Bedingungen für den Beitritt Bulgariens zur europäischen Währungsunion und der Stand der Umsetzung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Iliyana Yordanova
- Abgabedatum: April 2008
- Umfang: 76 Seiten
- Dateigröße: 392,7 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
- Bibliografie: ca. 91
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2061-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Yordanova, Iliyana April 2008: Bedingungen für den Beitritt Bulgariens zur europäischen Währungsunion und der Stand der Umsetzung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Bulgarien, Währungsunion, Eurozone, Maastrichter Konvergenzkriterien, EU
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Diplomarbeit von Iliyana Yordanova
Einleitung:
In einem bisher einzigartigen Experiment wurde 1999 mit der Eurozone die größte zwischenstaatliche Währungsunion und mit dem Euro eine der wichtigsten Währungen der Welt kreiert. Heute, neun Jahre später und sechs Jahre nach der Bargeldeinführung Anfang 2002, nutzen 13 Länder mit 314 Mio. Einwohnern eine gemeinsame Währung. Ursprünglich gedacht war die Währungsunion jedoch für alle Mitglieder der Europäischen Union, der seit dem 1.Januar 2007 27 Ländern angehören.
Seit dem 1.Januar 2007 ist Bulgarien zusammen mit Rumänien Mitglied der Europäischen Union (EU). Bulgarien hat sich dazu verpflichtet, sobald es die erforderlichren Bedingungen, wie die Maastrichter Konvergenzkriterien, erfüllt, zur europäischen Währungsunion beizutreten und seine nationale Währung durch den Euro zu ersetzen. Es ist jedoch keineswegs sicher, dass die Einhaltung dieser "notwendigen" Voraussetzungen genügt – diese also gleichzeitig hinreichend sind, um ein Gelingen der Währungsübernahme durch Bulgarien bzw. einer erweiterten Währungsunion zu gewährleisten.
Die Maastrichter Konvergenzkriterien stellen nämlich auf nominale Konvergenz ab und lassen die reale Konvergenz unberücksichtigt. Langfristig hängt es von der Dynamik des Wirtschaftswachstums ab, ob und wie schnell die Wohlfahrtsunterschiede zwischen Bulgarien und den restlichen EU-Mitgliedstaaten ausgeglichen werden. Denn je ungleicher die realwirtschaftlichen Bedingungen in den Ländern einer Währungsunion sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass die gemeinsame Geldpolitik nicht zu den Gegebenheiten einzelner Teilnehmerländer passt und es deshalb zu Schwierigkeiten in diesen Ländern kommt, welche sich im schlimmsten Fall auf die gesamte Währungsunion auswirken können.
Die vorliegende Arbeit befasst sich aus ökonomischer Perspektive mit den Bedingungen für eine erfolgreiche Einführung des Euros in Bulgarien. Der erste Schwerpunkt dieser Arbeit (Kapitel 2) liegt in der theoretischen Darstellung der Maastrichter Konvergenzkriterien für den Beitritt zur europäischen Währungsunion (EWU). Nach einer kurzen Darstellung der Grundzüge der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) im Rahmen des EU-Gebildes wird daher auf diese Kriterien entsprechend ausführlich eingegangen. Dabei werden deren nominaler Charakter und diesbezügliche Problemfelder herausgearbeitet, um im Anschluss daran den gegenläufigen Gesichtspunkt der realwirtschaftlichen Konvergenz in Anlehnung an die klassische Theorie optimaler Währungsräume (OWR) hervorzuheben und beide miteinander zu vergleichen. In einem nächsten Schritt wird auf die Geld- und Finanzpolitik sowie fiskalpolitische Herausforderungen durch den Stabilitäts- und Wachstumspakt eingegangen.
Der zweite Schwerpunkt (Kapitel 3) ist die Herausarbeitung des Stands der Erfüllung dieser Kriterien und die Einbindung in bzw. die Anwendbarkeit der o.g. Theorien und Ausführungen für den Fall Bulgarien. Dabei ist auch zu beachten, dass sich Bulgarien nach wie vor in einem wirtschaftlichen Transformationsprozess von der Zentralverwaltungswirtschaft zu Zeiten der Sowjetunion hin zur Marktwirtschaft befindet.
