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Der IFRS for SMEs

Lobbyismus im Due Process

Der IFRS for SMEs
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Valentin Beniers
  • Abgabedatum: März 2010
  • Umfang: 54 Seiten
  • Dateigröße: 4,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Passau Deutschland
  • Bibliografie: ca. 68
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4664-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Beniers, Valentin März 2010: Der IFRS for SMEs, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Internationale Rechnungslegung, Kleine Unternehmen, Mittlere Unternehmen, IASB, Lobbying

Bachelorarbeit von Valentin Beniers

Einleitung:

Veröffentlichung des IFRS for SMEs – Eckdaten des Due Process:

Der IASB veröffentlichte am 09.07.2009 den finalen IFRS for SMEs. Es wurden insgesamt ca. sechs Jahre benötigt, um den Standard zu entwickeln. Einen wichtigen Schritt im Due Process stellte die Veröffentlichung des ED der IFRS for SMEs im Februar 2007 dar. Zum Ende der Kommentierungsfrist im November 2007 waren 162 CLs eingegangen und an den parallel stattfindenden Feldstudien hatten sich 116 Unternehmen beteiligt.

Motivation des IASB:

Der IASB begründet die Entwicklung eines eigenen Standards für SMEs mit unterschiedlichen Nutzerbedürfnissen der Jahresabschlussadressaten von SMEs im Vergleich zu denen der börsennotierten Unternehmen. Des Weiteren wird anerkannt, dass die Anwendung der Full-IFRS die SMEs zu sehr belasten würde. In BC39 findet sich die Schlussfolgerung, dass man die Standardentwicklung nicht anderen überlassen dürfe, da dies zu international nicht vergleichbaren Standards führe und einen Übergang auf die Full-IFRS erschwere.

Gang der Untersuchung:

