Die Bedeutung von Teilzeitarbeit für das Personalmanagement
Unter besonderer Beachtung der Auswirkungen aktueller Gesetzgebung der Familienpolitik
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jessica Sandner
- Abgabedatum: Dezember 2007
- Umfang: 88 Seiten
- Dateigröße: 538,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: FOM - Fachhochschule für Oekonomie und Management Essen Deutschland
- Bibliografie: ca. 133
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1151-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Sandner, Jessica Dezember 2007: Die Bedeutung von Teilzeitarbeit für das Personalmanagement, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Teilzeitarbeit, Familienpolitik, Work-Life-Balance, Elterngeld, Personalmanagement
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Diplomarbeit von Jessica Sandner
Einleitung:
Das Teilzeit– und Befristungsgesetz (TzBfG) mit Wirkung zum 01.01.2001 sichert allen Arbeitnehmern unter bestimmten Voraussetzungen einen Rechtsanspruch auf Verringerung der Arbeitszeit zu, was einen Versuch des Gesetzgebers darstellt, Beruf und Familie vereinbar zu machen. Zuvor haben viele Arbeitnehmer ihren Wunsch nach Teilzeitarbeit aufgrund fehlender Teilzeitarbeitsplätze nicht verwirklichen können. Gesetzlich verankert ist ein Anspruch auf Teilzeitarbeit für Eltern bereits seit 1989 im Bundeserziehungsgeldgesetz (BErzGG). Deutschland verzeichnet schon länger eine rückläufige Geburtenrate, welche im Jahr 2005 1,34 Kinder je Frau erreicht hat und im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit einen der hintersten Plätze ein. Diese Entwicklung lässt Politiker, Kirchen- sowie Medienvertreter zu den unterschiedlichsten Standpunkten Stellung beziehen. Das neue Elterngeldgesetz ist am 01.01.2007, trotz Widerstand von vielen Seiten gegen die Politik der Familienministerin von der Leyen, in Kraft getreten und soll nach Meinung von Thomas Steg (Regierungssprecher) eine „kopernikanische Wende in der Familienpolitik“ symbolisieren und insbesondere Mittelschichtfrauen, Akademikerinnen und Selbständige ermutigen, Mutter zu werden. Gleichzeitig setzt das Elterngeld durch die Befristung auf maximal 12 Monate einen Anreiz, die Erwerbstätigkeit der Mutter zeitnah wieder aufzunehmen und dabei auch von dem Recht auf Teilzeit Gebrauch zu machen. Um hierzu die Basis zu schaffen, fordert Frau von der Leyen bis zum Jahr 2013 die Schaffung von weiteren 500.000 Krippenplätzen in Deutschland, was vom Augsburger Bischof Mixa als kinderfeindlich, ideologisch verblendet und die Frau zur Gebärmaschine degradiere, kommentiert wird.
Teilzeitarbeit gehört zu den sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie entweder nicht auf Dauer und Kontinuität oder auf Vollzeit ausgelegt sind. Ein Stürmer eines Fußballteams wird häufig in der Schlussphase als Joker eingesetzt, was sich mit dem Einsatz von Teilzeitkräften in Zeiten hoher betrieblicher Auslastung vergleichen lässt. Häufig kann beobachtet werden, dass ein kurzer Einsatz und ein hoher Ertrag überproportional gemeinsam in Erscheinung treten, weshalb sich die Frage stellt, ob Teilzeitarbeit grundsätzlich produktiver als Vollzeitarbeit ist. Mehrheitlich wird Teilzeitarbeit von Frauen in Anspruch genommen, aber mit dem neuen Teilzeitgesetz versucht die Familienpolitik die Reduzierung von Arbeitszeiten vor allem auch bei Männern zu fördern, um dem Trend, dass Männer in Paarhaushalten mit Kind im Durchschnitt die höchste Wochenarbeitszeit vorweisen, entgegenzuwirken. Allerdings ist es für viele Männer und Führungskräfte unüblich, Teilzeitarbeit zugunsten der Kinderbetreuung auszuüben und viele Unternehmen bieten nur auf Frauen und Mütter zugeschnittene Teilzeitkonzepte an. Trotzdem setzt sich das Doppelverdienerehepaar bereits in den meisten Familien gegen die Hausfrauenehe durch.
