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Beanspruchung kognitiver Ressourcen für die Handlungsorganisation bei jungen und älteren Erwachsenen

Ein Beitrag zur Benennung möglicher Sturzursachen im Alter

Beanspruchung kognitiver Ressourcen für die Handlungsorganisation bei jungen und älteren Erwachsenen
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Petra Guardiera
  • Abgabedatum: Januar 2005
  • Umfang: 180 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9049-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9049-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9049-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Guardiera, Petra Januar 2005: Beanspruchung kognitiver Ressourcen für die Handlungsorganisation bei jungen und älteren Erwachsenen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Altern, Lokomotion, Doppelaufgaben, Stürze, Intervention

Dissertation / Doktorarbeit von Petra Guardiera

Einleitung:

Stürze im Alter stellen ein multifaktorielles Geschehen dar. Als bekannte Sturzursachen im Alter gelten beispielsweise situative Risikofaktoren, physiologische Veränderungen, das Phänomen Sturzangst und eine reduzierte Verfügbarkeit oder Überbeanspruchung kognitiver Ressourcen, welche die Handlungskompetenz älterer Menschen vermutlich einschränken. Eine solche Einschränkung zeigt sich möglicherweise in Situationen, in denen ein älterer Mensch über die Straße geht, den Mantel zu knöpft und sich währenddessen mit seinem Begleiter unterhält. Wird davon ausgegangen, dass die kognitiven Ressourcen, die jeder einzelnen Person für die Bewältigung solcher Aufgaben zur Verfügung stehen, limitiert sind, würde ein älterer Mensch in dieser Situation eventuell eher an die Grenzen seiner kognitiven Kapazität stoßen als ein jüngerer, möglicherweise weil die Kontrolle über die körperliche Stabilität infolge der oben benannten Defizite einen größeren Teil der kognitiven Ressourcen erfordert. Folglich verbleibt für die Bearbeitung der übrigen Aufgaben ein zu geringer Teil. Eine Ressourcenzuteilung zu Ungunsten der Gehaufgabe könnte in einem Sturz resultieren, da nicht das Gehen über das Kopfsteinpflaster, sondern das Zuknöpfen des Mantels priorisiert würde.

Die vorliegende Arbeit versuchte, einen Beitrag zur Erforschung möglicher Sturzursachen im Alter zu leisten, indem anhand von Doppelaufgaben die Bewältigung zweier alltäglicher Aufgaben bei jungen Erwachsenen im Vergleich zu älteren untersucht wurde. Zu diesem Zweck wurden unterschiedlich schwere Gehaufgaben mit strukturell unterschiedlichen Zusatzaufgaben kombiniert und anhand der Doppelaufgabenkosten mögliche Altersunterschiede des kognitiven Aufwands bemessen, der für die Bewältigung der jeweiligen Doppelaufgaben erforderlich war. Auf diese Weise sollte untersucht werden, ob die Kombination solcher Aufgaben möglicherweise überhöhte kognitive Anforderungen an Ältere stellt und infolgedessen auf ein erhöhtes Sturzrisiko hindeutet.

Die Ergebnisse wiesen in der Mehrzahl der Doppelaufgaben ein in den Gruppen ähnliches Bewältigungsmuster auf, weswegen die Bewältigung dieser offenbar keine unterschiedlich hohen kognitiven Regelungsprozesse in den Altersgruppen erforderte. Darüber hinaus zeigte sich in Exp. A bei der Kombination einer Gehaufgabe mit einer feinmotorischen Zusatzaufgabe eine altersspezifische Beeinträchtigung der Balancieraufgabe, welche möglicherweise mechanisch bedingt waren, möglicherweise aber auch auf einem erhöhten Wettkampf um die kontinuierliche Verarbeitung visueller Information beruhte.

Überdies ergab sich bereits in der Einzelaufgabe Gehen ein erhöhter Fehler in der Bewegungsgenauigkeit in Exp. C2, die Aufgabe forderte von den Probanden, in einem engen Parcours maximal schnell und präzise zu gehen. Möglicherweise kam dieses Ergebnis infolge einer Strategie zustande, die darin bestand, dass die älteren Probanden die Bewegungsgenauigkeit zugunsten der Geschwindigkeit bewusst vernachlässigten und folglich die körperliche Stabilität durch eine Verbreiterung der Standfläche erhöhten; es ist jedoch genauso denkbar, dass die Bewegungsgeschwindigkeit infolge einer überhöhten Beanspruchung kognitiver Ressourcen nur zu Lasten der Genauigkeit aufrecht erhalten werden konnte. Da ein hoher Fehler in einer realen Situation möglicherweise ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen könnte, sind an dieser Stelle nachfolgende Untersuchungen zur Überprüfung der Vermutung notwendig.

