Bachelor + Master Publishing
765 Bachelorarbeiten, 508 Masterarbeiten, 10.071 Diplomarbeiten

Das Phänomen Hochsensitivität und der Zusammenhang mit AD(H)S

Eine kritische Reflexion

Das Phänomen Hochsensitivität und der Zusammenhang mit AD(H)S
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Birgit Trappmann-Korr
  • Abgabedatum: April 2008
  • Umfang: 48 Seiten
  • Dateigröße: 750,2 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: FernUniversität Hagen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 84
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4154-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Trappmann-Korr, Birgit April 2008: Das Phänomen Hochsensitivität und der Zusammenhang mit AD(H)S, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Hochsensitivität, Hochsensibilität, Hochbegabung, ADHS, ADS

Bachelorarbeit von Birgit Trappmann-Korr

Einleitung:

‚Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein’.

Albert Einstein.

Das Thema dieser Arbeit behandelt das Phänomen Hochsensitivität, dass sich zunächst auf die Forschungen von ARON UND ARON bezieht und nach großer Resonanz vorwiegend im populärwissenschaftlichen Bereich in Amerika, nun auch in Europa zu etablieren scheint. Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang auch von Highly sensitive persons (HSP) und legen als wesentliches Kennzeichen dafür eine Sensitivität für sensorische Verarbeitungsprozesse (Sensory-processing sensitivity) zugrunde. Es sind eine Reihe von Vereinsgründungen, Publikationen, Internetforen und Selbsthilfegruppen in Holland, Belgien, Österreich und aktuell seit Sommer 2007 auch in Deutschland zu verzeichnen, z.B. der Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V., so dass weitere wissenschaftliche Forschung zur Thematik und zur Phänomenologie sinnvoll erscheint. Nicht nur die gesellschaftliche Akzeptanz und augenscheinliche Identifikation mit dem Konstrukt der Hochsensitivität, sondern auch die nach Angabe der Autoren ermittelten Betroffenenzahlen von ca. 15%-25% innerhalb einer Bevölkerung bieten weitreichende Gründe für die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Dies würde in Deutschland nach dem Bevölkerungsstand vom 31.12.2005 im statistischen Mittel immerhin ca. 16 Millionen Menschen betreffen.

Die Übersetzung der angloamerikanischen Begriffe ins Deutsche gelingt nur unscharf, denn es werden die Termini Hochsensitivität, Hochsensibilität, Feinfühligkeit, Hypersensibilität, Reizoffenheit, soziale Sensibilität und gelegentlich auch zart besaitet und Hellfühligkeit benutzt. Grundlegend handelt es sich hierbei um eine vergleichsweise offenere und subtilere Wahrnehmung, sowie um eine intensivere zentralnervöse Verarbeitung von inneren und äußeren Reizen. Auf der Verhaltensebene wird eher eine stille Wachsamkeit postuliert, die tendenziell zum Rückzug führt. Diese Reizoffenheit steht ebenfalls im Zusammenhang mit einer stärkeren Erregbarkeit, die in reizintensiven Situationen leicht zu Überstimulation führt.

In bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten wurde diese Phänomenologie eher negativ bewertet und u.a. als Introversion, angeborene Schüchternheit, soziale Angststörungen (social anxiety disorder), Vermeidungsverhalten (harm avoidance), Schizotypie, Schizophrenie und Neurotizismus interpretiert. Die Autoren ARON ET. AL. postulieren aufgrund ihrer Untersuchungen eine Neubewertung dieser Perspektive, da sie hohe Sensitivität konzeptionell von sozialer Introversion und negativer Emotionalität trennen.

Reizoffenheit wird jedoch auch mit Kreativität und Intelligenz in Zusammenhang gebracht, so dass sich hier zunächst ein Antagonismus in der Bewertung zeigt. Die Grundstruktur dieser Arbeit wird demnach auch von folgenden Fragen geleitet:

Was steckt hinter dem Konstrukt Hochsensitivität?

Stellt die bisherige, eher negative psychologischen Interpretationen nur eine Seite der Medaille dar?

Inwieweit verlangt die Thematik nach einer Neubewertung?

Dazu wird nach einer Einführung in die Arbeiten von ARON ET. AL. das Konstrukt Hochsensitivität als Sensory-processing Sensitivity in seine relevanten Bestandteile zerlegt. Da es sich zusammenfassend um ein heterogenes und auch interdisziplinäres Thema handelt, erschien es wichtig genau diese Vielschichtigkeit hier zum Ausdruck zu bringen und neurowissenschaftliche und philosophische Aspekte mit einzubeziehen. Hat die scientific community in dem meist mitschwingenden ersten akademischen Gebot:

‘Thou shalt not transgress thy disciplinary boundaries’ einer solchen Betrachtungsweise noch Grenzen gesetzt, so fordert KRUSE ausdrücklich interdisziplinäres Lehren und Lernen über Fachgrenzen hinweg, damit neues Wissen geschaffen und komplexe Probleme analysiert werden können.