Ziel ist dabei einerseits die Untersuchung und Beurteilung, inwieweit die festgelegten nominalen Konvergenzkriterien im Maastrichter Vertrag als Aufnahmebedingungen geeignet und ausreichend sind und mit den Ansätzen der Theorie eines optimalen Währungsraums zugunsten einer realen Konvergenz konform laufen. Andererseits wird der bisherige bzw. zukünftig zu erwartende Stand der Erfüllung der Konvergenzkriterien auf der Basis empirischer Studien zur Theorie optimaler Währungsräume untersucht, um abschließend die Beitrittsfähigkeit Bulgariens zur Europäische Währungsunion sowie den zu erwartenden Beitrittserfolg bewerten zu können.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Ziele und Aufbau der Arbeit | 1 |
| 2. | Europäische Währungsunion | 3 |
| 2.1 | Institutionen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion | 3 |
| 2.1.1 | Einordnung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion im Rechtsgefüge der Europäischen Union | 3 |
| 2.1.2 | Institutionelle Regelungen | 4 |
| 2.2 | Die Maastrichter Konvergenzkriterien | 5 |
| 2.2.1 | Kriterium der Preisniveaustabilität | 5 |
| 2.2.2 | Kriterium der Wechselkursstabilität | 6 |
| 2.2.3 | Kriterium des langfristigen Zinssatzes | 7 |
| 2.2.4 | Defizitkriterium und Schuldenstandkriterium | 7 |
| 2.3 | Reale versus nominale Konvergenz | 9 |
| 2.4 | Die Theorie der optimalen Währungsräume und die Europäische Währungsunion | 11 |
| 2.4.1 | Überblick über die Theorie der optimalen Währungsräume | 11 |
| 2.4.2 | Schocksymmetrie und gleichgerichtete konjunkturelle Entwicklung | 13 |
| 2.4.3 | Kriterium der Faktormobilität | 14 |
| 2.4.4 | Kriterium der Offenheit | 15 |
| 2.4.5 | Kriterium der Diversifikation | 15 |
| 2.4.7 | Reale Konvergenz und Balassa Samuelsen Effekt | 16 |
| 2.5 | Geldpolitik und Finanzpolitik | 17 |
| 2.6 | Fiskalpolitische Harmonisierung durch den Stabilitäts- und Wachstumspakt | 18 |
| 3. | Bestandsaufnahme Bulgariens | 20 |
| 3.1 | Status Bulgariens in der Wirtschafts- und Währungsunion | 20 |
| 3.2 | Stand der Aufnahmefähigkeit gemäß der Maastrichter Konvergenzkriterien | 21 |
| 3.2.1 | Preisniveaustabilität | 22 |
| 3.2.2 | Wechselkursstabilität | 24 |
| 3.2.3 | Zinskonvergenz | 25 |
| 3.2.4 | Budgetdefizit und Staatsschulden | 25 |
| 3.3 | Reale Anpassung Bulgariens | 27 |
| 3.3.1 | Die ökonomische Entwicklung von Bulgarien | 28 |
| 3.3.1.1 | Beachtliche Wachstumsraten des BIP | 28 |
| 3.3.1.2 | Niedriges Pro-Kopf-Einkommen | 31 |
| 3.3.1.3 | Aufholperspektiven und Defizite des bulgarischen Wachstumsmodells | 33 |
| 3.3.2 | Die Abwesenheit von weitreichenden, asymmetrischen Schocks | 36 |
| 3.3.3 | Interregionale Faktormobilität | 38 |
| 3.3.3.1 | Arbeitsmarkt | 38 |
| 3.3.3.2 | Grenzüberschreitende Arbeitsmigration | 41 |
| 3.3.3.3 | Der Integrationsgrad der Finanzmärkte | 44 |
| 3.3.4 | Diversifizierter Exportsektor | 45 |
| 3.3.5 | Wirtschaftliche Offenheit | 46 |
| 3.3.6 | Harmonisierung der Wirtschaftszyklen | 49 |
| 3.3.7 | Balassa-Samuelson-Effekt in Bezug auf Bulgarien | 51 |
| 4. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 55 |
Textprobe:
