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Die Bedeutung weicher Standortfaktoren bei Auslandsinvestitionen mit besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Thailand

Die Bedeutung weicher Standortfaktoren bei Auslandsinvestitionen mit besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Thailand
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Martin Godau
  • Abgabedatum: Juni 2001
  • Umfang: 355 Seiten
  • Dateigröße: 2,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9590-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9590-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9590-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Godau, Martin Juni 2001: Die Bedeutung weicher Standortfaktoren bei Auslandsinvestitionen mit besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Thailand, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Investition, interkulturell, Management, Entscheidungstheorie, Ausland

Dissertation / Doktorarbeit von Martin Godau

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung weicher Faktoren bei Auslandsinvestitionen und ist somit thematisch im Umfeld der Internationalisierung und Globalisierung angesiedelt. Unternehmen sehen sich in fernen Ländern im Vergleich zum Heimatmarkt teilweise ganz neuen Bedingungen gegenübergestellt. Zu diesen gehören insbesondere auch die sogenannten „weichen“ Standortfaktoren. Ihre Wirkungsweise lässt sich gerade anhand von Asien mit seinen soziokulturellen Besonderheiten und dort wiederum speziell am Beispiel Thailands eindrucksvoll verdeutlichen. Das erste Kapitel hat zum einen die Aufgabe, den Leser auf die Thematik weicher Standortfaktoren und das Umfeld der internationalen Unternehmenstätigkeit einzustimmen; zum anderen wird die Notwendigkeit der eigenen Untersuchung, unter Vorwegnahme der Ergebnisse des zweiten Kapitels, mit den bestehenden empirischen Erkenntnislücken begründet.

Im zweiten Kapitel wird nach erfolgter Definition grundlegender Begriffe der Stand der Forschung („State of the Art“) zum engeren Thema der Arbeit dargestellt. Dieser lässt sich untergliedern in das Forschungsgebiet der weichen Standortfaktoren an sich und den Theoriekomplex der internationalen Standortwahl bei Auslandsinvestitionen. Dabei zeigt sich, dass es mit Grabow und Diller seit Mitte der 90er Jahre durchaus zu einer ernsthaften wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit weichen Faktoren bei innerdeutschen Standortentscheidungen kam. Weiche Standortfaktoren haben dabei entweder direkte Auswirkungen auf die Unternehmenstätigkeit (weiche unternehmensbezogene Faktoren) oder sind primär für die Entscheidungsträger relevant (weiche personenbezogene Faktoren). Die Dissertationen von Goette, Truijens, Autschbach und Hummel, um nur einige zu nennen, beschreiben, wie Unternehmen internationale Standorte wählen. Gerade Goette nimmt auch sehr detailliert auf den zugrundeliegenden Entscheidungsprozeß Bezug. Inwieweit weiche Faktoren dabei eine Rolle spielen wird jedoch nur am Rande angedeutet. Ist schon die Theorie der Standortentscheidungen nicht völlig konsequent auf die internationale Fragestellung erweitert worden, so lassen sich bei den weichen Faktoren noch nicht einmal Versuche einer Übertragung erkennen. Des Weiteren zeigt sich in der Literatur in zahlreichen Faktorkatalogen eine uneinheitliche Begrifflichkeit von Standortbedingungen und Zielen der Standortwahl.

Das dritte Kapitel knüpft zum Teil an die Erkenntnisse des zweiten an und hat den Titel „Thesen, Bezugsrahmen und Methodik“. Zuerst wird eine Reihe von Thesen aufgestellt, die durch die eigene empirische Untersuchung untermauert werden sollen: Weiche Standortfaktoren spielen bei Auslandsinvestitionen eine bedeutendere Rolle als bei inländischen Investitionen. Weiche Standortfaktoren können bei Auslandsinvestitionen eine ausschlag-gebende Rolle spielen und insbesondere auch harte Faktoren überkompensieren. Die Untersuchung weicher Faktoren bei Auslandsinvestitionen muss auf die zugrundeliegende Zielhierarchie zurückgreifen und eine einheitliche Begrifflichkeit verwenden. Bei der Erklärung weicher Standortfaktoren ist der Entscheidungsprozeß zu berücksichtigen. Die Bedeutung weicher Standortfaktoren hängt von der jeweiligen Phase des Entscheidungsprozesses ab. Die Bewertung weicher Faktoren unterliegt subjektiven Einschätzungen. Dadurch erscheint die Standortwahl oft nicht nachvollziehbar. Weiche Standortfaktoren im Sinne weicher Zielsetzungen werden häufig nicht offen formuliert und sind deshalb empirisch schwer nachzuweisen. Weiche Standortfaktoren lassen sich im Sinne einer hierarchischen Zielstrukturierung auf Metafaktoren reduzieren.

