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Die Bedeutung von HausbesorgerInnen für das Sozialkapital der BewohnerInnen der Wiener Gemeindebauten

Eine kritische Untersuchung der Ressourcen, die aus den Beziehungen zwischen einzelnen BewohnerInnen, Gruppen und dem institutionellen Bereich durch das eine, im Nahraum wohnende Reinigungskraft, in tendenziell benachteiligten Wohngebieten entstehen

Die Bedeutung von HausbesorgerInnen für das Sozialkapital der BewohnerInnen der Wiener Gemeindebauten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Gerald Köteles
  • Abgabedatum: Oktober 2009
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 403,7 KB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: FH Campus Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 54
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4351-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Köteles, Gerald Oktober 2009: Die Bedeutung von HausbesorgerInnen für das Sozialkapital der BewohnerInnen der Wiener Gemeindebauten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozialkapital, bonding social capital, Kommunaler Wohnbau, Hausbesorger, Wien

Diplomarbeit von Gerald Köteles

Einleitung:

Die Politik des sozialen Wohnbaus war über Jahrzehnte hinweg eines der zentralen politischen Themen in Wien. Heute gibt es ungefähr 220.000 Gemeindewohnungen. Somit lebt ungefähr ein Viertel der Wiener Bevölkerung in Gemeindewohnungen. In der Zwischenkriegszeit und in der Nachkriegszeit stellte der Umzug in eine Gemeindewohnung eine klare Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität dar, doch in den letzten Jahren ist der Ruf der Gemeindebauten angeschlagen. Die österreichische Tageszeitung ‘Die Presse’ veröffentlichte 2007 einen Artikel über mit dem provokativen Titel ‘Gemeindebau als Unterschicht-Ghetto’ über die stattfindende ‘soziale Entmischung’ und stellt damit die Frage, ob der Gemeindebau seiner Funktion als sozialer Wohnbau weiterhin nachkommen kann. Einerseits zieht die Mittelschicht eher in private Wohnungen ab und andererseits stößt der Gemeindebau, aufgrund der steigenden Zahl von Menschen, die von Armut bedroht sind, an seine Grenzen als ‘Mittel des sozialen Ausgleichs’. Diese Wohngebiete mit der Vielfalt an verschiedenen BewohnerInnen stellen die sozialen Felder dar, die in dieser Arbeit betrachtet werden.

Obwohl der Beruf des/der HausbesorgerIn allgemein kein besonders Beliebter war und daher in den 70er Jahren ein regelrechter Mangel an HausbesorgerInnen in Wien bestand, gab es lange Vormerklisten mit Menschen, die auf einen HausbesorgerInnenposten in einem Gemeindebau warteten. Aus verschiedenen Gründen galten die Gemeindebauten als die ‘letzte große Bastion der Hausbesorger’. Knapp 70 Prozent der GemeindebaubewohnerInnen gaben in einer Studie zu dem HausbesorgerInnenwesen an, dass ihnen ‘etwas fehlen würde’, wenn es keine/n HausbesorgerIn mehr in ihrer Anlage gäbe. Vor allem für ältere Menschen scheint der/die HausbesorgerIn von größerer Bedeutung zu sein, denn mehr als 80 Prozent der über 70 jährigen Befragten gaben an, dass ihnen ohne HausbesorgerIn etwas fehlen würde.

HausbesorgerInnen sind für die Reinigung, Aufsicht und Instandhaltung des Nahraums zuständig. (Hausbesorgergesetz) Die Studie zum HausbesorgerInnenwesen zeigt ebenso auf, dass einige informelle Aufgaben, die über die eigentliche Arbeit hinausreichen, wie die Schlüsselaufbewahrung oder die Übernahme von Poststücken und Lieferungen, von vielen HausbesorgerInnen erledigt werden. Dadurch, dass sie auch vor Ort wohnen, sind sie in vielen Fällen in das Beziehungsgeflecht der BewohnerInnen innerhalb des Gemeindebaus eingebunden.

Im Jahr 2000 beschloss der Nationalrat die Abschaffung des Hausbesorgergesetzes. Dies bedeutet, dass es ‘auf Dienstverhältnisse, die nach dem 30. Juni 2000 abgeschlossen werden, nicht mehr anzuwenden’ ist. ‘Es ist jedoch einschließlich künftiger Änderungen weiterhin auf Dienstverhältnisse anzuwenden, die vor dem 1. Juli 2000 abgeschlossen wurden.’ (Hausbesorgergesetz) Dies bedeutet für die Praxis des Wiener Gemeindebaus, dass HausbesorgerIn, die in Pension gehen nicht nach besetzt werden. Von der Stadt Wien wurde ein Unternehmen gegründet, welches die Aufgaben dieser HausbesorgerInnen übernimmt.

