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Die Bedeutung der Messe als Instrument eines zielgruppen- und ansiedlungsorientierten Standortmarketings

Eine Analyse der Fallbeispiele Basel, Leipzig und München

Die Bedeutung der Messe als Instrument eines zielgruppen- und ansiedlungsorientierten Standortmarketings
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Michael Sell
  • Abgabedatum: Dezember 2004
  • Umfang: 190 Seiten
  • Dateigröße: 809,3 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Konstanz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8770-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8770-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8770-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Sell, Michael Dezember 2004: Die Bedeutung der Messe als Instrument eines zielgruppen- und ansiedlungsorientierten Standortmarketings, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Marketing, Wirtschaftsstandort, Neue Institutionenökonomie, Unternehmerischer Standortwahl, Standortwettbewerb

Diplomarbeit von Michael Sell

Problemstellung und Zielsetzung:

Wirtschaftsstandorte befinden sich in einem zunehmenden Standortwettbewerb. Die Globalisierung der Märkte und der fortschreitende Prozess der europäischen Integration sowie die Reduzierung von Transport- und Kommunikationskosten führen zur Neuformierung bestehender Standortstrukturen und konfrontieren gerade kommunale Wirtschaftsstandorte mit neuen dynamischen Herausforderungen. Diese sich wandelnden ökonomischen, politischen und technologischen Rahmenbedingungen haben zu einer gestiegenen Mobilität der Unternehmen geführt und zur Intensivierung des Standortwettbewerbs.

Infolgedessen tritt eine Vielzahl von Städten als Anbieter von Wirtschaftsstandorten auf und versucht, die begrenzte Anzahl von Unternehmen als Nachfrager von Unternehmensstandorten für ihre Kommune gewinnen zu können. Die Konkurrenz um die Ansiedlung von Unternehmen zwingt die Standortanbieter mehr denn je zu einer klaren Profilierung ihrer Produkte und Potenziale. Versäumt ein Standort sich erfolgreich zu platzieren, riskiert er seine wirtschaftliche Stagnation und Niedergang.

Die Konsequenzen solch einer negativen Entwicklung sind Abwanderung ansässiger Unternehmen an geeignetere Standorte und die fehlende Chance, neue Unternehmen ansiedeln zu können. Angesichts solcher Bedrohungen gewinnen innovative, pragmatische und ansiedlungsorientierte Standortmarketing-Konzepte an Bedeutung, um die eigene Kommune durch ein gezieltes Standortmarketing gegenüber anderen Standorten zu profilieren.

Ein Instrument zur Profilierung der Standortpotenziale ist die Messe. Die Messe zeichnet sich dadurch aus, dass sie als Instrument des Standortmarketings auf unterschiedliche Art und Weise einsetzbar ist. Häufig dient sie dem Standort als Markenzeichen und „Image-Builder“. Dies gilt insbesondere für Kommunen, die selbst Messeplätze sind, da sie aus dem Renommee der Institution Messe nutzen ziehen. Dabei firmieren Messen mit dem Namen der Stadt, deren Bekanntheitsgrad sie zudem durch ihre eigene, messebezogene Öffentlichkeitsarbeit und Werbung erhöhen.

Darüber hinaus hat der Messebetrieb auch enorme kommunal-, und regional-wirtschaftliche Auswirkungen für die jeweilige Kommune und ihren Wirtschaftsraum. Der Wirkungsbereich der Messe reicht von Beschäftigungs- und Einkommenseffekten, über die Förderung der wirtschaftsnahen Infrastruktur bis hin zur bereits erwähnten kommunikationspolitischen Funktion als Imageträger. In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass Kommunen verstärkt in neue Messegelände1 investieren. In dieser Hinsicht stellt sich auch die Frage, ob die Messe als Instrument des Standortmarketings verwendet wird, um Unternehmen zur Ansiedlung gewinnen zu können. Genau an diesem Punkt setzt die Fragestellung dieser Arbeit an:

Welche Bedeutung hat die Messe als Instrument eines zielgruppen- und ansiedlungsorientierten Standortmarketings?

Das Ziel dieser Diplomarbeit besteht darin, Aussagen über die Relevanz der Messe als Instrument eines zielgruppen- und ansiedlungsorientierten Standortmarketings treffen zu können.

Hierzu wurde einerseits die einschlägige Literatur herangezogen, um eine theoretische Grundlage herzustellen. Anderseits wurden Experten aus Basel, Leipzig und München mündlich befragt, um damit die praktische Bedeutung der Messe für das Standortmarketing am Beispiel dieser drei o.g. Wirtschaftsstandorte abschätzen und Handlungsansätze identifizieren zu können.

Gang der Untersuchung:

Im Anschluss an die Einleitung werden im Rahmen des zweiten Kapitels die benötigten begrifflichen und theoretischen Grundlagen des Standortmarketings dargestellt. Dabei erfolgt zunächst eine Auseinandersetzung mit dem Begriff „Wirtschaftsstandort“. Nach Klärung der Übertragbarkeit des Marketings auf Wirtschaftsstandorte, einer Definition von Standortmarketing und einer kurzen Angabe von Gründen für die Verwendung von Standortmarketing erfolgt eine theoretische Einordnung des Standortmarketings in die Neue Institutionenökonomik. Danach wird die unternehmerische Standortwahl erläutert. Nach einer näheren Betrachtung des Entwicklungsprozesses von Standortmarketing-Konzeptionen und einer Zusammenfassung schließt dieses Kapitel ab.

Im Mittelpunkt des dritten Kapitels steht die Darstellung der Messe als Instrument des Standortmarketings. Dieses Kapitel setzt sich zunächst mit den Grundlagen des Messewesens auseinander. Anschließend wird die Messe als Standortfaktor und kommunikationspolitisches Instrument des Standortmarketings beschrieben. Daran schließt die Erläuterung der Effekte der Messe für das Standortmarketing an. Mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Eckpunkte endet dieses Kapitel.

Im vierten Kapitel wird die Methodik der Untersuchung geklärt. Zu Beginn erfolgt eine Begründung der Vorgehensweise. Es folgen die Auswahl der Untersuchungsstandorte und die Durchführung der Datenerhebung. Nach der Erläuterung des Auswertungsverfahrens endet dieses Kapitel mit den Problemen der gewählten Methodik.

Die empirische Untersuchung über die Bedeutung der Messe für das Standortmarketing ist wesentlicher Bestandteil des fünften Kapitels. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht die Betrachtung der drei kommunalen Wirtschaftsstandorte Basel, Leipzig und München. Nach einer kurzen Charakterisierung des jeweiligen Wirtschaftsstandortes folgt eine Darstellung über die konkrete Gestaltung des Standortmarketing am jeweiligen Standort. Im Anschluss daran richtet sich das Interesse der Untersuchung auf das messebezogene Standortmarketing in den drei o.g. Standorten. Schließlich werden die Auswirkungen des messebezogenen Standortmarketings untersucht und mögliche Handlungsbereiche für ein messe-bezogenes Standortmarketing identifiziert. Bevor am Ende dieses Kapitels eine fallübergreifende Zusammenfassung erfolgt, werden die wesentlichen Ergebnisse des jeweiligen Standortes zusammengefasst.

Den Abschluss dieser Arbeit bildet Kapitel sechs, das die Kernaussagen der Arbeit zusammenfasst und einen Ausblick gibt.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Theoretische Grundlagen und Einordnung des Standortmarketings 5
2.1 Begriffsabgrenzung des Wirtschaftsstandortes 5
2.2 Heranziehung des Marketings zur Entwicklung und Vermarktung von Wirtschaftsstandorten 7
2.2.1 Marketing für Wirtschaftsstandorte 7
2.2.2 Berücksichtigung von Besonderheiten bei der Übertragung des Marketings auf Wirtschaftsstandorte 10
2.2.3 Begriffbestimmung des Standortmarketings 12
2.2.4 Gründe für die Entstehung des Standortmarketings 14
2.3 Theoretische Einordnung des Standortmarketings 16
2.3.1 Einordnung des Standortmarketings in die Neue Institutionenökonomik 16
2.3.2 Neue Institutionenökonomik als theoretischer Ansatz 18
2.4 Unternehmerische Standortwahl als Ausgangspunkt für die Entwicklung von Standortmarketing-Konzeptionen 20
2.4.1 Kriterien unternehmerischer Standortwahl 21
2.4.2 Gewichtung der unternehmerischen Standortanforderungen 24
2.4.3 Qualität der unternehmerischen Entscheidungsprozesse 25
2.5 Grundzüge der Entwicklung von Standortmarketing-Konzeptionen 27
2.5.1 Marktforschung 28
2.5.2 Zielbildung und Zielgruppenbestimmung 30
2.5.3 Strategiefindung 34
2.5.4 Maßnahmenplanung und Instrumenteneinsatz 38
2.5.5 Organisation und Durchführung 40
2.5.6 Erfolgskontrolle 42
2.6 Zusammenfassung 42
3. Messen als Instrument des Standortmarketings 44
3.1 Grundlagen des Messewesens 44
3.1.1 Begriffliche Abgrenzung von Messeveranstaltungen 44
3.1.2 Erscheinungsformen der Messe 46
3.1.3 Eigner von Messegesellschaften 48
3.2 Messen als Standortfaktor und kommunikationspolitisches Instrument des Standortmarketings 50
3.2.1 Messen im Standortmarketing-Mix 50
3.2.2 Messen als Standortfaktor im Sinne der Produktpolitik 51
3.2.3 Messen als kommunikationspolitisches Instrument des Standortmarketings 54
3.3 Effekte der Messe für das Standortmarketing 54
3.3.1 Die kommunikationspolitische Wirkung von Messen 54
3.3.2 Die Wirkung von Messen hinsichtlich Unternehmensansiedlungen 56
3.3.3 Wettbewerbsstärkung der kommunal und regional ansässigen Wirtschaft durch Messen 58
3.4 Zusammenfassung 59
5.4 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 105
5.4.1 Standortmarketing in Basel, Leipzig und München 105
5.4.2 Messebezogenes Standortmarketing in Basel, Leipzig und München 109
5.4.3 Auswirkungen und Handlungsbereiche in Basel, Leipzig und München 112
6. Fazit 115
6.1 Kernaussagen der Arbeit 115
6.2 Ausblick 120
Literaturverzeichnis 121
Anhang 129

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wifö BS: Wir haben im Grunde für das Standortmarketing drei wesentliche Ziele. Das Oberziel ist im Grunde genommen, Bekanntheit und Image bei den definierten Zielgruppen auszubauen. Auf die Zielgruppen kommen wir sicherlich gleich noch zu sprechen. Unser zweites Ziel ist die Standortqualität zu kommunizieren, d.h. nicht nur regional und überregional sondern auch weltweit auf den Zielmärkten. Ein handfestes Ziel, ist die Ansiedlung guter Firmen. I: Wie schon kurz von Ihnen angesprochen: Zielgruppen des Standortmarketings. Welche Zielgruppen umfasst das Standortmarketing in Basel konkret? Wifö BS: Wir haben zum einen Unternehmen als Zielgruppe, wobei es sich in erster Linie kleine und mittlere Unternehmen handelt. Das machen wir deshalb, weil wir davon ausgehen, dass große und weltweit tätige Konzerne ihre Standortentscheidungen sehr professionell vorbereiten und sich auch an bestehenden Geschäftsbeziehungen und Kontakten orientieren und dabei sehen, wo sich neue Märkte entwickeln. Deshalb sind kleine und mittlere Unternehmen eine unserer Zielgruppen. Die zweite Zielgruppe sind so genannte Multiplikatoren. Das sind beispielsweise Steuer- und Wirtschaftsberater, die sehr häufig von ihren Klienten oder Mandanten angesprochen werden und dabei sagen, ich interessiere mich für einen neuen Standort, ich interessiere mich für einen Standort in der Schweiz. Was kommt denn da in Frage? Insofern sind das für uns die beiden wichtigsten Zielgruppen. I: Wenn sich ihr Standortmarketing auf Unternehmen ausrichtet, welche Branchen und Technologien haben sie dabei im Fokus? Wifö BS: Bevor ich zu ihrer Frage komme, muss ich zunächst noch eine Vorbedingung beifügen. Auch unser Standortmarketing muss sich an den verfügbaren Ressourcen orientieren: Personal und Geld. Aus diesem Grunde müssen wir uns auf einige Schwerpunkte konzentrieren. Wir können also nicht allzu viele Themen gleichzeitig bearbeiten und letztlich besteht die Gefahr, dass wir auf keinem Themenfeld richtig daheim sind. Diese Information soll zur allgemeinen Einordnung dienen. Bezüglich der Branchenschwerpunkte kann ganz klar gesagt werden, dass wir uns auf den schon angesprochenen Bereich Life Science konzentrieren. Dieser Bereich umfasst Pharma, Chemie, Biotechnologie, Medizintechnik und Nanotechnologie. I: Versuchen Sie dadurch eine Clusterstärkung oder eher eine Ergänzung? Wifö BS: Eigentlich streben wir eine weitere Ergänzung an. Als zweiter Bereich ist der ganze Dienstleistungsbereich zu nennen. Wenn man das vielleicht mit Financial-, und Non-Financial-Services bzw. unternehmensbezogene Dienstleistungen beschreiben kann. Natürlich geschieht die Betrachtung der Zielgruppe immer in Bezug auf den prägenden Sektor am Standort. Welche Branchen dann zukünftig in besondere Obhut genommen werden, um sich dann als neues Standbein zu entwickeln, ergibt sich in einem Diskussionsprozess, den wir auch mit unseren Trägern führen. Dabei geht es also um die Frage, was bauen wir eigentlich noch als zukünftiges, weiteres Standbein auf? [...]

Elsässer und 20.000 Badener. Wir haben hier eine hochwertige Infrastruktur mit Laboreinrichtungen, Schulen und Weiterbildungsinstitutionen. Der Standort ist mit einem besonders guten Bildungs- und Wissenschaftssektor ausgestattet. Dazu gehört auch eine starke Verknüpfung und Vernetzung der Forschung mit der Industrie. Ebenso von Vorteil sind die verschiedenen internationalen Verkehrsanbindungen, von denen ich schon gesprochen habe. Basel ist also über Wasser, Luft, Straße und Schiene zu erreichen. Wichtig ist dabei auch, dass Basel an der europäischen Nord-Süd-Achse liegt. Als letzter und nicht ganz unwichtiger Punkt möchte ich Basels überdurchschnittliche wirtschaftliche Dynamik nennen, wenn man die Entwicklung der Wertschöpfung betrachtet. Auch da spielt wieder Big Pharma eine große Rolle. Das ist, um auf die Schwächen überzuleiten, auch gleichzeitig einer der Punkte, den wir ständig im Auge behalten werden müssen. Denn eine zu starke Ausrichtung auf einen prägenden Sektor ist auch mit Risiken verbunden. Besonders wenn sich die weltwirtschaftliche Entwicklung in eine entsprechende Richtung bewegt. Da ist natürlich das Standortmarketing gefragt, gerade um schon rechtzeitig vorzusorgen und um zu sehen, wo könnten sich eventuell neue bzw. zukunftsträchtige Branchen entwickeln. Außerdem ist zu fragen: Was kann standortseitig getan werden, um in Basel entsprechende Anreize zu setzen, damit sich hier etwas entwickeln kann? I.: Sie möchten also weg von der bisherigen Dominanz der Pharmabranche? Man sieht also das Risiko, dass die Pharma-Branche eines Tages nicht mehr diese Stärke haben könnte und das stellt dann auch gleichzeitig die Schwäche dar? Wifö BS: Man muss dies ja auch ganz nüchtern sehen. Ein Standort hat auf die Entscheidung einer Konzernzentrale nur einen sehr begrenzten Einfluss. Wenn also ein Pharmakonzern seine Schwerpunkte in die USA verlagert, was von uns als Standort nur ganz bedingt beeinflusst werden kann, weil die USA einen großen Markt darstellen, kann standortseitig nur appelliert werden. Unsere Beeinflussungsmöglichkeiten sind dabei wirklich sehr gering. Aus diesem Grunde muss man im Sinne einer Vorwärtsstrategie eigentlich rechtzeitig Vorkehrungen treffen. Dass Basel zu den großen Pharma- und Biotechnologiestandorten gezählt werden kann, bleibt nämlich nicht automatisch von selber für alle Ewigkeit so. I: Gut. Dann möchte ich Ihnen einige Fragen zum Standortmarketing stellen. Wer kommt hier als Träger des Standortmarketings in Frage? Wifö BS: Da gibt es eigentlich zwei Hauptgruppen. Die eine ist die Wirtschaftsförderung, die institutionell von den beiden Basler Kantonen und von allen Wirtschaftskammern der Region Basel getragen wird. Hierbei sind alle Institutionen miteingebunden, die auch ein Interesse am Standortmarketing oder sagen wir an einem positiven Standortimage haben. Die Wirtschaftsförderung ist ein Gefäß, das ausdrücklich mit dem Ziel Standortmarketing zu betreiben, installiert worden ist und so auch eingesetzt wird. Als zweiter Akteur ist mit Sicherheit auch die Messegesellschaft zu nennen. Denn eine Messe betreibt sehr intensives Standortmarketing. Es kommen einige hunderttausend Besucher aus aller Welt zu Messen an einen Standort. So gesehen verknüpft sich natürlich das Image einer Messe immer auch mit dem Namen des Standortes. Aber nicht ausschließlich, es ist eine schwer definierbare Zusammensetzung. [...]

I (Interviewer): Welche Merkmale prägen den Wirtschaftsstandort Basel? Können Sie diesen bitte mit einigen Sätzen charakterisieren? 34 Wifö BS (Wirtschaftsförderer Basel): Basel ist von der geographischen Lage der südlichste Nordseehafen. Er hat durch die Nachbarschaft zum Elsass und zu Südbaden schon historisch gesehen, eine gewisse Internationalität. Die Bevölkerung hat gemeinsame allemannische Wurzeln. So gesehen ist Basel immer schon als Handelsplatz und Industriestandort von großer Bedeutung gewesen, wozu auch die gute Verkehrsinfrastruktur des Standortes beigetragen hat. Das hat natürlich auch die Entwicklung von Basel insgesamt geprägt. Aber auf die infrastrukturelle Ausstattung kommen wir sicherlich noch im Detail zu sprechen, genauso wie zu den Schwerpunkten der Wirtschaftsstruktur. Geprägt wird Basels Wirtschaftsstruktur ganz klar durch die Global Player der Pharmaindustrie, die im Zuge ihrer dynamischen und rasanten Entwicklung der letzten Jahre auch einige Aktivitäten ausgegliedert haben, die sich inzwischen zu recht erfolgreichen eigenständigen Unternehmen entwickelt haben. Also, charakterisiert und zusammengefasst ist Basel eine relativ international aufgestellte Stadt, die aber von ihrer Größe her, mit der Innenstadt mit 200.000 Einwohner und der Agglomeration mit einer halben Million Einwohner, sehr überschaubar ist. Das charakterisiert Basel vielleicht am Besten. I: O.K. Als führende Branche am Standort Basel ist die Pharmazie also bestimmend? Wifö BS: Ja, sie ist sehr prägend. Also alles, Pharma, Life Science, aber auch kleinere Bereiche, wie Medizintechnik und Nanotechnologie mit Bezug zur Biotechnologie. Also, wenn man Life Science als Oberbegriff nimmt, dann fällt darunter eben Pharma, ein Teil der chemischen Industrie, Biotechnologie, Medizintechnik und Nanotechnologie. Als weiterer bestimmender Wirtschaftsbereich ist der Logistiksektor zu nennen, welcher ebenfalls von Bedeutung ist. Zudem kommt als dritter Bereich der ganze Finanzsektor hinzu, der hier mit Banken und Versicherungen stark ausgeprägt ist. Dieser Bereich schließt auch die unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit ein. Als fünfter Bereich folgt die Technik, der Maschinenbau und die Prozesstechnologie. Das rundet dann im Prinzip das wirtschaftliche Bild Basels ab. Entscheidend für den Standort sind aber immer die Impulse durch Big Pharma. I: Können Sie die wesentlichen Stärken und Schwächen Basels kurz beschreiben? Wifö BS: Wir argumentieren immer mit unseren so genannten sieben Gründen. Damit sind eigentlich die wesentlichen Highlights des Standortes zusammengefasst. Wichtigster Punkt: Basel dient als Brücke zwischen der EU und der Schweiz. Hinzu kommt das Thema qualifizierte Arbeitskräfte. Wir haben in der Region Basel eine starke Verflechtung mit der Nachbarschaft. Das spiegelt sich unter anderem auch in der Tatsache wieder, dass 50.000 Grenzgänger nach Basel pendeln, d.h. 30.000 [...]

Arbeit zitieren:
Sell, Michael Dezember 2004: Die Bedeutung der Messe als Instrument eines zielgruppen- und ansiedlungsorientierten Standortmarketings, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Marketing, Wirtschaftsstandort, Neue Institutionenökonomie, Unternehmerischer Standortwahl, Standortwettbewerb

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