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Vereinbarkeit von Beruf und Pflege - Welchen Beitrag kann die Betriebliche Sozialarbeit leisten?

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege - Welchen Beitrag kann die Betriebliche Sozialarbeit leisten?
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Sandra Benz
  • Abgabedatum: Januar 2010
  • Umfang: 53 Seiten
  • Dateigröße: 971,9 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften Deutschland
  • Bibliografie: ca. 39
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4487-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Benz, Sandra Januar 2010: Vereinbarkeit von Beruf und Pflege - Welchen Beitrag kann die Betriebliche Sozialarbeit leisten?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Demografischer Wandel, Betriebliche Sozialarbeit, Fachkräftemangel, Familienfreundlichkeit, Pflege

Bachelorarbeit von Sandra Benz

Einleitung:

Das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in den vergangenen Jahren ein immer wichtigerer Bestandteil in Betrieben geworden und ist nun in der Mitte der Wirtschaft angekommen. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Mütter und Väter und somit familienfreundliche Maßnahmen bezogen auf die Kinderbetreuung. Aber das Problem der Balance zwischen Beruf und Familie zeigt sich nicht nur hinsichtlich der Kinderversorgung, sondern auch bei Arbeitnehmern mit Pflegeaufgaben. Diese Arbeit beschränkt sich auf den, bisher noch weniger beachteten, Teilbereich der Erwerbstätigen mit Pflegeverantwortung.

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten während der Arbeit einen Anruf, dass ihre 80-jährige Mutter gestürzt ist, sich dabei einen schlimmen Bruch zugezogen hat und deshalb für die nächsten Monate Hilfe bei der Versorgung benötigt. Solch ein Szenario, dass plötzlich ein Berufstätiger vor der Herausforderung einer unerwarteten Pflegesituation steht, ist kein Ausnahmefall mehr. Circa jeder 10. Beschäftigte übernimmt mittlerweile die Verantwortung für die Betreuung und Pflege von Angehörigen und dies mit steigender Tendenz. Gründe dafür liegen vor allem im demografischen Strukturwandel. Bisher bieten jedoch lediglich ca. 7 % von 450 befragten deutschen Unternehmen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege an. Aber familienfreundliche Maßnahmen, die auch eine eventuell eintretende Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen berücksichtigen, sind von zentraler Bedeutung. Diese sind zum einen sinnvoll, damit Unternehmen nicht Gefahr laufen, qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aufgrund einer Unvereinbarkeit zu verlieren oder die Folgen einer Überlastung durch Beruf und Pflege in Form von erhöhten Fehlzeiten, einer Beeinträchtigung des Leistungsvermögens, geringerer Produktivität oder einem höheren Krankheitsstand tragen zu müssen. Zum anderen sind viele Erwerbstätige – insbesondere Frauen – nicht mehr bereit oder in der Lage, aufgrund der familiären Verpflichtungen, ihre berufliche Karriere einzuschränken oder aufzugeben und die damit einhergehenden beruflichen, finanziellen und sozialen Benachteilungen in Kauf zu nehmen. Sie wünschen sich vielmehr eine Vereinbarkeit der zwei Lebensbereiche Beruf und Familie. Dazu gehört auch die Vereinbarkeit von Beruf und einer möglichen Pflegeverpflichtung.

Nach dieser kurzen Einführung werden in Kapitel 2 zunächst die aktuellen Rahmenbedingungen in Deutschland aufgezeigt. Anhand dessen soll verdeutlicht werden, warum die Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege heute und zunehmend in Zukunft ein relevantes Thema für Betriebe darstellt. Anschließend werden im 3. Kapitel die aktuellen Fakten der Vereinbarkeitsproblematik sowie die Unterschiede zwischen Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung und Beruf und Pflege dargestellt. Ebenso werden die Auswirkungen einer Doppelbelastung auf das Privatleben und Berufsleben aufgezeigt, bevor betriebliche Maßnahmen, um Mitarbeiter zu unterstützen, die einen Angehörigen zu Hause pflegen, in Kapitel 4 vorgestellt werden. Diese Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege beinhalten auf der einen Seite Maßnahmen, bezogen auf die Arbeitsbedingungen und auf der anderen Seite Maßnahmen, die von der Betrieblichen Sozialarbeit geleistet werden können. In diesem Zusammenhang wird auch das Arbeitsfeld der Betrieblichen Sozialarbeit vorgestellt. Die Wirkungen familienfreundlicher Maßnahmen stellt der zentrale Inhalt im 5. Kapitel dar und das 6. Kapitel bildet mit einer Schlussbetrachtung den Abschluss dieser Arbeit.