Diese Arbeit soll die Effekte von HausbesorgerInnen auf das vielschichtige Beziehungsgeflecht der GemeindebaubewohnerInnen beleuchten. Die Theorie zum sozialen Kapital bildet hierfür die Grundlage.

Das Konzept des Sozialkapitals stellt einen populären Forschungsgegenstand dar und es hat auch schon Einzug in den politischen Diskurs gefunden. Dies brachte, nach Landolt, eine ‘gewisse Ausdünnung und Vereinfachung seines Kerngehalts’ mit sich. Sozialkapital wird häufig als ein ‘Synonym für Vertrauen, Zivilität, Gemeinsinn bzw. Zusammenarbeit’ verstanden. Landolt hinterfragt diese Reduktion des Sozialkapitalbegriffes, da so fast ausschließlich positive Assoziationen aufkommen. Dies führe zu der Logik, dass positive Ergebnisse mit dem Vorhandensein von Sozialkapital erklärt werden und für negative Ergebnisse wird der Mangel an Sozialkapital verantwortlich gemacht. Landolt schreibt:

‘Dieser heimtückischen Logik folgend liegen, die Ursachen von Armut, sich verschlechternder Infrastruktur, verödeten und müllüberhäuften Grünflächen etc. ausschließlich in einem Mangel oder gar der Abwesenheit von Gemeinsinn. Andere Ursachen, wie ein Mangel an Ressourcen oder, zugespitzt formuliert: der Rückzug des Wohlfahrtsstaats oder der Mangel an Arbeit und existenzsichernden Mindestlöhne geraten dagegen aus dem Blickfeld’.

Für eine differenziertere Darstellung wird in dieser Arbeit auf eine verbreitete Dreiteilung des Sozialkapitals zurückgegriffen: Das bindende Sozialkapital entsteht aus starken Bindungen innerhalb von Gruppen. Hingegen das brückenbildende Sozialkapital kommt durch eher lockere Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen zustande. Unter dem verknüpfenden Sozialkapital werden die Handlungsressourcen, die aus Beziehungen zwischen Einzelnen bzw. Gruppen zu Institutionen entstehen, verstanden.

Die Frage, der in dieser Arbeit nachgegangen wird lautet: Welche Bedeutung hat der/die HausbesorgerIn im Wiener Gemeindebau für die Bildung von Sozialkapital?

Aus dieser Fragestellung ergeben sich vier Unterfragestellungen:

Welche verschiedenen BewohnerInnengruppen sind in den Gemeindebauten anzutreffen?

Wie ist das Sozialkapital der BewohnerInnen der Wiener Gemeindebauten beschaffen?

Welche Unterschiede bestehen zwischen den verschiedenen BewohnerInnengruppen und deren Ausstattung mit Sozialkapital?

Welche Auswirkungen können HausbesorgerInnen auf das Sozialkapital der BewohnerInnen bzw. der verschiedenen BewohnerInnengruppen haben?

Diese Arbeit soll Hintergrundwissen über die vorhandenen Ressourcen der GemeindebaubewohnerInnen liefern und gleichzeitig die Bedeutung von einem Berufsstand, der in den Nahraum der BewohnerInnen eingebunden ist, beleuchten. Hieran kann abgeschätzt werden welche Effekte die, von der Stadt Wien bzw. Hausverwaltung, geplanten neuen Einrichtungen auf die Ressourcen der BewohnerInnen haben werden.

Nachdem die Gebietsbetreuungen für städtische Wohnhausanlagen ein Arbeitsfeld für SozialarbeiterInnen darstellt und diese Einrichtungen umstrukturiert und eine größere Bedeutung bekommen sollen, bewegt sich auch die Sozialarbeit mitten in dem Feld rund um unterstützende Institutionen, die im Besonderen die Gemeindebauten betreffen. Ebenso sind nahräumliche Unterstützungsnetzwerke und die Fähigkeiten der Selbsthilfe von Individuen bzw. Gruppen von großer Bedeutung für fast alle Bereiche der Sozialarbeit. Gleichzeitig setzt sich diese Arbeit kritisch mit der Fokussierung auf nahräumliche Hilfsnetzwerke, die hier in Form von bindendem Sozialkapital behandelt werden, auseinander. Durch die Darstellung einer tendenziellen sozialen Benachteiligung, die auf die GemeindebaubewohnerInnen wirkt, wird die Bedeutung von strukturellen Bedingungen für soziale Ungleichheit, aufgezeigt.