Auf der anderen Seite war es jedoch auch vonnöten den Rahmen dieser Arbeit nicht zu ‘sprengen’ und eine sinnvolle Eingrenzung zu erreichen. Aus diesem Grund liegt das Hauptaugenmerk auf einer erhöhten Wahrnehmung aufgrund von Reizoffenheit als ursächlichem Phänomen und der Darstellung aus wahrnehmungspsychologischer Sicht. Weiterhin handelt es sich hier um eine dem Selbstverständnis von Sozialpsychologie entsprechenden Argumentation, d.h. das Erleben und Handeln des Individuums im sozialen Kontext zu erforschen und damit auch zu beurteilen. Der sozialpsychologische Erklärungsansatz betont den Einfluss der Kultur, der sozialen Umwelt und den Einfluss durch andere Menschen, wie auch individuellen Unterschiede erst im Vergleich mit anderen Individuen erkennbar wird. Weiterhin soll hiermit auch auf ethische und moralische Prinzipien von Wissenschaftlichkeit hingewiesen werden und dies bedeutet gerade auch für die Sozialpsychologie die Hinwendung und kritische Prüfung von Themenfeldern, die zunächst vorwiegend in den Bereich der klinischen Psychologie fallen.

Diese Auseinandersetzung mit dieser Thematik und anschließender Interpretation nimmt den Großteil dieser Arbeit ein.

Der abschließende Teil widmet sich dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom [AD(H)S], das je nach Studie zwischen 3% und 15% einer Jahrgangsstufe bei Schulkindern betrifft und mittlerweile zu den häufigsten Vorstellungsgründen bei Psychologen zählt. Hier stellt sich die Frage, ob sich ein Zusammenhang zwischen Hochsensitivität und AD(H)S zeigt und ob es nach einer kritischen Prüfung gerechtfertigt ist, eine rein pathologische Sichtweise als Syndrom aufrechtzuerhalten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Das Konzept Hochsensitivität als Sensory-Processing Sensitivity 6
2.1 Entwicklung und Stand der Forschung 6
2.1.2 Messung von Hochsensitivität 10
2.2 Deutsche Übersetzung und verwandte Begriffe innerhalb der Psychologie 11
2.3 Neuro-physiologische und -psychologische Aspekte von Sensory-Processing Sensitivity 12
2.4 Wahrnehmungspsychologische Aspekte von Hochsensitivität 15
2.4.1 Begriffsbestimmung 15
2.4.2 Der Prozess der Wahrnehmung im Überblick 16
2.4.2.1 Aufmerksamkeit als Selektionsprozess 17
2.4.2.2 Die latente Hemmung 19
2.4.3 Exkurs- Die Rolle der Emotionen 22
2.5 Der Einfluss der Kultur auf Forschung und Individuum 25
2.6 Zusammenfassung und Interpretation 30
3. Die Phänomenologie des AD(H)S 34
3.1 Historischer Abriss und Darstellung 34
3.2 Wahrnehmungspsychologische Aspekte von AD(H)S 36
4. Resumée Hochsensitivität und AD(H)S 38
Literaturverzeichnis 43
Abbildungsverzeichnis 49

Textprobe:

Kapitel 2.4.2.2, Die latente Hemmung:

Als latente Hemmung LH (latent inhibition) wird ein Phänomen bezeichnet, dass in den späten 50er Jahren zunächst in tierexperimentellen Studien von LUBOW UND MOORE untersucht wurde. Es konnte nachgewiesen werden, dass die wiederholte Darbietung eines verhältnismäßig einfachen – wenig komplexen – irrelevanten Reizes, dem keine besondere Hinweisfunktion zukommt, das spätere Erlernen von Assoziationen mit diesem Reiz gehemmt bzw. beeinträchtigt wird. Die LH konnte aufgrund einer Vielzahl von Untersuchungen an Tieren und in den letzten Jahren auch am Menschen immer wieder bestätigt werden, so dass die Universalität dieses Phänomens auf eine große biologische Bedeutung hinweist. Die latente Hemmung ist maßgeblich an der notwendigen Reizselektivität beteiligt und wird auch verstärkt als ein vielversprechendes Paradigma im Bereich der experimentellen Persönlichkeitsforschung diskutiert und propagiert.

