Die Bedeutung von Unternehmenskulturen für den Erfolg von internationalen Megafusionen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Arne König
- Abgabedatum: Oktober 2003
- Umfang: 155 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6942-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6942-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6942-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: König, Arne Oktober 2003: Die Bedeutung von Unternehmenskulturen für den Erfolg von internationalen Megafusionen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Fusionen, Kulturkollision, Interkulturelle Kompetenz, Mergers, Acquisitions
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Magisterarbeit von Arne König
Zusammenfassung:
Fusionen sind keine Erfindung der Postmoderne; es gibt sie seit mehr als hundert Jahren. Mit dem Millenium haben die weltweiten Fusionsaktivitäten jedoch ihren historischen Höchststand erreicht. Derzeit befinden wir uns in der fünften globalen Fusionswelle, in der zunehmend kritischer von „Fusionswahn“ oder „Fusionitis“ gesprochen wird. Dies liegt an der erheblichen Misserfolgsrate - sie beträgt mindestens 60-70%. Trotzdem entscheidet sich immer noch eine bedeutende Anzahl von Unternehmen für Fusionen. Vielleicht vertrauen sie den falschen „Experten“ - Hauptprofiteure der Verschmelzungen sind die großen US-Investmentbanken.
Als Grund für das Scheitern wird in der Fachliteratur zunehmend die Vernachlässigung des wichtigsten Betriebskapitals, der Mitarbeiter, genannt. Für sie bedeutet die Fusion eine Bedrohung: Durch die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Veränderung verunsichert, verlassen sie das Unternehmen oft freiwillig. Diese tiefgreifende Furcht wurzelt insbesondere in der Konfrontation mit einer fremden Unternehmenskultur. Bei internationalen Fusionen kommen verstärkt landeskulturelle Unterschiede zum Tragen. Sie können die Kommunikation als Grundvoraussetzung für gegenseitige Akzeptanz erheblich erschweren. Was richtig gemeint ist, wird falsch verstanden.
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Bedeutung solch kultureller Divergenzen für den Fusionserfolg. Kapitel 1 dient der Einführung. In Kapitel 2 werden Fusionen klassifiziert und ihre Ziele erklärt. Es folgt die Einteilung des Fusionsprozesses in drei Phasen. Im Anschluss wird untersucht, warum Fusionen scheitern. Aufgrund seiner immensen Bedeutung für den Fusionserfolg betrachtet Kapitel 3 das Phänomen Unternehmenskultur eingehend. Dazu werden die bisherigen Resultate der Unternehmenskulturforschung erläutert und verschiedene Kulturtypologien vorgestellt. Schließlich wird das Verhältnis der Unternehmenskultur zu immanenten und externen Kultursystemen aufgezeigt. Kapitel 4 ergänzt diese Betrachtung um den internationalen Aspekt. Die Vorstellung von Ergebnissen der vergleichenden Managementlehre und der Erforschung interkultureller Kompetenz beweist, wie stark der Einfluss nationaler Kulturunterschiede auf den Fusionsverlauf und –erfolg ist. Der Vergleich von vier verschiedenen Modellen erklärt, wie eine Fusion bei national geprägten Unternehmenskulturen verlaufen kann und welche Hürden dabei zu nehmen sind. Kapitel 5 zieht die Schlussfolgerungen aus den vorangegangenen Ausführungen: Der Verfasser entwickelt ein eigenes Modell zum Aufbau einer gemeinsamen Drittkultur zweier fusionierender Unternehmen. Als Beispiel dafür wird der denkbar komplexeste Fall, die internationale Megafusion, gewählt. Nach der Vorstellung der Hauptakteure der kulturellen Fusion und ihrer Aufgaben werden in einer prozessorientierten Betrachtung die idealtypischen Schritte jeder Fusionsphase vorgestellt und erklärt, wie eine gemeinsame Drittkultur aufgebaut werden kann, die erheblichen Einfluss auf den Erfolg jeder Fusion ausübt. Den Abschluss der Arbeit bilden normative Ratschläge an die Fusionspraxis und die Wissenschaft, um Defizite und zukünftige Forschungsschwerpunkte aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINFÜHRUNG | 1 |