Kapitel 3.3.4, Diversifizierter Exportsektor:
Die Außenhandels- bzw. Exportergebnisse sind ein guter Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft. Gelingt es den bulgarischen Firmen, sich auf dem Weltmarkt durchzusetzen, so ist wahrscheinlich auch der bulgarische Binnenmarkt der ausländischen Konkurrenz gewachsen. Insgesamt ist die Exportpalette Bulgariens nicht sehr breit diversifiziert und weist eine recht einseitige Güterstruktur auf. Die wichtigsten Ausfuhrgüter sind Energieträger, Metalle, mineralische Rohstoffe und Chemikalien, Nahrungsmittel und Textilien (Kleidung). Bei den Agrarerzeugnissen führt Bulgarien vor allem Wein, Fleisch und Tabak aus. Die Spezialisierung auf den Export arbeitsintensiver Produkte wird volkswirtschaftlich nur solange vorteilhaft sein, wie die Lohnkosten geringer als der europäische Durchschnitt ausfallen und dies einen Wettbewerbsvorteil in der internationalen Konkurrenz darstellt. Die beobachtete dynamische Reallohnentwicklung der letzten Jahre in Bulgarien und die Erfahrungen der acht mittel- und osteuropäischen Länder deuten jedoch darauf hin, dass die Produktivitätssteigerung mit der Lohnsteigerung nicht Schritt halten kann. Daraus ist zu erwarten, dass arbeitsintensive Exportsektoren an Konkurrenzfähigkeit einbüßen werden. Davon werden traditionsreiche Branchen wie die Schuh- und Bekleidungsindustrie am meisten betroffen sein. Die Spezialisierung auf kurzlebige Konsumgüter und agrarische Produkte birgt hohe Gefahren für die bulgarische Wirtschaft. Im Zuge der Globalisierung würde das Land durch eine begrenzte Diversifikation der Produktpalette das Risiko eingehen, abhängig von Importen zu werden. Mittel- und langfristig sollte sich Bulgarien nicht auf Billigarbeit-Branchen beschränken und sich nicht mit Montagearbeiten oder der Herstellung kurzlebiger Konsumgüter zufrieden geben. Man sollte den Vorstoß in zukunftsorientierte Branchen wagen. Akkumulierte Gewinne können für den Transfer neuer Technologien genutzt werden, um damit die bestehenden Unternehmen zu einem neuen nachhaltigen wissensbasierten Wachstum und Expansion zu veranlassen. Die Bedeutung von Exportprodukten hochqualifizierter Arbeit ist in den letzten Jahren durch einen rückläufigen Trend gekennzeichnet. Man kommt nicht umhin ist festzustellen, dass die wesentlichen Exportgruppen zu den weltweit langsam wachsenden Märkten gehören, auf denen in direkter Konkurrenz mit einer großen Zahl von Billiglohnländern abgesetzt werden muss. Die Exporte in die EU verzeichneten ein bedeutsames Wachstum (s. Außenhandel), doch bedauerlicherweise stellen metallurgische Produkte, Bekleidung und Schuhe fast 50% der Exporte in die EU dar.
Kapitel 3.3.5, Wirtschaftliche Offenheit:
Bulgarien ist eine kleine und sehr offene Volkwirtschaft, deren Handelsbeziehungen sich bereits vor Beitritt zur EU auf europäische Länder konzentrierten. Die Struktur des Handelsverkehrs hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt, so dass die EU-25 mit 55% beim Export und 47% beim Import in 2006 inzwischen zum wichtigsten Handelspartner Bulgariens geworden ist (siehe Abbildungen 16 bzw. 17).
