Die Kapstädter Jazzszene als eine Form der Rebellion gegen politische Diskriminierung und Unterdrückung sowie ihr hegemonialer Aufstieg
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Franz Althuber
- Abgabedatum: Oktober 2009
- Umfang: 83 Seiten
- Dateigröße: 502,5 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Paris-Lodron-Universität Salzburg Österreich
- Bibliografie: ca. 32
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4024-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Althuber, Franz Oktober 2009: Die Kapstädter Jazzszene als eine Form der Rebellion gegen politische Diskriminierung und Unterdrückung sowie ihr hegemonialer Aufstieg, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Jazz, Kapstadt, Südafrika, Rassismus, Apartheid
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Bachelorarbeit von Franz Althuber
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit dient zur Erlangung des akademischen Grades ‘Bachelor of Arts’ und entstand im Sommersemester 2009 am Fachbereich Geschichte der Paris Lodron Universität Salzburg im Zuge des Seminars ‘Eine kulturelle Hegemonie der USA im 21. Jahrhundert?’ unter der Leitung von Dr. Wagnleitner Reinhold sowie Pillinger Wolfgang.
Die konzise Frage der Lehrveranstaltung lautete, ob dem ersten ‘amerikanischen Jahrhundert’ ein zweites folgen wird, ebenso wird der Fokus in dieser Arbeit darauf liegen, inwieweit die südafrikanische bzw. die kapstädtische Jazzszene einen eigenständigen Kulturkreis darstellt und inwiefern dabei die Rede von einer kulturellen Hegemonie sein darf. Dafür bedarf es zuallererst eines historischen Abrisses hinsichtlich der politischen und kulturellen Gegebenheiten Südafrikas (vor allem vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre) um später die Zusammenhänge (zum Beispiel die Auswirkungen gewisser Gesetze auf die Möglichkeiten sowie das Handeln der Musiker) verstehen zu können. Spätestens durch die Institutionalisierung der Apartheid im Jahre 1948 wurde die politische Landschaft Südafrikas dahingehend verändert, sodass die eingeführten Gesetze Handlungsweisen von Menschen bestimmten.
Dementsprechend wird sich der größte Teil der vorliegenden Arbeit mit der Jazzszene in Kapstadt beschäftigen: Wege, die ins Exil führten, das Leben in einer Umgebung, welche über Nacht niedergerissen wurde sowie die Apartheid als Möglichkeit, eine Jazzszene der Welt bekannt und zugänglich zu machen mit der abschließenden Frage, ob der Hegemonieanspruch gegeben ist.
Diese Arbeit wird also den Jazz sowie dessen Verfechter aus dem Blickwinkel der Soziologie, der Politik (mit Einbeziehung von erlassenen Gesetzen) sowie historischen Fakten betrachten und weniger auf musikalische Techniken eingehen sondern vielmehr persönliche Lebenseinstellungen bzw. Lebenserfahrungen behandeln.
1.1. Forschungsstand:
Ob es nun die Einwanderung der Bantu-Völker, die Zeit der europäischen Entdecker, die Kapkolonie unter der niederländischen und der britischen Herrschaft einhergehend mit der Unterwerfung der Bantu-Völker, die Gründung der Burenrepubliken und die zwei Burenkriege, die Gründung der Südafrikanischen Union, Südafrika während des ersten Weltkrieges, in der Zwischenkriegszeit, während des zweiten Weltkrieges und anschließend die Etablierung des Apartheidregimes bis schließlich zum Ende jenes Regimes betrifft, die Geschichte Südafrikas scheint viel zu bieten. Diese beispielhaft angeführten Themen, Prozesse oder auch Zäsuren wurden Seitens der Forschung bereits ausführlich aufgegriffen, sprechen allerdings nur einen Teil der südafrikanischen Geschichte an. Diese Arbeit wird ihr Hauptaugenmerk auf Menschen richten, die eines gemeinsam haben: eine Politik, welche das Verhalten einzelner Personen bzw. ethnischer Gruppen bestimmt oder eindoktriniert (hat).
Im europäischen Raum beschäftigte sich bislang Lars Rasmussen mit der Kapstädter Jazzszene. Die von ihm publizierten Werke behandeln einzelne Künstler wie Abdullah Ibrahim, Sathima Bea Benjamin sowie andere Jazzmusiker aus Kapstadt auf der Basis von Interviews, welche unter anderem von Colin Miller geführt wurden. Diese zwanzig Interviews von Miller finden sich stark gekürzt im Buch ‘Imagining The City’. Carol A. Muller beschäftigte sich ebenfalls mit der Kapstädter Jazzszene, wenn auch nur anhand einiger Interviews mit Sathima Bea Benjamin. Im Laufe des Arbeitsprozesses haben sich keine weiteren Werke aufgedrängt, welche sich ausschließlich mit der Kapstädter Jazzszene beschäftigen, weshalb dem Internet als wissenschaftlichem Informationsmedium eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zukommt.
