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Balanced Change

Erfolgreiche Prozessnavigation im Unternehmenswandel

Balanced Change
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Ansgar Metz

Einleitung:

Vor dem Hintergrund der dynamischer Veränderungen ihrer Markt- und Wettbewerbssituation, rasanten Fortschritten der Informations- und Kommunikationstechnologie und dem Wandel der Arbeitswelt und Gesellschaft stehen viele Unternehmen heute immer häufiger vor der Herausforderung, selbst einen tief greifenden Wandel ihrer Strukturen und Arbeitsprozesse, nicht zuletzt aber ihrer Denk- und Handlungsweisen, Normen und Werte bewerkstelligen zu müssen. Andernfalls drohen sie im Verhältnis zu ihrer relevanten Umwelt in einen unaufholbaren Rückstand abzudriften.

Im Einzelnen kann es sich darum handeln, ein höheres Qualitätsbewusstsein zu erreichen, flachere, effizientere Hierarchien einzuführen, Geschäftsprozesse stärker kundenorientiert zu organisieren oder Unternehmen völlig neu am Markt zu positionieren. Solche Veränderungen müssen zudem immer häufiger, schneller und wirksamer im Unternehmen verankert werden; die Effizienz des Veränderungsmanagements wird nicht zuletzt von Investoren mehr denn je honoriert. Die Anzahl und Vielfalt so genannter „Change“-Projekte in den Unternehmen ist in den vergangenen Jahren folglich sprunghaft angestiegen.

Komplexität, widersprüchliche Herausforderungen und Geschwindigkeitsanforderungen lassen den geplanten Unternehmenswandel für viele jedoch zu einer „mission impossible“ werden: Verschiedene Studien belegen mit nüchterner Deutlichkeit, dass 50 bis 70 Prozent der Veränderungsvorhaben in Wirtschaftsunternehmen oft weit hinter ihren Zielen zurückbleiben oder bereits frühzeitig wieder abgebrochen werden (vgl. LENTZ 1997). Schlimmer noch: Ein Teil dieser Wandelprozesse wird regelrecht gegen die Wand gefahren und hinterlässt schwere Schäden in der Organisation. Die Erklärungsversuche sind vielfältig und reichen von „mangelhafter Umsetzung“, „Widerstand“, über die „Trägheit menschlicher Natur“ bis hin zur „Veränderungsunfähigkeit der Organisation“.

Relative Einigkeit herrscht aber darüber, dass es weniger falsche Marktstrategien oder falsch gesetzte Veränderungsziele als vielmehr einseitig geplante Veränderungsprogramme und insbesondere die mangelhafte Steuerung bzw. Führung des Veränderungsprozesses sind, die zum Scheitern oft dringend notwendiger Veränderungsvorhaben führen.

Die Bewältigung veränderungsstrategischer und führungsrelevanter Herausforderungen erscheinen als Kernaufgabe im organisationalen Wandel. Dabei sind es Menschen, die als Mitarbeiter den Wandel auf individueller und kollektiver Ebene vollziehen müssen. Veränderung von Organisationen als sozialen Einheiten bedeutet immer eine Veränderung von und zwischen Menschen als sozialer Prozess. Damit gerät das so genannte „Human Resources Management“ im Rahmen des „Change Management“ zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Die vorliegende Arbeit versucht einen Beitrag zur Fragestellung zu leisten, welche strategie- und führungsrelevanten (kommunikativen, interaktiven und psychosozialen) Herausforderungen der geplante Unternehmenswandel mit sich bringt und wie soziale Veränderungsprozesse von Unternehmen möglicherweise mit mehr Aussicht auf Erfolg gestaltet und geführt werden können. Dies setzt ein prozessuales, dynamisches und multidimensionales Verständnis von Veränderungsprozessen voraus.

Die Theoriebildung steht in weiten Teilen hier allerdings erst am Anfang, so dass (auch vor dem Hintergrund des komplexen Gegenstandsbereichs und auch formaler Beschränkungen dieser Arbeit) letztlich nur Grundzüge des Phänomens „Unternehmenswandel“ als sozialer Prozess dargestellt werden können. Dabei sollen auch einige vor dem Hintergrund des Scheiterns vieler Veränderungsvorhaben bedeutsam erscheinende Ausschnitte und Ansätze vertiefend behandelt werden (Unternehmenskultur, Widerstand und insbesondere emotionaler Vorgänge im Wandel).