Die Ergebnisse der Arbeit werden hier somit aus didaktischen Gründen vorweggenommen. Für die einzelnen Thesen wird klargestellt, inwieweit diese in der Theorie bereits berücksichtigt sind. Ein Teil gibt die eigenen Erkenntnisse wieder, ein Teil ist aus der Literatur abgeleitet. Anschließend wird ein für das durch die Thesen umrissene Erkenntnisziel geeigneter Bezugsrahmen entwickelt. Dieser beschäftigt sich mit der Problematik der Bildung von Zielhierarchien, der Unterscheidung von unternehmens- und personenbezogenen Zielen und dem Zusammenhang von Zielen und Standortfaktoren einerseits sowie harten und weichen Faktoren andererseits. Außerdem wird auf das Wechselspiel von Zielen, Alternativen und Umwelteinflüssen sowie auf die Bedeutung von Entscheidungsprozessen eingegangen. Abschließend wird kurz die verfolgte, stark empirisch orientierte Forschungskonzeption diskutiert. Anstatt normativ herauszuarbeiten, wie Investitionsentscheidungen idealer Weise ablaufen sollten, wird in einem deskriptiven Ansatz deren tatsächliches Zustandekommen untersucht. Insgesamt basiert die Arbeit auf rund 100 Interviews, die jeweils zur Hälfte auf Unternehmen und beratende Stellen, wie Wirtschaftsfördergesellschaften, Handelskammern, Botschaften und Banken entfielen. Durch die wissenschaftliche Auswertung dieser unternehmensunabhängigen Perspektive konnten zusätzliche Erkenntnisse gewonnen werden. Die zur Erhebung angewendete Befragungsmethode kommt dem unstandardisierten Interview mit „gedanklichem Leitfaden“ am nächsten.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Standortbedingungen Thailands. Deren Untergliederung in wirtschaftliche, politisch-rechtliche, natürlich-geographische, geschichtliche und soziokulturelle wird im ersten Teilkapitel abgeleitet. In Folge wird aufgezeigt, welche Standortgegebenheiten mit den Zielen der Auslandsinvestoren in Verbindung stehen und damit zu Standortfaktoren werden. Dabei wird auch die Frage beantwortet, wie hart die harten und wie weich die weichen Faktoren sind. Neben dem Zusammenhang mit den Zielen ist dazu auch die Messbarkeit einzelner Faktoren zu erörtern. Im Ergebnis zeigt sich, dass einzelne Standortbedingungen Standortfaktoren darstellen, obwohl sie in der Literatur nicht unbedingt als solche angesehen werden. Eine ganze Reihe von Zielen der Auslandsinvestition offenbart sich also erst nach Betrachtung der Alternative, im vorliegenden Fall Thailand. Es gibt aber auch Ziele, die sich ausschließlich oder zumindest deutlicher anhand des Entscheidungsprozesses zeigen.

Das fünfte Kapitel dient der Unterstützung derjenigen Thesen, die alleine aus den Standortbedingungen heraus noch nicht begründet werden konnten. Die Gliederung erfolgt anhand des Verlaufs eines typischen Standortentscheidungsprozesses in Impuls-, Konzept-, Ländervorauswahl-, Grob- und Feinanalyse-, Entscheidungs- und Implementationsphase. Die Untersuchung des Entscheidungsprozesses und des Zusammenspiels der an ihm beteiligten Akteure deckt eine Reihe verborgener Ziele auf. Meistens handelt es sich dabei weniger um weiche unternehmensbezogene als um weiche personenbezogene Faktoren. Auch zeigt sich, dass der Einfluss weicher Faktoren im Verlauf des Prozesses nicht konstant ist. Er ist am Anfang und am Ende der Standortentscheidung am stärksten.

