Die Bedeutung von Basel II für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen und deren Finanzierungsalternativen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Kusch
- Abgabedatum: April 2002
- Umfang: 76 Seiten
- Dateigröße: 680,4 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Bochum Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5542-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5542-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5542-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kusch, Stefan April 2002: Die Bedeutung von Basel II für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen und deren Finanzierungsalternativen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rating, Kreditvergabeverhalten, Finanzmarketing, Eigenkapitalvereinbarung, Konditionsgestaltung
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Diplomarbeit von Stefan Kusch
Einleitung:
Die folgenreichen weltweiten Finanzkrisen der jüngeren Vergangenheit belegen die Anfälligkeit des herrschenden Finanzsystems. Die rasche Entwicklung der Informationstechnologie sowie die zunehmende Deregulierung und Liberalisierung des Kapitalverkehrs begünstigen die Konkurrenz international operierender Unternehmen, Finanzinstitute und Investoren. Dieser Wettbewerb bietet den Marktteilnehmern eine Vielzahl lukrativer Chancen, die jedoch in engem Zusammenhang mit folgenreichen Risiken stehen. Die Konsequenzen für jede einzelne Volkswirtschaft sind oftmals nicht absehbar, wie die jüngsten Geschehnisse in Asien, Rußland oder Lateinamerika besonders deutlich belegen. Insbesondere der Kreditwirtschaft kommt hierbei eine bedeutende Verantwortung zu. Mittels der Geld- und Kreditschöpfung beeinflussen Banken den Geldumlauf und die Güternachfrage. Treten bei Banken Insolvenzen auf, werden Beschäftigung und Wirtschaftswachstum durch Kettenreaktionen in hohem Maße gefährdet. Besonders deutlich zeigten sich die Konsequenzen einer expansiven Kreditschöpfung im Rahmen der Asienkrise im Jahre 1997, bei der „faule“ Kredite in Höhe mehrerer Billionen USD zu Tage traten, die letztlich viele Insolvenzen sowohl bei Banken als auch Unternehmen hervorriefen. Der Solvenz eines Kreditinstitutes kommt somit eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Eine ausreichende, d.h. risikoadäquate Eigenkapitalausstattung der Kreditwirtschaft ist essentieller Bestandteil eines stabilen Finanzsystems, das letztlich eine sinnvolle Geldpolitik der einzelnen Zentralbanken erlaubt. Aufgrund der zunehmenden Internationalisierung der Finanzaktivitäten und der globalisierten Wirtschaftsverflechtungen sind entstehende Krisen gegenwärtig nicht mehr regional begrenzt. Es genügt also nicht mehr, sich lediglich auf nationale Richtlinien zu konzentrieren. Vielmehr erfordern die modernen Märkte zur Stabilisierung des Finanzsystems internationale Standards für sämtliche Markteilnehmer.
Der derzeit äußerst kontrovers diskutierte neue Baseler Akkord, kurz Basel II, soll den jüngsten Entwicklungen Rechnung tragen und einen wesentlichen Beitrag zu einer stabilen Zukunftsfähigkeit des internationalen Finanzsystems leisten. Im Mittelpunkt des Baseler Akkords steht die Modifizierung der bisher für international tätige Banken geltenden Eigenkapitalregeln. Die Modifizierung soll in erster Linie eine umfassendere, differenziertere und individuellere Beurteilung von Bankrisiken ermöglichen, die letztlich die Basis für das ökonomisch notwendige, d.h. den tatsächlichen Risiken entsprechende Eigenkapital bilden soll. Ziel ist es, hierdurch einen entscheidenden Beitrag zur Solidität des Finanzsystems zu leisten, ohne das derzeitige Eigenkapitalniveau in der Kreditwirtschaft zu belasten.