Vorweg muss klargestellt werden, dass wer Rezepte des Wandels erwartet, grundsätzlich enttäuscht werden wird. Es entspricht der Auffassung des Autors, dass ein Wandel von Organisationen als sozialen Gebilden zwar möglich, aber nicht technisch machbar oder einfach durchsetzbar ist. Vielmehr geht es um den sozialen Prozess des Organisierens des Unternehmenswandels.

Die vorliegende Arbeit verfolgt stärker das Ziel, die bestehende Praxis kritisch zu hinterfragen, die Bedeutung sozialer (Beziehungs-)Prozesse im Unternehmenswandel herauszustellen und einen kleinen Beitrag zur Weiterentwicklung eines reflexiven prozessorientierten Navigationssystems für die soziale Veränderung von Organisationen zu leisten. Es geht dabei letztlich auch um den Versuch - wie die Bezeichnung „Balanced Change“ im Titel der Arbeit nahe legen möchte - aus der Darstellung der möglichen (theoretischen) Vielfalt und komplexer oft gegenläufigen Anforderungen, das Denken über den Unternehmenswandel und die Chancen für eine ausgewogene, d. h. balancierende (nicht: harmonisierende) Praxis zu befördern.

Auch für Psychologen eröffnet sich durch die stärkere Betrachtung sozialer Prozesse statt individueller Bezüge und Unterschiede im Unternehmenswandel für die Zukunft ein zunehmend wichtiger werdendes Forschungs- und Praxisfeld, das nicht ignoriert oder anderen oder sich selbst überlassen werden sollte. Dafür gilt auch, sich der Denkwelt anderer Disziplinen, die sich mit dem Unternehmenswandel beschäftigen schrittweise zu öffnen.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich überwiegend in theoretischer und teils handlungsorientierender Weise mit dem Phänomen des geplanten Wandels von Organisationen. Unterschiedliche Auffassungen von „Organisation“ und korrespondierende Organisations- (und -Menschenbilder) bedingen grundlegend verschiedene Auffassungen über deren strategischen Wandel und dessen Führung. Zunächst werden daher grundsätzlich verschiedene Vorstellungen von „Organisation“ sowie Ansätze zur Systematik von Organisationstheorien dargestellt (Kapitel 2).

Anschließend soll das Phänomen des Wandels von Organisationen in unterschiedlichen theoretischen und inhaltlichen Bezügen dargestellt werden, wobei der Fokus hier soziale, kulturelle und nicht zuletzt auf - bisher in der Forschung und Praxis oft vernachlässigte oder einseitig betrachtete - emotionale und psychodynamische Aspekte des Wandels gelegt wird (Kapitel 3).

Vor diesem Hintergrund geht es in Kapitel 4 und 5 darum, zentrale veränderungsstrategische und führungsrelevante Aspekte des Unternehmenswandels aufzuzeigen und in einem handlungsorientierenden Prozessmodell sozialer Wandelprozesse zusammenzuführen. Drei vertiefende, sich überlappende Themenaspekte und damit verbundene Kernfragen sollen dann den Rahmen für die weitere Beschäftigung mit dem Unternehmenswandel als psychosozialem Phänomen bzw. Prozess abstecken:

1. Strategien des Wandels: Welches sind zentrale Herausforderungen für die strategische Veränderung von Unternehmen? Welche Fragen stellen sich der Planung von Veränderungsprogrammen und dem Einsatz verschiedener Veränderungsmethoden (Kapitel 4. 1.) 2. Führung des Wandels: Was bedeutet Führung im Hinblick auf Veränderung? Welche unterschiedlichen Anforderungen stellen sich an die Führung bzw. die Führungskräfte des Wandels? Welche Konsequenzen lassen sich für die Führung von Veränderungsprozessen ableiten? (Kapitel 4.2) 3. Rahmenmodell für Strategie und Führung sozialer Wandelprozesse: Wie lassen sich unterschiedliche strategische Anforderungen, verschiedene Veränderungsmethoden und verschiedene Führungsanforderungen auf eine Vorstellung von Veränderung als dynamischem sozialen wie emotionalem Prozess beziehen? Welche Bedeutung spielt darin das Erleben des Wandels. (Kap. 5).