Werden die Ziele der Unternehmen und ihrer Manager in Kapitel 4 aus den Standortbedingungen und in Kapitel 5 aus dem Entscheidungsprozeß abgeleitet, so trägt Kapitel 6 alle weichen Standortfaktoren noch einmal zusammen. Es liegt somit eine didaktische Redundanz vor, wobei die Ergebnisse sozusagen aus umgekehrter Sichtweise präsentiert werden. Die Gliederung des Kapitels beruht auf einer Reduktion der weichen Faktoren auf fünf Metafaktoren: Investitionsklima, Arbeits- und Geschäftskultur, Lebensqualität, Image und persönliche Präferenzen. Unter Berücksichtigung von Übereinstimmungen und Widersprüchen mit der Literatur wird untersucht, inwieweit die genannten Faktoren über den Standort Thailand hinaus Allgemeingültigkeit besitzen.

Die in Kapitel 3 erarbeiteten Thesen wurden durch die Ergebnisse der eigenen Unternehmensbefragung empirisch erhärtet. Die Diskussion der Ergebnisse in Kapitel 7 geht auf die möglichen Implikationen der vorliegenden Arbeit sowohl für die Praxis als auch die Theorie ein. Für die Entscheidungsträger bei Auslandsinvestitionen besteht die Notwendigkeit, sich mit weichen Faktoren, insbesondere wenn diese personenbezogen sind, kritisch auseinander zusetzen anstatt diese, wie häufig üblich, auszuklammern. Es wird angeregt, die Rechtfertigung der Entscheidung vom Entscheidungsergebnis auf den Entscheidungsprozeß zu verlagern. Für die Wirtschaftsförderung ergibt sich die Erkenntnis, dass auch weiche Faktoren maßgeblich an der Beurteilung der Standortqualität durch Investoren beteiligt sind. Sie sollten in ein aktives Standortmarketing miteinbezogen werden. Für die betriebswirtschaftliche Forschung zeigt sich der Bedarf einer Integration weicher Faktoren in das bestehende Theoriegerüst der internationalen Unternehmenstätigkeit.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 9
TABELLENVERZEICHNIS 14
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 16
1. EINLEITUNG 18
1.1 Hinführung und Begründung der Themenwahl 18
1.2 Ausgangsfragen und Aufbau der Arbeit 24
2. GRUNDLAGEN UND STAND DER FORSCHUNG 26
2.1 Begriffsdefinitionen 27
2.1.1 Arbeitsdefinition weicher Standortfaktoren 27
2.1.2 Zum Begriff der Auslandsinvestition 32
2.1.3 Definition weiterer Begriffe 35
2.2 Das Forschungsgebiet „weiche Standortfaktoren“ 37
2.2.1 Die Untersuchung von Grabow 37
2.2.2 Die Untersuchung von Diller 45
2.2.3 Weitere empirische und theoretische Beiträge 49
2.3 Ansätze der internationalen Standortwahl 54
2.3.1 Von der nationalen zur internationalen Standorttheorie 54
2.3.3 Der Ansatz von Goette 57
2.3.5 Der Ansatz von Tesch 59
2.3.6 Der Ansatz von Sabathil 62
2.4 Zwischenergebnis 63
3. THESEN, BEZUGSRAHMEN UND METHODIK 66
3.1 Thesen 66
3.2 Bezugsrahmen 71
3.2.1 Zielsysteme und Zielhierarchien 72
3.2.2 Unternehmensbezogene Oberziele der Auslandsinvestition 77
3.2.2.1 Gewinn, Unternehmenssicherung und Unternehmenswachstum 77
3.2.2.2 Alternative Oberziele 79
3.2.3 Unternehmensbezogene Bereichsziele der Auslandsinvestition 80
3.2.3.1 Absatzmarktorientierte Ziele 83
3.2.3.2 Produktionsorientierte Ziele 84
3.2.3.3 Beschaffungsorientierte Ziele 84
3.2.3.4 Finanzwirtschaftliche Ziele 85
3.2.4 Personenbezogene Ziele der Auslandsinvestition 86
3.2.5 Zusammenhang zwischen Zielen und Standortfaktoren 90
3.2.6 Zusammenhang zwischen harten und weichen Standortfaktoren 94
3.2.7 Zusammenspiel von Zielen, Alternativen und Umwelteinflüssen 97
3.2.8 Entscheidungsprozesse 100
3.3 Forschungskonzeption und -methodik 102
4. EINFLUSS DER STANDORTBEDINGUNGEN AUF DIE STANDORTFAKTOREN 108
4.1 Systematik der Standortbedingungen 109
4.2 Wirtschaftliche Standortbedingungen 116
4.2.1 Allgemeine Wirtschaftsentwicklung 116
4.2.2 Absatzmarkt 120
4.2.3 Arbeitsmarkt 123
4.2.4 Infrastruktur 126
4.1.5 Bedeutung als Standortfaktor 129
4.3 Politisch-rechtliche Standortbedingungen 136
4.3.1 Politische Grundordnung und Rechtssystem 136
4.3.2 Steuer- und Devisenrecht sowie gewerblicher Rechtschutz 138
4.3.3 Rechte ausländischer Investoren 140
4.3.4 Investitionsanreize 143
4.2.5 Bedeutung als Standortfaktor 147
4.4 Natürlich-geographische Standortbedingungen 150
4.4.1 Geographische Daten 150
4.4.2 Klima 152
4.4.3 Flora und Fauna 154
4.3.4 Bedeutung als Standortfaktor 156
4.5 Geschichtliche Standortbedingungen 159
4.5.1 Historischer Überblick 159
4.5.2 Politische Geschichte 161
4.5.3 Monarchie und Königshaus 164
4.5.4 Nationale Identität 165
4.5.5 Bedeutung als Standortfaktor 167
4.6 Soziokulturelle Standortbedingungen 169
4.6.1 Sprache 169
4.6.1.1 Die thailändische Sprache 169
4.6.1.2 Fremdsprachendichte 172
4.6.1.3 Bedeutung als Standortfaktor 174
4.6.2 Religion 176
4.6.2.1 Grundlagen des Buddhismus 176
4.6.2.2 Der Buddhismus in Thailand 177
4.6.2.3 Bedeutung als Standortfaktor 181
4.6.3 Soziokulturelles Umfeld 182
4.6.3.1 Gesicht und Harmonie 182
4.6.3.2 Hierarchie und Status 184
4.6.3.3 Zeitverständnis 186
4.6.3.4 Nonverbale Kommunikation 188
4.6.3.5 Soziokulturelles Umfeld als Ganzes 190
4.6.3.6 Bedeutung als Standortfaktor 192
4.7 Zwischenergebnis 194
5. EINFLUSS DES ENTSCHEIDUNGSPROZESSES AUF DIE STANDORTFAKTOREN 197
5.1 Phasenmodelle der Standortwahl 197
5.2 Impuls zur Auslandsinvestition 203
5.2.1 Bedeutung des Impulses 203
5.2.2 Herkunft des Impulses 206
5.2.3 Einfluss bisheriger Auslandserfahrungen 211
5.2.4 Bedeutung weicher Faktoren 213
5.3 Konzeptphase 215
5.3.1 Die Standortwahl als Teil der Gesamtstrategie 215
5.3.2 Die Form der Auslandsinvestition 218
5.3.2.1 Tiefekriterium 219
5.3.2.2 Einflusskriterium 221
5.3.2.3 Bestandskriterium 224
5.3.3 Bedeutung weicher Faktoren 225
5.4 Ländervorauswahl 226
5.4.1 Eingrenzung des Suchraumes 226
5.4.2 K.O.-Faktoren 230
5.4.3 Bedeutung weicher Faktoren 232
5.5 Grob- und Feinanalyse 234
5.5.1 Untersuchungskriterien 234
5.5.2 Informationen 237
5.5.3 Analytische Bewertungsverfahren 240
5.5.4 Bedeutung weicher Faktoren 245
5.6 Entscheidung 246
5.6.1 Organisation der Entscheidung 246
5.6.2 Entscheidungsfindung 250
5.6.3 Umwelteinflüsse 253
5.6.4 Standortbezogene Einflüsse 255
5.6.5 Subjektive Einflüsse 257
5.6.6 Bedeutung weicher Faktoren 258
5.7 Implementation 260
5.7.1 Realisation der Standortentscheidung 260
5.7.2 Bedeutung weicher Faktoren 263
5.8 Zwischenergebnis 264
6. SYSTEMATIK WEICHER STANDORTFAKTOREN 268
6.1 Reduktion auf Metafaktoren 268
6.2 Investitionsklima 273
6.3 Arbeits- und Geschäftskultur 279
6.4 Lebensqualität 282
6.5 Image 288
6.6 Persönliche Präferenzen 292
6.7 Zwischenergebnis 297
7. DISKUSSION DER ERGEBNISSE UND KRITISCHE WÜRDIGUNG 301
8. ZUSAMMENFASSUNG 306
ANHANG 310
A. Liste der Interviews 311
B. Statistiken und Ländervergleiche 315
B.1 Wirtschaftsindikatoren ausgewählter asiatischer Länder 315
B.2 Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Südostasien und weltweit 316
B.3 Regionalstruktur der deutschen Direktinvestitionen im Ausland 1982-1997 317
B.4 Kenngrößen der deutschen Unternehmen in Thailand 317
B.5 Investitionsbedingungen ausgewählter ASEAN-Länder im Vergleich 319
LITERATURVERZEICHNIS 323

Automatisiert erstellter Textauszug:

minimierung oder Investitionssicherheit, zu messen scheint hingegen ein sehr schwieriges Unterfangen zu sein. Insbesondere die Nachfolgefrage des Königs, die Imagevorteile, das Nationalbewußtsein und das Taktieren der Thailänder sind in ihren Auswirkungen schwer meßbar. Geschichtliche Standortbedingungen nehmen wie bereits in Kapitel 3 erwähnt eine Sonderstellung ein. Sie stehen in der Regel nie direkt mit den Zielen der Auslandsinvestoren in Verbindung, sondern werden, wenn überhaupt, über eine vermittelnde Wirkung zu Standortfaktoren. Die Geschichte wirkt als Indikator für weiche, unternehmensbezogene Standortfaktoren. In der Regel sind durch geschichtliche Gegebenheiten Sicherungsziele betroffen. Im Falle des Nationalbewußtseins, des Images, der Rolle des Königs als Schlichter und der Berechenbarkeit der Bürokratie können diese auf absatz- und produktionsbezogene Bereichsziele heruntergebrochen werden. Die stabile Außenpolitik und die gute gesellschaftliche Integration dienen vor allem den Produktionszielen. Bei den anderen Aspekten ist immer eine Mischung von Bereichszielen relevant. Positive, aus der Geschichte resultierende Standortfaktoren Thailands sind Imagevorteile für deutsche Investoren, die Berechenbarkeit der Technokraten, eine den Landbesitz schützende Konstitution, eine stabile Außenpolitik, ein König mit Vorbildfunktion als Integrator und das Fehlen größerer ethnischer Konflikte. Lediglich das teilweise übertriebene Nationalbewußtsein der Thais, ihre Angewohnheit des Taktierens und die unsichere Nachfolgefrage des Königshauses wurde von den befragten Firmen als Standortnachteil eingestuft. Bezüglich der Konsequenzen, die aus den häufigen Machtwechseln resultieren, gaben die Befragten kein einheitliches Bild ab. Bei diesem Faktor besteht aber, wie auch bei monarchiebezogenen Faktoren, die größte Sicherheit bezüglich der Wirkung als Standortfaktor. Alle anderen Faktoren wurden weniger gut bestätigt. Tabelle 16 faßt die Standortfaktoren zusammen, die sich aus den geschichtlichen Standortbedingungen Thailands ergeben. [...]

