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Die Bedeutung von Narrationen für die Pädagogik unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Erzähltheorien

Ihre Möglichkeiten und Grenzen an Publikationen Neil Postman's dargestellt

Die Bedeutung von Narrationen für die Pädagogik unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Erzähltheorien
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Karl-Heinz Dehn
  • Abgabedatum: Januar 2000
  • Umfang: 149 Seiten
  • Dateigröße: 466,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Gerhard-Mercator-Universität Duisburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5999-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5999-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5999-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dehn, Karl-Heinz Januar 2000: Die Bedeutung von Narrationen für die Pädagogik unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Erzähltheorien, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Narrative Pädagogik, Narrative Identität, Radikaler Konstruktivismus, animal Fabulator, Temporalstruktur von Handlungen

Diplomarbeit von Karl-Heinz Dehn

Einleitung:

In den politischen, wissenschaftlichen und pädagogischen Debatten der letzten Jahre wird oft die Meinung vertreten, daß pädagogische Prozesse genauso steuerbar sind wie der Bau eines Autos. Pädagogisch gesteuerte Prozesse mit definierten Bildungszielen sind jedoch von vielen Einflüssen abhängig, die von Pädagogen nicht beeinflußt werden können. Dies gilt für die Schule ebenso wie für Personalentwicklungsmodelle, insbesondere aber auch für die Vorstellungen von Persönlichkeit und individueller Identität.

In dieser Arbeit wird zunächst umrissen, welche Bedeutung Narrationen haben und in welchen Formen sie vorkommen. Es stellt sich die Frage, ob verschiedene wissenschaftliche Erkenntnismodelle, die eine vermeintlich objektive Erkenntnis der Welt ermöglichen, nicht doch auf einer narrativen Grundlage beruhen, und die Welt erst durch Narrationen konstruiert wird. Kommunikation wäre damit die Basis einer spezifischen Realitätsgenerierung. Die Art der Wahrnehmung und der Interpretation von Realität ist damit abhängig von sozialen Prozessen.

Der Begriff des Prozesses deutet schon darauf hin, daß ein bestimmter Vorgang eine bestimmte Zeit braucht - und Narrationen Ereignisse zwischen zwei Zeitpunkten beschreiben (und ggf. bewerten). So ist nun zu untersuchen, welche Rolle der Zeitfaktor spielt.

Mit Kommunikation und Narrationen befaßt sich schwerpunktmäßig die Literaturwissenschaft. Anhand erzähltheoretischer Modelle wird nun definiert, was eine Narration ist. Auf dieser Basis werden die Zusammenhänge zwischen Narrationen und pädagogischem Handeln aufgezeigt. Auf Grundlage der hieraus gewonnenen Erkenntnisse wird an Beispielen von Neil Postman untersucht, inwieweit seine Vorschläge für eine „besser“ Pädagogik a) Narrationen und b) pädagogisch anwendbar sind.

Die Untersuchung kommt zu dem Schluß, daß Pädagogen innerhalb einer narrativ gestalteten Wirklichkeit Erziehungs- und Bildungsprozesse nur begrenzt beeinflussen können.

Inhaltsverzeichnis:

0 Inhaltsverzeichnis 1
1. Vorwort 4
2. Einführung in das Thema „Was sind „Narrationen“? 5
2.1 Die Bedeutung der Narrationen im Alltag 7
2.1.1 Persönliche Erzählungen 9
2.1.2 Selbst-Erzählungen 10
2.1.3 Gesellschaftliche Erzählungen 11
2.1.4 Erzählungen in den Medien 12
2.1.5 Kommunikative Gattungen 13
2.2 Narrationen in der Geschichte der Pädagogik 14
2.2.1 Platon 16
2.2.2 G. Pico della Mirandola 17
2.2.3 Hermann Gmeiner 18
2.3 Anthropologie und Narrationen 19
2.4 Rhetorik und Narrationen 22
2.5 Zusammenfassung des 2. Kapitels 25
3. Die narrative Gestalt(ung) der Wirklichkeit 26
3.1 Erkenntnis in der Moderne 27
3.1.1 Die Krise in den Sozialwissenschaften 29
3.1.2 Sozialwissenschaft als Ideologie 31
3.2 Alternative Paradigma für die Sozialwissenschaften 32
3.2.1 Das Menschenbild als Paradigma der Sozialwissenschaften 33
3.2.2 Der Mensch als individueller Konstrukteur einer Wirklichkeit 35
3.2.3 Der Radikale Konstruktivismus in Thesen 36
3.2.4 Die Grenzen des Radikalen Konstruktivismus 37
3.2.5 Menschliche Wirklichkeit als sprachlich-kulturelle Gestalt(ung) 38
3.2.5.1 Der Gedanke der Narrativität 41
3.2.5.2 Zusammenfassung der Thesen zur sprachlichkulturellen Gestalt(ung) der Wirklichkeit 43
3.3 Kommunikation als Realitätsgenerierung 44
3.3.1 Narrationen und Gestalt(ung) 46
3.3.2 Metaphern, Worte und Begriffe 47
3.3.3 Konventionalisierung und De-Konventionalisierung/Zentripetale - zentrifugale soziale Prozesse 48
3.3.4 Konsequenzen für ein alternatives Wissenschaftsverständnis 51
3.3.5 Zusammenfassung der Thesen zur Kommunikation 53
3.4 Person und Identität 54
3.4.1 Identitätserleben als Selbst-Narration 56
3.4.2 Zusammenfassung der Thesen zur narrativen Identität 59
3.5 Aufbruch in die Postmoderne 60
3.6 Zusammenfassung des 3. Kapitels 63
4. Zeit und Erzählung 65
4.1 Zeit und historische Erzählung 66
4.2 Zeit und literarische Erzählung 67
4.3 Die erzählte Zeit 68
4.3.1 Narrative Identität 69
4.3.2 Exkurs: Narrationen und Psychoanalyse 70
4.4 Zusammenfassung des 4. Kapitels 72
5. Literaturwissenschaftliche Erzähltheorien 73
5.1 Merkmale des Erzählens 74
5.2 Das Erzählen und das Erzählte 76
5.3 Darstellungsformen 78
5.3.1 Erzählzeit und erzählte Zeiten 79
5.3.2 Der Modus der Erzählung 80
5.3.3 Der Akt des Erzählens (Stimme) 81
5.3.4 Die Stellung des Erzählers zum Erzählten 82
5.3.5 Subjekt und Adressat des Erzählens 83
5.3.6 Unzuverlässiges Erzählen 84
5.4 Handlung und erzählte Welt 86
5.4.1 Ereignis - Geschehen - Geschichte 87
5.4.2 Motivierung 88
5.4.3 Die doppelte Zeitperspektive des Erzählens 90
5.4.4 Erzählte Welten 91
5.5 Ereignisketten und Motivationsgefüge 92
5.6 Zusammenfassung des 5. Kap 93
6. Die Zusammenhänge von Narrationen und pädagogischen Zielvorstellungen 94
6.1 Narrative Entwürfe für pädagogisches Handeln 96
6.2 Narrative Beschreibungen für die Wirksamkeit pädagogischen Handelns 98
6.3 Narrationen in Erziehungs- und Unterrichtsprozessen 100
6.4 Die Rezeption von Narrationen 103
6.5 Zusammenfassung des 6. Kapitels 106
7. Die Notwendigkeit von Narrationen 107
7.1 NEIL POSTMANS „große Erzählungen“ 110
7.2 Das „Raumschiff Erde“ 114
7.2.1 Eine „Fabel“ aus New York 116
7.2.2 Überlegungen zur pädagogischen Anwendung I 119
7.3 Der „gefallene Engel“ 121
7.3.1 Kritisches Denken 123
7.3.2 Überlegungen zur pädagogischen Anwendung II 124
7.4 Nicht alle Erzählungen sind Narrationen 125
7.5 Überlegungen zur pädagogischen Anwendung III 128
7.6 Zusammenfassung des 7. Kapitels 131
8. Schlußfolgerungen: Pädagogen sind Erzähler 132
9. Literaturnachweis 134

Automatisiert erstellter Textauszug:

„Der zarte Sprößling, der aus der Vereinigung von Geschichte und Fiktion hervorgeht, ist die Zuweisung einer spezifischen Identität an ein Individuum oder eine Gemeinschaft, die man ihre narrative Identität nennen kann. „Identität“ wird hier als eine Kategorie der Praxis aufgefaßt. Die Identität eines Individuums oder einer Gemeinschaft angeben, heißt auf die Frage antworten: wer hat diese Handlung ausgeführt, wer ist der Handelnde, der Urheber? Auf diese Frage wird zunächst so geantwortet, daß jemand benannt wird, daß heißt durch den Eigennamen bezeichnet wird. Doch worauf stützt sich die Dauerhaftigkeit des Eigennamens? Was berechtigt dazu, daß man das so durch einen Namen bezeichnete Subjekt der Handlung ein ganzes Leben lang, das sich von Geburt bis zum Tod erstreckt, für ein und dasselbe hält? Die Antwort kann nur narrativ ausfallen. Auf die Frage „wer?“ antworten, heißt, wie Hannah Arendt [1967] nachdrücklich betont hat, die Geschichte eines Lebens erzählen. Die erzählte Geschichte gibt das wer der Handlung an. Die Identität des wer ist also selber bloß eine narrative Identität.“ (RICOEUR 1991, S. 395) [Ergänzung von KHD] [...]

Zu Anfang des dritten Bandes beschäftigt sich RICOEUR (1991) mit den Phänomenen der Zeit und der Welt. AUGUSTINUS scheiterte bei dem Versuch, daß Maß der Zeit allein aus der „Ausdehnung des Geistes“ abzuleiten, und mußte sich mit den Begriffen der Bewegung, der Erinnerung und der Erwartung behelfen. HUSSERL prägte für die Beschreibung der Zeit Begriffe wie „objektive Zeit“, „subjektive Zeit“, „Zeitbewußtsein“ und „Temporaldaten“. KANT betrachtete Raum und Zeit als Anschauungen a priori. Mit der Entwicklung der kalendarischen Zeitmessung wurde eine Zeitachse geschaffen, die von einem Nullpunkt oder einem definierten Punkt (z.B. die Geburt von Jesus) ausgeht. Zwischen der definierten Zeit des Kalenders bzw. der Uhr und der psychischen Zeit des menschlichen Lebens gibt es jedoch Differenzen. Beispiele dafür sind z.B. Zeitbegriffe wie „Generation“ und „Generationenfolge“ oder „Vorwelt, Mitwelt und Nachwelt“ (SCHÜTZ). Auch das individuelle Zeitempfinden weicht von der physikalischen Zeitmessung ab; wenn man Zahnschmerzen hat, scheint die Zeit langsamer zu vergehen, als wenn man gesund ist. In fiktiven Erzählungen ist der Autor frei von den Vorgaben einer historischen bzw. physikalischen Zeitvorstellung. Er kann Welten entwerfen, die einzigartig, singulär und unvergleichlich sind und dem Leser eine fiktive Zeiterfahrung vermitteln. Die fiktive Welt des Textes und die reale Welt des Lesers überkreuzen sich dann. Die Intensität der Fiktion ist abhängig vom Grad der Abweichung von der Realität. Die fiktive Erzählung kann nur die Sicht des Autors vermitteln, der seine Ansichten kommunizieren will. Aus der rhetorischen Perspektive gesehen, kann der Leser durch den Autor manipuliert werden. Von der Annehmbarkeit der Erzählung und von vorhandenen oder nicht vorhanden Unbestimmbarkeitsstellen im Text ist abhängig, welche Wirkung ein Text auf einen Leser hat und wie er ihn in seine eigenen Anschauungen integrieren kann. Die von einem Autor mit einem Text bezweckte Wirkung kann, aber muß nicht eintreten. [...]

RICOEUR (1988) bearbeitet in seinem ersten Band von „Zeit und Erzählung“ schwerpunktmäßig Probleme der Geschichtswissenschaften. Geschichte geht immer aus Geschichte hervor. Für RICOEUR gibt es zwei große Kategorien narrativer Rede: Fiktionserzählungen und Geschichtsschreibung. Die Historiker unterscheiden zwei Möglichkeiten (analog zu den nomologischen bzw. idiographischen Wissenschaftsmodellen) der historischen Forschung: das narrative Verstehen und das historische Erklären. Während historisches Erklären auf einen auf Dauer geltenden Wahrheits- und Richtigkeitsanspruch gerichtet ist, unterliegt narratives Verstehen der Korrektur späterer Historiker, weil der Kontext von Geschichte(n) nicht durch narrative Sätze festgelegt wird. Narrative Sätze sind unvollständige, aber mögliche Beschreibungen menschlichen Handelns. Kennzeichnend für narrative Sätze ist, daß sie drei Zeitpositionen enthalten. [...]

Arbeit zitieren:
Dehn, Karl-Heinz Januar 2000: Die Bedeutung von Narrationen für die Pädagogik unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Erzähltheorien, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Narrative Pädagogik, Narrative Identität, Radikaler Konstruktivismus, animal Fabulator, Temporalstruktur von Handlungen

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