Die umfassende Resonanz verschiedenster politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen auf das aktuelle Konsultationspapier des Baseler Ausschusses belegt die Bedeutung, die diesem Thema beigemessen wird. Aber gerade dieser breite und öffentlich angelegte Dialog soll zu einem umfassenden und effizienten Regelwerk beitragen. Bereits jetzt zeichnen sich einschneidende Konsequenzen des Baseler Akkords für nahezu sämtliche Marktteilnehmer ab. Welche Regelungen der Akkord im einzelnen vorsieht, inwieweit gerade der deutsche Mittelstand betroffen sein wird und ob sich hierdurch eher Nachteile oder gar Chancen ergeben, soll im folgenden erarbeitet werden. Insbesondere sollen wesentliche Konsequenzen für die zukünftige Finanzierung herausgestellt und mögliche Finanzierungsalternativen diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 4 | |
| Abbildungsverzeichnis | 6 | |
| 1. | Einführung | 7 |
| 2. | Abgrenzung und Begriffsbestimmung Mittelstand | 8 |
| 3. | Aktuelle Finanzierungssituation des Mittelstandes | 9 |
| 4. | Historische Entwicklung von Basel I zu Basel II | 12 |
| 5. | Die drei Säulen der Neuen Eigenkapitalvereinbarung | 15 |
| 5.1 | Mindesteigenkapitalanforderungen (Säule I) | 15 |
| 5.1.1 | Kreditrisiko und Kreditrisikomessung | 16 |
| 5.1.1.1 | Standardansatz. (Basic Approach) | 16 |
| 5.1.1.2 | Interner Ratingansatz (IRB-Approach) | 18 |
| 5.1.2 | Marktrisiko | 22 |
| 5.1.3 | Operationelles Risiko | 23 |
| 5.2 | Bankaufsichtliches Überprüfungsverfahren (Säule II) | 24 |
| 5.3 | Marktdisziplin (Säule III) | 25 |
| 6. | Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung | 25 |
| 6.1 | Grenzen des gesamtwirtschaftlichen Kreditvolumens | 25 |
| 6.2 | Auswirkungen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Konjunkturzyklen | 28 |
| 6.3 | Auswirkungen auf das Kreditvergabeverhalten | 32 |
| 6.4 | Auswirkungen auf die Konditionsgestaltung | 34 |
| 6.5 | Differenzierte Behandlung von lang- und kurzfristigen Finanzierungen | 39 |
| 6.6 | Anforderungen an das mittelständische Finanzmarketing | 40 |
| 6.7 | Bedeutung des Dialoges zwischen Bank und Unternehmen | 42 |
| 6.8 | Rating als Marketinginstrument | 44 |
| 7. | Alternative Finanzierungsformen | 46 |
| 7.1 | Eigenkapitalerhöhung | 47 |
| 7.2 | Leasing | 48 |
| 7.3 | Factoring und Forfaitierung | 51 |
| 7.4 | Asset Backed Securities | 53 |
| 7.5 | Venture Capital | 56 |
| 7.5.1 | Private Beteiligungsgesellschaften | 56 |
| 7.5.2 | Öffentliche Finanzierungsförderungen | 57 |
| 7.5.3 | Mittelstandsfonds („Börner Modell“) | 59 |
| 7.6 | Mezzanine-Finanzierung | 61 |
| 7.6.1 | Privatplazierte Mezzanine-Instrumente | 61 |
| 7.6.2 | Kapitalmarktorientierte Mezzanine-Instrumente | 62 |
| 7.7 | Börsengang | 64 |
| 8. | Schlußbetrachtung | 67 |
| Literaturverzeichnis | 70 | |
| Versicherung | 74 |
toren stehen. Derartige qualitative Faktoren beziehen sich im wesentlichen auf die Führungsstruktur, das Controlling, das Unternehmenskonzept, die Marktposition und die Produktion.62 Der Kreditnehmer wird somit künftig nicht nur Fragen hinsichtlich seiner finanziellen Situation beantworten müssen, sondern muß sich zunehmend mit einer Vielzahl anderer betrieblicher Teilbereiche auseinandersetzen. Gerade für den Mittelstand stellen diese umfassenden Informationsanforderungen eine besondere Herausforderungen dar. Ein Großteil wird erstmals damit konfrontiert, derartige Informationen zu sammeln, zu bewerten und aufzubereiten. Aufgrund der hohen Transparenzanforderungen wird es erforderlich sein, Informationsprozesse einzuführen und zu koordinieren. Je effizienter sich ein solches Informationsmanagement darstellt, desto besser kann ein Unternehmen wichtige Entwicklungen in jedem beliebigen Unternehmensbereich im Rahmen eines Finanzmarketings präsentieren. Positive Entwicklungen wie z.B. die Einführung neuer Produkte, eine Verbesserung des Debitorenmanagements oder die Entwicklung eines Qualitätsmanagementsystems können sich so günstig in der Gesamtbeurteilung auswirken. Sicherlich wird sich für viele kleinere Unternehmen nicht zuletzt aufgrund des fehlenden Fachwissens und mangelnder Kapazitäten die Einführung eines Finanzmarketings zum Teil äußerst schwierig darstellen, aber auch hier geht es darum, für ratingrelevante Informationen sensibilisiert zu sein. Um beim Krediterhalt stets risikoäquivalente Konditionen zu erhalten, müssen sich kreditsuchende Unternehmen künftig zunehmend um die Entwicklung eines effizienten Finanzmarketings bemühen. Aber gerade in Bezug auf eine transparente Informationspolitik bestehen bei vielen Mittelständlern noch große Defizite. Gemäß einer Studie der PWC Deutsche Revision über die Informationspolitik in mittelständischen Unternehmen sind nach eigener Auskunft lediglich 50% der Firmen in der Lage eine Segmentberichterstattung durchführen zu können. Ebenfalls können auch nur 50% eine zuverlässige Analyse bezüglich zentraler Erfolgs- und Risikofaktoren anfertigen, 50% können ihre Strategie plausibel dokumen- [...]
