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Die Balanced Scorecard für Kulturbetriebe

Die Balanced Scorecard für Kulturbetriebe
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bernd Klausberger
  • Abgabedatum: Mai 2004
  • Umfang: 119 Seiten
  • Dateigröße: 713,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Wirtschaftsuniversität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8088-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8088-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8088-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Klausberger, Bernd Mai 2004: Die Balanced Scorecard für Kulturbetriebe, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kulturmanagement, Controlling, BSC, Strategie, Controlling

Diplomarbeit von Bernd Klausberger

Einleitung:

Die rasche Etablierung von Kulturmanagement als eigenständiges Forschungsfach spiegelt die dringende Notwendigkeit von professionellem Management für den Kulturbereich wieder. In Zeiten immer knapper werdender Budgets sehen sich Kulturbetriebe einem verstärkten Druck nach effizientem und wirtschaftlichem Umgang mit vorhandenen Geldmitteln ausgesetzt.

Für entsprechende Lösungsansätze wird meist auf Managementmodelle aus der Privatwirtschaft verwiesen, immerhin würde dort vorgezeigt, wie man mit einem minimalen Input das Maximum an Output erzielt. Aus diesem Grund erhofft man sich von der Betriebswirtschaftslehre eine entsprechende Hilfestellung für Problemlösungen im Kulturbereich.

In Kreisen vieler Kulturschaffender besteht jedoch nach wie vor eine Abwehrhaltung gegenüber privatwirtschaftlichen Denkweisen. Man fürchtet eine Kommerzialisierung der Kultur und ein Diktat der Wirtschaft über die Kunst. Der Kulturbereich dürfe seinen gesellschaftlich relevanten Freiheitsstatus nicht den Rechenstiften der Controller opfern.

Angesichts zahlreicher Fälle unreflektierter Anwendung betriebswirtschaftlicher Modelle ohne Rücksicht auf Spezifika des Kulturbereichs, scheint diese Furcht vor der Wirtschaft nicht ganz unbegründet. Kulturbetriebe unterliegen eigenen Gesetzmäßigkeiten, auf die bei jeglichem Eingriff im Zuge einer Umstrukturierung geachtet werden muss. Zudem nimmt die Kunst in unserer Gesellschaft einen besonderen Stellenwert ein, ein Umstand der auch in Bezug auf ihr Management nach erhöhter Sensibilität verlangt.

Wird diesen Gegebenheiten aber die nötige Aufmerksamkeit zuteil, so kann Kulturmanagement aus dem weiten Feld der Betriebswirtschaftslehre wertvolle Einsichten gewinnen. Bendixen äußerte 1993 im Rahmen eines Symposiums den Wunsch, sich im Kulturmanagement auch anderer Wissenschaften zu bedienen, um „nach der Übertragbarkeit von Erfahrungen, wissenschaftlichen und praktischen Instrumenten“ zu fragen. Seit damals ist die Zahl der Forschungsarbeiten zum Thema Betriebswirtschaft für die Kultur weiter angewachsen, vor allem im Bereich Marketing und Controlling. Den Eigenheiten von Kulturbetrieben wird mittlerweile im eigenen Fach der Kulturbetriebslehre vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt.

Controlling hat im Kulturbereich einen besonders schalen Beigeschmack, wird es doch meist pauschal mit Kürzungen, Streichungen und Einsparungen assoziiert. Tatsächlich befassen sich die mir bekannten Arbeiten fast ausschließlich mit der Übertragung von rein auf Finanzkennzahlen ausgerichteten operativen Controllingstrukturen auf Kulturinstitutionen. Traditionelle Controllingkonzeptionen wurden ausgehend von den Gegebenheiten in industriellen Produktionsbetrieben entwickelt, mit denen Kulturbetriebe ja nun kaum vergleichbar sind, weshalb sich die Problemlösungskompetenz solcher Anwendungen in Grenzen hält.

Dennoch kann Controlling Kulturbetrieben entscheidende Impulse liefern, wenn auch nicht als wissenschaftlicher Vorwand für Subventionskürzungen seitens der öffentlichen Hand. Im Kulturbereich geht es nicht um die Erzielung von finanziellem Gewinn, sondern um ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges künstlerisches Schaffen, also um gesellschaftlichen Gewinn. Das verlangt nach entsprechenden Strategien zur Erfüllung des gesellschaftlichen Auftrags sowie des Organisationsziels.

