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Basel II und die Auswirkungen auf die Immobilien-Projektentwicklungsunternehmen

Basel II und die Auswirkungen auf die Immobilien-Projektentwicklungsunternehmen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jens J. Jacobi
  • Abgabedatum: Juni 2003
  • Umfang: 129 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7386-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7386-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7386-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jacobi, Jens J. Juni 2003: Basel II und die Auswirkungen auf die Immobilien-Projektentwicklungsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Keditrating, Projektentwicklung, Immobilien, Finanzierung

Diplomarbeit von Jens J. Jacobi

Problemstellung:

Der Entwurf der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht einschließlich des dritten Konsultationspapiers von Ende April 2003 ist der Ausgangspunkt der Diskussion um Ratings und deren Auswirkungen auf das Kreditgewerbe und die Projektentwicklungsunternehmen. In Zeiten zunehmender Liberalisierung und Globalisierung der Märkte sowie des technischen Fortschritts hat sich an den Finanzmärkten in den letzten Jahren ein Prozess tief greifender Veränderungen vollzogen, der sich auch auf die traditionellen Bankgeschäfte auswirkt. Angesichts der gestiegenen Anzahl von Insolvenzen sowie der erhöhten Ausfallrisiken von Kreditengagements werden heute vermehrt Anstrengungen unternommen um die Stabilität der Finanzmärkte besser abzusichern. Dabei steigen die Anforderungen an das Kredit- und Risikomanagement von Banken und Unternehmen gleichermaßen.

Mit der Weiterentwicklung des bankenaufsichtlichen Regelwerks (Basel I), welches die Mindest-Eigenkapital-Unterlegung bei Banken bestimmt, sollen nun die zunehmende Komplexität und der steigende Risikogehalt der Finanzgeschäfte berücksichtigt werden. Dies hat zur Folge, dass zukünftig die Höhe des erforderlichen Eigenkapitals, welches Banken für die von ihnen gewährten Kredite unterlegen müssen um den Verpflichtungen ihrer eigenen Gläubiger nachkommen zu können, stärker an den individuellen Risiken der vergebenen Kredite orientiert sein wird.

Als eine Konsequenz daraus rückt Basel II Ratings, die zukünftig die unterschiedliche Bonität der Kreditnehmer bestimmen sollen, in den Mittelpunkt der Kreditvergabe. Kreditinstituten wird dabei die Wahl gestellt, Agentur-Ratings zu verwenden oder bankinterne Ratings durchzuführen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegt hauptsächlich bei internationalen Finanz- und Großkonzernen ein Rating vor. Zukünftig soll jedoch mit Hilfe eines Ratings bei kleinen und mittleren Unternehmen Transparenz geschaffen werden.

Durch die in Basel II vorgesehene grundlegende Änderung der Eigenkapitalunterlegung für Kreditrisiken bei Banken werden sich die „Spielregeln“ im Firmenkundenkreditgeschäft erheblich ändern. Aufgrund des kausalen Zusammenhangs zwischen der Eigenkapitalunterlegung von Banken für Kreditgeschäfte und der Fremdkapitalzinsen für Unternehmen kann diese Veränderung besonders für die Projektentwicklungsbranche in Deutschland gravierende Auswirkungen haben. Für die Immobilienwirtschaft hat Basel II insofern große Bedeutung, als sie sich einerseits durch ein sehr hohes Investitionsvolumen auszeichnet und anderseits der Anteil von Fremdkapital bei der Finanzierung besonders hoch ist. Der durchschnittliche Eigenkapitaleinsatz bei Immobilieninvestitionen beträgt in der Regel zwischen 15 und 25%, so dass ein erheblicher Anteil der Investitionskosten fremdfinanziert werden muss. Daraus wird die Bedeutung von Basel II für die Immobilienbranche deutlich. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen von Basel II ist daher gerade für Projektentwickler dringend erforderlich.

Gang der Untersuchung:

Zielsetzung dieser Arbeit soll es sein, den Baseler Akkord hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Projektentwicklungsunternehmen kritisch zu untersuchen. Dabei wird schwerpunktmäßig auf die für Projektentwickler relevanten Fragestellungen sowie zukünftige Anforderungen und mögliche Veränderungen der konkreten Finanzierungssituation und auf Handlungsoptionen eingegangen.