Ein neuer internationaler Rechnungslegungsstandard, der global das Gros der Unternehmen erfasst, hat das Potential, Rechnungslegungstraditionen tiefgreifend zu verändern. Zielsetzung dieser Arbeit ist es, den Due Process des IASB, der zu dem neuen Standard geführt hat, ausschnittsweise zu beleuchten. Dazu werden zunächst theoretischeFragestellungen diskutiert, die für die folgende Analyse von Bedeutung sind. Im Zentrum steht eine empirische Analyse der Kommentare zu dem Standardentwurf, die sich auf 150 CLs mit einem Gesamtumfang von 1639 Seiten erstreckt. Um neben einer globalen Einschätzung eine differenziertere zu erhalten, werden die Kommentare verschiedenen Gruppen zugeordnet und deren jeweilige Haltung zu ausgewählten Fragestellungen untersucht. Abschließend werden ED und finaler Standard im Hinblick auf die ausgewählten Fragestellungen komparativ analysiert und eine mögliche Auswirkung der Kommentare auf die Ausgestaltung des finalen IFRS for SMEs untersucht.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Veröffentlichung des IFRS for SMEs - Eckdaten des Due Process 1
1.2 Motivation des IASB 1
1.3 Ziel und Konzeption der Arbeit 1
2. Charakteristika von SMEs 2
2.1 Ökonomische Bedeutung 2
2.2 Mannigfaltige Begriffswelt der SMEs 2
2.2.1 Ausgewählte quantitative und qualitative Definitionen 2
2.2.2 Die Definition des IFRS for SMEs 3
2.2.3 Änderungen der Definition seit dem ED IFRS for SMEs 4
2.2.4 Folgen der Verwendung des Begriffs als Name des Standards 4
3. Abschlussadressaten und ihre Offenlegungsbedürfnisse 5
3.1 Mehrzweckabschlüsse 5
3.2 Identifikation der Abschlussadressaten 5
3.3 Informationsbedürfnisse der wichtigsten Abschlussadressaten 6
3.3.1 Banken 6
3.3.2 Eigentümer 7
3.3.2.1 Nicht-Geschäftsführende Eigentümer 7
3.3.2.2 Geschäftsführende Eigentümer 8
4. Lobbyismus im Standardsetzungsprozess 8
4.1 Akteure 9
4.2 Ziele der Akteure 9
4.2.1 Wirtschaftsprüfer 9
4.2.2 Wirtschaftsprüfungsverbände 10
4.2.3 Wissenschaft 10
4.2.4 Unternehmen 11
4.2.5 Standardsetzer 11
4.2.6 Banken 12
4.2.7 Accounting-Gruppe 12
4.2.8 Sonstige 12
5. Kommentare der Interessengruppen zu dem ED 12
5.1 Zuordnung der CLs zu Interessengruppen 12
5.1.1 Wirtschaftsprüfer (WP) - 1 12
5.1.2 Wirtschaftsprüfungsverbände (WPV) -2 12
5.1.3 Wissenschaft (W) - 3 12
5.1.4 Unternehmen (U) - 4 13
5.1.5 Standardsetzer (S) - 5 13
5.1.6 Banken (B) - 6 13
5.1.7 Accounting-Gruppe (ACC) - 7 13
5.1.8 Sonstige (So) - 8 13
5.2 Absolute und relative Beteiligung der Interessengruppen 13
5.3 Präferenzen der Kommentatoren bezüglich ausgewählter Fragestellungen 14
5.3.1 Grundsätzliche Haltung zu dem Entwurf 14
5.3.2 Beantwortung der Fragen des IASB 15
5.3.3 Berücksichtigung des Kosten/Nutzen-Verhältnisses 16
5.3.4 Berücksichtigung der Adressatenbedürfnisse 17
5.3.5 Umfang der Fair-Value-Bewertung 17
5.3.6 Cash-Flow-Statement 18
5.3.7 Unabhängigkeit des Standards 18
5.3.8 Verfügbarkeit von Wahlrechten 19
5.3.9 Aktivierungswahlrecht für Fremdkapitalkosten 19
5.3.10 Allgemeiner Verweis auf die Full-IFRS 20
5.3.11 Umfang der Anhangangaben 21
5.3.12 Überarbeitungsturnus 21
5.3.13 Eigenkapitalabgrenzung 22
5.4 Detaillierte Analyse der Interessen der Wirtschaftsprüfer 22
6. Komparative Analyse des finalen Standards und des Entwurfs 25
6.1 Berücksichtigung von Adressatenbedürfnissen und Kosten/Nutzen-Verhältnis 25
6.2 Umfang der Fair-Value-Bewertung 27
6.3 Cash-Flow-Statement 27
6.4 Unabhängigkeit des Standards 27
6.5 Verfügbarkeit von Wahlrechten 28
6.6 Aktivierungswahlrecht für Fremdkapitalkosten 28
6.7 Allgemeiner Verweis auf die Full-IFRS 29
6.8 Umfang der Anhangangaben 29
6.9 Überarbeitungsturnus 29
6.10 Eigenkapitalabgrenzung 30
7 Fazit 31
Abbildungen 32
Literaturverzeichnis VI

Textprobe:

Kapitel 5.4, Detaillierte Analyse der Interessen der Wirtschaftsprüfer:

Eine Aufspaltung der Gruppe der Wirtschaftsprüfer gibt weiteren Aufschluss über die Interessenlage. Von besonderem Interesse ist hierbei die Position der Big Four, die einen starken Einfluss auf den IASB haben. Im Board, der den IFRS for SMEs geschaffen hat, ‘findet sich (.) nur ein Prüfer, der nicht von den big 4 kommt (.)’. ‘IFRS als prinzipienorientierte, komplexe, dynamische, auf die herrschende Lehre und damit den Überblick der großen Berater und Prüfer abstellende Rechnungslegungsstandards, die obendrein ohnehin nur einer kleinen Minderheit von Experten vertraut sind (.)’ sind im Interesse der Big Four.

Die Antworten aller Wirtschaftsprüfer wurden bereits analysiert, werden jedoch nochmals zusammenfassend dargestellt. Des Weiteren finden sich im Anhang Übersichten zur Gruppe der Wirtschaftsprüfer ohne die Big Four und zu den Big Four alleine.