Aufgrund des relativ ‘bescheidenen’ Forschungsstandes haben sich für die Ausarbeitung der Thematik die im folgenden Kapitel angeführten Methoden angeboten.
1.2. Methodik:
Bedingt durch einen zweiwöchigen Aufenthalt in Kapstadt wurde die Oral History als eine der grundlegenden Methoden für diese Arbeit gewählt, da es dem Autor wichtig erschien, neues Quellenmaterial zu erschaffen. Die Oral History bedient sich an den Erinnerungen und Eindrücken von Menschen, die im Akt des Erinnerns miteinander verknüpfte Elemente abrufen. Dorothee Wierling fasst zusammen, dass der Erkenntniswert der erinnerten Erzählungen darin besteht, einen Einblick in einen hochaffektiv besetzten Verarbeitungs-, Konstruktions- und Sinnbildungsprozess – also in die Subjektivität der Erzähler – zu geben. Aufgrund dieser Subjektivität ist der historische Wahrheitsgehalt bei solchen Quellen nur zu einem gewissen Prozentsatz gesichert, weshalb die Subjektivität des Erzählers beim Auswertungsprozess dieser Erinnerungen immer miteinbezogen werden muss. Da aber jedes Individuum seine subjektive Geschichte erlebt hat, bietet eine derartige Quelle Zugang zu einzelnen Schicksalen. Durch zeitökonomische Probleme konnte allerdings für diese Arbeit nicht ausreichend Interviewmaterial gesammelt werden, weshalb der Quellen- bzw. Textkritik sowie der Heuristik ebenfalls eine wesentliche Bedeutung zukommen soll. Bei den ausgewerteten Texten handelt es sich zu einem beachtlichen Prozentsatz um Oral History Interviews, welche von Colin Miller bzw. Carol A. Muller geführt wurden, weshalb hier ein fließender Übergang zwischen der Methode der Oral History sowie der Quellen- bzw. Textkritik und Heuristik gegeben ist.
Wie bereits oben erwähnt, muss aufgrund der spärlich vorhandenen Literatur auch das Internet als wissenschaftliches Informationsmedium herangezogen werden.
1.3. Theorien und Fragestellungen:
Da die vorliegende Arbeit im Rahmen des Seminars ‘Eine kulturelle Hegemonie der USA im 21. Jahrhundert?’ entstanden ist, wird sich die zentrale Theorie damit beschäftigen, inwiefern die Jazzszene in Kapstadt eine kulturelle Hegemonie darstellt. Dass der Begriff ‘kulturelle Hegemonie’ in diesem Zusammenhang vielleicht etwas überspitzt klingen mag, ist einleuchtend – immerhin ist die Jazzmusik global vertreten. Allerdings kann eindeutig konstatiert werden, dass Kapstadt global gesehen zu einer anerkannten Jazzstadt geworden ist und die Stadt innerhalb Südafrikas sehr wohl eine kulturelle Vormachtstellung (im Bezug auf die Jazzmusik) innehat.
Eine Darstellung der in Kapstadt bzw. in Südafrika lebenden Bevölkerungsgruppen soll Aufschluss darüber geben, welche Auswirkungen Gesetze wie etwa die räumliche Aufteilung sowie die Trennung öffentlicher Einrichtungen, die Versuche, die Segregation im Wirtschaftsleben durchzusetzen, die politische Diskriminierung Nicht-Weißer sowie gesetzgeberische Maßnahmen, welche die rigorose Trennung aller Südafrikaner im Privatleben bis hinein in ihre Intimsphäre beabsichtigen, auf die Bevölkerungsgruppen bzw. einzelne Personen hatten und noch immer haben.
Nachdem diese Gesetze in Kraft traten, konnte die Apartheid mit dem Wahlergebnis von 1948 institutionalisiert werden. In diesem Zusammenhang muss der Frage nachgegangen werden, welche Bedeutung Gesetzen, welche die gesetzliche Identität rassischer Gruppen festlegten und aufrechterhielten, Gesetzen, welche die kulturelle Assimilation zwischen den Bevölkerungsgruppen verhindern sollten, Gesetze die dem Schutz der weißen Arbeiter dienten, Gesetze die der physischen Trennung der Bevölkerungsgruppen dienten sowie Gesetze, welche getrennte politische Institutionen für die einzelnen Bevölkerungsgruppen einrichteten, zukam.