Im zweiten Kapitel der vorliegenden Arbeit sollen zunächst grundlegende Begriffe definiert, abgegrenzt und in einen wirtschaftlichen Kontext eingeordnet werden. Dabei werden als erstes die Geschichte, Zeitplan und die Ziele von Basel II beschrieben. Anschließend erfolgt eine begriffliche Klärung der Immobilien-Projektentwicklung.

Im Weiteren werden bankspezifische Aspekte und der Begriff „Rating“ eingeführt sowie dessen verschiedene Ausgestaltungsformen und die ausübenden Institutionen vorgestellt. In dem darauf folgenden Kapitel werden die Gestaltung und der Aufbau der neuen Eigenkapitalvereinbarung unter Berücksichtigung des dritten Konsultationspapiers dargestellt. In diesem Kapitel liegt der Schwerpunkt auf den Regeln und Anforderungen von Basel II, bei denen eine überproportional hohe Belastung von Projektentwicklungsunternehmen zu befürchten ist. Dabei werden insbesondere die den Kreditinstituten zur Wahl stehenden Ratingansätze erläutert um ein Verständnis der Baseler Vorschläge zu erlangen.

Darauf aufbauend wird im vierten Kapitel der Versuch unternommen die konkreten Auswirkungen des neuen Baseler Akkords auf Projektentwickler deutlich zu machen. Obwohl zum jetzigen Zeitpunkt einige Detailfragen von Basel II noch ungeklärt sind, so scheinen doch bereits Grundtendenzen der Konsequenzen für die Projektentwicklungsunternehmen ableitbar zu sein. Aufgrund der besonderen Rolle, die dem Analyseinstrument Rating durch die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung für die zukünftige Kreditvergabepraxis zukommt, wird es in seinen Grundstrukturen präsentiert und in den Zusammenhang eingeordnet. Im Weiteren wird der Versuch unternommen die wesentlichen Aspekte eines Immobilienkreditratings zu erörtern, indem ein Analysesystem entwickelt wird, welches aus den beiden Hauptbestandteilen Unternehmensrating und Projektrating besteht und wesentliche Faktoren eines Immobilien-Ratings aufzeigt.

Vor dem Hintergrund der abgeleiteten Veränderungen beschäftigt sich Kapitel 5 mit den Handlungsoptionen für Projektentwicklungsunternehmen. Hier werden neben der Transparenzschaffung schwerpunktmäßig mögliche Finanzierungsalternativen dargestellt.

Im letzten Kapitel erfolgt eine Zusammenfassung und eine Schlussbetrachtung des Sachverhalts. Mit einem Ausblick soll die Arbeit abgerundet werden.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort. I
Inhaltsverzeichnis. II
Tabellenverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis VII
Formelverzeichnis VIII
Abkürzungsverzeichnis. IX
1. Einleitung 1
A. Hintergrund, Problemstellung und Zielsetzung. 1
B. Vorgehensweise . 2
2. Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen . 4
A. Basel II 4
I. Geschichte der Baseler Eigenkapitalvereinbarung . 4
II. Der Zeitplan von Basel II 4
III. Ziele von Basel II. 5
B. Immobilien-Projektentwicklung 6
I. Definition der Immobilien-Projektentwicklung 6
II. Aufgabenfelder der Immobilien-Projektentwicklung 7
III. Risiken der Immobilien-Projektentwicklung 10
IV. Traditionelle Finanzierung von Projektentwicklungen. 11
C. Banken 12
I. Kreditarten. 13
II. Risiken einer Bank 14
III. Kreditsicherheiten 14
D. Rating 15
I. Definition des Begriffs Rating 15
II. Ratingarten. 17
III. Bankinterne und -externe Ratings. 18
IV. Ratingsymbole und Ihre Bedeutung 21
V. Rating-Prozess aus Unternehmenssicht 21
3. Basel II – Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 23
A. Das Rahmenwerk – Die drei Säulen des neuen Baseler Akkords. 23
I. Pillar I: Mindestkapitalanforderungen 24
a) Kreditrisiko 25
1. Standardansatz 25
2. Interner Ratingansatz (Internal Ratings Based Approach) 29
i) Elementar-Ansatz (Basic Approach) 33
ii) Basis-Ansatz (Foundation-Approach) 34
iii) Fortgeschrittener-Ansatz(Advanced Approach) 38
iv) Ausblick zur Verfahrensweise der Banken 40
b) Operationelles Risiko 40
c) Handelsbuch 41
II. Pillar II: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren – Der Supervisory Review Process (SRP) 41
III. Pillar III: Marktdisziplin 42
4. Auswirkungen und Anforderungen der Baseler Eigenkapitalvereinbarung 44
A. Auswirkungen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Konjunkturzyklen 44
B. Auswirkungen auf das Kreditvergabeverhalten der Banken. 46
C. Auswirkungen auf die Konditionsgestaltung. 48
D. Notwendigkeit eines Immobilien-Kreditratings 52
I. Unternehmensrating – Ratinganforderungen an Immobilien-Projektentwicklungsunternehmen 52
a) Analyse des Länderrisikos . 54
b) Analyse des Branchenrisikos 54
c) Analyse des Unternehmensrisikos. 55
1. Analyse des Geschäftsrisikos 55
2. Analyse des Finanzrisikos 55
II. Projektrating – Ratinganforderungen an Neubauprojekte und zu revitalisierende Objekte 58
a) Analyse des Makrostandortrisikos 59
b) Analyse des Mikrostandortrisikos 60
c) Analyse des Projektrisikos 60
III. Immobilien-Kreditrating 61
E. Auswirkungen auf den Immobilienmarkt 63
5. Handlungsoptionen für Immobilien-Projektentwickler 65
A. Transparenzschaffung 65
B. Unterstützung des Dialogs mit den Analysten durch ein Dokumentationsinstrumentarium 66
C. Änderung des Bilanzierungsverhaltens. 67
D. Wahl neuer Finanzierungsalternativen. 68
I. Eigenkapitalerhöhung 68
II. Venture Capital 69
III. Mezzanine-Finanzierung 71
a) Privatplatzierte Mezzanine-Instrumente. 71
b) Kapitalmarktorientierte Mezzanine-Instrumente 72
IV. Projektentwicklungsfonds. 74
V. Offene Immobilienfonds 75
VI. Commercial-Mortgage-Backed-Securities 75
VII. Participating Mortgages 77
VIII. Convertible Mortgage 77
IX. Börsengang 78
X. Allianzen zwischen Projektentwicklern und Investoren 80
XI. Joint Ventures 81
E. Risikominderung durch räumliche Streuung der Investitionen 81
6. Schlussbetrachtung 82
Anhang 85
Literaturverzeichnis 105
Eidesstattliche Erklärung 119