Zu Beginn werden im zweiten Kapitel anhand der Geschichte der Wiener Gemeindebauten, die in der, von Wohnungsnöten gekennzeichneten, Zwischenkriegszeit ihren Anfang nimmt und bis zu der Auslagerung als ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen im Jahr 2002 reicht, die Besonderheiten dieser Wohnform dargestellt.

Das dritte Kapitel widmet sich der Begriffsabgrenzung des Berufes der HausbesorgerInnen und es wird die Geschichte des Berufgesetzes bis zu seiner Abschaffung dargestellt. Anhand der Parlamentsdiskussion um die Abschaffung des Gesetzes wird die politische Diskussion rund um das Berufsgesetz, anhand der Argumente der Parteien, aufgezeigt. Kurz wird im Anschluss daran erläutert wie die Stadt Wien auf die Gesetzesabschaffung reagierte um die Aufgaben der wegfallenden HausbesorgerInnen zu ersetzen.

Nach einer Darstellung des Forschungszuganges und der verwendeten Forschungsmethoden im dritten Kapitel, folgt im fünften Kapitel der Theoriebezug zu den Arbeiten von Pierre Bourdieu zu den vier zentralen Kapitalformen. Da diese jedoch eng mit den Begriffen des ‘Habitus’ und des ‘sozialen Feldes’ verknüpft sind, werden diese ebenso geklärt.

Im sechsten Kapitel wird zuerst anhand von soziodemografischen Daten die Situation der Gemeindebauten beschrieben, um in Folge hieraus Schlüsse auf die Ausstattung der BewohnerInnen mit den verschiedenen Kapitalformen zu ziehen. Sozialkapital stellt nur eine Art von Handlungsressource dar und es bestehen gewisse Abhängigkeiten unter den verschiedenen Kapitalformen. Deshalb wird auch die Ausstattung der BewohnerInnen mit ökonomischem und kulturellem Kapital berücksichtigt. Nachdem die Dreiteilung des Sozialkapitals den Gruppenbegriff impliziert, ist die Beschreibung von Gruppen, die in den Gemeindebauten bestehen notwendig. Gleichzeitig können anhand dessen Gruppenunterschiede aufgezeigt werden.

Das sechste Kapitel wendet sich den möglichen Auswirkungen von HausbesorgerInnen auf das zuvor beschriebene Sozialkapital zu. Auch hier wird auf Gruppenunterschiede eingegangen.

Im letzten Kapitel folgen eine Zusammenfassung und eine Diskussion der Ergebnisse. Im Anschluss daran wird noch einmal auf die zukünftigen Pläne der Stadt Wien Bezug genommen, um diese, unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse, kurz zu beleuchtet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Die Geschichte des kommunalen Wohnbaus in Wien 8
3. Die Geschichte des Berufstandes der HausbesorgerInnen in Österreich 14
3.1 DER/DIE HAUSBESORGERIN ALS STELLVERTRETER DES HAUSHERREN 14
3.2 VON EINER HAUSBESORGERORDNUNG ZU DEM HAUSBESORGERGESETZ 15
3.3 DIE KRISE DES/DER HAUSBESORGERIN IM PRIVATEN WOHNBEREICH 16
3.4 DIE SONDERSTELLUNG DES/DER HAUSBESORGERIN IM WIENER GEMEINDEBAU 17
3.5 DIE ABSCHAFFUNG DES HAUSBESORGERGESETZES 19
3.6 NACH DER GESETZESABSCHAFFUNG: DIE STADT WIEN GRÜNDET DIE HAUSBETREUUNGS GMBH 21
5. Die Theorie des Habitus, des sozialen Feldes und der Kapitalformen 26
5.1 DAS HABITUSKONZEPT 26
5.2 DIE THEORIE DER SOZIALEN FELDER 27
5.3 DIE KAPITALFORMEN NACH BOURDIEU 28
5.3.1 Das ökonomische Kapital 29
5.3.2 Das kulturelle Kapital 29
5.3.3 Das soziale Kapital 29
5.3.4 Das symbolische Kapital 30
5.3.5 Umwandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Kapitalformen 31
6. Annäherung an die BewohnerInnen-struktur der Wiener Gemeindebauten 33
6.1 DIE BEWOHNERINNENSTRUKTUR DER WIENER GEMEINDEBAUTEN 33
6.2 DIE UNTERSCHIEDLICHEN BEWOHNERINNENGRUPPEN 41
6.2.1 Die alteingesessenen BewohnerInnen 42
6.2.2 Die neuzugezogenen BewohnerInnen 46
6.2.3 Die Etablierten- Außenseiter Figuration 49
6.2.4 Die auffällig abweichenden BewohnerInnen 52
6.3 ZUSAMMENFASSUNG 53
7. Das Kapital der BewohnerInnenin den verschiedenen Formen 55
7.1 DAS ÖKONOMISCHE KAPITAL 55
7.2 DAS KULTURELLE KAPITAL 56
7.3 DAS SOZIALE KAPITAL 57
7.3.1 Das bindende Sozialkapital 57
7.3.2 Das brückenbildende Kapital 66
7.3.3 Das verknüpfende Sozialkapital 71
7.4 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE ZUM KAPITAL 82
8. Die Bedeutung der HausbesorgerInnen für das Sozialkapital der BewohnerInnen 85
8.1 DIE BEDEUTUNG FÜR DAS BINDENDE SOZIALKAPITAL 86
8.2 DIE BEDEUTUNG FÜR DAS BRÜCKENBILDENDE SOZIALKAPITAL 88
8.3 DIE BEDEUTUNG FÜR DAS VERKNÜPFENDE SOZIALKAPITAL 92
9. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 96
9.1 AUSBLICK IN DIE ZUKUNFT 99
10. Literaturverzeichnis 102
11. Anhang

Textprobe:

Kapitel 6.2.2, Die neuzugezogenen BewohnerInnen:

Wenn es diese Gruppen der Alteingesessenen gibt, würde der Verdacht nahe liegen, dass es auch Gruppen der Neuzugezogenen gibt. Diese bilden jedoch, laut der Aussage der Gebietsbetreuungs- Teamleiterin keine homogene Gruppe mit einem Zusammenhalt nach innen, weil die Menschen, die über die letzten Jahre in den Gemeindebau gezogen sind, sehr unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben. Sie erwähnt auch, dass die Menschen, die denselben oder einen ähnlichen kulturellen Hintergrund haben, nicht wirklich eine Gruppe bilden, da es einfach zu wenige Menschen mit, z.B. ägyptischer Herkunft bzw. Wurzeln gibt um sie als Gruppe zu bezeichnen. Dies führt sie aber darauf zurück, dass sie sich im Zuge ihrer Arbeit eher mit kleineren Gemeindebauten beschäftigt. (IV 1: 1) Die große Zahl an unterschiedlichen Geburtsländern der Menschen mit Migrationshintergrund, die in Gemeindewohnungen leben, (siehe Kapitel 6.1) untermauern diese Aussage der Interviewpartnerin Gruber schreibt, dass sich die Neuzugezogenen selbst nicht als Gruppe wahrnehmen, hingegen jedoch von den anderen als solche wahrgenommen werden. Sie führt dies auf die fehlende gemeinsame Geschichte und das damit zusammenhängende fehlende Wir-Gefühl zurück. Ihnen werden, obwohl sie anscheinend eine abstrakte Gruppe darstellen, von den Alteingesessenen bestimmte Eigenschaften und Gewohnheiten zugeschrieben, durch die sie sich von ihnen unterscheiden. Gruber beschreibt diese Wahrnehmungen der interviewten alteingesessenen BewohnerInnen bezüglich der Unterschiede zwischen den beiden Gruppen wie folgt:

‘Die Neuzugezogenen hätten beispielsweise eine andere Einstellung zu fremdem Eigentum. Dies zeige sich, wenn Dinge mutwillig zerstört werden. Und die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten führten immer wieder zu Konflikten. Ein mehrmals erwähntes Beispiel dafür ist das Lärmen spätabends – BewohnerInnen aus südlicheren Ländern seien dies von ihren Herkunftsländern so gewöhnt, vermuten die Alteingesessenen’.