Abgerundet wird die Arbeit durch ein Fazit und einen Ausblick (Kapitel 6). Die einzelnen Themen und Fragestellungen der Arbeit lassen sich indes nicht streng voneinander trennen, Überlappungen zwischen den Kapiteln sind demnach unvermeidbar, so dass die vorgenommene Einteilung lediglich inhaltliche Schwerpunkte verdeutlichen soll. Bei der Bearbeitung der Fragestellungen wird auf vorliegende Ansätze aus der Organisationsforschung, der Organisationspsychologie, der Kulturanthropologie und weitere allgemeine sozialwissenschaftliche und psychologische Ansätze zurückgegriffen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Hintergrund und Zielsetzung der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Organisation und Organisationsgestaltung 5
2.1 Überblick 5
2.2 Organisationsbegriffe 7
2.3 Organisationstheorien 8
2.4 Entwicklungstrends 15
3. Der Wandel von Organisationen 18
3.1 Überblick 18
3.2 Theorien des Wandels 22
3.2.1 Wandel als Lernen, Evolution, Entwicklung, Transformation 25
3.2.2 Prozesstheorien des Wandels 29
3.2.3 Phasenmodelle des Wandels 33
3.3 Zwischenfazit: Organisation und Wandel 38
3.4 Unternehmenskultur und Unternehmenswandel 40
3.5 Widerstand gegen Unternehmenswandel 49
3.6 Emotionen im Unternehmenswandel 51
4. Strategie und Führung von Veränderungsprozessen 65
4.1 Überblick 65
4.2 Unternehmenswandel und Strategie 65
4.3 Unternehmenswandel und Führung 76
5. Phasenspezifische Strategie- und Führungsanforderungen im Unternehmenswandel 82
5.1 Überblick 82
5.2 Anforderungen der Orientierungsphase 84
5.3 Anforderungen der Austauschphase 96
5.4 Anforderungen der Übergangsphase 103
5.5 Anforderungen der Umsetzungsphase 109
5.6 Anforderungen der Stabilisierungsphase 114
6. Fazit und Ausblick 119
6.1 Fazit 119
6.2 Ausblick 122
Literaturverzeichnis 124
Abbildungsverzeichnis 131

Automatisiert erstellter Textauszug:

In der Umsetzungsphase geht es schließlich um die positive wie negative Erfahrung des Neuen und der Balancierung der damit zusammenhängenden Gefühle von Vertrauen und Zweifel. Gelingt die jeweilige Bewältigung innerhalb der polaren Spannungsfelder nicht, wird das emotionale Erleben unbeweglich und es kommt zu den im Modell beschriebenen unterschiedlichen Formen der Extremisierung bzw. Vereinseitigung emotionaler Zustände. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf den Verlauf des Veränderungsprozesses haben. Welche Konsequenzen lassen sich aus den vorgestellten Modellen für Veränderungsstrategien und die Führung des Unternehmenswandels ableiten? Das Verständnis des Veränderungsprozesses als Entwicklungsverlauf aufeinander folgender, emotional bedeutsamer Phasen hat gravierende Bedeutung für die Planung und Steuerung von Veränderungsprozessen: Das erfolgreiche Management nicht selten hochgradig emotionalisierter Changeprozesse stellt nicht nur eine Herausforderung an den Verstand, sondern auch und vor allem auch an das Gefühl der Beteiligten dar. Die erfolgreiche Führung von Veränderungsprozessen bedarf eines Verständnisses der emotionalen Dynamik bzw. Psycho-Logik von Veränderungsprozessen in Unternehmen. Erst wenn die spezifische Funktion und Dynamik von Emotionen im Wandel verstanden wird, kann man adäquat darauf reagieren und sie schöpferisch als Prozessindikatoren innerhalb des Changeprozesses nutzen. Spezifische Gefühlslagen spiegeln jeweils charakteristische Wahrnehmungen, Bewertungen, Wünsche und Erwartungen der Mitarbeiter und Interessengruppen im Prozess des Unternehmenswandels wider. Emotionen stellen somit sehr gute Indikatoren zur Bestimmung des aktuellen Erlebens, des Standpunktes und des Unterstützungsbedarfs einzelner Organisationsmitglieder, von Gruppen oder der ganzen Organisation dar. Zudem tragen sie die Dynamik von Veränderungsprozessen und bei gelungener Bewältigung auch den Prozess der schrittweisen Umsetzung von Veränderungen. Vor diesem Hintergrund stellen Emotionen im Wandel stellen kein peripheres oder störendes Beiwerk mehr dar. Sie sollten nicht länger als Schwäche oder Blockadefaktor missverstanden, sondern in ihrer jeweils spezifischen aktivierenden, kommunikativen und motivationalen Funktion im Prozess der Veränderung verstanden und aufgegriffen werden. Emotionale Vorgänge erscheinen aus dieser Sicht weder als Abbild der stattfindenden organisationalen Veränderungsprozesse noch als deren Ursache, sondern als deren integraler sozialer Bestandteil. [...]

Das Modell veranschaulicht - vergleichbar dem innerhalb der Sterbeprozessforschung von KÜBLER-ROSS (1994) entwickelten Modell der schrittweisen emotionalen Bewältigung - den charakteristischen Verlauf der emotionalen Auseinandersetzung der Organisationsmitglieder zu unterschiedlichen Prozesszeitpunkten von Veränderungsprojekten und in Relation zur Leistung der Organisation als Abfolge von sieben Phasen: Der Prozess der Veränderung wird von den Organisationsmitglieder im Idealfall durch emotionale Höhen und Tiefen sukzessiv bewältigt. Jede wahrnehmbare Phase des Erlebens eines Veränderungsprozesses - sei es die Vorahnung, dass sich etwas verändern wird, der Schock bei Veröffentlichung des Veränderungsvorhabens, die Abwehr der eigenen Veränderungsnotwendigkeit, die rationale Einsicht in die Notwendigkeit der eigenen Veränderung, die emotionale Akzeptanz der eigenen Veränderung, die Öffnung für Neues und die Integration des Neuen offenbart ihr eigenes emotionales Kernthema wie Angst, Hoffnung, Ärger, Frustration, Trauer, Neugier, Mut und Selbstvertrauen und eine spezifische Bedeutung für die stufenweise Bewältigung der anstehenden Veränderungsaufgaben. Gleichzeitig beinhaltet jede Phase ebenso spezifische Risiken des Scheiterns. [...]

3.6 Emotionen im Unternehmenswandel Das Alltagserleben ist geprägt von Emotionen, jedes Denken und Handeln basiert zu allererst auf gefühlsmäßigen Bewertungen und Entscheidungen. Selbstverständlich gilt dies auch für den Alltag von Organisationen, auch hier kann es keinen emotionslosen Raum geben. Die Betrachtung emotionaler Vorgänge war aufgrund der Rationalitätsprämisse der Organisationsforschung aber lange Zeit kein Thema. Gefühle wurden im organisatorischen Zusammenhang oft als hinderlich angesehen oder eine grundsätzliche Gegensätzlichkeit von Emotionalität und Rationalität konstruiert. Emotionale Vorgänge bewegen sich bis heute vielfach noch in der Grau- und Tabuzone des Unternehmensalltags. Auch die Organisationspsychologie selbst hat sich über lange Zeit nur wenig mit Emotionen beschäftigt, die stark auf traditionelle Forschungsbereiche wie Arbeitszufriedenheit und Stress reduziert wurden. Erst heute hat sie wie andere Bereiche der psychologischen Anwendungsforschung, die Emotionen als zentralen Aspekt menschlichen Handelns (wieder-) entdeckt. Für den Zusammenhang dieser Arbeit soll die folgende Charakterisierung von Emotionen als Arbeitsdefinition dienen: Emotionen stellen eine Verbindung von Lebewesen zu ihrer (Um-)Welt dar und lassen sich als Reaktionen auf konkrete oder vorgestellte Ereignisse, die (kognitiv) bewertet werden, verstehen. Gleichzeitig sind Emotionen handlungsweisend, haben also motivationale Funktion. Durch ihren Ausdruckscharakter kommt Emotionen zudem eine kommunikative Funktion zu. Emotionen lassen sich zusammengefasst als soziale Phänomene begreifen. Heute wird auch in Unternehmen zunehmend mit Emotionen gearbeitet und argumentiert. [...]

Arbeit zitieren:
Metz, Ansgar Juni 2003: Balanced Change, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Change Management, Veränderungsmanagement, Führung, Strategische Organisationsentwicklung, Veränderungsprozess

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