Mit zunehmender Erwerbsorientierung der Frauen nimmt langsam die Familienorientierung der Männer zu, wodurch Väter sich heute verstärkt dem Problem der Balance zwischen Arbeit und Familie stellen müssen. Voltaire äußerte sich bereits über die Auswirkungen der Unausgewogenheit zwischen Berufs- und Familienleben: „In der einen Hälfte des Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben. In der anderen Hälfte opfern wir Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen.“ Ebenso hat Ringelnatz treffende Worte gefunden: „Du weißt nicht mehr, wie Blumen duften, kennst nur die Arbeit, nur das Schuften, so gehen sie hin, die schönen Jahre, auf einmal liegst du auf der Bahre. Und hinter dir, da grinst der Tod: Kaputt gerackert, Vollidiot…“ Unternehmen haben die wachsenden Konflikte und Belastungen bei ihren weiblichen wie männlichen Mitarbeitern erkannt, denn sie reagieren sukzessive mit familienfreundlichen Maßnahmen und das Thema Work-Life-Balance hält zunehmend in den Unternehmen Einzug. Die Erhaltung der „Ressource Personal“ mittels familienfreundlichem Personalmanagement wird in Zukunft eine Schlüsselfunktion für den Erfolg des Unternehmens zugewiesen, denn Wissen ist in der Informationsgesellschaft von entscheidender Bedeutung und Wissensträger ist jeder einzelne Mitarbeiter.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit stellt zunächst einen Überblick zu den aktuellen gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Teilzeitarbeit sowie Elterngeld und Elternzeit dar. Im Bereich des Elterngeldes hat die Familienpolitik seit dem 01.01.2007 einen grundsätzlich neuen Weg beschritten, denn das ehemals pauschale Erziehungsgeld ist in eine Einkommensersatzleistung, welche von der Höhe des früheren Einkommens abhängig ist, umgewandelt worden.
Anschließend wird die Bedeutung der Teilzeitarbeit für Personalmanagement und Unternehmen diskutiert, indem Aufwand und Nutzen dieser Arbeitsform, auch im Hinblick auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes, betrachtet werden.
In Kapitel vier wird darauf eingegangen, was ein familienfreundliches Unternehmen auszeichnet und welche Rolle die sogenannte Work-Life-Balance spielt. Insgesamt ist bei Vätern eine steigende Familienbezogenheit zu erkennen, denn Väter bis zum Alter von 44 Jahren beantworten die Frage „Worin sehen Sie vor allem den Sinn Ihres Lebens?“ 1981 zu 67 % mit dem Wohlbefinden ihrer Kinder und im Vergleich zu 78 % im Jahr 2003. Fraglich ist, ob sich die gestiegene Familienbezogenheit der Väter auch dahingehend auswirkt, dass Männer beruflich in Form von Teilzeitarbeit kürzer treten oder ob Arbeitszeitverkürzung ein reines Frauenphänomen darstellt.
Einen weiteren Diskussionspunkt bildet die Frage, welche Rolle staatliche Anreize für die Beteiligung von Männern sowie Führungskräften an der Kinderbetreuung und der damit verbundenen Arbeitszeitreduzierung spielen. Zur Beurteilung der derzeitigen Anreize in Deutschland wird die Situation im europäischen Vergleich betrachtet, um Stärken sowie Defizite der Familienpolitik aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | GESETZLICHE RAHMENBEDINGUNGEN | 3 |
| 2.1 | TEILZEIT- UND BEFRISTUNGSGESETZ (TZBFG) | 3 |
| 2.1.1 | Historische Entwicklung | 3 |
| 2.1.2 | Rechtliche Grundlagen zur Teilzeitarbeit | 5 |
| 2.1.3 | Rechtssprechungsbeispiele zum Teilzeitgesetz | 11 |
| 2.2 | BUNDESELTERNGELD- UND ELTERNZEITGESETZ (BEEG) | 12 |
| 2.2.1 | Historische Entwicklung | 12 |
| 2.2.2 | Rechtliche Grundlagen zum Elterngeld und zur Elternzeit | 13 |
| 2.2.3 | Rechtssprechungsbeispiele zum Elterngeld- und Elternzeitgesetz | 17 |
| 3. | TEILZEITARBEIT UND PERSONALMANAGEMENT | 18 |
| 3.1 | UNTERNEHMENSINTERNE FAKTOREN | 18 |
| 3.1.1 | Aufwand des Unternehmers | 18 |