Vergleicht man die Antworten aller Wirtschaftsprüfer mit denen aller Wirtschaftsprüfer ohne Big Four, so zeigt sich, dass bei letzteren eine um sieben Prozentpunkte geringere Zustimmung zu dem ED vorliegt und gleichzeitig eine um zwei Prozentpunkte höhere Ablehnung. Auch die Beantwortungsquote der Fragen der Wirtschaftsprüfer ohne Big Four liegt um sieben Prozentpunkte niedriger. Bezüglich der Berücksichtigung des Kosten/Nutzen-Verhältnisses stellen die Wirtschaftsprüfer ohne Big Four dem ED ein besseres Zeugnis aus, denn der Wert für Angemessenheit liegt um zwei Prozentpunkte höher und der für Nichtangemessenheit um 18 Prozentpunkte niedriger. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Berücksichtigung der Adressatenbedürfnisse. Betrachtet man den Umfang der Fair- Value-Bewertung, so zeigt sich, dass der Anteil der CLs, die ihn zu hoch finden um sieben Prozent niedriger ist. Bei der Frage nach dem Cash-Flow-Statement ergibt sich quasi eine Übereinstimmung der Gruppen. Ein unabhängiger Standard ist für die Wirtschaftsprüfer ohne Big Four weniger wichtig (-7%), die Verfügbarkeit von Wahlrechten ist ihnen wichtiger (+5%), ein Aktivierungswahlrecht für Fremdkapitalkosten weniger wichtig (-9%). Ein allgemeiner Verweis auf die Full-IFRS findet bei den Wirtschaftsprüfern ohne Big Four mehr Zuspruch (+3%) und weniger Ablehnung (-10%). Der Umfang der Anhangangaben erscheint, relativ betrachtet, weniger als zu umfangreich bewertet zu werden (-15%). Den Überarbeitungsturnus stufen die Wirtschaftsprüfer ohne Big Four weniger als angemessen ein (-15%) und mehr als zu häufig (+7%). Die Eigenkapitalabgrenzung kritisieren die Wirtschaftsprüfer ohne Big Four tendenziell weniger (-6%).

Betrachtet man das Balkendiagramm der Big Four, so lässt sich leicht erkennen, dass ihre Aussagen zu fast allen Themen übereinstimmen. Totale Einigkeit zeigen sie bei neun der 13 Fragen, also bei fast 70%. Für die verbleibenden vier Fragestellungen ergibt sich bei einer eine Mehrheit von 75%, bei einer eine Zustimmung von 50% und bei zweien ergeben sich heterogene Antworten. Die Big Four sind grundsätzlich für den ED und beantworten alle Fragen. Dazu passt auch die Haltung bezüglich Kosten/Nutzen-Verhältnis und Adressatenbedürfnissen, die die Big Four als nicht angemessen berücksichtigt ansehen. Auch dass der Umfang der Fair-Value-Bewertung und der Anhangangaben ihnen zu hoch ist, scheint stimmig.

M.E. stützen die genannten Argumente insgesamt die These, dass das Hauptinteresse der Big Four in einer Einführung des IFRS for SMEs besteht. Dazu halten die Big Four m.E. jedoch deutliche Erleichterungen für die Unternehmen für nötig, denn ohne diese rückt eine Akzeptanz und Verbreitung des Standards in weite Ferne. So lässt sich auch die einhellige Zustimmung zu einem Aktivierungswahlrecht für Fremdkapitalkosten, das eine deutliche Vereinfachung im Vergleich zu einer Aktivierungspflicht darstellt, erklären. Die Möglichkeit eines Verschwindens des Eigenkapitals bei Unternehmen der Rechtsform OHG, KG, Genossenschaft und GmbH, ist der Akzeptanz des IFRS for SMEs nicht gerade zuträglich. Darauf weisen 50% der CLs der Big Four hin und 50% gehen nicht darauf ein. Die genannte These wird dahingehend erweitert, dass die Big Four auch ein Interesse an einer schleichenden Komplizierung der Regeln haben. Denn sie antworten einmütig auf die Frage zum Überarbeitungsturnus, dass dieser angemessen sei. Im Gegensatz dazu haben insbesondere Unternehmen (0% finden den Turnus angemessen, 41% ist er zu häufig) und Banken (0% finden den Turnus angemessen, 50% ist er zu häufig) ein Interesse an einem stabileren Standard. Denn gerade bei der Implementierung neuer Rechnungslegungsnormen, bzw. von Veränderungen der Bestehenden, besteht der größte Beratungsbedarf. In diesem Punkt handeln die Big Four damit nicht im Interesse ihrer (möglichen) Klienten.

Arbeit zitieren:
Beniers, Valentin März 2010: Der IFRS for SMEs, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Internationale Rechnungslegung, Kleine Unternehmen, Mittlere Unternehmen, IASB, Lobbying

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