Wie auch in den, im Zuge dieser Arbeit geführten Interviews mit ExpertInnen, kommt auch bei den von Gruber angeleiteten Gruppendiskussionen unter den Alteingesessenen heraus, dass wenn von ‘den Neuzugezogenen’ die Rede ist, meist Menschen mit Migrationshintergrund gemeint sind.

Diese Zuschreibungen von scheinbar ethnisch bedingten Eigenschaften werden von Bukow und Llaryora ‘Ethnisierung’ genannt. Unterschiede zwischen den einzelnen Ethnien gehen hierbei verloren und es wird die Gruppe der ‘MigrantInnen’ konstruiert. In dem Zusammenhang einer Wohnhausanlage wird anscheinend statt Begriffen wie ‘MigrantInnen’, ‘AusländerInnen’ oder ‘Menschen mit Migrationshintergrund’ eher der Begriff der Neuzugezogenen benutzt. Vermutlich passiert dies zum einen Teil um sich als nicht rassistisch darzustellen oder auch um bewusst einer Ethnisierung entgegenzuwirken.

Diese Informationen führen zu dem Schluss, dass keine Gruppen der Neuzugezogenen im Gemeindebau zu erkennen sind, weil diese kein Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Die Normen dieser verschiedenen BewohnerInnen unterscheiden sich vermutlich aufgrund der heterogenen Zusammensetzung erheblich voneinander.

Ein Hausbesorger aus der großen Wohnhausanlage ‘Neues Schöpfwerk’ wiederum beschreibt solche Gruppenbildungsprozesse, die aufgrund ähnlicher kultureller Hintergründe passieren. Er schildert, dass sich bei den Sitzmöglichkeiten im Park, Menschen, die anscheinend der arabischen Kultur zugehören und Menschen, die einen philippinischen Hintergrund haben, jeweils in ihrer Gruppe zusammenfinden, ihre Kinder spielen lassen und die Zeit gemeinsam verbringen.

Dies lässt vermuten, dass neuzugezogene BewohnerInnen nur dann wahrnehmbare Gruppen bilden, wenn auch viele andere Menschen oder Familien mit dem gleichen oder ähnlichen kulturellen Hintergrund in demselben Gemeindebau leben. Hierfür ist die Wahrscheinlichkeit größer, wenn auch insgesamt mehr Menschen in einer Wohnhausanlage leben, wie es in der von dem Hausbesorger beschriebenen Wohnhauslange der Fall ist. Es wäre jedoch auch möglich, dass der interviewte Hausbesorger Menschen aufgrund eines ähnlichen kulturellen Hintergrunds als Gruppe wahrnimmt, die gar keine solche bilden.

Einiges deutet trotzdem darauf hin, dass es Gruppen gibt, die aus zugezogenen Menschen mit ähnlichem Migrationshintergrund bestehen. Es lässt sich vermuten, dass es sich hier aber eher um verwandtschaftliche Verbände, die auch zusammen leben, als um nachbarschaftliche Beziehungen handelt, denn der ‘Migrationshintergrund hat Auswirkungen auf die Häufigkeit der Familientreffen. 67% der Personen mit Migrationshintergrund sind täglich mit ihren Familien zusammen. Bei den Personen ohne Migrationshintergrund sind dies nur 31%’. Weiters leben mehr als die Hälfte, genauer gesagt 67 Prozent, aller BewohnerInnen mit Migrationshintergrund mit mehr als drei Personen in einem Haushalt. Nachdem BewohnerInnen mit Migrationshintergrund auch deutlich öfters angaben mit PartnerIn bzw. Kindern im selben Haushalt zu leben. Anhand dessen ist anzunehmen, dass Angehörige von Familien mit Migrationshintergrund eher mit ihrer Familie in demselben Haushalt leben, als Familien ohne Migrationshintergrund.

Durch das Zusammenleben wären die, für Gruppen notwendigen,regelmäßigen Beziehungen bewiesen. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl, gemeinsame Normen und Ziele lassen sich anhand der gleichen kulturellen Hintergrundes bzw. der Familienzugehörigkeit annehmen.

Arbeit zitieren:
Köteles, Gerald Oktober 2009: Die Bedeutung von HausbesorgerInnen für das Sozialkapital der BewohnerInnen der Wiener Gemeindebauten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozialkapital, bonding social capital, Kommunaler Wohnbau, Hausbesorger, Wien

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