Eine Vergleichsstudie untrainierter und trainierter älterer Erwachsene ergab Vorteile in der Bewältigung von Doppelaufgaben in der Gruppe der trainierten Älteren. Eine im Anschluss an diese Ergebnisse durchgeführte Trainingsstudie mit untrainierten Älteren konnte diese Ergebnisse nur im Ansatz bestätigen. Ursache hierfür könnten eine zu kurz gewählte Trainingsdauer sowie eine stark ausgeprägte Heterogenität innerhalb der Probandengruppe sein.

Da die Befunde ähnlich der vorangegangenen Literatur nicht pauschal auf ein altersspezifisches Defizit in der Doppelaufgabenperformanz hinwiesen, scheinen die Verhaltensdaten nur in begrenztem Umfang weitere Erklärungsmöglichkeiten für Stürze im Alter zu liefern. Die Ergebnisse führen folglich zu der Vermutung, dass sich eine defizitäre Handlungsorganisation nicht nur im beobachteten Verhalten, sondern beispielsweise in einem Zerfall des Gangbildes äußert, weswegen sich in zukünftigen Untersuchungen eine kinematische Analyse unterschiedlicher Schrittparameter sowie der Koordination zwischen oder innerhalb der unteren Extremitäten als sinnvoll erweisen könnte. Auch eine Abfrage individueller Bearbeitungsstrategien könnte weitere Erkenntnisse über die altersspezifische Handlungsorganisation erbringen.

Letztlich ist zu bemerken, dass die älteren Probanden eine hohe Heterogenität aufwiesen und sich folglich möglicherweise nicht in eine einzige Leistungsgruppe einordnen ließen. Eine individuelle Analyse leistungsstarker und leistungsschwächerer Probanden unter Einbeziehung motivationaler, physiologischer und soziokultureller Aspekte könnte in künftigen Untersuchungen eine weitere Möglichkeit zur Verhaltensanalyse in verschiedenen Altersgruppen bieten.

Gang der Untersuchung:

In der vorliegenden Arbeit wurden sieben verschiedene Experimente durchgeführt, welche inhaltlich aufeinander aufbauten. Jedes Experiment beinhaltete die Bearbeitung von Doppelaufgaben, die sich jeweils aus einer Gehaufgabe und einer kognitiven oder motorischen Zusatzaufgabe zusammensetzten. Die Doppelaufgaben wurden so gewählt, dass sie alltäglichen Anforderungen entsprachen. Darüber hinaus wurden sie hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades der Gehaufgabe bzw. der Struktur der Zusatzaufgabe systematisch variiert, um mögliche Hinweise auf aufgabenspezifische Ursachen für Stürze im Alter erfassen zu können.

Unter Struktur ist eine Abgrenzung zwischen motorischen und kognitiven, visuellen und akustischen sowie kontinuierlich und diskret zu bearbeitenden Aufgaben zu verstehen. Zusätzlich wurde für jeden Probanden eine Erhebung persönlicher Daten sowie eine Erfassung des Bildungsgrades, des Sturzrisikos und des Aktivitätsniveaus anhand eines Fragebogens durchgeführt. In Experiment A wurden darüber hinaus noch Strategiefragebögen eingesetzt, welche Aufschluss über mögliche Altersunterschiede in der Bearbeitung der Doppelaufgaben geben sollten.