| 2. | FUSIONEN | 5 |
| 2.1 | BEGRIFFSABGRENZUNG | 5 |
| 2.2 | KLASSIFIZIERUNGSKRITERIEN | 7 |
| 2.3 | ZIELE | 12 |
| 2.3.1 | Monetäre Ziele | 13 |
| 2.3.2 | Nicht-monetäre Ziele | 15 |
| 2.4 | PROZESSABLAUF | 16 |
| 2.4.1 | Premerger-Phase: Planung | 17 |
| 2.4.2 | Merger-Phase: Durchführung | 17 |
| 2.4.3 | Postmerger-Phase: Integration | 18 |
| 2.5 | MISSERFOLGSFAKTOREN | 19 |
| 2.5.1 | Harte Faktoren | 21 |
| 2.5.1.1 | Kosten | 21 |
| 2.5.1.2 | Größe | 22 |
| 2.5.1.3 | Wettbewerbsrecht | 23 |
| 2.5.1.4 | Integrationsgeschwindigkeit | 25 |
| 2.5.2 | Weiche Faktoren | 26 |
| 2.5.2.1 | Merger-Syndrom | 26 |
| 2.5.2.2 | Widerstand | 28 |
| 2.5.2.3 | Mangelnde Kommunikation | 29 |
| 2.5.2.4 | Inkompatible Unternehmenskulturen | 32 |
| 3. | UNTERNEHMENSKULTUR | 32 |
| 3.1 | BEGRIFFSBESTIMMUNG KULTUR | 32 |
| 3.2 | ENTWICKLUNG DER UNTERNEHMENSKULTURFORSCHUNG | 34 |
| 3.3 | BEGRIFFSBESTIMMUNG UNTERNEHMENSKULTUR | 37 |
| 3.4 | ABGRENZUNG ZU VERWANDTEN BEGRIFFEN | 38 |
| 3.5 | KULTUR, STRUKTUR UND STRATEGIE | 40 |
| 3.6 | UNTERNEHMENSKULTUR-TYPOLOGIEN | 42 |
| 3.6.1 | Allgemeine Unternehmenskultur-Typologien | 43 |
| 3.6.1.1 | Starke versus schwache Unternehmenskulturen | 43 |
| 3.6.1.2 | Subkulturen | 44 |
| 3.6.2 | Inhaltliche Unternehmenskultur-Typologien | 45 |
| 3.6.2.1 | Eindimensionale Typologie nach Ansoff | 45 |
| 3.6.2.2 | Zweidimensionale Typologie nach Deal und Kennedy | 46 |
| 3.6.2.3 | Multidimensionale Typologie nach Rühli | 47 |
| 3.7 | FUNKTIONEN DER UNTERNEHMENSKULTUR | 51 |
| 3.8 | REGIONALKULTUR UND UNTERNEHMENSKULTUR | 53 |
| 3.9 | LANDESKULTUR UND UNTERNEHMENSKULTUR | 53 |
| 3.10 | KULTURREGION UND UNTERNEHMENSKULTUR | 54 |
| 3.11 | UNTERNEHMENSKULTUR IM KULTURELLEN GEFLECHT | 55 |
| 4. | BEDEUTUNG VON UNTERNEHMENSKULTUREN BEI INTERNATIONALEN MEGAFUSIONEN | 58 |
| 4.1 | VERGLEICH VON LANDESKULTUREN | 58 |
| 4.1.1 | Kulturelle Dimensionen nach Hofstede | 58 |
| 4.1.2 | Kulturelle Dimensionen nach Trompenaars | 61 |
| 4.1.3 | Kulturelle Dimensionen nach Hall | 63 |
| 4.2 | INTERKULTURELLE KOMPETENZ | 68 |
| 4.2.1 | Entwicklung des Forschungsfeldes | 69 |
| 4.2.2 | Faktoren interkultureller Kompetenz | 73 |
| 4.3 | EINFLUSS INTERKULTURELLER KOMPETENZ AUF DEN INTERNATIONALEN FUSIONSERFOLG | 74 |
| 4.4 | INTERKULTURELLES TRAINING | 75 |
| 4.5 | FUSION DER UNTERNEHMENSKULTUREN | 78 |
| 4.5.1 | Betrachtung der Ausgangsbedingungen | 79 |
| 4.5.1.1 | Das Akkulturationsmodell von Nahavandi und Malekzadeh | 79 |
| 4.5.1.2 | Das Modell der Initialkonfiguration von Olie | 82 |
| 4.5.1.3 | Das Modell der Kulturkompatibilität von Cartwright und Cooper | 86 |
| 4.5.1.4 | Zusammenfassender Vergleich der Modelle | 89 |
| 4.5.2 | Prozessorientierte Betrachtung: Das Modell von Stahl | 92 |
| 5. | ERFOLGREICHE FUSION DER UNTERNEHMENSKULTUREN | 96 |
| 5.1 | HAUPTAKTEURE BEIM AUFBAU EINER INTERNATIONALEN DRITTKULTUR | 96 |
| 5.1.1 | Unternehmensführung | 96 |
| 5.1.2 | Personalabteilung | 97 |
| 5.1.3 | Interne und externe Öffentlichkeitsarbeit | 98 |
| 5.1.4 | Externe Unternehmensberater | 99 |
| 5.2 | UNTERNEHMENSKULTURELLER PROZESSABLAUF EINER FUSION | 101 |