Im Verlauf dieser Arbeit wird zur Vereinfachung der Lesbarkeit zeitweise auf die Nennung der weiblichen Form verzichtet. Mit der verwendeten männlichen Sprachform werden im Folgenden beide Geschlechter angesprochen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Rahmenbedingungen 2
2.1 Demografische Entwicklung 3
2.2 Zunehmende Zahl der Pflegebedürftigen 3
2.3 Abnahme des Familienpflegpotentials 4
2.4 Steigende Frauenerwerbstätigkeit 4
2.5 Fachkräftemangel 5
3. Vereinbarkeit von Beruf und Pflege 6
3.1 Aktuelle Fakten zur Vereinbarkeitsproblematik 6
3.2 Pflege und Kindererziehung im Vergleich 7
3.3 Auswirkungen der Vereinbarkeitsproblematik 8
3.3.1 Auswirkungen auf das Privatleben 8
3.3.2 Auswirkungen auf den Arbeitsplatz 9
3.3.3 Auswirkungen auf den Betrieb 11
4. Betriebliche Maßnahmen 12
4.1 Maßnahmen seitens der Arbeitgeber 13
4.1.1 Arbeitszeiten 13
4.1.1.1 Flexible Arbeitszeiten 14
4.1.1.2 Teilzeit 14
4.1.1.3 Freistellungsmöglichkeiten 15
4.1.2 Arbeitsort 16
4.1.2.1 Alternierende Heim-, oder Telearbeit 16
4.2 Maßnahmen seitens der Betrieblichen Sozialarbeit 16
4.2.1 Information und Kommunikation 19
4.2.1.1 Kommunikation des Themas Vereinbarkeit von Beruf und Pflege 19
4.2.1.2 Bereitstellung von Informationsmaterial 20
4.2.1.3 Mitarbeitersensibilisierung 20
4.2.1.4 Führungskräftesensibilisierung 21
4.2.2 Serviceleistungen für Pflegende 22
4.2.2.1 Seminare und Schulungen für pflegende Angehörige 22
4.2.2.2 Psychosoziale Beratung 22
4.2.2.3 Beratung zum Pflegearrangement und Vermittlung zu externen Dienste 23
5. Wirkungen familienfreundlicher Maßnahmen 24
5.1 Betriebswirtschaftliche Auswirkungen 26
5.1.1 Geringere Fehlzeiten 26
5.1.2 Verringerung der Fluktuation 26
5.1.3 Kosteneinsparpotential 27
5.1.3.1 Wiederbeschaffungskosten senken 27
5.1.3.2 Überbrückungskosten senken 28
5.1.3.3 Wiedereingliederungskosten senken 28
5.2 Auswirkungen auf die Mitarbeiter 29
5.2.1 Erhöhte Arbeitszufriedenheit 29
5.2.2 Erhöhte Mitarbeitermotivation 29
5.2.3 Mitarbeiterbindung 30
5.2.4 Mitarbeitergewinnung 30
5.2.5 Produktivitätssteigerung 31
6. Schlussbetrachtung 32
Anhang VI
Quellenverzeichnis XVII
Literaturverzeichnis XVIII

Textprobe:

Kapitel 5, Wirkungen familienfreundlicher Maßnahmen:

Mit familienfreundlichen Maßnahmen soll eine Kombination der Lebensbereiche Beruf und Familie für die Erwerbstätigen ermöglicht bzw. erleichtert werden. Neben diesem Hauptziel können mit familienfreundlichen Angeboten – und damit auch mit pflegefreundlichen Maßnahmen – weitere betriebliche Ziele erreicht werden. Dazu gehören:

Erhöhung der Arbeitszufriedenheit.

Erhöhte Mitarbeitermotivation.

Geringere Fehlzeiten.

Höhere Mitarbeiterbindung.

Erhöhte Mitarbeitergewinnung.

Gesteigerte Mitarbeiterproduktivität.

Senkung der Such- und Einarbeitungskosten.

Senkung der Kosten vakanter (nicht besetzter) Stellen.

Humankapitalakkumulation.

Diese Ziele spiegeln sich auch in den Motiven für die Einführung familienfreundlicher Maßnahmen wider. Motive geben den Grund für eine Einführung an und stehen im Zusammenhang mit den erhofften Auswirkungen. Bei einer Unternehmensbefragung im Auftrag des BMFSFJ wurden im Jahr 2006 1128 Unternehmen hinsichtlich ihrer Beweggründe zur Einführung familienbewusster Maßnahmen befragt. Diese Befragung ergab, dass die wichtigsten Motive darin liegen, qualifizierte Fachkräfte zu halten oder zu gewinnen sowie die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen und durch eine geringere Fluktuation, niedrigeren Krankenstand und erhöhte Produktivität, Kosten einzusparen (Abb. 8).

Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei einer Befragung von 72 Unternehmen, die sich im laufenden Zertifizierungsprozess zum audit berufundfamilie befinden. Das audit berufundfamilie ist ein Managementinstrument zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein zentrales Motiv stellt zwar auch hier die Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit dar. Jedoch gibt es kaum Übereinstimmung hinsichtlich anderer Ziele. Weniger zentral sind z.B. Fluktuationssenkung, Krankenstandsreduktion (Abb. 9). Es ist anzunehmen, dass die Differenzen daraus resultieren, dass zukünftig auditierte Unternehmen für Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie anders vermutlich positiver eingestellt sind.

Studien zeigen, dass Arbeitgeber, die in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf investieren, ökonomische Vorteile gegenüber Unternehmen ohne Familienbewusstsein erzielen.

Eine von der Prognos AG im Auftrag des BMFSFJ durchgeführte Modellrechnung zu ‘Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen’ im Jahr 2003 ergab, dass Unternehmen, die in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf investieren, Nutzen erwarten können, die deutlich höher liegen als die Kosten.

Neben der Prognos AG hat das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) 2006 72 Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit dem Einsatz familienbewusster Maßnahmen befragt. Alle befragten Unternehmen waren dabei Teilnehmer des audit berufundfamilie. Diese Befragung ergab erste Hinweise, dass familienfreundliche Maßnahmen betriebswirtschaftliche Ziele positiv beeinflussen. So ergab sie u.a., dass in sehr engagierten familienfreundlichen Unternehmen sich die Mitarbeiter seltener krank melden, die Mitarbeiter nicht so häufig fehlen sowie die Arbeitgeberattraktivität steigt. Da sich aber alle befragten Unternehmen durch ihre Zertifizierung mit dem audit berufundfamilie und somit durch ein ausgeprägtes Familienbewusstsein von anderen nicht-auditierten Unternehmen abgrenzen, stellt dies kein repräsentatives Bild für deutsche Unternehmen dar. Um allgemeingültige Aussagen hinsichtlich der Wirkungen familienfreundlicher Maßnahmen identifizieren zu können, ist es notwendig auch nicht auditierte Unternehmen zu befragen.

Dies geschah 2008 im Rahmen der empirischen Untersuchung ‘Betriebswirtschaftliche Ziele und Effekte einer familienbewussten Personalpolitik’ des FFP, bei der 960 Unternehmen hinsichtlich ihrer Erreichung der anfangs genannten Ziele wie Arbeitszufriedenheit, Motivation, Fehlzeiten usw. befragt wurden. Diese Studie ergab, dass familienbewusste Unternehmen hinsichtlich der Zielerreichung besser abschneiden als nicht familienbewusste Unternehmen. Damit wurden erstmals die positiven betriebswirtschaftlichen Effekte einer familienbewussten Personalpolitik belegt. Die Einteilung in ‘familienbewusst’ oder ‘nicht familienbewusst’ erfolgte unter der Zuhilfenahme des 2008 entwickelten berufundfamilie-Index. Der berufundfamilie-Index ist ein Instrument zur individuellen Messung des Familienbewusstseins. Mit Hilfe dieses Index ist es zum ersten Mal gelungen, Familienbewusstsein messbar und somit auch vergleichbar zu machen. Anhand eines Fragenkatalogs wird ein betriebsspezifischer Wert errechnet, der zwischen 0 und 100 liegen kann. 0 heißt dabei gar nicht familienbewusst, 100 heißt sehr familienbewusst.

Arbeit zitieren:
Benz, Sandra Januar 2010: Vereinbarkeit von Beruf und Pflege - Welchen Beitrag kann die Betriebliche Sozialarbeit leisten?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Demografischer Wandel, Betriebliche Sozialarbeit, Fachkräftemangel, Familienfreundlichkeit, Pflege

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