Monarchie aus.1 Die Bergvölker sind aufgrund ihrer geringen Bevölkerungszahl und wirtschaftlichen Bedeutung für die nationale Identität Thailands nicht relevant. Von den meisten Thailändern werden sie als minderwertig betrachtet. Die Moslems im Süden verehren trotz unterschiedlicher Religion den thailändischen König und sind auch wirtschaftlich gut in die Gesellschaft integriert. Mit Ausnahme von Bangkok und Umgebung sind die südlichen Provinzen Thailands am wohlhabendsten. Die Nationale Identität, insbesondere die im Vergleich zu den Nachbarländern vorbildliche Integration der ethnischen Chinesen in die Gesellschaft, vermittelt den Auslandsinvestoren ein Gefühl von Sicherheit. Indonesien stellt hier ein Negativbeispiel dar, da es im Rahmen der Asienkrise aus niedrigen Motiven wie Neid heraus, zu gewalttätigen Übergriffen auf chinesische Geschäfte kam und die chinesische Bevölkerung teilweise kurzfristig nach Singapur flüchtete. Die Stabilität der gesellschaftlichen Gegebenheiten hat Rückwirkungen auf die internationale Standortwahl.2 4.5.5 Bedeutung als Standortfaktor Die im Rahmen der empirischen Untersuchung erhobenen geschichtlichen Rahmenbedingungen wirkten sich ausschließlich auf unternehmensbezogene Ziele aus, wobei sich überwiegend weiche Standortfaktoren ergaben. Eine Ausnahme stellt lediglich die sich aus der historischen Entwicklung resultierende, gegenwärtige Konstitution Thailands dar, deren Konsequenzen für Auslandsinvestitionen als harte Faktoren einzustufen sind.3 Bei der Außenpolitik, der Integration von Minderheiten und der Berechenbarkeit der Bürokratie liegt die Härte des Faktors zwischen den Extremen „hart“ und „weich“. Die Meßbarkeit der Geschichte als Standortbedingung an sich gestaltet sich im Sinne einer Feststellung und Kenntnisnahme historischer Fakten, abgesehen von der Notwendigkeit der möglichst lückenlosen Recherche, der Trennung von Wichtigem und Unwichtigen und dem Zusammentragen der Ergebnisse recht einfach. Die Wirkung dieser Bedingungen auf Unternehmerziele, wie Risiko- [...]

immer ihre traditionelle Kleidung tragen und malaiische Dialekte sprechen.1 Nur wenige sind der Thai-Sprache mächtig. Seit der Neuorganisation der thailändischen Verwaltung unter König Rama V Ende des 19. Jahrhunderts traten die ersten Konflikte zwischen der thailändischen Regierung und den ethnischen Malaien im Süden auf, die traditionell von den Königen Sukhothais als Vasallenstaaten behandelt wurden. Ein Streitpunkt ist dabei die von den Thailändern geforderte nicht-religiöse, weltliche Erziehung in Verbindung mit dem Erlernen der Thai-Sprache, was von den Moslems aus Ehrfurcht vor den traditionellen Werten abgelehnt wird. Die Konsequenz dieses Konflikts sind die bis heute im Süden anhaltenden Ausschreitungen, meist in Form von Sachbeschädigungen öffentlicher Einrichtungen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die terroristische Gruppierung United Pattani Freedom Movement (UPFM), dessen Ziel eine Trennung von Thailand ist. Die sogenannten Bergvölker zählen zu den ethnischen Minoritäten Thailands. Sie leben in den Gebirgszügen der nördlichen Provinzen. Es existiert eine Vielzahl von Stämmen, die sich teilweise in weitere Untergruppen unterteilen. Es seien nur exemplarisch in der Reihenfolge ihrer Zahl die Karen, Meo, Lahu, Yao, Lisu und Akkha erwähnt. Trotz großer Ähnlichkeiten unterscheiden sich die Völker in ihrer Religion, ihren Sitten und Gebräuchen, ihrem Gesellschaftssystem, ihrer Sprache und ihrer Siedlungsweise. Äußerlich sind sie jedoch am einfachsten an der jeweiligen Tracht der Frauen zu erkennen. Insgesamt liegt die Gesamtbevölkerung der Bergstämme bei etwa 400.000.2 Die Nationale Identität gründet auf einer gemeinsamen Geschichte und Traditionen. Besonders vor dem Hintergrund der rasanten Wirtschaftsentwicklung Thailands und der gesamten Region in den vergangenen Jahren, dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel und der Unsicherheit der Zukunft, bietet die Rückbesinnung auf die Vergangenheit die Basis für eine Definition der eigenen Identität. König Rama VI3 drückte die Grundlage der thailändischen Einheit, Kontinuität und Identität durch die drei Säulen Nation, Religion und [...]

Arbeit zitieren:
Godau, Martin Juni 2001: Die Bedeutung weicher Standortfaktoren bei Auslandsinvestitionen mit besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Thailand, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Investition, interkulturell, Management, Entscheidungstheorie, Ausland

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