Im Folgenden wird zum besseren Verständnis zunächst eine Übersichtstabelle über die Verteilung der Probanden sowie eine Übersichtstabelle über die Konzeption der Experimente dargestellt, bevor die Vorgehensweise zur Erhebung und Bearbeitung der Verhaltensdaten und der Fragebögen im einzelnen beschrieben wird.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Relevanz des Forschungsgegenstandes „Stürze im Alter 1
1.2 Ursachen für eine erhöhte Sturzhäufigkeit im Alter 3
1.3 Untersuchung kognitiver Regelungsprozesse anhand des Doppelaufgaben-Paradigmas 9
1.4 Altersspezifische Doppelaufgabendefizite: Erklärungsversuche unter Berücksichtigung individueller Bearbeitungsstrategien 13
1.5 Übersicht über frühere Doppelaufgaben-Studien: „Stehen“ und „Gehen“ im Altersvergleich 14
1.5.1 Doppelaufgaben mit statischer sensomotorischer Aufgabe „Stehen“ 15
1.5.2 Doppelaufgaben mit dynamischer sensomotorischer Aufgabe „Gehen“ 20
1.6 Interventionsmaßnahmen 26
1.7 Ziele der vorliegenden Arbeit 30
2. Methodik und Material 33
2.1 Probanden 33
2.2 Verhaltensdaten 35
2.2.1 Aufgabentypen 36
2.2.1.1 Sensomotorische Aufgabe Gehen 36
2.2.1.1.1 Exp. A 36
2.2.1.1.2 Exp. B1 und B2 37
2.2.1.1.3 Exp. C1, C2, D1 und D2 38
2.2.1.2 Zusatzaufgaben 39
2.2.1.2.1 Feinmotorische Aufgabe Tasse tragen 39
2.2.1.2.2 Kognitive Aufgabe Buchstabieren 40
2.2.1.2.3 Stroop-ähnliche Reaktionsaufgabe 40
2.2.1.2.4 Feinmotorische Aufgabe Knöpfen 41
2.2.1.2.5 Gedächtnisaufgabe 42
2.2.1.3 Besonderes methodisches Vorgehen in Exp. D1 und D2 42
2.3 Fragebögen 43
2.4 Zusammenfassung des experimentellen Designs 44
2.5 Aufbereitung der Daten 45
2.5.1 Sensomotorische Aufgabe Gehen 45
2.5.1.1 Exp. A, B1 und B2 45
2.5.1.2 Exp. C1, C2, D1 und D2 46
2.5.2 Zusatzaufgaben 46
2.5.2.1 Feinmotorische Aufgabe Tasse tragen 46
2.5.2.2 Kognitive Aufgabe Buchstabieren 47
2.5.2.3 Stroop-ähnliche Reaktionsaufgabe 47
2.5.2.4 Feinmotorische Aufgabe Knöpfen 49
2.5.2.5 Gedächtnisaufgabe 49
2.6 Statistische Analyse der Daten 50
2.6.1 Verhaltensdaten 50
2.6.1.1 Absolute Werte 50
2.6.1.2 Relative Werte: Doppelaufgabenkosten 51
2.6.2 Fragebögen 52
3. Ergebnisse 53
3.1 Experiment A 53
3.1.1 Fragebogen 54
3.1.2 Strategiefragebögen 55
3.1.3 Absolute Werte 57
3.1.4 Relative Werte: Doppelaufgabenkosten 59
3.2 Experiment B1 und B2 62
3.2.1 Fragebogen 63
3.2.2 Absolute Werte 65
3.2.3 Relative Werte: Doppelaufgabenkosten 70
3.2.4 Fehleranalyse in Exp. B2 72
3.3 Experiment C1 und C2 74
3.3.1 Fragebogen 75
3.3.2 Absolute Werte 78
3.3.3 Relative Werte: Doppelaufgabenkosten 81
3.3.4 Fehleranalyse in Exp. C1 und C2 83
3.4 Experiment D1: 86
3.4.1 Fragebogen 87
3.4.2 Absolute Werte 89
3.4.3 Relative Werte: Doppelaufgabenkosten 91
3.5 Experiment D2 94
3.5.1 Fragebogen 94
3.5.2 Absolute Werte 95
3.5.3 Relative Werte: Doppelaufgabenkosten 99
4. Diskussion 102
4.1 Probanden 102
4.2 Methodik 103
4.2.1 Fragebögen 103
4.2.2 Sensomotorische Aufgabe Gehen 104
4.2.3 Feinmotorische Aufgabe Tasse tragen 105
4.2.4 Stroop-ähnliche Reaktionsaufgabe 105
4.2.5 Feinmotorische Aufgabe Knöpfen 106
4.3 Ergebnisse: absolute Werte 106
4.3.1 Experiment A 107
4.3.2 Experiment B1 und B2 112
4.3.3 Experiment C1 und C2 120
4.3.4 Experiment D1 und D2 128
4.3.5 Relative Werte: Doppelaufgabenkosten 135
4.4 Schlussfolgerung 137
4.5 Fazit und Ausblick 143
5. Zusammenfassung / Abstract 145
6. Literatur 149

