Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Die Bedeutung der frühkindlichen Bindungserfahrungen für die Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie

Die Bedeutung der frühkindlichen Bindungserfahrungen für die Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Natascha Schuster
  • Abgabedatum: März 2005
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 942,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9144-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9144-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9144-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schuster, Natascha März 2005: Die Bedeutung der frühkindlichen Bindungserfahrungen für die Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bindungstheorie, Selbstkonzept, Mentalisierung, Affekt, Arbeitsmodell

Magisterarbeit von Natascha Schuster

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie. Diese Fähigkeiten treten schon sehr früh in der kindlichen Entwicklung auf, wie verschiedene Studien zeigen.

Zur Erklärung der Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie existieren verschiedene Theorien, die entweder angeborene Eigenschaften (z. B. die Psychoanalyse) oder die Einflüsse der Umwelt (z. B. der Behaviorismus) als bestimmend ansehen. Im Moment wird von vielen Wissenschaftlern die Bedeutung des genetischen Erbes hervorgehoben und der Umwelt bzw. den primären Bezugspersonen des Kindes eine eher unwichtige Rolle zugesprochen.

In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass es nicht ausreicht, ausschließlich die Erbanlagen oder die Umweltbedingungen eines Individuums zu betrachten, da zwischen den Anlagen eines Kindes und seinen Umweltbedingungen komplexe Interaktionen bestehen, wie auch die Kognitive Psychologie betont. Jedoch ist auch der Ansatz der Kognitiven Psychologie unzureichend, da sie den erheblichen Einfluss, den die primären Bezugspersonen eines Kindes auf seine Entwicklung ausüben, vernachlässigt.

Demgegenüber geht die vorliegende Arbeit davon aus, dass für die Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie den primären Bezugspersonen des Kindes eine fundamentale Bedeutung zukommt und zwar um so mehr, je jünger das Kind ist. Wesentlich dabei ist, wie die Bezugspersonen mit dem Kind umgehen und so die Entwicklung seiner Persönlichkeit beeinflussen. Die Forschungsrichtung, die sich intensiv mit den Interaktionen zwischen dem Kind und seinen primären Bezugspersonen beschäftigt, ist die Bindungstheorie. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit die Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie mit Hilfe der Bindungstheorie erklärt.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Kapitel werden die Begriffe des prosozialen Handelns und der Empathie erläutert.

Anschließend werden im zweiten Kapitel verschiedene Modelle zur Entwicklung der Empathie und des Zusammenhangs von prosozialem Handeln und Empathie vorgestellt.

Danach folgt in Kapitel drei die Beschreibung der Bindungstheorie, die umfassend darstellt, wie die Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes von den frühen Erfahrungen mit seinen primären Bezugspersonen beeinflusst wird. Nach der Diskussion der Kritik an der Bindungstheorie werden Erkenntnisse der Neurobiologie angeführt, die die Annahmen der Bindungstheorie bestätigen.

Daraufhin wird in Kapitel vier das „Ontogenetische Modell der Entwicklungsbedingungen von Empathie und prosozialem Verhalten aus bindungstheoretischer Sicht“ von Volland (1995) beschrieben. Volland will damit darstellen, wie sich die Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie aus bindungstheoretischer Sicht vollzieht. Kritik an diesem Modell wird dahingehend geübt, dass es nicht erklären kann, wie das Selbst bzw. die Persönlichkeit des Kindes entsteht und dadurch prosoziales Handeln und Empathie beeinflusst. Aus diesem Grund wird das Kapitel vier durch die Darstellung der Entwicklung des Selbstkonzepts ergänzt. Erläutert werden neben der Entwicklung der „theory of mind“ auch die Begriffe der Affektspiegelung und der Mentalisierung. Es folgt die Erklärung der Begriffe der emotionalen Integrität und Kohärenz.

Den Abschluss der Arbeit bildet in Kapitel fünf der Versuch, unter Berücksichtigung all dieser Erläuterungen eine zusammenfassende Darstellung der Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie inklusive eines Übersichtsmodells zu entwerfen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Prosoziales Handeln und Empathie 7
2.1 Prosoziales Handeln 8
2.2 Empathie 9
2.2.1 Kategorien der Empathie 11
2.2.1.1 Empathie als kognitive Fähigkeit 11
2.2.1.2 Empathie als primär affektive Reaktion 12
2.2.1.3 Empathie als affektive und kognitive Fähigkeit 14
2.3 Aktualgenetisches Modell zum Zusammenhang von prosozialem Handeln und Empathie 18
2.4 Zusammenfassung 21
3. Die Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth 24
3.1 Grundlagen der Bindungstheorie 25
3.1.1 Feinfühligkeit und Bindungssicherheit 31
3.1.2 Bindungs- und Explorationsverhalten 34
3.1.3 Bindung 36
3.1.4 Die Bindungsstile 39
3.1.5 „Internale Arbeitsmodelle“ von der Bindungsfigur und vom Selbst 44
3.2 Kritik an der Bindungstheorie 48
3.3 Neurobiologische Bestätigung der Bindungstheorie 51
3.4 Zusammenfassung 53
4. Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie aus bindungstheoretischer Sicht 56
4.1 Ontogenetisches Modell der Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie nach Volland 56
4.1.1 Kritik am Modell von Volland 57
4.1.2 Die Entwicklung des Selbstkonzepts 58
4.2.1.1 Affektspiegelung 62
4.1.2.2 Mentalisierung und Entwicklung der „Theory of Mind“ 65
4.1.3 Emotionale Integrität und Kohärenz 69
5. Zusammenfassendes Modell der Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie 72
6. Zusammenfassung und Diskussion 74
6.1 Zusammenfassung 74
6.2 Diskussion 76
Abstract 80
Literaturverzeichnis 81
Verzeichnis der Abbildungen 94

Automatisiert erstellter Textauszug:

41 Sichere Bindung Diese Kinder zeigen expressives und aktives Bindungsverhalten, äußern deutlich ihren Kummer und/oder versuchen, die Nähe zur Bezugsperson durch Nachfolgen oder Suchverhalten wiederherzustellen. Wenn die Mutter wieder zurückkommt, nehmen sie Kontakt zu ihr auf, stabilisieren sich mit ihrer Hilfe und können schließlich weiterspielen. Dieses kindliche Reaktionsmuster entspricht dem optimalen Muster gemäß bindungstheoretischer Vorstellungen (Typ B). Unsicher-vermeidene Bindung Kinder mit einer solchen Bindung zeigen während der Trennung kaum emotionale Reaktionen, bei der Wiedervereinigung ignorieren sie die Bezugsperson und/oder vermeiden deutlich den Körperkontakt zu ihr (Typ A). Unsicher-ambivalente Bindung Während der Trennung können bei diesen Kindern massive emotionale Reaktionen beobachtet werden. Wenn die Mutter zurückkommt, nehmen sie Kontakt auf, zeigen aber gleichzeitig ihren Ärger und Widerstand. Sie können ihre negativen Gefühle nicht kohärent integrieren, so dass sie nicht in der Lage sind, sich mit Hilfe der Bezugsperson wieder relativ schnell emotional zu stabilisieren und zum Spiel zurückzukehren (Typ C). Nach Ainsworth et al. (1978) finden sich in unausgelesenen norddeutschen Stichproben zu ca. 30 bis 40 % sicher, zu 40 bis 50 % unsicher-vermeidend und zu 10 bis 15 % unsicher-ambivalent gebundene Kinder. Jedoch können nicht alle Kinder einer dieser drei Bindungskategorien zugeordnet werden, wie Main und Solomon (1986) Mitte der achtziger Jahre entdeckten. Bei einer Reanalyse fanden sie bei den Kindern, die im FST als nicht oder nur schwer klassifizierbar galten, ungeordnete oder unterbrochene Bewegungen, sich widersprechende Verhaltensweisen, Furcht vor der Bezugsperson oder Verwirrung. Das Verhalten dieser Kinder wirkte desorganisiert oder desorientiert, obwohl Hinweise auf zugrunde liegende klassische Bindungsmuster erkennbar waren. Diese Kinder werden der „desorganisierten Bindung“ (Typ D) zugerechnet. Bei diesem Bindungsverhalten stellt die Bezugsperson gleichzeitig Quelle der Furcht und den [...]

38 zurückhaltend. Aufgrund der sich entwickelnden Objekt- und Personenpermanenz vermisst das Kind seine Bindungsperson bei Abwesenheit und zeigt zunehmend aktives Bindungsverhalten in Form von Kontaktaufnahme, Nachfolgen etc. anstelle von ausschließlich emotionalem Ausdrucksverhalten. Mit fortgeschrittener motorischer Entwicklung kann sich das Kind auch von seiner Mutter entfernen, wobei es sich immer wieder vergewissert, ob sie noch da ist. Nach Ainsworth (1967) benutzt das Kind bei seinen Erkundungen die Bindungsperson als „sichere Basis“, durch die es Rückversicherung erfährt (Grossmann et al., 1999) und zu der es bei Gefahr und Angst zurückkehrt (Bowlby, 1988/1995). Das bedeutet, dass nun die Bindungsverhaltensweisen zunehmend flexibler in Abhängigkeit werden vom Aktivierungszustand Komponenten des der Bindungsverhaltenssystems bzw. von Kontextbedingungen nach Art und Intensität eingesetzt können. Bindungsverhaltensweisen werden nach und nach in einer groben Hierarchie organisiert. Ziel ist die Anpassung an die gegenwärtige Situation unter Berücksichtigung der vergangenen Erfahrungen. In der vierten Phase (ab dem 4. Lebensjahr) bildet sich zwischen Kind und Betreuungsperson eine komplexere Bindungsbeziehung. Bowlby nennt sie „zielkorrigierte Partnerschaft“ (Bowlby, 1969/1975, S. 248). Die Repräsentanzen, die dem Bindungsverhaltenssystem in den Phasen 1 bis 3 als Organisatoren unterlagen, sind nun der internen Bearbeitung zugänglich. Das Kind ist nun in der Lage, sowohl seine eigenen Ziele und Pläne wie die des Partners zu berücksichtigen. Es ist nun auch fähig, mental einen komplexen Plan zum Erreichen eines Zieles zu entwickeln, was eine wesentliche Komponente der Bildung eines „internal working model“ (siehe Kapitel 3.1.5) darstellt. Ab der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres entfernen sich Säuglinge immer öfter von ihrer Mutter. Es ist nun einerseits wichtig, dass das Band zwischen Mutter und Kind auch über kleinere Entfernungen hinweg erhalten bleibt, andererseits ist es nicht mehr zweckdienlich, wenn das Kind bei jeder Entfernung von seiner Bezugsperson Kummer signalisiert. Damit das Kind nun auch dann, wenn es sich von seiner Mutter entfernt hat, die Gefährlichkeit einer Situation (eine unbekannte Umgebung, ein neues Ereignis oder eine fremde Person) einschätzen kann, orientiert es sich zunehmend an ihren nonverbalen Signalen (Mimik etc.). Vor die Wahl [...]

Da Bindung im Gegensatz zum Bindungsverhalten nicht direkt beobachtbar ist, ist der Begriff der Bindung ein hypothetisches Konstrukt. Weder aus dem beobachteten Bindungsverhalten noch aus dessen Intensität können Schlüsse für das Vorhandensein einer Bindung gezogen werden, da das beobachtete Verhalten in manchen Situationen dem Bindungssystem dienen, in anderen Situationen aber auch andere Funktionen haben kann. Zum Beispiel ist sehr intensives Bindungsverhalten eher als Angst denn als Ausdruck besonders starker Bindung zu interpretieren. Deshalb ist es unumgänglich, bei der Interpretation des beobachteten Verhaltens immer die näheren Umstände der gesamten Situation sowie die Erwartungen der beteiligten Personen zu berücksichtigen. Bindung ist nicht mit „bonding“, das nach Ansicht einiger Forscher prägungsartig während einer kritischen Phase unmittelbar nach der Geburt zwischen Mutter und [...]

Arbeit zitieren:
Schuster, Natascha März 2005: Die Bedeutung der frühkindlichen Bindungserfahrungen für die Entwicklung von prosozialem Handeln und Empathie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bindungstheorie, Selbstkonzept, Mentalisierung, Affekt, Arbeitsmodell

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren