Die Bedeutung der ISO 9000 als Instrument der Qualitätssicherung in der Weiterbildung unter fachdidaktischer Perspektive
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Gudrun Lütje
- Abgabedatum: September 1995
- Umfang: 148 Seiten
- Dateigröße: 5,8 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4302-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4302-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4302-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lütje, Gudrun September 1995: Die Bedeutung der ISO 9000 als Instrument der Qualitätssicherung in der Weiterbildung unter fachdidaktischer Perspektive, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Dienstleistung, Evaluation, Didaktik, Normung, Qualifikation
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Diplomarbeit von Gudrun Lütje
Einleitung:
Im Bereich der technischen Industrie wird seit der Strukturkrise der 70er Jahre intensiv über Qualitätssicherung und -management nachgedacht. Es setzte sich die Erkenntnis durch, dass eine Qualitätsprüfung als Endkontrolle keine ausreichende Qualitätssicherung gewährleisten kann. Denn werden Qualitätsmängel erst am Ende des Herstellungsprozesses festgestellt, fallen weitaus höhere Kosten für die Mängelbeseitigung an, als wenn die Fehler im Produktionsprozess sofort an ihrem Entstehungsort beseitigt werden oder - falls möglich - von vornherein vermieden werden. Die Endkontrolle wurde deshalb durch eine integrierte Qualitätssicherung abgelöst. Neuere Ansätze sind noch umfassender: Qualitätssicherung wird heute zunehmend als unternehmensweite Managementaufgabe aufgefasst. Der Qualitätsbegriff wird in der Industrie nicht mehr statisch im Sinne einer reinen Produktqualität, sondern dynamisch im Sinne einer gesamten Unternehmensphilosophie verstanden. Das oberste Ziel ist der zufriedene Kunde. Hierzu wird es als erforderlich angesehen, alle Bereiche und Tätigkeiten des Unternehmens zu erfassen und in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzubeziehen.
Dieser Umdenkprozess beschränkte sich nicht auf die industrielle Produktion. Der sich insgesamt verschärfende Wettbewerb, zunehmende Regulierungen durch die Europäische Union und nicht zuletzt das allgemein gestiegene Qualitätsbewusstsein haben bewirkt, dass die Qualitätsdiskussion inzwischen sämtliche Dienstleistungsbereiche erfasst hat und nunmehr auch intensiv auf dem Weiterbildungssektor geführt wird.
Das verstärkte Nachdenken über Qualitätssicherung und Evaluation in der Weiterbildung hängt auch damit zusammen, dass die Bedeutung der Weiterbildung einen immer größeren Stellenwert erreicht. So haben 1991 37% aller Deutschen im Alter von 19 bis 64 Jahren an Maßnahmen zur Weiterbildung teilgenommen. Dabei ist das Streben nach Qualitätssicherung in der Weiterbildung im Grunde nicht neu. Das erneute Aufflammen dieser Diskussion beruht neben den oben angeführten Punkte auch auf den folgenden Gegebenheiten“:
Aufgrund der schlechten Konjunkturlage vor der Wiedervereinigung und nach dem kurzfristigen Wiedervereinigungsboom haben viele Unternehmen ihre Mittel für Weiterbildung und Personalentwicklung gekürzt. Die zunehmende Verschuldung zwang auch die öffentliche Hand zu Einsparungen im Bereich Fortbildung und Umschulung. So wurde der Haushalt der Bundesanstalt für Arbeit seit 1993 fortlaufend gekürzt. Der Zwang zur Sparsamkeit führte dazu, dass trotz gekürzter Mittel die gleichen Erwartungen an die Qualität geförderter Bildungsmaßnahmen von Weiterbildungsträgern und betrieblichen Bildungsabteilungen gerichtet wurden. Diese Entwicklung führte zu einer Diskussion über die Ökonomisierung der Weiterbildung, die dann in eine Diskussion über die Qualitätssicherung und das Qualitätsmanagement in der Weiterbildung mündete.
In diesem Kontext wird seit etwa zwei Jahren auch die Frage nach der Bedeutung der ISO 9000 ff für die Qualitätssicherung in der Weiterbildung erörtert. Da sich der Wettbewerb auf dem deutschen Bildungsmarkt zunehmend verschärft, erhoffen sich Weiterbildungsträger durch eine Zertifizierung nach ISO 9000 ff. einen Wettbewerbsvorsprung. Hinzu kommt, dass immer mehr Betriebe, die selbst zertifiziert sind, von externen Bildungsanbietern den zertifizierten Nachweis ihrer Qualitätsfähigkeit verlangen, bevor sie dort außerbetriebliche Bildungsmaßnahmen nachfragen. Schließlich wird es für das Marketing von Bildungsanbietern zunehmend wichtiger, ihre Qualitätsfähigkeit durch ein Zertifikat nachzuweisen, weil (Weiter)Bildung zu den sogenannten „Vertrauensgütern“' zählt.
Ziel der Untersuchung ist es festzustellen, ob die im Schrifttum vorherrschende Euphorie über die Einführung der ISO 9000 ff. in den Bereich der Weiterbildung gerechtfertigt ist. Es soll untersucht werden, ob und inwieweit die Qualität der Weiterbildung gleichermaßen wie bei Industriebetrieben durch die Qualitätssicherungsnorm ISO 9000 ff gesichert und verbessert werden kann. Dazu soll die Normenreihe in ihrem Wirkungsfeld und in ihrer Aussagekraft näher untersucht werden:
Zunächst werden Ziele, Inhalte und Wirkungsweise der Normenreihe ISO 9000 f erläutert (Kapitel C). Im Anschluss daran erfolgt eine Erörterung der Systematik und der Ziele der Weiterbildung. Dabei wird der Begriff der Weiterbildung für diese Arbeit thematisch abgegrenzt (Kapitel D). Sodann wird der Frage nachgegangen, was eigentlich Qualität in der Weiterbildung ausmacht und welche Rolle der Fachdidaktik dabei zukommt (Kapitel E).
Den Schwerpunkt der Arbeit bildet dann die Untersuchung der Frage, ob und inwieweit eine Qualitätssicherung in der Weiterbildung im Wege der Normierung nach ISO 9000 f erreicht werden kann. Dazu wird zunächst erörtert, ob man Weiterbildung als eine Dienstleistung im Sinne der Norm auffassen kann und welches die Besonderheiten der Dienstleistung Weiterbildung sind. Daran schließt sich eine Analyse des Qualitätskonzepts der ISO-Norm an. Sodann wird untersucht, ob und inwieweit dieses Qualitätskonzepts auf die Weiterbildung sinnvoll anwendbar ist (Kapitel F).
Schließlich werden die 20 Qualitätsmanagementelemente, die das Kernstück der ISO 9000-Familie bilden, erläutert und - soweit möglich - auf den Bereich Weiterbildung übertragen. Hierbei wird dann aus der fachdidaktischen Perspektive heraus untersucht, inwieweit diese Normforderungen zu einer Qualitätssicherung in der Weiterbildung beitragen können (Kapitel G). Abschließend erfolgt in Kapitel H eine kritische Gesamtwürdigung.
Inhaltsverzeichnis:
| Verzeichnis der Abbildungen im Text | VI | |
| Verzeichnis der Anlagen | VI | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| Erläuterung der Zitierweise | Ix | |
| A. | Einführende Bemerkungen | 1 |
| B. | Ziel der Arbeit und Gang der Untersuchung | 3 |
| C. | Die Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff | 5 |
| 1. | Grundlagen der Normung | 5 |
| 2. | Die Entstehung und aktuelle Bedeutung der Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff | 6 |
| 3. | Aufbau und Zielsetzung der Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff | 7 |
| 3.1 | Allgemeine Zielsetzung und Rechtsnatur der Normenreihe | 7 |
| 3.2 | Funktionen des Qualitätsmanagementsystems | 10 |
| 3.3 | Exkurs: Die Zertifizierung des Qualitätsmanagementsystems | 12 |
| 3.4 | Inhalt und Zielsetzung der einzelnen Teilnormen | 13 |
| 3.4.1 | Die Leitfäden DIN EN ISO 9000 und 9004 | 13 |
| 3.4.2 | DIN EN ISO 9001 bis 9003 als Normen für QM-Modelle | 14 |
| D. | Systematik, Ziele und Träger der Weiterbildung | 17 |
| 1. | Systematik und Bereiche der Weiterbildung | 17 |
| 2. | Eingrenzung des Begriffs Weiterbildung für das Untersuchungsziel dieser Arbeit | 21 |
| 3. | Ziel- und Aufgabenverständnis der beruflichen Weiterbildung | 23 |
| 3.1 | Qualifikationen in der beruflichen Weiterbildung | 23 |
| 3.2 | Der Bildungsbegriff als notwendiges Korrektiv | 24 |
| 4. | Träger der beruflichen Weiterbildung | 26 |
| E. | Qualität der Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung der Fachdidaktik | 28 |
| 1. | Qualität der Weiterbildung | 28 |
| 1.1 | Qualität der Rahmenbedingungen des Unterrichts | 29 |
| 1.2 | Qualität der Durchführung des Unterrichts | 29 |
| 1.3 | Erfolgsqualität | 30 |
| 2. | Die zentrale Rolle der Didaktik für die Qualität der Weiterbildung | 31 |
