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Ist der Bankensektor intransparenter als andere Sektoren?

Eine Analyse anhand von Ratingdaten

Ist der Bankensektor intransparenter als andere Sektoren?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Martin Ende
  • Abgabedatum: Februar 2004
  • Umfang: 72 Seiten
  • Dateigröße: 687,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3013-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3013-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3013-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ende, Martin Februar 2004: Ist der Bankensektor intransparenter als andere Sektoren?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Regulierung, Bonität, Kreditwürdigkeit

Diplomarbeit von Martin Ende

Einleitung:

Der Bankensektor ist einer der am stärksten regulierten Sektoren in nahezu allen entwickelten Volkswirtschaften. Ziel meiner Arbeit war es zu klären, ob europäische und US-amerikanische Banken intransparenter sind als Industrieunternehmen und somit eine verstärkte Regulierung gerechtfertigt ist. Dazu wurden die Ratings der Agenturen Standard and Poor´s sowie Moody´s für Banken und Industrieunternehmen analysiert. Kommen die Agenturen zu unterschiedlichen Bewertungen eines Unternehmens, entstehen Rating-Splits, die als Indikator für die Intransparenz von Unternehmen dienen.

Je häufiger Rating-Splits auftreten, desto größer ist die Intransparenz eines Sektors. Die Untersuchungen zwischen Bank- und Industriesektor zeigen, dass Banken deutlich mehr Rating-Splits aufweisen als Industrieunternehmen. Dies trifft für Europa genauso wie für die USA zu, wobei US-amerikanische Banken mehr Rating-Splits aufweisen als europäische. Aus diesen Ergebnissen kann man ableiten, dass Banken intransparenter als Industrieunternehmen sind und eine stärkere Regulierung gerechtfertigt scheint.

Der Aufbau der Arbeit ist wie folgt. Nach einleitenden Worten werden die allgemeinen Charakteristika von „Credit Ratings“ und der Prozess zur Gewinnung eines Rating-Urteils erläutert sowie die Einflussfaktoren auf ein „Credit Rating“ und damit verbundene Probleme diskutiert.

Daran anschließend werden die Unterschiede zwischen Banken und Industrieunternehmen erläutert und Wege aufgezeigt, wie Banken durch externe Beobachter eingeschätzt werden können.

Kapitel fünf ist das Kernstück der Arbeit und beinhaltet zum einen die Erläuterung möglicher Ursachen für das Auftreten von Rating-Splits und zum anderen die empirische Untersuchung von Rating-Splits im Bank- und Industriesektor.

Den Abschluss der Arbeit bilden zum einen die Anwendungsmöglichkeiten und Probleme von Ratings in der Bankenregulierung und zum anderen die Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse dieser Arbeit.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
1. Einleitung 1
2. Credit-Ratings 2
2.1 Allgemeines 2
2.2 Entwicklung 4
2.3 Arten und Definitionen 5
2.4 Skalierung 6
2.5 Ermittlung 9
2.6 Einflussfaktoren 11
2.6.1 Einführung 11
2.6.2 Banken 12
2.6.3 Industrieunternehmen 14
2.7 Bedeutung und Kritik 17
3. Unterschiede zwischen Banken und Industrieunternehmen 20
4. Externe Einschätzung von Banken 24
4.1 Allgemeines 24
4.2 Aktienhandel 25
4.3 Analystenschätzungen 26
4.4 Zahlungsausfälle 27
4.5 Rating-Abstufungen 28
5. Rating-Splits 29
5.1 Ursachen 29
5.2 Empirische Studie 34
5.2.1 Untersuchungsziele 34
5.2.2 Datenmaterial 35
5.2.3 Vorgehensweise 37
5.2.4 Ergebnisse 38
5.2.5 Untersuchungen anderer Autoren 46
6. Regulierung des Bankensektors und Rating 47
6.1 Ursachen für Bankenregulierung 47
6.2 Ausgewählte Instrumente der Regulierung 49
6.3 Anwendungsprobleme von Ratings in der Regulierung 54
7. Zusammenfassung 55
Literaturverzeichnis VIII
Eidesstattliche Erklärung XII

Automatisiert erstellter Textauszug:

30 da er Überbewertungen mehr als Unterbewertungen fürchtet. Je höher die Unsicherheit in der Bewertung eines Unternehmens ist, desto konservativer wird er seine „cut-off“ Raten wählen.171 Risikoneutrale Agenturen hingegen gehen von gleichen Kosten der Über- und Unterbewertung aus.172 Unterschiede in den „cut-off“ Raten führen dazu, dass Emissionen und Emittenten von konservativen Rating-Agenturen im Vergleich zu risikoneutralen RatingAgenturen öfter in eine geringere Rating-Kategorie einordnet werden. Je größer die Unterschiede in der Risikoneigung zwischen den Agenturen sind, desto häufiger treten Rating-Splits auf. Zunehmende Unsicherheit im Rating-Prozess führt zu zunehmenden Differenzen der „cut-off“ Raten.173 Cantor und Packer (1996) fanden diesbezüglich heraus, dass die weltweit führenden Agenturen Standard & Poor´s und Moody´s durchschnittlich geringere Ratings erteilen als die Agenturen Fitch und Duff & Phelps. Eine Erklärung für diese Beobachtung kann einerseits in der unterschiedlichen Risikoneigung der Agenturen liegen und andererseits bedeuten, dass die Rating-Symbole der einzelnen Agenturen unterschiedlich hohe Ausfallrisiken implizieren.174 Weiterhin fanden die Autoren heraus, dass geringere durchschnittliche Ratings ein Zeichen für häufiger auftretende Rating-Splits sind.175 Um die Relevanz verschiedener „cut-off“ Raten zu zeigen, werden im folgenden die historischen Ausfallhäufigkeiten der Rating-Kategorien zwischen Standard & Poor´s und Moody´s für den Zeitraum 1981-1998 betrachtet. Estrella u.a. (2000) kommen zu dem Ergebnis, dass es zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Rating-Kategorien gibt. Es ist nicht ungewöhnlich dass Emittenten und Emissionen mit sehr guten CreditRatings höhere Ausfallraten aufweisen als solche mit schlechten Credit-Ratings.176 Die Untersuchung zeigt, dass Standard & Poor´s seine Bonitätsurteile tendenziell vorsichtiger vergibt als Moody´s, da die Ausfallhäufigkeiten der meisten Rating-Kategorien bezogen auf einen Fünf-Jahres-Horizont geringer sind als die von Moody´s. Nur die Rating-Kategorien AA+, BBB- und CCC weisen höhere Ausfallhäufigkeiten als Moody´s auf. Dies ist mit häufigerer Unsicherheit von Standard & Poor´s bei der Bewertung von Unternehmen und Schuldtiteln zu erklären, die zu Einstufungen in tendenziell niedrigere Rating-Kategorien führt. Besonders deutlich ist dies an der Schnittstelle zwischen Investment- und Spekulativem Bereich zu sehen. [...]