Die gestiegenen Importe aus der EU-27 sind vor allem durch den Nachholbedarf im Modernisierungsbereich zu begründen. Die Importe stiegen in den letzten Jahren stärker als die Exporte an. Die Ursache dafür liegt nahe: zur Produktion (und dem Export) von Waren müssen zuerst die Produktionsanlagen und Maschinen beschafft werden. Erst wenn die Produkte auf dem stark umkämpften (ausländischen) Markt eine hohe Akzeptanz genießen, kann sich die Importdeckungsquote Bulgariens verbessern. Zurzeit ist es unmöglich, dass importierte Investitionsgüter durch hohe Exporterlöse finanziert werden. Kurz- bis mittelfristig wird es für bulgarische Unternehmen schwierig sein, im internationalen Wettbewerb Schritt zu halten mit Ländern, die bereits einen hohen Vorsprung besitzen und langfristige Lieferverträge unterschrieben haben. Die Gefahr asiatischer Billigimporte, nicht nur im Konsumgüterbereich, sondern auch bei innovativen Produkten, aufgrund von Kostenvorteilen durch Imitation und Patentverletzungen, machte sich bereits in den steigenden Importen bemerkbar.
Durch die Öffnung der Märkte hat die bulgarische Exportbranche gute Erfolgsperspektiven. Ein exportgeführtes Wachstum kann sich im Zuge des Transformationsprozesses entwickeln, wenn es bulgarischen Produzenten von Vorprodukten gelingt, in der vertikalen Produktionskette weitere Ausschöpfungsmöglichkeiten zu finden. Somit würden sie einen hohen Grad an Unabhängigkeit von Lieferanten und Abnehmern erringen, und zugleich könnten sie ihre Gewinnmargen steigern und damit letztendlich durch eine erhöhte Produktionseffizienz wettbewerbsfähiger werden. Wettbewerbsvorteile Bulgariens, wie Humankapital, niedrige Löhne, günstiges Unternehmensumfeld, müssen genutzt werden, um die Exportfähigkeit bulgarischer Unternehmen im Zuge der Integration zu verbessern.
Angesichts der bereits vor dem Beitritt zunehmend engeren Verflechtung Bulgariens und des hohen Wirtschaftswachstums mit der EU weist Bulgarien ein sehr dynamisches Exportwachstum auf, das den vergangenen Jahren hinter einem noch kräftigeren Importwachstum zurückblieb. Dies führt zu hohen Defiziten in der Handels- und Leistungsbilanz, einer der größten Schwachpunkte der bulgarischen Volkswirtschaft. Trotz positiver Dienstleistungsbilanz und offizieller Transfers hat die Leistungsbilanzlücke aufgrund der starken Passivierung des Handelsbilanzsaldos und nicht zuletzt infolge gesunkener Einnahmen aus der Tourismusbranche in 2006 zugenommen und -15,8% des BIP (knapp 4 Mrd. Euro) erreicht (siehe Abbildung 18).
Auf kürzere Sicht ist die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits durch ausländische Direktinvestitionen, relativ hohe Devisenreserven und den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten gesichert. Mittelfristig sind jedoch Anpassungen durch den Wegfall von Privatisierungserlösen erforderlich. Es besteht doch ein Zusammenhang mit der kräftig wachsenden Inlandsnachfrage, was die Regierung vor eine große Herausforderung stellt. Das rapide wachsende Defizit der Leistungsbilanz und eine Beschleunigung der Verbraucherpreise haben sich 2007 zu Risikofaktoren entwickelt. Dies birgt ein gewisses Risiko für die Region, zumal das Wachstums auf Pump langfristig nicht tragbar sein wird.
Das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht dürfte wegen der hohen Importneigung nur geringfügig abnehmen und somit weiterhin das gesamtwirtschaftliche Wachstum leicht dämpfen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836620611
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Yordanova, Iliyana April 2008: Bedingungen für den Beitritt Bulgariens zur europäischen Währungsunion und der Stand der Umsetzung, Hamburg: Diplomica Verlag
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Bulgarien, Währungsunion, Eurozone, Maastrichter Konvergenzkriterien, EU