Mit der Balanced Scorecard hat in den letzten Jahren ein Controllinginstrument stürmischen Einzug in die Managementliteratur gehalten, das Anfang der 90er Jahre speziell für die Umsetzung von Unternehmensstrategien entwickelt wurde. Nachdem die Balanced Scorecard bereits im erwerbswirtschaftlichen wie auch im Nonprofit-Bereich überaus erfolgreich angewendet wird, ist die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit die Beantwortung folgender Fragestellung:

Inwieweit kann das Controllingmodell der Balanced Scorecard auf Kulturbetriebe der darstellenden Kunst übertragen werden, und welche Aspekte sollten bei gegebenenfalls notwendigen Adaptierungen beachtet werden?

Die entscheidende Frage ist somit, welche Anleihen aus der Betriebswirtschaftslehre sinnvoll, und welche im Interesse der Kulturerhaltung und Kulturentwicklung besser zu meiden, umzugestalten oder zu ergänzen sind.

Im Zuge dieser Arbeit werde ich zunächst auf den Forschungsbereich Kulturbetriebe näher eingehen, um deren Besonderheiten zu veranschaulichen. Da sich diese Arbeit neben professionellen Controllern vor allem an Kulturmanager richtet, lege ich auch auf eine eingehende Darstellung des Controllings im Allgemeinen und des Balanced Scorecard Konzepts im Speziellen wert.

Um die Lesbarkeit der Arbeit zu erleichtern, kommt im Folgenden eine geschlechtsneutrale Anrede zur Anwendung. Obwohl damit auf eine getrennte weibliche/männliche Schreibweise verzichtet wird, sind selbstverständlich beide Geschlechter inkludiert.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 6
2. KULTURMANAGEMENT 8
2.1 Kulturbegriff 8
2.2 Definition Kulturmanagement 10
2.3 Kultur und Management – ein Widerspruch? 13
3. KULTURBETRIEBE 17
3.1 Kulturbetriebe und erwerbswirtschaftliche Unternehmen 17
3.2 Kulturbetriebe und Nonprofit Organisationen 19
3.3 Live Performing Arts 22
3.4 Künstlerischer Produktionsprozess 23
3.5 Formen des Kulturbetriebs 27
3.6 Kulturbetriebslehre 29
4. CONTROLLING 31
4.1 Begriffliche Erläuterung 31
4.2 Ziele und Funktionen des Controlling 33
4.3 Strategisches Controlling 35
4.4 Operatives Controlling 36
4.5 Controlling im Kulturbereich 38
5. DIE BALANCED SCORECARD – „TRANSLATING STRATEGY INTO ACTION” 41
5.1 Intention: Was versucht die Balanced Scorecard? 41
5.1.1 Entstehungsgeschichte 41
5.1.2 Grenzen rein finanzieller Kennzahlensysteme 43
5.1.3 Der Ansatz der BSC 46
5.2 Aufbau der Balanced Scorecard 49
5.2.1 Mission, Vision und Strategie 49
5.2.2 Perspektiven der BSC 51
5.2.3 Finanzperspektive 57
5.2.4 Kundenperspektive 59
5.2.5 Prozessperspektive 62
5.2.6 Lern- und Entwicklungsperspektive 65
5.2.7 Die Balanced Scorecard als flexibles Instrument 68
5.2.8 Ursache-Wirkungsketten 70
5.3 Die BSC als Managementsystem 72
5.4 Implementierung einer Balanced Scorecard 75
5.4.1 Den organisatorischen Rahmen für die Implementierung schaffen 78
5.4.2 Die strategischen Grundlagen klären 79
5.4.3 Eine Balanced Scorecard entwickeln 80
5.4.4 Den Roll-out managen 83
5.4.5 Den kontinuierlichen Einsatz der Balanced Scorecard sicherstellen 84
5.5 Kritik am Modell 86
6. DIE BALANCED SCORECARD IN KULTURBETRIEBEN 88
6.1 Begründung für eine BSC in Kulturbetrieben 88
6.2 Balanced Scorecard Modelle für NPOs 90
6.2.1 Modell nach Kaplan/Norton 91
6.2.2 Modell nach Haddad 92
6.2.3 Modell nach Berens, Karlowitsch und Mertes 93
6.3 Besondere Aspekte einer Balanced Scorecard für Kulturbetriebe 94
6.3.1 Mission 94
6.3.2 Finanzperspektive 95
6.3.3 Kundenperspektive 101
6.3.4 Prozessperspektive 106
6.3.5 Lern- und Entwicklungsperspektive 107
7. SCHLUSSWORT 109
8. LITERATURVERZEICHNIS 110