Automatisiert erstellter Textauszug:

Tab. 32: Ergebnisse der Fragebogenanalyse in Exp. D2. Dargestellt sind Ergebnisse der statistischen Analysen für einen Vergleich der Altersgruppen in den Variablen des 2 2 Fragebogens (Anhang 2). Der -Wert gibt den Wert der -Verteilung mit dem entsprechenden Freiheitsgrad an. " " 2 bedeutet, dass der -Test nicht durchgeführt werden konnte, da die Variable eine Konstante war. Der U-Wert gibt den berechneten Vergleichswert des Mann-Whitney U-Tests mit den entsprechenden Gruppengrößen an. Signifikante Ergebnisse sind in rot mit * gekennzeichnet (p<0.05 =* , p<0.01=** und p<0.001=***). Mittlere Ränge und z-Werte für den Mann-Whitney U-Test sowie alle Prozentangaben und Mediane können in Anhang 4.15 eingesehen werden. [...]

Eine Analyse der Fragebögen, ergab dass mehr junge als trainierte und untrainierte ältere Probanden einer akademischen Tätigkeit nachgingen. Darüber hinaus wiesen die untrainierten Älteren eine höhere Sturzhäufigkeit als die jungen und trainierten älteren Probanden auf. Bei einem Vergleich der jungen und trainierten älteren Probanden zeigte sich, dass die jungen öfter am PC arbeiteten, während die älteren häufiger im Garten arbeiteten, spazieren gingen und Zeitung lasen. Ein Vergleich der jungen und untrainierten älteren Probanden zeigte ein ähnliches Muster: die jungen arbeiteten häufiger am PC, während die älteren öfter im Garten arbeiteten und Zeitung lasen. Ein Vergleich der älteren Probanden verdeutlichte, das die trainierten häufiger an Veranstaltungen in Sportvereinen teilnahmen. Die Gehgeschwindigkeit in der Gruppe der untrainierten Älteren liegt deutlich unter der der Jungen und trainierten Älteren. Darüber hinaus ist die Beeinträchtigung der sensomotorischen Aufgabe Gehen in allen Gruppen ähnlich groß, wodurch kein Hinweis auf ein gruppenspezifisches Doppelaufgabendefizit vorliegt. Allerdings ist festzuhalten, dass die trainierten älteren Probanden die Doppelaufgaben auf einem wesentlich höheren Leistungsniveau bewältigen als die untrainierten. Die Leistung in der feinmotorischen Knopfaufgabe ist in der Gruppe der untrainierten Älteren deutlich schwächer als in der Gruppe der Jungen und trainierten Älteren. Darüber hinaus findet sich kein Hinweis auf ein gruppenspezifisches Doppelaufgaben-defizit. Die Leistung in der Gedächtnisaufgabe liegt bei den untrainierten Älteren deutlich unter der der Jungen. Die trainierten Älteren befinden sich auf einem mittleren Niveau. Auch hier findet sich kein gruppenspezifisches Doppelaufgabendefizit. In Exp. D1 zeigte sich, dass der bereits in der Einzelaufgabe zwischen Jungen und [...]

Tab. 28: Ergebnisse der Fragebogenanalyse. Vergleich junger und trainierter älterer, junger und untrainierter älterer sowie trainierter und untrainierter älterer Probanden in Exp. D2. Dargestellt sind Ergebnisse der statistischen Analysen für einen Vergleich der Altersgruppen in den Variablen des 2 2 Fragebogens (Anhang 2). Der -Wert gibt den Wert der -Verteilung mit dem entsprechenden Freiheitsgrad an. " " 2 bedeutet, dass der -Test nicht durchgeführt werden konnte, da die Variable eine Konstante war. Der U-Wert gibt den berechneten Vergleichswert des Mann-Whitney U-Tests mit den entsprechenden Gruppengrößen an. Signifikante Ergebnisse sind in rot mit * gekennzeichnet (p<0.05 =* , p<0.01=** und p<0.001=***). Mittlere Ränge und z-Werte für den Mann-Whitney U-Test sowie alle Prozentangaben und Mediane können in Anhang 4.12-4.14 eingesehen werden. [...]

Arbeit zitieren:
Guardiera, Petra Januar 2005: Beanspruchung kognitiver Ressourcen für die Handlungsorganisation bei jungen und älteren Erwachsenen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Altern, Lokomotion, Doppelaufgaben, Stürze, Intervention

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