29 Kategorien zum Teil deutlich über denen der Industrieobligationen lagen, zeigen die RatingAbstufungen von Banken gegenüber Nicht-Banken ein ähnliches Bild. Kreditinstitute sind wesentlich anfälliger für Herabstufungen als Nicht-Banken und daraus folgend für die Analysten der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens schwerer einzuschätzen. 5. Rating-Splits 5.1 Ursachen Rating-Splits entstehen durch unterschiedliche Einschätzungen der Wahrscheinlichkeit des Zahlungsverzuges bezüglich einer bestimmten Schuldverschreibung bzw. der Finanzkraft eines Emittenten durch mindestens zwei Rating-Agenturen. Die unterschiedlichen Einschätzungen zeigen sich in der Vergabe verschiedener Rating-Symbole für eine Schuldverschreibung bzw. ein Unternehmen.168 Dies kann zum einen auf methodische Unterschiede in der Ermittlung von Ratings und zum anderen auf unterschiedliche Risikoneigungen der Agenturen zurückzuführen sein. Fürchtet eine Agentur die Überbewertung einer Emission bzw. eines Emittenten mehr als eine andere, werden die erteilten Ratings systematisch auseinander fallen und eine Agentur wird häufiger schlechter als die andere bewerten.169 Eine Unterbewertung entspricht der Prognose eines wahrscheinlichen Zahlungsverzuges, der nicht eintritt und eine Überbewertung impliziert eine gering eingeschätzte Ausfallwahrscheinlichkeit, dem der tatsächlich eingetretene Forderungsausfall widerspricht.170 Bei Unterbewertungen ist der vom Emittenten zu zahlende Risikoaufschlag für das emittierte Wertpapier zu hoch und bei Überbewertungen entlohnt der Zinsaufschlag nicht das von den Investoren eingegangene Risiko. Da es sich bei der Erteilung von Ratings um einen Prozess unter Unsicherheit handelt, kann es ebenso zur Unterbewertung von „sicheren“ Unternehmen und Schuldtiteln kommen wie auch zur Überbewertung von „unsicheren“ Emittenten und Emissionen. Um das ermittelte Ausfallrisiko in ein RatingSymbol umwandeln zu können, nutzen die Rating-Agenturen so genannte „cut-off“ Regeln. Diese legen das kritische Ausfallrisiko fest, ab welchem ein Emittent oder eine Emission in eine bessere oder schlechtere Rating-Kategorie eingeordnet wird. Die Agenturen wählen ihre „cut-off“ Raten zwischen den Rating-Kategorien so, dass die Kosten für Rating-Fehler minimiert werden. Ein vorsichtiger Rater, wird die „cut-off“ Raten sehr konservativ festlegen, [...]

Ausfallhäufigkeit von Bankschuldverschreibungen innerhalb einer Rating-Kategorie im Vergleich zu Nicht-Banken ist, desto größer sind die Schwierigkeiten bei der exakten Beurteilung der Kreditwürdigkeit einer Bank. Dies setzt voraus, dass die Maßstäbe bei der Beurteilung von Nicht-Banken auch für Banken gelten. Untersuchungen der historischen Ausfallhäufigkeiten der Rating-Agentur Moody´s zeigen, dass in jeder Rating-Kategorie unterhalb von AAA die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsverzugs über einen Fünf-JahresHorizont bei US-Banken signifikant größer als für US-Nicht-Banken ist.166 Dies beweist, dass die Kreditwürdigkeit von Banken schwerer zu beurteilen ist, als die von Industrieunternehmen. Tab. 5: Ausfallhäufigkeiten von Moody´s für US-Banken und US-Nichtbanken RatingSymbol Aaa Aa A Baa Ba B Caa Ca,C Ausfallhäufigkeit nach 1 Jahr Banken 0.0% 0.0% 0.0% 0.0% 1.9% 13.8% 56.4% 0.0% Nicht-Banken 0.0% 0.0% 0.0% 0.1% 1.3% 6.6% 18.8% 0.0% Ausfallhäufigkeit nach 5 Jahren Banken 0.0% 2.5% 2.2% 5.5% 28.2% 47.6% 70.6% 0.0% Nicht-Banken 0.1% 0.3% 0.4% 1.6% 11.0% 30.8% 51.7% 0.1% [...]

Arbeit zitieren:
Ende, Martin Februar 2004: Ist der Bankensektor intransparenter als andere Sektoren?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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