Automatisiert erstellter Textauszug:

Fraglich ist ebenfalls, in welchem Maße sich die neuen Eigenkapitalregelungen prozyklisch hinsichtlich des Konjunkturverlaufs auswirken, d.h. inwieweit diese die Konjunkturzyklen unterstützen. In der Geschichte konnte eine Verstärkung der konjunkturellen Schwankungen durch die Kreditpolitik beobachtet werden, denn konjunkturelle Schwankungen werden potentiell verstärkt, wenn das in der Expansionsphase gebildete Eigenkapital sowie entsprechende Rückstellungen der Banken nicht ausreichen um die in wirtschaftlichen Abschwüngen auftretenden Risiken abzude232 cken. Banken wären so unter Umständen gezwungen Kredite zur Einhaltung der Eigenkapitalforderungen zu kündigen. Jedoch selbst ohne offizielle Eigenkapitalanforderungen würde sich das Eigenkapital der Institute prozyklisch verhalten. Schließlich nehmen die Gewinne der Banken, die bekanntlich zum Eigenkapital gezählt werden, in Aufschwungphasen deutlich zu, während sie in Rezessionsphasen in gerin233 Das Kreditvolumen vergerem Maße zunehmen bzw. teilweise sogar abnehmen. hält sich ähnlich, d.h. in Aufschwungphasen nimmt dieses im Gegensatz zu Abschwungphasen zu. Bei boomender Konjunktur war es damit für Projektentwickler leichter eine Kreditzusage zu erhalten, während sich dies in rezessiven Zeiten als 234 Diese Kreditvergabepolitik hat die Volatilität der Immobiproblematisch erwies. lienmärkte verstärkt und in der Vergangenheit zu Projektentwicklerinsolvenzen und Wertberichtigungen bei Banken geführt. Im Rahmen der derzeit gültigen Eigenkapitalregeln war das Risiko der Prozyklität im Gegensatz zu Basel II bisher sehr gering. Die neue Eigenkapitalvereinbarung birgt jedoch ein nicht unerhebliches Risiko der Prozyklität. Dies liegt vor allem daran, dass die in Basel II vorgesehenen Risikogewichte äußerst anfällig für Konjunkturschwankungen sind. Kapitalanforderungen würden so bei einem Wirtschaftsabschwung deutlich höher ausfallen und diesen zusätzlich beschleunigen. Insbesondere bei Anwendung des IRB-Ansatzes verhalten sich die Risikogewichte sehr volatil, [...]