Später wird noch darauf zurückzukommen sein, dass der Jazz in der Begegnung zwischen ‘schwarz’ und ‘weiß’ entstand. Was bedeuten diese Gesetze für die Kapstädter Jazzszene? Durch die Erlässe ist eine Begegnung zwischen ‘schwarz’ und ‘weiß’ quasi unmöglich, weshalb davon ausgegangen werden müsste, dass es spätestens von 1948 bis 1994 keinen ‘gemischten’ Jazz gegeben hat (sei es Gruppenintern, sei es das Publikum, sei es irgendeine Situation – sie müsste ‘Rassengetrennt’ sein). Die Beantwortung soll dadurch gelingen, als dass der Cape Jazz an sich beschrieben wird, die Auswirkungen der Apartheid auf Handlungsweisen der Musiker und die Szene in ihrer Gesamtheit erörtert wird.
Ausgehend von den Jahrzehnten der Apartheid lassen sich dann Rückschlüsse über die Kapstädter Jazzszene im 21. Jahrhundert ziehen. Die Unternehmen ‘Coffeebeans Routes’ sowie ‘Andulela’ ermöglichen es dem jazzinteressierten Besucher Kapstadts, Abende mit lokalen Größen zu verbringen. Welche Bedeutung solche Möglichkeiten für Touristen sowie die einzelnen Künstler haben, soll anhand der Ausarbeitung dieses Kapitels interpretiert werden können.
Durch ein Gespräch mit Joe Schaffer, welches im Rahmen der Cape Town Jazz Safari stattfand, kann ein Einblick in das Denken der Verfechter des Cape Jazz gegeben werden.
Die Frage, inwiefern es in Kapstadt im 21. Jahrhundert eine kulturelle Hegemonie gibt, was die Jazzszene anbelangt, soll durch eine Art Reiseführer durch zwei vom Autor besuchte Lokale, weiteren beschriebenen Jazzclubs sowie dem Cape Town International Jazz Festival, welches seit dem Jahre 2000 jährlich stattfindet, beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 2 |
| 1.1 | Forschungsstand | 3 |
| 1.2 | Methodik | 4 |
| 1.3 | Theorien und Fragestellungen | 4 |
| 2. | Historischer Abriss bezüglich Südafrika im 20. Jahrhundert | 7 |
| 2.1 | Die Bevölkerungsgruppen in Kapstadt | 7 |
| 2.2 | Zur Entstehung der Apartheid | 8 |
| 2.2.1 | Die räumliche Aufteilung sowie die Trennung der öffentlichen Einrichtungen | 9 |
| 2.2.2 | Versuche, die Segregation im Wirtschaftsleben durchzusetzen | 11 |
| 2.2.3 | Die politische Diskriminierung Nicht-Weißer | 12 |
| 2.2.4 | Gesetzgeberische Maßnahmen, welche die rigorose Trennung aller Südafrikaner im Privatleben bis hinein in ihre Intimsphäre beabsichtigen | 12 |
| 2.3 | Die Wahlen von 1948 und ihre Folgen | 13 |
| 2.3.1 | Gesetze, welche die gesetzliche Identität rassischer Gruppen festlegten und aufrechterhielten | 15 |
| 2.3.2 | Gesetze, welche die kulturelle Assimilation zwischen den Bevölkerungsgruppen verhindern sollten | 16 |
| 2.3.3 | Gesetze, die dem Schutz der weißen Arbeitskräfte dienten | 16 |
| 2.3.5 | Gesetze, die getrennte politische Institutionen für die einzelnen Bevölkerungsgruppen einrichteten | 19 |
| 3. | Die Kapstädter Jazzszene als Form der Rebellion gegen politische Diskriminierung und Unterdrückung sowie ihr hegemonialer Aufstieg | 21 |
| 3.1 | Was ist Cape Jazz? | 21 |
| 3.2 | Die Ära Abdullah Ibrahim (Dollar Brand) und Bea(trice) Benjamin bzw. der Aufstieg der südafrikanischen Jazzmusik zu einer kulturellen Hegemonie | 24 |
| 3.2.1 | Der Weg ins Exil | 24 |
| 3.2.2 | Unter Obhut der großen Vorbilder | 25 |
| 3.2.3 | Sesshaftwerdung in einem fernen Land sowie die Selbstständigwerdung | 26 |
| 3.3 | Cape Jazz zur Zeit der Apartheid (in Südafrika) | 28 |
