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Intuitive Entscheidungsfindung

Ist der Homo Oeconomicus noch zu retten? (Eine empirische Studie)

Intuitive Entscheidungsfindung
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Andreas Petrow
  • Abgabedatum: März 2010
  • Umfang: 58 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences Deutschland
  • Bibliografie: ca. 28
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4777-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Petrow, Andreas März 2010: Intuitive Entscheidungsfindung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Intuition, Homo Oeconomicus, Entscheidungsfindung, Heuristic, empirische Studie

Bachelorarbeit von Andreas Petrow

Einleitung:

Der letzte ökonomische Abschwung, der durch die Pleite namhafter US-Banken und Versicherer eingeläutet wurde, verleitet die Fachwelt zum Überdenken und zum Umlenken der bereits fundierten, schematischen Marktgewohnheiten. Zum anderen wird auch das individuelle Verhalten der finanzwirtschaftlichen Akteure verstärkt hinterfragt. Doch nicht nur seit der Finanzkrise 2007, sondern auch nach wie vor ist immer wieder festzustellen, dass Intuition, Irrationalität und Emotionen keine gebührende Rolle in der Diskussion des Einflusses dieser Zustände auf das Verhalten der Marktteilnehmer in finanzwirtschaftlichen Entscheidungsprozessen bekommen. Die gegenwärtigen Maktveränderungen und die stetig steigende Komplexität, erhöht das Risiko nicht nur von jedem Einzelnen, sondern auch von ganzen Unternehmen und Institutionen. Zwar öffnen sich die Wirtschaftswissenschaften diesem, noch zu dünn erforschtem Gebiet der Intuition, jedoch wird diese Thematik nur von einigen wenigen Autoren wissenschaftlich diskutiert. Den ersten Ansatz lieferten die Autoren Kahneman, Slovic und Tversky in ihren Arbeiten zu den kognitiven Verzerrungen bei der Entscheidungsfindung. Dabei fanden die Forscher unter anderem heraus, dass Entscheidungsträger in komplexen Situationen so genannte Heuristiken anstelle der rational-logischen Entscheidungsketten anwenden. Somit trübt sich das Bild des rationalen Nutzenmaximierers, der seine wirtschaftlichen Entscheidungen über das Abwägen jedes möglichen Ereignisses, dessen Wahrscheinlichkeit und dem Nutzen als Resultat trifft. Diese, fast schon dogmatische Dominanz des „Homo Oeconomicus“ berührt alle Fach- und Forschungsrichtungen der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften und bildet durch diese Annahmen ein Fundament, aus welchem sich weitere, spezielle Gebiete ableiten lassen. Auch heutzutage besteht vermehrt die Ansicht, dass die Marktteilnehmer ihr Verhalten nach dem Modell des Homo Oeconomicus ausrichten. Dieses Verhalten basiert auf der vollkommenen Rationalität der Subjekte. Dabei ruht diese Annahme auf der Tatsache, dass diese Subjekte unbegrenzte kognitive Fähigkeiten, widerspruchsfreie Wahrscheinlichkeitsurteile und Emotionslosigkeit besitzen. Der Wissenschaftszweig „Behavioral Finance“ befasst sich seit einiger Zeit mit dem Verhalten der Marktteilnehmer in finanzwirtschaftlichen Situationen und wurde nach schon nach einer kurzen Zeit ein wichtiges Teilgebiet der gegenwärtigen Finanzierungslehre. Sie distanziert sich von der Annahme der vollständigen Rationalität, dem Mythos des Homo Oeconomicus und untersucht die Anomalien der Finanz- und Kapitalmärkte.