der zweiten Säule ergänzen. Dabei sollen „die disziplinierenden Kräfte der Märkte 226 komplementär zu den regulatorischen Anforderungen“ genutzt werden. Etwas treffender lässt sich die dritte Säule jedoch mit dem Begriff Offenlegungsanforderungen umschreiben, da es sich hierbei um eine Vielzahl von zum Teil sehr weitgehenden Empfehlungen bzw. Vorschriften zur Offenlegung von Angaben 227 zur Eigenkapital- und Risikolage der Bank handelt. Die so geforderte Marktdisziplin kann erhebliche Vorteile mit sich bringen, indem sie die Banken und Aufsichtsin228 stanzen beim Risikomanagement und der Verbesserung der Stabilität unterstützt. Die quantitative und qualitative Offenlegung ist in vier Kategorien unterteilt: den Anwendungsbereich der neuen Eigenkapital-Vereinbarung, die Eigenkapital-Struktur, Risikobeurteilungs- und Risikomanagementverfahren sowie die Eigenkapital229 Ausstattung. Von der deutschen Kreditwirtschaft wird massiv kritisiert, dass trotz einer Unterscheidung zwischen obligatorischen und fakultativen Offenlegungsbereichen sowie der Beachtung des Grundsatzes der Wesentlichkeit bei der Fülle der offenzulegenden Punkte unter Umständen eine Informationsüberflutung droht. Das könnte statt einer größeren Markttransparenz eher das Gegenteil, nämlich eine stärkere 230 Intransparenz, verursachen. Nach einer kritischen Beurteilung im zweiten Konsul231 tationspapier hat der Ausschuss nun die Anforderungen erheblich reduziert. [...]

nagementverfahren für die Überwachung und Steuerung ihrer Risiken zu entwickeln 220 Für die Beurteilung, wie gut die Banken ihren Eigenund sie auch anzuwenden. kapital-Bedarf im Verhältnis zu ihren Risiken abschätzen, werden die Aufsichtsin221 stanzen verantwortlich sein. Dabei ergeben sich die Möglichkeiten bzw. Pflichten der Bankenaufsicht, auf 222 vier zentrale Grundsätze , die letztlich sehr weit reichende Informationsrechte und vielfältige Eingriffsmöglichkeiten in die Bankpolitik festlegen, zurückzugreifen. Weiterhin gilt es festzuhalten, dass der Aufsichtsbehörde Möglichkeiten an die Hand gegeben werden sollen, um z. B. bei gegebenem Anlass frühzeitig eine Eigenkapital-Quote von über acht Prozent festlegen zu können, woraus die Entwicklung 223 weg von der „quantitativen“ hin zu einer eher „qualitativen“ Aufsicht ableitbar ist. Grundsätzlich wird diese stärkere Betonung der qualitativen Elemente in der Bankenaufsicht von der deutschen Kreditwirtschaft begrüßt. Schließlich erhöhen qualitative Aufsichtsanforderungen die Effizienz des bankenaufsichtlichen Regelwerks durch die Möglichkeit der flexiblen Anpassung an innovative Entwicklungen an den 224 Märkten und in den Banken. In der zweiten Säule ist vorgesehen, auf kleinere und mittlere Banken sowie Sparkassen Rücksicht zu nehmen und an sie nicht die gleichen Anforderungen wie an die großen Institute zu stellen. Im Rahmen der vorgesehenen Bewertung der Fähigkeit einer Bank, ihre eingegangenen Risiken zu identifizieren, zu messen, zu steuern sowie zu überwachen, wird die Bankenaufsicht in ihrem risikoorientierten Ansatz nach Größe, Komplexität und Risikolage eines Instituts differenzieren. Aus einer solchen Differenzierung werden voraussichtlich Erleichterungen und damit Kosteneinsparungen für kleinere und mittlere Banken resultieren, was letztendlich auch 225 Dieser Punkt spielt gerade für kleine Profür die Kunden einen Vorteil darstellt. jektentwickler, die ausschließlich in lokalen Märkten agieren und ihre Finanzierung meist durch ortsansässige Institute begleiten lassen, eine Rolle. [...]

Arbeit zitieren:
Jacobi, Jens J. Juni 2003: Basel II und die Auswirkungen auf die Immobilien-Projektentwicklungsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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