| 5.2.1 | Premerger-Phase: Planung | 101 |
| 5.2.1.1 | Bestimmung der eigenen Unternehmens- und Landeskultur: Ist-Analyse | 101 |
| 5.2.1.2 | Partnerwahl: Cultural Due Diligence | 104 |
| 5.2.1.3 | Entwicklung eines Stufen-Integrationsplans | 105 |
| 5.2.1.4 | Entwicklung von Paritätsmodellen | 106 |
| 5.2.2 | Merger-Phase: Durchführung | 108 |
| 5.2.2.1 | Festlegung einer neuen Kulturstrategie: Soll-Analyse | 109 |
| 5.2.2.2 | Verschmelzung der Stufen-Integrationspläne | 110 |
| 5.2.2.3 | Verschmelzung der Paritätsmodelle | 111 |
| 5.2.2.4 | Kommunikationsplan und Einrichtung zentraler Informationsstelle | 112 |
| 5.2.2.5 | Bildung von Integrationsteams | 114 |
| 5.2.3 | Postmerger-Phase: Integration | 114 |
| 5.2.3.1 | Realisation von Paritätsmodell und Kommunikationsplan | 115 |
| 5.2.3.2 | Integrations-Workshops | 117 |
| 5.2.3.3 | Interkulturelles Training | 118 |
| 5.2.3.4 | Drittkultur-Evaluation | 120 |
| 5.2.3.5 | Evaluation des kulturellen Fusionserfolges | 121 |
| 5.2.4 | Zusammenfassende Darstellung des kulturellen Fusionsprozesses | 123 |
| 6. | HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN | 124 |
| 6.1 | RATSCHLÄGE FÜR DIE FUSIONSPRAXIS | 124 |
| 6.2 | AUFFORDERUNGEN AN DIE WISSENSCHAFT | 125 |
| 7. | FAZIT | 126 |
| 8. | LITERATURVERZEICHNIS |
Menschen – deren Verhalten wird abgeschaut und nachgemacht.302 Die technische Ebene wird – anders als die formelle und die formlose – vollkommen bewusst wahrgenommen. Sie ist das Ergebnis von logischen Analysen, die klare Verhaltensvorgaben erbringen. Sie kann niedergeschrieben und sogar über Distanz gelehrt werden.303 Alle Ebenen sind in jeder Situation vorhanden, aber eine dominiert die anderen beiden situationsspezifisch. Es sei wichtig, so Hall, Personen für Auslandseinsätze nach ihrer Eignung auszuwählen, ihnen die Sprache und Schrift des Landes beizubringen und sie gründlich und umfassend über die Landeskultur zu unterrichten. Neben Sprache und Schrift müsse aber ebenso die nonverbale Sprache eines Landes erlernt werden. „Most Americans are only dimly aware of this „silent language“ even though they use it every day. They are not conscious of the elaborate patterning of behaviour which prescribes the handling of time, spatial relationships, attitudes towards work, play, and learning. In addition to our verbal language, we are constantly communicating our real feelings in the language of behavior.“304 Hall unterscheidet fünf kulturelle Dimensionen, die helfen, sich in einer anderen Landeskultur zurecht zu finden, indem sie die ihr zu Grunde liegende Struktur offenbaren: Zeit, Kontext, Raum, Informationsfluss und Interfacing. 1.) Zeit: Hall unterscheidet zwischen Gesellschaften mit monochroner und polychroner Zeit. In monochronen Kulturen wie Deutschland ist das Zeitverständnis Ergebnis der Industriellen Revolution. Sie sind stark an Zeitplänen orientiert, führen nur eine Aktivität zur Zeit durch und weisen einen elaborierten Verhaltenscode auf, der durch die Bereitschaft, Verpflichtungen und Verabredungen einzuhalten, bestimmt ist. Polychrone Kulturen sind das genaue Gegenteil: persönliche Beziehungen und Interaktionen nehmen einen höheren Wert ein als Zeitpläne und Verabredungen. Eine Vielzahl von Aktivitäten werden gleichzeitig durchgeführt, Unterbrechungen sind häufig. Diese grundverschiedenen Einstellungen im Umgang mit Zeit betreffen alle Aspekte geschäftlicher und gesellschaftlicher Aktivitäten. Zudem zeigen sie die zeitliche Grundorientierung einer Kultur: vergangenheits-, gegenwarts- oder zukunftsorientiert. [...]