einträchtigt. Die Stabilität würde insbesondere dadurch gefährdet, daß selbst Güter des Anlagevermögens mit dementsprechend langfristiger Nutzungsdauer entgegen klassischer Finanzierungsregeln kurzfristig finanziert würden. Zwar stellen sich die Finanzierungskosten auf den ersten Blick günstiger dar, für den Mittelstand würde sich aber stets die Frage der Folgefinanzierung stellen. Des weiteren sieht Basel II für den IRB-Ansatz einen zeitlichen Beurteilungshorizont von einem Jahr vor, so daß die tatsächliche Gesamtlaufzeit des Kredites von vornherein unerheblich ist. Spätestens im Folgejahr können Banken schließlich ihr Ratingurteil etwaigen Veränderungen in der Bonität des Kreditnehmers anpassen. Gegebenenfalls können derartige Anpassungen sogar unterjährig erfolgen. Erhöhte Risikozuschläge im Rahmen der Langfristfinanzierung sind somit grundsätzlich nicht erforderlich und würden sich sogar als stabilitätsgefährdend erweisen. 6.6 Anforderungen an das mittelständische Finanzmarketing Insbesondere die erste Säule der Baseler Eigenkapitalvereinbarung und die hierin geforderten Ratings der Kreditnehmer werden weitreichende Konsequenzen für den Mittelstand nach sich ziehen. Ein Rating durch eine externe Agentur ist hier zwar nicht erforderlich, allerdings wird die künftige Finanzierung zumindest vom internen Rating durch die Bank unmittelbar abhängig sein. Je besser ein Ratingurteil ausfällt, desto stärker kann sich ein Unternehmen auf eine gewöhnliche Bankkreditfinanzierung konzentrieren. Fällt ein Ratingurteil entsprechend schlechter aus, steigt der Druck auf das Unternehmen, die eigene Bonität durch eine Optimierung der Geschäftsaktivitäten zu verbessern bzw. alternative Finanzierungsformen in Betracht zu ziehen. Auch wenn Basel II frühestens 2006 eingeführt wird, muß sich der Mittelstand bereits gegenwärtig intensiv mit den zusätzlichen Anforderungen des internen Ratings befassen. In erster Linie soll ein Rating beurteilen, inwieweit ein Kreditnehmer wirtschaftlich in der Lage ist, in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Aber Ratings gehen weit über eine gewöhnliche Kreditwürdigkeitsprüfung hinaus. Im weiteren Fokus werden künftig neben der Liquiditätslage und der bisherigen Unternehmensentwicklung auch eine mittelfristige Unternehmensplanung sowie zusätzliche qualitative Erfolgsfak41 [...]
Abbildung 10: Risikogewichte im IRB-Ansatz (nach Laufzeit differenziert)60 In Deutschland hat sich die Langfristfinanzierung mittelständischer Unternehmen jedoch in der Vergangenheit stets bewährt. Schließlich verfügen 85% der in Deutschland ausgereichten Kredite über einen langfristigen Charakter.61 Eine längere Laufzeit bedeutet nicht zwangsläufig ein entsprechend höheres Risiko. Hypothekarkredite weisen nicht zuletzt aufgrund der guten Absicherung sogar ein bemerkenswert niedriges Ausfallrisiko auf. Sollten derartige Zuschläge für langfristige Finanzierungen in dem abschließenden Regelwerk Berücksichtigung finden, würde sich der zeitliche Finanzierungscharakter des deutschen Mittelstandes grundlegend ändern. Kurzfristige Kredite würden bewährten Langfristfinanzierungen vorgezogen werden. Entgegen der Baseler Intention würde die Stabilität durch eine zu befürchtende Flucht in Kurzfristkredite deutlich be59 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832455422
Arbeit zitieren:
Kusch, Stefan April 2002: Die Bedeutung von Basel II für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen und deren Finanzierungsalternativen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Rating, Kreditvergabeverhalten, Finanzmarketing, Eigenkapitalvereinbarung, Konditionsgestaltung