| 3.1.2 | Nutzen für Unternehmen und Mitarbeiter | 22 |
| 3.1.3 | Mitarbeitermotivation und Arbeitsproduktivität | 28 |
| 3.2 | UNTERNEHMENSEXTERNE FAKTOREN | 31 |
| 3.2.1 | Teilzeitarbeit und der Arbeitsmarkt | 31 |
| 3.2.2 | Vereinbarkeit von Teilzeitarbeit mit den Kundenerwartungen | 32 |
| 4. | BEDEUTUNG FAMILIENORIENTIERTER PERSONALPOLITIK | 34 |
| 4.1 | KENNZEICHEN VON FAMILIENFREUNDLICHEN UNTERNEHMEN | 34 |
| 4.1.1 | Unternehmenskultur | 34 |
| 4.1.2 | Arbeitgeberverantwortung- Einführung familienfreundlicher Maßnahmen | 36 |
| 4.1.3 | Alternativen zur Teilzeitarbeit | 41 |
| 4.2 | AUSWIRKUNGEN AKTUELLER GESETZGEBUNG AUF DIE TEILZEITARBEIT | 45 |
| 4.2.1 | Neue Anforderungen an die Unternehmen | 45 |
| 4.2.2 | Staatliche Anreize zur Teilzeitarbeit für Führungskräfte und Männer | 47 |
| 4.3 | WORK-LIFE-BALANCE | 51 |
| 4.3.1 | Definition und historische Entwicklung | 51 |
| 4.3.2 | Work-Life-Balance Maßnahmen und ihre Vorteile | 53 |
| 4.3.3 | Work-Life-Balance bei hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften | 54 |
| 4.4 | WIEDEREINSTIEG NACH DER ELTERNZEIT | 56 |
| 5. | DEUTSCHLAND IM EUROPÄISCHEN VERGLEICH | 58 |
| 5.1 | TEILZEITARBEIT IM EUROPÄISCHEN VERGLEICH | 58 |
| 5.2 | STAATLICHE FAMILIENPOLITIK IM EUROPÄISCHEN VERGLEICH | 62 |
| 6. | ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK- EINE KRITISCHE WÜRDIGUNG | 65 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 71 |
Textprobe:
Kapitel 3.1.2, Nutzen für Unternehmen und Mitarbeiter:
„Der Nutzen misst den Grad der Bedürfnisbefriedigung der Verwendung eines Gutes, gibt also an, inwieweit ein Gut den bestehenden Mangelzustand beheben kann.“ Ein durch Teilzeitarbeit beseitigter Mangelzustand und die dadurch erzielte Bedürfnisbefriedigung können Unternehmen oder Mitarbeiter einen Nutzen stiften. Teilzeitarbeit bietet dem Unternehmen drei Möglichkeiten, einen wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen: 1. In Zeiten in denen Personal reduziert werden muss, kann das Unternehmen durch Teilzeitarbeit Personalkosten abbauen, ohne die Anzahl der Beschäftigten zu reduzieren. 2. Bei schwankender Personalauslastung wie beispielsweise im Einzelhandel wird zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich viel Personal benötigt. Teilzeitarbeit bietet eine erhöhte Flexibilität, um bedarfsgerechten Personaleinsatz zu ermöglichen. 3. Wenn auf den Wunsch der Belegschaft nach Teilzeitarbeit eingegangen wird, werden Arbeitsplätze im Unternehmen attraktiver und die Personalbindung erhöht.
Arbeitszeit lässt sich durch Mehrschichtbetrieb, Nachtarbeit oder Arbeit an Samstagen und bzw. oder Sonntagen flexibel gestalten. Durch den Einsatz von versetzter Teilzeitarbeit kann zusätzliche Flexibilität durch Entkopplung der individuellen Arbeitszeit der Beschäftigten von der Betriebszeit erzielt werden. Teilzeitarbeit stellt somit eine flexiblere Beschäftigungsform als Vollzeitarbeit dar und bietet einen breiteren unternehmerischen Anpassungsspielraum in der Arbeitsorganisation, der das Reaktionsvermögen der Unternehmen auf Nachfrage- und damit Arbeitsanfallschwankungen verbessert und die ökonomische Effizienz des Unternehmens steigert. Im Handel sowie im produzierenden Gewerbe können vorhersehbare saisonale Schwankungen durch vermehrten Einsatz von Teilzeitarbeit aufgefangen werden. Insbesondere im Dienstleistungssektor kann eine flexible Teilzeitbeschäftigung zu einer Rationalisierung des Arbeitskräfteeinsatzes führen und dem Arbeitgeber somit Kostenvorteile ermöglichen. Die Preise für die Dienstleistungen sinken, da durch Teilzeit die Arbeitsorganisation in Handel, Verkehr sowie Gaststättengewerbe viel effizienter gestaltet werden kann, was unter Umständen einen positiven Nachfrageeffekt hervorruft.
Teilzeitarbeit stellt eine klassische Form der Frauenerwerbstätigkeit dar und ist vor allem in Branchen mit einem hohen Frauenanteil wie soziale Dienstleistungen, öffentliche Verwaltung sowie Kredit- und Versicherungsgewerbe anzutreffen. Teilzeitbeschäftigung hilft aufgrund familienbedingter Fluktuation, vor allem bei Mitarbeiterinnen entstehende Wiederbeschaffungs- bzw. Fluktuationskosten zu senken: (1) Kosten für unbesetzte Stellen speziell bei hoch qualifizierten Arbeitsplätzen und damit verbundene Produktionsausfälle beispielsweise durch fehlende Kundenbetreuung, (2) Anwerbungskosten wie Zeitungsannoncen, Anwerbeprämien, Personalberater, etc., (3) Auswahlkosten in Form von Einstellungsgesprächen, Assessment-Center, Fahrtkosten der Bewerber, usw., (4) Einstellungskosten wie Umzugskosten, Arbeitsplatzeinrichtung oder Stammdatenerhebung, (5) Aus- und Fortbildungskosten wie Kosten für interne oder externe Seminare, (6) Einarbeitungskosten durch Ausfallzeiten anderer Mitarbeiter infolge „Training-on-the-Job“ und (7) Minderleistungen bei Einarbeitung da geringere Produktivität und höhere Fehlerquote, erhöhte Unfallgefahr sowie Kosten für fehlendes Know-how.
Kosten für Fluktuation werden häufig mit der Faustformel 1,5 Jahresgehälter für hoch qualifizierte Mitarbeiter und 0,75 Jahresgehälter für gering Qualifizierte berechnet.
In einer Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit aus 2004 haben Betriebe unterschiedliche Aspekte sozialversicherungspflichtiger Teilzeitarbeit (ohne Mini-Jobs) im Vergleich zur Vollzeitbeschäftigung bewertet. Die Daten sind nach dem Betriebs- und Beschäftigtenkonzept ausgewertet worden. Das Beschäftigtenkonzept berücksichtigt im Gegensatz zum Betriebskonzept die Beschäftigtenzahl und damit die Betriebsgröße, indem die Stimmen der befragten Betriebe eine unterschiedliche Gewichtung erhalten. Bei beiden Konzepten überwiegen die positiven Beurteilungen. 50 % der Befragten bestätigen, dass sich vor allem in Teilzeitarbeit die Betriebs- und Arbeitsabläufe flexibler gestalten lassen. Ebenso ist unabhängig der Betriebsgröße eine höhere Arbeitszufriedenheit durch Teilzeitarbeit zu erzielen, da Teilzeiterwerbstätigkeit sich positiv auf das Betriebsklima, die Motivation der Mitarbeiter sowie eine geringe Fluktuation auswirkt. Die Arbeitsproduktivität je Stunde sowie geringere Fehlzeiten von Teilzeitbeschäftigten werden als Vorteil gegenüber Vollzeitarbeit gesehen. Somit lässt sich durch Teilzeitarbeit aufgrund geringerer Fluktuation sowie Fehlzeiten, höherer Motivation und Produktivität ein Wettbewerbsvorteil aufgrund sinkender Arbeitskosten erzielen. Auf Mitarbeitermotivation und Arbeitsproduktivität wird im nachfolgenden Kapitel 3.1.3 näher eingegangen. Nachteile sehen vor allem Mittel- und Großbetriebe bei kostenrelevanten Gesichtspunkten wie Personalzusatzkosten, Arbeitsplatzkosten und Verwaltungsaufwand. Insgesamt lässt sich mit zunehmender Betriebsgröße ein Rückgang positiver Bewertungen verzeichnen. Nachfolgend sind die Ergebnisse der Befragung unterteilt nach Betriebs- und Beschäftigtenkonzept graphisch dargestellt.