Der Kulturanthropologe Hall setzt Kultur mit Kommunikation gleich. Er schöpft seine Erkenntnisse aus Erfahrungen bei Auswahl und Training amerikanischer Regierungsangestellter und Geschäftleute für Auslandseinsätze. Zudem verweist er auf Feldstudien mit Hispano-Amerikanern in Neu Mexiko und Lateinamerika, Navajo-, Hopiund Trukese-Indianern, Arabern und Iranern.297 Demnach muss Kultur – wie Kommunikation – dekodiert werden, um sie zu verstehen. Es gibt nicht eine Kultur, sondern immer nur eine Vielzahl von Kulturen. Sie bilden ein System zum Kreieren, Senden, Aufbewahren und Verarbeiten von Information.298 Information wird nicht nur verbal durch Worte vermittelt, sondern auch durch Gesten und Verhalten. Hall stellt dabei in Anlehnung an Freud auf das Unbewusste ab, „the cultural unconscious“,299 dass außerhalb der bewussten Wahrnehmung funktioniert und im Nebeneinander mit bewusst gewählten Worten. Während eine Person mit Worten das Eine ausdrückt, kann sie durch Gesten etwas vollkommen Anderes kommunizieren, unabhängig davon, ob sie das Hall beabsichtigt oder nicht. Zwischen Sprache und Gesten besteht ein interdependentes und gleichrangiges Verhältnis der Ersetzbarkeit.300 unterscheidet drei kulturelle Ebenen: die formelle, die formlose und die Die formelle Ebene ist stark traditionsgebunden und technische. [...]
Länder, aber auch Spanien und Italien. Erreicht werden muss er hingegen besonders in den USA.290 6.) Sequentielles/synchrones Zeitverständnis: In Kulturen mit sequentiellem Zeitverständnis herrscht die Auffassung, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft linear nacheinander folgen. Bei Kulturen mit synchronem Zeitverständnis wird vor allem die Interdependenz der Zeitabschnitte betrachtet – sie verschwimmen ineinander. Sie gehen von einem zirkulären Verhalten der Zeit aus. Sequentiell orientiert ist besonders Russland, Malaysia hingegen ist synchron orientiert.291 7.) Kontrolle über/Unterwerfung unter Natur: Diese Dimension beschreibt die Beziehung des Menschen zur Natur. Danach werden Kulturen unterschieden, die nach Kontrolle über die Natur streben, und solche, die sich ihr unterwerfen. Zu ersteren zählen die USA und die Schweiz, zu letzteren China, Ägypten und die Türkei.292 Trompenaars Ziel ist wie das Hofstedes die Erarbeitung von Dimensionen, die kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Ländern abbilden. Trompenaars jedoch betont explizit die Zusammenhänge zwischen Kultur und Management. Ein kausales Verhältnis der beiden zueinander kann er nur bedingt aufzeigen. So lassen sich grundlegende Fragen nach einer Verzerrung der Ergebnisse durch die Auswahl der Befragten (ausschließlich Kursteilnehmer interkultureller Trainings) bzw. dem westlich eingefärbten Blick Trompenaars stellen. Methodische Einwände betreffen die Wahl und Operationalisierung der sieben Dimensionen von Landeskultur und die Frage nach der Interpretation der Ergebnisse. Trompenaars an das interkulturelle Management gerichtete Ratschläge zum Auftreten in anderen Ländern beruhten lediglich auf Plausibilitätsüberlegungen, wirft ihm etwa Schmid vor.293 Ein Einwand, der genauso Hofstede und an anderer Stelle auch Rühli gegenüber erhoben werden kann, der aber m. E. hinreichend vernachlässigbar ist.294 Hat Trompenaars Studie nicht so fundamentale Erkenntnisse wie Hofstedes erbracht, ist sie doch eine gelungene [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832469429
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König, Arne Oktober 2003: Die Bedeutung von Unternehmenskulturen für den Erfolg von internationalen Megafusionen, Hamburg: Diplomica Verlag
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