Die Erklärung des LH-Phänomens geht von einer zentralen Bedeutung von Aufmerksamkeitsmechanismen aus und es wird angenommen, dass während der so genannten Pre-Exposure-Phase, in welcher der spätere Zielreiz als irrelevant (d.h. ohne irgendwelche Konsequenzen) dargeboten wird, die Aufmerksamkeit gegenüber diesem Reiz verringert wird. Diese Abnahme bzw. Schwächung der Aufmerksamkeit reduziert die Fähigkeit (Lernleistung) neue Assoziationen mit einem anderen Reiz auszubilden.

Im Gegensatz dazugehen die ‘Abruf-Defizit-Theorien’ (retrieval deficit theories) davon aus, dass es sich nicht um ein Defizit in der Ausbildung von Assoziationen handelt, sondern dass die Ursache für LH beim Abrufen bzw. Auffinden der Assoziation zu suchen ist.

Zusammenfassend gehen jedoch beide Ansätze davon aus, dass die latente Hemmung den sensorischen Input regelt und das Individuum vor Reizüberflutung schützt, indem sie Wichtiges von Unwichtigem trennt und die Aufmerksamkeit bzw. Wahrnehmung auf relevante Reize richtet.

‘Störungen’ im Sinne einer verminderten LH konnten bei schizophrenen Patienten und Personen mit Disposition für Schizotypie- oder Psychotizismuswerten (psychosis proneness) nachgewiesen werden. Weiterhin zeigen RAMMSAYER ET. AL. in ihrem Überblickartikel auf, dass verminderte LH auch durch hohe Ängstlichkeit (trait anxiety) vermittelt sein könnte. So zeigen mehrere Studien, dass hochängstliche Personen nicht nur eine erhöhte selektive Aufmerksamkeit gegenüber furchtbezogenen irrelevanten Reizen aufweisen, sondern auch eine generelle Unfähigkeit ihre Aufmerksamkeit auf relevante Informationen zu fokussieren. Diese Ergebnisse werden dahingehend interpretiert, dass eine verminderte LH hochschizotyper Personen als eine Folge des hohen habituellen Angstniveaus betrachtet wird. Diese Hypothese zum modulierenden Einfluss von Ängstlichkeit bzw. Neurotizismus auf die latente Hemmung konnte jedoch bisher noch nicht eindeutig bestätigt werden und die Autoren zeigen in der Erfassung und Berücksichtigung von Persönlichkeitsmerkmalen als Einflussvariable auf die LH weiteren Forschungsbedarf auf. Ein solches Persönlichkeitsmerkmal stellt das Konstrukt Hochsensitivität dar, aber hier wird eben nicht, wie in o.a. Argumentation von einem Einfluss von Merkmalen auf die latente Hemmung ausgegangen, sondern vielmehr wird eine verminderte latente Hemmung, also Reizoffenheit als Bestandteil von Hochsensitivität, als Ursache bzw. Grundbedingung für die Entwicklung von Ängstlichkeit oder Neurotizismus gesehen. Eine Argumentation in dieser Reihenfolge geht auch mit Ergebnissen einher, die nach dem homöostatischen Menschenbild von einem optimalen Erregungsniveau beim Menschen ausgehen und Ängstlichkeit als eine Folge von Überstimulation sehen. Bezüglich einer verminderte latenten Hemmung und Kreativität kommen RAMMSAYER ET. AL. zu dem Schluss:

‘Obwohl Eysencks theoretische Verknüpfung von LH und Kreativität einen bedeutsamen Schritt hin zu einem funktionalen Modell der Kreativität darstellt, das einen vielversprechenden experimentalpsychologischen Zugang im Rahmen der Kreativitätsforschung aufzeigt, steht eine empirische Prüfung des Modells derzeit noch aus’.

CARSON, HIGGINS UND PETERSON konnten aufgrund ihrer Studien und einer anschließenden Meta-Analyse zeigen, dass VP mit hohen IQ- und Kreativitätswerten signifikant geringere LH aufwiesen, als VP die geringere Werte im Kreativitätstest zeigten. Diejenigen VP, die außerordentlich hohe Kreativitätswerte zeigten, waren 7mal mehr von verminderter LH ‘betroffen’ als die Vergleichgruppe. Sie diskutieren die Ergebnisse vor dem Hintergrund, dass reduzierte LH auf der einen Seite mit psychotischen Zuständen oder psychotic proneness in Zusammenhang steht und auf der anderen Seite mit ‘high levels of creativity’.

Sie interpretieren ihre Ergebnisse dahingehend, dass hohe IQ-Werte dafür verantwortlich scheinen, ob sich LH vorwiegend als Defizit der selektiven Aufmerksamkeit oder als Moderator für kreative Leistungen zeigt.

Arbeit zitieren:
Trappmann-Korr, Birgit April 2008: Das Phänomen Hochsensitivität und der Zusammenhang mit AD(H)S, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Hochsensitivität, Hochsensibilität, Hochbegabung, ADHS, ADS

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren