschlechter | 85 |
| 5.1.2.1 | Darstellung | 85 |
| 5.1.2.2 | Spieltheoretische Lösung | 86 |
| 5.1.2.3 | Sozialpsychologische Lösung | 86 |
| 5.1.2.4 | Resümee | 87 |
| 5.2 | Dilemmasituationen | 89 |
| 5.2.1 | Gefangenendilemma | 89 |
| 5.2.1.1 | Darstellung | 89 |
| 5.2.1.2 | Spieltheoretische Lösung | 92 |
| 5.2.1.3 | Sozialpsychologische Lösung | 94 |
| 5.2.1.4 | Resümee | 98 |
| 5.2.2 | Chicken - Spiel | 100 |
| 5.2.2.1 | Darstellung | 100 |
| 5.2.2.2 | Spieltheoretische Lösung | 102 |
| 5.2.2.3 | Sozialpsychologische Lösung | 103 |
| 5.2.2.4 | Resümee | 104 |
| 6. | Vergleich und Zusammenfassung | 106 |
| Literaturverzeichnis | 113 |
Einführung von Gruppenarbeit Eine bessere Befriedigung dieser Bedürfnisse kann durch die Integration von Gruppenarbeit in die reguläre Arbeitsorganisation wie bspw. durch das Konzept von teilautonomen Arbeitsgruppen gelingen.436 Hierbei wird die Erstellung eines kompletten (Teil-)Produkts oder einer Dienstleistung auf eine dafür verantwortliche, kleine Gruppe von 3 – 10 MA übertragen, was durch die Verknüpfung von Job Enlargement,437 Job Enrichment438 und Job Rotation439 zu einer Humanisierung der Arbeit und einer höheren Produktivität und Flexibilität führen soll.440 Durch die damit einhergehende Abschaffung von Stellenbeschreibungen kommt dem ERV eine noch entscheidendere Bedeutung für die Funktionsfähigkeit der Organisation zu als vor einer solchen Umstrukturierung.441 Bei der Einführung solcher Strukturveränderungen wird von der Unternehmensleitung häufig eine „Bombenwurf-Strategie“ gewählt.442 Dabei werden die neuen Strukturen mithilfe von externen Beratern ohne Mitsprachemöglichkeiten und Qualifizierungsmaßnahmen der MA implementiert, was aufgrund der geringen Akzeptanz der MA zu Konflikten führt.443 Die Akzeptanz wird zumeist weiter reduziert, da die meisten Konzepte der Einführung der Gruppenarbeit nicht auf die Humanisierung der Arbeit abzielen, sondern als Instrument im Rahmen des Lean Managements die Kosten der Organisation senken sollen, um flexibler auf Marktveränderungen reagieren zu können. Aus diesem Grund kann die Einführung von Gruppenarbeit nur gelingen (und eine Bedingung für kooperatives [...]
Unterstützung durch die Organisation zeigen.430 Diese wahrgenommene Unterstützung schlägt sich in der Arbeitszufriedenheit der MA nieder, was der am intensivsten untersuchte Einflussfaktor auf ERV ist, wobei in den meisten empirischen Untersuchungen ein signifikanter Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und ERV festgestellt werden konnte.431 Gemäß der Austauschtheorie von Kelley/ Thibaut kann argumentiert werden, dass mit wachsender Zufriedenheit mit der Arbeit die Motivation eines MA zum Austausch steigt, was sich wiederum in kooperativem Verhalten niederschlägt. Eine hohe Zufriedenheit mit der Arbeit fördert darüber hinaus das kooperative Verhalten unabhängig von der Reziprozitätsnorm, da die Alternativen zur bestehenden Arbeitsbeziehung mit steigender Arbeitszufriedenheit schlechter bewertet werden. Hohe Arbeitszufriedenheit Die Zufriedenheit eines MA mit der Arbeit in der Organisation ist von zahlreichen Faktoren abhängig, die in der Motivationsliteratur ausgiebig behandelt werden, von denen jedoch in den folgenden Abschnitten nur die wichtigsten exemplarisch herausgegriffen werden.432 Dies ist inhaltlich gerechtfertigt, da in Untersuchungen festgestellt wurde, dass trotz der vielfältigen Facetten der Arbeit ein MA in seiner Zufriedenheitsreaktion keine feine Differenzierung trifft: ist er mit einem wichtigen Aspekt seiner Arbeit sehr zufrieden, so ist er mit anderen Aspekten nur selten unzufrieden.433 Die wichtigste Determinante der Arbeitszufriedenheit liegt in der Arbeit selbst, die aus der Befriedigung von verschiedenen Bedürfnissen durch die Arbeit resultiert.434 Diese sind: • • Kontaktbedürfnis: durch zwischenmenschliche Gespräche als Teil der Arbeit wird das Kontaktbedürfnis befriedigt. Leistungsmotivation: das Erreichen eines selbst gesetzten Leistungsziels wirkt befriedigend. Die Möglichkeit hierzu steigt, je selbständiger ein MA innerhalb seiner Tätigkeit ist. Machtstreben: je höher ein MA in der hierarchischen Struktur steigt, desto mehr Einfluss kann er auf andere [...]
ternativen sind, desto geringer ist der Grad der Abhängigkeit von der bestehenden Beziehung. • Wechselseitigkeit der Abhängigkeit Dieser Aspekt gibt an, ob die Interaktionspartner einseitig oder wechselseitig voneinander abhängig sind. Haben die Partner wechselseitige Ergebniskontrolle übereinander, sind die Handlungen im Allgemeinen durch Austausch424 geprägt. In Situationen mit einem hohen Maß an Verhaltenskontrolle kommt es dagegen v.a. auf die Koordination425 des Verhaltens der Partner zur Erzielung von zufrieden stellenden Ergebnissen der beiden an. Korrespondenz der Ergebnisse Für Kelley/ Thibaut liegt die bedeutendste Eigenschaft ihrer Analyse darin, dass sie die Korrespondenz der Ergebnisse der Interaktionspartner veranschaulicht, da hieraus die Ähnlichkeit und Kompatibilität der Interaktionspartner ersichtlich wird.426 Die Korrespondenz wird bestimmt durch die Übereinstimmung der wechselseitigen Verhaltenskontrolle (BCA hat dasselbe Vorzeichen wie BCB), die Konkordanz von Reflexiver und Ergebniskontrolle (RCA (RCB) hat das gleiche Vorzeichen wie FCB (FCA)427) sowie die Übereinstimmung von wechselseitiger Verhaltenskontrolle mit der wechselseitigen Ergebniskontrolle bzw. mit der bilateralen Reflexiven Kontrolle428. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832481063
Arbeit zitieren:
Ebert, Florian März 2004: Bedingungen für kooperatives Verhalten in Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Extra-Rollenverhalten, Interdependenztheorie, Organizational Citizenship Behavior, Chicken Game, Gefangenendilemma