Dennoch wird kontrovers diskutiert, ob es einen Zusammenhang zwischen geringeren Fehlzeiten und Teilzeitbeschäftigung gibt. Vor allem die Unternehmen zeigen auf, dass keine pauschalen Urteile möglich sind, denn BMW hat nach der Stundenreduzierung zunächst eine Absenkung der Fehlzeiten festgestellt, welche aber nach einer gewissen Zeit wieder auf die vorherige Fehlzeitenhöhe angestiegen ist und Siemens hat einen geringeren Krankenstand bei wenig qualifizierten Teilzeitbeschäftigten im Verhältnis zu vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern ermittelt.
Auf der Arbeitnehmerseite entsteht vorübergehend oder dauerhaft ein Interesse an Teilzeitarbeit, wenn Vollzeitarbeit mit anderen Aktivitäten nicht vereinbar ist. Wenn beide Ehepartner Teilzeit arbeiten würden (z.B. jeder 2/3 einer Vollzeitstelle), könnte ein höheres Haushaltseinkommen bei mehr gemeinsamer Freizeit erzielt und die Wohlfahrt eines Familienhaushaltes gesteigert werden. Trotz Risiken für Einkommen, Karriere und soziale Absicherung besteht für viele Mütter der Hauptnutzen von Teilzeitarbeit darin, das aufgrund häufig fehlendem oder unzureichendem Angebot an Einrichtungen zur Kinderbetreuung, Teilzeitarbeit meist die einzige Möglichkeit ist, Erwerbstätigkeit und Familie vereinbar zu machen. Hingegen basiert bei Männern die Entscheidung zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigung mehrheitlich aus einem Einkommen-versus-Freizeit-Kalkül. Ein weiterer Grund für Teilzeitarbeit ist, dass ein Strukturwandel in den Familien eine höhere Koordinierung beruflicher und privater Belange notwendig macht, wobei folgende gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet werden können: (1) Ein beständiger Rückgang von Mehrgenerationenhaushalten und gleichzeitige Zunahme kinderloser Ehepaare, (2) eine sinkende Geburtenrate seit Mitte der sechziger Jahre, (3) eine gestiegene Scheidungsrate und (4) somit ein wachsender Anteil von Alleinerziehenden, insbesondere Frauen.
Je weiter bei gemeinsam veranlagten Ehepartnern die Einkommen auseinander liegen, desto weniger lohnt sich die Vollzeitbeschäftigung für den geringer verdienenden Partner, da aufgrund der Steuerprogression das niedrigere Einkommen verhältnismäßig hoch besteuert wird. Beim Wechsel von Voll- in Teilzeitarbeit sinkt zwar das Einkommen, aber der Steuereffekt mildert häufig die finanziellen Einbußen und der Einkommensverlust steht meist nicht im Verhältnis zum Zeitgewinn. Aufgrund der geringeren Arbeitsbelastung als bei Vollzeitarbeit bleibt dem Teilzeitbeschäftigten mehr Zeit für Freizeitinteressen, Sozialkontakte, ein politisches oder soziales Engagement und ermöglicht gar bei gesundheitlicher Beeinträchtigung überhaupt eine Erwerbstätigkeit. Zusätzlich verlangt der schnellere wissenschaftliche sowie technische Fortschritt ein lebenslanges Lernen, wodurch Teilzeitarbeit Zeit für den Erwerb von Zusatzqualifikation schafft oder hilft, den Schritt in eine Selbständigkeit zu wagen. Gründe, die dem einzelnen Arbeitnehmer einen Nutzen stiften und damit seine Zufriedenheit trotz Einkommenseinbußen erhöhen können.
Abschließend kann festgestellt werden, dass Teilzeitarbeit von Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern insgesamt eher vorteilhaft als nachteilig betrachtet wird, aber je mehr die Einführung aus ökonomischer denn sozialer Effizienz erfolgt, desto eher kommt es zu Konflikten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wodurch Kosten aufgrund der ablehnenden Haltung der Arbeitnehmer für das Unternehmen entstehen und den Ertrag des Unternehmens durch flexible Teilzeitmodelle mittelbar reduziert wird.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836611510
Arbeit zitieren:
Sandner, Jessica Dezember 2007: Die Bedeutung von Teilzeitarbeit für das Personalmanagement, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Teilzeitarbeit, Familienpolitik, Work-Life-Balance, Elterngeld, Personalmanagement