Die „Prospect Theory“ kann als eine Einleitung, aber auch als ein Hilfsmittel zum Verständnis von „Behavioral Finance“ angesehen werden. Sie versucht durch ihren Ansatz die Entscheidungsfindung im Bezug zum Risiko zu erfassen. Daniel Kahneman und Amos Tversky entwickelten diese psychologisch realistischere Entscheidungstheorie und stellten diese in den späten siebziger Jahren vor. Auch die Verknüpfung der Neurowissenschaften mit den Wirtschaftswissenschaften untersucht das Verhalten der Marktteilnehmer in diversen Entscheidungssituationen. Die Neuroökonomie wurde Ende der 1990, durch die Verbindung der Neurowissenschaften und der Wirtschaftswissenschaften, als eine eigenständige Richtung, gebildet. So ist diese Wissenschaftsdisziplin relativ frisch, bildet aber schon jetzt ein Gegengewicht zu der Theorie der rationalen Entscheidung und somit auch zum Modell des Homo Oeconomicus. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf den, in der „Prospect Theory“ beschriebenen, Wahrnehmungsverzerrungen und der Wechselwirkung mit einer Zeitbegrenzung. Im Hinblick auf diese Tatsache, soll diese Arbeit den Fokus des Lesers erweitern, indem es ihm einen überschaubaren Einblick in die intuitive Entscheidungsfindung in finanzwirtschaftlichen Situationen gewährt. Der Kern der Arbeit liegt dabei in dem deskriptiven Ansatz und soll empirische Beobachtungen anschaulich darstellen. Übersichtlichkeitshalber ist der erste Teil der Arbeit auf das Wesentliche begrenzt um die quantitative Auswertung der gesammelten Rohdaten nicht einzuengen. Die allseits in der Wirtschaft anzutreffende Rationalitätsannahme soll im Laufe der Arbeit hinterfragt, und somit eine Annäherung von der angenommenen Realität zur tatsächlichen Wirklichkeit vorgenommen werden.

Mit der Hilfe von zwei standardisierten Fragebögen soll im weiteren Verlauf anhand zweier Befragungen festgestellt werden ob und in welchem Ausmaß es signifikante Unterschiede bei dem Antwortverhalten der Probanden gibt. So wird angenommen, dass eine zeitlich begrenzte Befragung, die eine vollständige Aufnahme und Verarbeitung der Information verhindert, die Gewichtung auf die intuitiv-heuristische Entscheidungsfindung verlagert. Dieser intuitive Entscheidungsprozess soll der zweiten, nicht zeitlich begrenzten, Befragung gegenüber gestellt und anhand der ausgewerteten Daten quantitativ verglichen werden.

Inhaltsverzeichnis:

Kurzfassung 2
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 4
Vorwort 5
1. Teil 1: Theoretische Analyse 7
1.1 Forschungsstand 7
1.1.1 Intuition - Ein Überblick 10
1.1.2 Prospect Theory 12
1.1.3 Repräsentativitätsheuristik 15
1.1.4 Ankerheuristik 16
1.1.5 Verfügbarkeitsheuristik 17
1.1.6 Weitere Wahrnehmungsverzerrungen 18
1.2 Zusammenfassung 19
2. Teil 2: Empirische Untersuchung 20
2.1 Leitfaden der Befragung 22
2.2 Fragebogenkonstruktion 22
3. Darstellung der Ergebnisse 25
3.1 Stichprobe 25
3.2 Auswertung 26
Frage I Risikoaversion 26
Frage II Repräsentativitätsheuristik 30
Frage III Ankerheuristik 31
Frage IV Verfügbarkeitsheuristik (Spielerfehlschluss) 34
Frage V Risiko (Verluste/Gewinne) 37
Frage VI/ Frage XI Visuelle Ankerung 38
Frage VII / Frage VIII Ankereffekt bei verknüpften Fragen 42
Frage IX Ankerheuristik (vorgegebener Anker) 45
Frage X Sunk costs (Versunkene Kosten) 47
4. Fazit und Ausblick 49
5. Literaturverzeichnis 51
6. Anhang 53

Textprobe:

Kapitel Frage II, Repräsentativitätsheuristik:

Die zweite Frage des Fragebogens beschäftigt sich mit dem, im ersten Teil, vorgestellten Gebiet der Urteilsheuristiken. Nach Kahneman und Tversky sind Heuristiken Hilfsmittel zur groben Abschätzung einer Lösung, bei z.B. Zeit- oder Wissensmangel. Auch Anleger greifen auf Urteilsheuristiken zu, um die Komplexität bei Wahrscheinlichkeits- und Häufigkeitsschätzungen zu reduzieren.