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Formulierung der Ziele innerhalb der Perspektiven soll verbal erfolgen (‚Kundenzufriedenheit steigern’) und nicht als Messgrößen/ZielwertKombination (‚Lieferzeit 3 Tage’). Eine rein quantitative Zieldefinition würde keine Auskunft über den Hintergrund dieses Ziels geben und der Strategiekommunikation im Unternehmen hinderlich sein (Warum sollen wir unsere Lieferzeit verkürzen?) Außerdem gilt es zu bedenken, dass in einem nächsten Schritt ohnehin für die jeweiligen Ziele geeignete Messgrößen entwickelt, sowie Zielwerte vorgegeben werden.190 „Um die Konzentration und Steuerbarkeit zu gewährleisten, sollten insgesamt maximal 25 Ziele in einer Balanced Scorecard aufgenommen werden.“191 Eine zu große Anzahl an Zielen führt zu einem Verlust des Überblicks und verwirrt Mitarbeiter. Kaplan/Norton zufolge gerät die Zahl der Ziele meist aus dem Lot, da Unternehmen auch für die Strategieverfolgung unerhebliche Kennzahlen in die Balanced Scorecard einfließen lassen. Bestimmte Basisziele stellen ohnehin notwendige ‚Hygienefaktoren’ dar um ein Unternehmen überhaupt gesund existieren zu lassen. Solche Ziele sind aber keine zukünfti189 190 [...]

gestaltet werden. Meist scheitern Unternehmen daran, eine bereits formulierte Strategie umzusetzen. Eine Balanced Scorecard leitet ihre Inhalte und Ziele aus der Strategie und Vision ab und ermöglicht so, abstrakt formulierte Strategien in eine operativ nachvollziehbare Sprache zu übersetzen. Wie die folgende Abbildung veranschaulicht, stehen Vision und Strategie dabei an der Spitze des Aufbaus einer Balanced Scorecard und gleichzeitig auch am Beginn jedes Entwicklungsprozesses, auf den später genauer eingegangen werden wird. Der Scorecard-Prozess ist dabei nicht nur als ‚Top-down’ sondern auch als ‚Bottom-up’ zu sehen: Die hierarchisch erfolgende Operationalisierung der Strategie von oben nach unten steht gleichbedeutend neben dem von der Analyse der Ziele und Kennzahlen auf der untersten Ebene ausgehenden strategischen Lernprozess.184 [...]

„Eine Mission definiert die Bestimmung der Unternehmung – warum diese existiert. Die Mission umfasst Beitrag und Nutzen, den eine Organisation der Menschheit leisten will, und sie bietet einen Leitstern in unserer turbulenten Welt.“ 177 Die Mission, welche in der deutschsprachigen Literatur auch als Leitbild bezeichnet wird, beschreibt somit das eigene Selbstverständnis einer Organisation.178 „Die Vision, das Leitziel des Unternehmens, entsteht aus der Kombination von praktischen Kenntnissen der eigenen Kompetenzen (‚im Leben stehen’), vom gesellschaftlichen Überblick (‚über die Grenzen des eigene Alltags hinaus sehen’) und von utopischer Inspiration (‚ein Bild von der Zukunft entwerfen’).“179 Die Vision bildet somit die eigene Zukunftssicht des Unternehmens im komplexen Umfeld des wirtschaftlichen Handlungsraumes ab. Die Vision soll veranschaulichen, was die Organisation werden will, und beinhaltet deshalb durchaus visionäre Konzepte und Sichtweisen. Vom Abstraktionsgrad der Zielformulierung her gesehen, ist die Vision zwischen abstrakter Mission und konkreter Strategie einzuordnen.180 Die Strategie ist schließlich als konkrete Ausformulierung der Vision vor dem allgemeinen Hintergrund der Mission zu sehen. Möglich wird eine solche Konkretisierung erst durch eine genaue Vorstellung von der Unternehmensvision und ein Mindestmaß an Planung, Organisation und Formalismus.181 Strategie (vor allem die richtige) ist eines der Schlagworte der Managementwelt schlechthin und nimmt auch in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung einen breiten Raum ein, was zahlreiche strategische Denkschulen182 beweisen. Stellvertretend für die beachtliche Anzahl an Definitionen des Strategiebegriffs sei hier eine aus dem Controllingumfeld entstammende von Horváth&Partner genannt:183 „Zusammenfassend verstehen wir eine Strategie als die beabsichtigte oder sich ergebende grundsätzliche Vorgehensweise (bzw. Verhaltensweise) des Unternehmens und relevanter Teilbereiche, um sich von der Konkurrenz zur Verwirklichung der langfristigen Ziele abzuheben.“ Die Mission, die Vision und die daraus abgeleitete Unternehmensstrategie sind also in einer hierarchischen Abstufung zueinander zu sehen. Vision und Strategie fungieren gleichsam als Bindeglieder für die einzelnen Perspektiven, welche stets im Hinblick auf die zu übersetzende Strategie entwickelt und [...]

Arbeit zitieren:
Klausberger, Bernd Mai 2004: Die Balanced Scorecard für Kulturbetriebe, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kulturmanagement, Controlling, BSC, Strategie, Controlling

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