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Die Bedeutung des Order Flow für die Wechselkursbestimmung

Die Bedeutung des Order Flow für die Wechselkursbestimmung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexander Frank
  • Abgabedatum: April 2005
  • Umfang: 77 Seiten
  • Dateigröße: 771,2 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9203-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9203-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9203-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Frank, Alexander April 2005: Die Bedeutung des Order Flow für die Wechselkursbestimmung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Marktmikrostruktur, Devisenmärkte, Finanzmärkte, Analyse, Informationen

Diplomarbeit von Alexander Frank

Einleitung:

Der Devisenmarkt ist aufgrund seiner Umsatzstärke und der enormen Liquidität für viele Ökonomen und Anleger zweifelsohne der faszinierendste Markt der Welt. Weltweit werden rund um die Uhr auf den internationalen Devisenmärkten Währungen gehandelt, deren Wechselkursentwicklungen von immenser volkswirtschaftlicher Relevanz sind. Ein Wechselkurs definiert das Austauschverhältnis zwischen den Währungen zweier Nationen und bestimmt auf diese Weise entscheidend die internationale wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder. Gleichzeitig werden die Devisenkurse weltweit von vielen Anlegern als Spekulationsobjekt par excellence betrachtet. Der Erklärung und der Prognose von Wechselkursschwankungen gebührt deshalb ein besonderer Stellenwert innerhalb der Ökonomie und des Asset Management.

Während die traditionellen makroökonomischen Modelle die langfristigen Wechselkursentwicklungen relativ gut beschreiben können, sehen sich die Ökonomen bei kurzfristigen Wechselkursänderungen mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Trotz einer intensiven Forschung nach möglichen fehlenden makroökonomischen Variablen, konnten keine wesentlichen Verbesserungen bei der Erklärbarkeit und der Vorhersage kurzfristiger Wechselkursschwankungen erzielt werden. Vor dem Hintergrund dieser Schwierigkeiten entstand eine neue Forschungsrichtung, die sich mit der Mikrostruktur der Devisenmärkte auseinandersetzt. Die Mikrostrukturtheorie berücksichtigt den Einfluss von Institutionen, die Rolle der privaten Informationen und das Verhalten der Agenten bei der Wechselkursbestimmung.

Das Augenmerk dieser Arbeit richtet sich auf Order Flow, einer zentralen Variable dieses Mikrostrukturansatzes. Obwohl noch relativ neu, hat sich die Analyse des Order Flow unter den Devisenhändlern neben der fundamentalen und technischen Analyse als eine dritte Analyseform etabliert. Die Anwendung und der Nutzen des Order Flow zur Beschreibung und Prognose von Wechselkursentwicklungen sind allerdings unter den Ökonomen nicht unumstritten. Die Vorbehalte richten sich in erster Linie gegen die Funktion des Order Flow als Träger privater kursrelevanter Informationen, deren Existenz vor allem von den Vertretern der traditionellen makroökonomischen Theorie aufgrund des öffentlichen Charakters der Informationen auf den Devisenmärkten abgewiesen wird.

Sollte der Order Flow überhaupt eine Funktion erfüllen, dann die einer Implementierung der veröffentlichten makroökonomischen Fundamentaldaten in den Wechselkursen. Insofern ist die Richtung des Order Flow durch die fundamentalen Faktoren vorbestimmt und seine Wirkung auf sehr kurzzeitige und vorübergehende Effekte beschränkt, weshalb er sich für eine zukünftige Wechselkursbestimmung nicht eignet. Die Vertreter des Order Flow Ansatzes sehen dagegen die asymmetrische Informationsverteilung auf den Devisenmärkten als einen grundlegenden Faktor für die informative Rolle des Order Flow, der die privaten Informationen aggregiert und dadurch eine Bestimmung künftiger Wechselkurse ermöglicht. Eine Untersuchung der Bedeutung des Order Flow für die Wechselkursbestimmung ist Gegenstand dieser Arbeit.

Dabei wird zunächst auf die Wechselkursbestimmung und die Besonderheiten der Devisenmärkte eingegangen. Dazu wird kurz die Evolution des Marktmikrostrukturansatzes dargelegt und anschließend ausführlich seine wesentliche Determinante, Order Flow, erläutert. Unter den Besonderheiten der Devisenmärkte erfolgt eine Beschreibung der Marktstrukturen sowie der teilnehmenden Akteure und der angewendeten Handelssysteme.

Im Abschnitt drei, dem Schwerpunkt der Arbeit, wird die Evidenz für die informative Rolle des Order Flow bei der Wechselkursbestimmung beleuchtet. Dies geschieht anhand der Darstellung von vier verschiedenen empirischen Methoden, wobei die Reihenfolge der Betrachtung die zunehmende Evidenzstärke der jeweiligen Herangehensweise widerspiegelt. Die behandelten empirischen Methoden nähern sich der Frage nach Informationseffekten des Order Flow aus verschiedenen Perspektiven an: i) durch Umfragen der Devisenhändler, ii) Wirkung der Informationsasymmetrie auf Bid-Ask Spreads iii) Wechselwirkungen von Order Flow und Volatilität und iv) Persistenz der Order Flow Effekte. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der gesammelten Ergebnisse und einem Fazit ab.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Schlagwortverzeichnis IV
1. Einleitung und Problemstellung 1
2. Wechselkursbestimmung und Besonderheiten der Devisenmarktstrukturen 3
3. Evidenz für die informative Rolle des Order Flow bei der Wechselkursbestimmung 11
3.1 Befragungen von Devisenhändlern 11
3.1.1 Theoretische Grundlagen 11
3.1.2 Ergebnisse der Befragungen 12
3.2 Bid-Ask Spreads und der Einfluss des Order Flow 20
3.2.1 Die Hauptelemente eines Bid-Ask Spreads 20
3.2.2 Empirische Befunde 22
3.3 Volatilität von Wechselkursen und die Rolle des Order Flow 32
3.3.1 Die Bestandteile der Wechselkursvolatilität auf den Devisenmärkten 33
3.3.2 Empirische Befunde 35
3.4 Persistenz der Order Flow Effekte 46
3.4.1 VAR-Analyse und die Methode der zeitlichen Aggregation 47
3.4.2 Empirische Befunde 50
4. Zusammenfassung und Fazit 58
Literaturverzeichnis 61
Anhang A 68

Automatisiert erstellter Textauszug:

Aus den Befragungen der Händler ging hervor, dass Kundenaufträge die Hauptinformationsquelle eines Händlers bilden. Von besonderem Interesse in diesem Zusammenhang ist, inwiefern die Händler zwischen den einzelnen Kundentypen und damit dem unterschiedlichen Informationsgehalt derer Aufträge bei ihrer Spreadfestsetzung unterscheiden. Entgegen den Annahmen der traditionellen Mikrostrukturmodelle unter Informationsasymmetrie fanden Mende, Menkhoff und Osler (2004) heraus, dass sich die Größe der Spreads umgekehrt zur Auftragsgröße verhält und dass sich die Identität des Kunden auf die Höhe der Preisspanne entscheidend auswirkt. In ihrer empirischen Studie untersuchten sie das Verhalten eines Händlers über einen Zeitraum von vier Monaten in 2001. Der Händler war für den gesamten Handel in USD/EUR einer kleinen deutschen Bank, die repräsentativ für durchschnittlich große Banken betrachtet werden kann, verantwortlich. Der Datensatz beinhaltet neben der Richtung der Transaktionen, den Transaktionsdaten und Bestandspositionen zusätzliche Angaben zu Outright Forward Geschäften 88 und zu den Handelspartnern des Händlers. Insbesondere die Unterscheidung der Kunden in Gruppen der Finanzkunden und der Kunden aus Industrie und Handel ermöglichte den Autoren tiefere Einblicke in die Verteilung von Informationen auf den Devisenmärkten und in das Verhalten der Devisenhändler infolge der Informationsasymmetrie. [...]

Informationskosten hingegen waren sowohl im direkten als auch im indirekten Handel für etwa die Hälfte der Spannweite beim NOK/DEM Händler und für über 70 Prozent der Spreadhöhe beim Händler, der ausschließlich das Währungspaar DEM/USD handelte, verantwortlich. Den Rest bildete die Prozess- und Servicekomponente. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass sich die Informationstiefe der privaten Informationen bei gleich bleibenden Anteilen der Kostenelemente mit der zunehmenden Zeitdauer zwischen zwei Transaktionen erhöhte. Eine zusätzliche Bestätigung für die Kausalität zwischen den Informationseffekten, die über den Order Flow übertragen werden und sich auf die Preissetzung durch die Händler auswirken, lieferte die Kointegration. Generell wird bei einer Kointegrationsanalyse die langfristige Beziehung zwischen den beiden Variablen untersucht. Speziell wurde in diesem Fall die Beziehung zwischen den Preisen und den bedingten Erwartungen des Händlers, die er aus den Signalen des gesamten vorhergegangenen und des aktuellen Order Flow gewinnt, verglichen. Die Ergebnisse für die Order Flow Koeffizienten waren signifikant, entsprachen der Richtung des kumulierten Order Flow und [...]

Die Resultate des Handelsindikatoransatzes unterstreichen die Existenz und die Bedeutung privater Informationen und der daraus resultierenden Effekte auf den Devisenmärkten. Der Informationsgehalt dieser Informationen variiert dabei negativ mit der Häufigkeit der Preisfeststellung. Order Flow als Träger dieser Informationen übt einen permanenten Einfluss auf die Preise aus. Die Anwendung des Indikatormodells aus Gleichung (7) ergab einen für die drei DEM/USD Händler fast identischen Anteil von Informations- und Bestandhaltungskosten am effektiven Spread. Unter Einbeziehung aller eingehenden Aufträge aus dem direkten und indirekten Handel betrug er bei diesen Händlern rund 78 Prozent und sank beim NOK/DEM Händler auf 50 Prozent. Der geringere Prozentsatz beim NOK/DEM Händler lässt sich jedoch vor allem mit einem erhöhten Anteil an Prozess- und Servicekosten in einem illiquiden und kaum kompetitiven Markt für dieses Währungspaar erklären. Die anschließende Dekomposition der Spreads in einzelne Kostenelemente mit Hilfe der Gleichung (8) führte zu dem Ergebnis, dass keine Bestandhaltungskosten identifiziert werden konnten. Die [...]

Arbeit zitieren:
Frank, Alexander April 2005: Die Bedeutung des Order Flow für die Wechselkursbestimmung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Marktmikrostruktur, Devisenmärkte, Finanzmärkte, Analyse, Informationen

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