Den Probanden der ersten und der zweiten Gruppe wurde folgende Frage gestellt:

Der mittlere IQ der Einwohner im Dorf Entenhausen ist 100! Sie leiten eine Studie welche die IQ-Unterschiede regional untersucht. Ihre Stichprobe beträgt 50 Einwohner. Der erste getestete Einwohner besitzt einen IQ von 150. Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der mittlere IQ-Wert der gesamten Stichprobe?

Mit der Frage II soll verstärkt der Unterschied zwischen einer groben, intuitiv-heuristischen Schätzung und einer rational-logischen Herangehensweise untersucht werden. Dabei sollten die Probanden der ersten Gruppe durch die Zeitbegrenzung dazu verleitet werden, verstärkt diese Urteilsheuristiken zu benutzen. Im Gegensatz dazu konnte die zweite Gruppe diese Aufgabe mathematisch lösen und ein korrektes Ergebnis abgeben. Das mathematisch richtige Ergebnis liegt bei 101.

Die Mediane beider Gruppen liegen jedoch beide bei genau 100. Damit kann man annehmen, dass die Mehrheit der befragten Personen der Meinung ist die Stichprobe wird ausgeglichen. D.h. der erste Ausreißer mit einem IQ-Wert von 150 wird durch die folgenden 49 geglättet. Natürlich würde das bei einer sehr großen Stichprobe auch zutreffen und sich der Gesamtpopulationen annähern.

Der Mittelwert der Ergebnisse kann an dieser Stelle nicht betrachtet werden, da es hin und wieder extreme Ausreißer gab. Erstaunlicherweise konnte auch die zweite Gruppe diese im Grunde triviale Aufgabe nicht lösen. Bei genauerem Blick auf die abgegebenen Entscheidungen ist aber festzuhalten, dass sich bei der zweiten Gruppe (Rational) 12% enthalten haben – bei der ersten Gruppe (Intuitiv) keiner. Auch ist eine Anomalie bei der zweiten Gruppe zu beobachten. So gaben 8% der Befragten einen mittleren IQ-Wert von 70, 4% von 99 und 4% von 100,02 an. Diese interessante Tatsache kann auf mehrere Arten interpretiert werden. Man könnte annehmen, dass durch den logischen Prozess eine Art Zweifel bzw. Unsicherheiten auftraten und diese Personen dazu verleiteten, grobe Urteilsfehler zu begehen. Da die Gruppe-1 (Intuition) die erste Frage zu 100%, d.h. ohne Enthaltungen, beantwortete, kann man an dieser Stelle den Mittelwert betrachten. Dieser beträgt 106,32, ohne jegliche extreme Ausreißer zu liefern. Demnach liegt der Mittelwert der Gruppe-1 ziemlich nah bei der Richtigen Lösung von 110.

Das entstandene Ergebnis sollte jedoch nur als eine Tendenz betrachtet werden. Zwar sind die Ergebnisse der ersten Gruppe (Intuitiv) im Durchschnitt brauchbarer und ohne große Schwankungen, dennoch hat auch diese Gruppe nicht das richtige Ergebnis intuitiv treffen können. Nichtdestotrotz ist dieses Ergebnis höchst interessant und könnte eine weitere Verwendung bei weiterführenden Arbeiten finden.

Arbeit zitieren:
Petrow, Andreas März 2010: Intuitive Entscheidungsfindung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Intuition, Homo Oeconomicus, Entscheidungsfindung, Heuristic, empirische Studie

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