| 3. | Zum Verhältnis von Didaktik und Fachdidaktik | 32 |
| F. | Qualitätssicherung in der Weiterbildung durch die DIN EN ISO 9000 ff.? | 33 |
| 1. | Grundsätzliche Übertragbarkeit der Normenreihe auf Weiterbildungsträger? | 33 |
| 1.1 | Die Anwendbarkeit der Normen auf Dienstleistungen | 33 |
| 1.2 | Der Dienstleistungsbegriff der Norm | 33 |
| 1.3 | Die Besonderheiten der Dienstleistung Weiterbildung | 36 |
| 1.3.1 | Prozess- und ergebnisorientierte Betrachtung | 36 |
| 1.3.2 | Immaterialität | 36 |
| 1.3.3 | Komplexer „Übertragungsprozess“ | 37 |
| 1.3.4 | Aktive Mitwirkung der Weiterbildungsteilnehmer | 38 |
| 1.3.5 | Ergebnis | 39 |
| 2. | Der Qualitätsbegriff der ISO 9000-Familie | 39 |
| 2.1 | Erfüllung festgelegter Anforderungen | 39 |
| 2.2 | Keine Normierung der inhaltlichen Produktqualität | 41 |
| 2.3 | Ergebnis | 42 |
| 3. | Die Anwendung des Qualitätskonzepts der ISO 9000 ff auf Weiterbildung | 42 |
| 3.1 | Aufstellung von Qualitätsanforderungen an die Weiterbildung | 42 |
| 3.2 | Qualitätsanforderungen an die Rahmenbedingungen | 43 |
| 3.3 | Qualitätsanforderungen an den Durchführungsprozess | 43 |
| 3.4 | Qualitätsanforderungen an das Ergebnis der Weiterbildungsmaßnahme | 44 |
| 3.5 | Ergebnis und Stellungnahme | 46 |
| G. | Umsetzung der 20 Qualitätsmanagement-Elemente der ISO 9001 auf den Bereich der Weiterbildung | 48 |
| 1. | Element: Verantwortung der obersten Leitung | 49 |
| 2. | Element: Qualitätsmanagementsystem | 50 |
| 3. | Element: Vertragsprüfung | 52 |
| 3.1 | Vertragsprüfung im engeren Sinne | 53 |
| 3.2 | Vertragsgestaltung | 53 |
| 3.3 | Ergebnis | 54 |
| 4. | Element: Designlenkung | 55 |
| 4.1 | Bildungsbedarfsanalyse | 56 |
| 4.2 | Designentwicklung | 57 |
| 4.3 | Möglichkeiten und Grenzen der Designentwicklung aus fachdidaktischer Perspektive | 57 |
| 4.3.1 | Vorteile einer detaillierten Designplanung | 57 |
| 4.3.2 | Grenzen einer detaillierten Designplanung | 59 |
| 4.3.3 | Zur Problematik der Verfahrenssteuerung | 59 |
| 4.4 | Designvalidienrng | 61 |
| 5. | Element: Lenkung der Dokumente und Daten | 62 |
| 6. | Element: Beschaffung | 63 |
| 6.1 | Beschaffung von Sach- und Lernmitteln | 64 |
| 6.2 | Beschaffung von Dozenten | 65 |
| 7. | Element: Lenkung der vom Kunden beigestellten Produkte | 66 |
| 8. | Element: Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von Produkten | 68 |
| 9. | Element: Prozesslenkung | 68 |
| 9.1 | Lenkung organisatorischer Prozesse | 69 |
| 9.2 | Lenkung des Unterrichtsprozesses | 70 |
| 9.3 | Einschränkende Interpretation des Elements in der Literatur | 72 |
| 10. | Element: Prüfungen | 73 |
| 10.1 | Evaluationsproblematik im Weiterbildungsbereich | 73 |
| 10.2 | Eingangsprüfung - Überprüfung der Teilnehmervoraussetzungen | 74 |
| 10.3 | Zwischenprüfungen - Prüfungen während der Durchführung der Weiterbildungsmaßnahme | 74 |
| 10.4 | Endprüfung – Erfolgsevaluierung | 75 |
| 11. | Element: Prüfmittelüberwachung | 76 |
| 12. | Element: Prüfstatus | 77 |
| 13. | Element: Lenkung fehlerhafter Produkte | 78 |
| 14. | Element: Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen | 79 |
| 15. | Element: Handhabung, Lagerung, Verpackung, Konservierung und Versand | 81 |
| 16. | Element: Lenkung von Qualitätsaufzeichnungen | 81 |
| 17. | Element: Interne Qualitätsaudits | 82 |
| 18. | Element: Schulung | 84 |
| 19. | Element: Wartung | 86 |
| 20. | Element: Statistische Methoden | 87 |
| H. | Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und abschließende Würdigung | 88 |
| Anlagen | 92 | |
| Verzeichnis der Normen | 120 | |
| Literaturverzeichnis | 122 |
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http://www.diplom.de/ean/9783832443023
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