| 3.3.1 | District Six | 28 |
| 3.3.2 | Wie wird man Musiker? | 30 |
| 3.3.3 | Auftritte während der Apartheid sowie das Leben im District Six | 32 |
| 3.4 | Cape Jazz heute | 35 |
| 3.4.1 | Die Cape Town Jazz Safari | 36 |
| 3.4.1.1 | Einführung in die Kapstädter Jazzszene | 36 |
| 3.4.1.2 | Zu Hause bei Hilton Schilder | 37 |
| 3.4.1.3 | Der Jazzclub Swingers | 38 |
| 3.4.1.3.1 | Interview mit Joe Schaffer | 39 |
| 3.4.2 | Die Jazzlokale in Kapstadt | 43 |
| 3.4.2.1 | Green Dolphin Jazz Club | 43 |
| 3.4.2.2 | Best Ugly | 44 |
| 3.4.3 | Das Cape Town International Jazz Festival | 48 |
| 3.4.3.1 | Die Akteure im Jahr 2000 | 49 |
| 3.4.3.2 | Die Akteure im Jahr 2001 | 50 |
| 3.4.3.3 | Die Akteure im Jahr 2002 | 51 |
| 3.4.3.4 | Die Akteure im Jahr 2003 | 52 |
| 3.4.3.5 | Die Akteure im Jahr 2004 | 53 |
| 3.4.3.6 | Die Akteure im Jahr 2005 | 54 |
| 3.4.3.7 | Die Akteure im Jahr 2006 | 55 |
| 3.4.3.8 | Die Akteure im Jahr 2007 | 56 |
| 3.4.3.9 | Die Akteure im Jahr 2008 | 57 |
| 3.4.3.10 | Die Akteure im Jahr 2009 | 58 |
| 3.4.3.11 | Eine kulturelle Hegemonie der Kapstädter Jazzszene im 21. Jahrhundert? | 59 |
| 3.4.4 | (Eine sehr) ausgewählte Liste wichtiger Jazzmusiker aus Kapstadt | 60 |
| 4. | Resümee | 65 |
| Literatur und Quellenverzeichnis | 68 |
Textprobe:
Kapitel 3, Die Kapstädter Jazzszene als Form der Rebellion gegen politische Diskriminierung und Unterdrückung sowie ihr hegemonialer Aufstieg:
3.1. Was ist Cape Jazz?
Der Jazz entstand in der Begegnung zwischen ‘schwarz’ und ‘weiß’; deshalb entstand er dort, wo sich diese Begegnung am intensivsten vollzog: im Süden der USA. Bis heute ist er nur in dieser Begegnung denkbar. Er verliert das Fundament seiner Existenz, wenn man aus der amerikanischen Rassensituation heraus etwa das weiße Element oder aus dem entgegengesetzten, vor allem in intellektuellen und Fankreisen üblichen Rassenressentiment heraus das schwarze Element überbetont. Im Zueinander der Kulturen, das so wichtig in der Entstehung und in der Entwicklung des Jazz ist, liegt das Symbol für das ‘Zueinander schlechthin’, das den Jazz in seinem musikalischen, nationalen und internationalen, sozialen und soziologischen, politischen, ausdrucksmäßigen und ästhetischen, ethischen und ethnologischen Wesen kennzeichnet.
Joachim Ernst Berendt spricht in diesem Zusammenhang zwar von den Vereinigten Staaten von Amerika, dieses Zitat lässt sich allerdings auch auf Südafrika und in diesem Kontext auf Kapstadt anwenden. Die Geschichte der Begegnung zwischen ‘schwarz’ und ‘weiß’ und in diesem speziellen Fall auch coloured beginnt im Jahre 1652, als der Niederländer Jan van Riebeeck in der Tafelbucht an Land ging und eine Versorgungsstation für die Handelsschiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie gründete. Die Stadt wuchs mit der Zeit zu einer multikulturellen Großstadt heran, die heute Menschen aus den verschiedensten Ländern Europas, Nachfahren von Sklaven aus den Handelsgebieten der Niederländer in Madagaskar, Indien, Malaysia, Indonesien, sowie aus den verschiedensten afrikanischen Ländern (vor allem aber aus dem Sub-Sahara Raum), beherbergt. Durch dieses Zusammenleben auf engem Raum entstand in Kapstadt die Bevölkerungsgruppe der Coloureds, welche auch den größten Bevölkerungsteil ausmachen.
In diesem multikulturellen Zusammenleben hatte auch der Südafrikanische Jazz, hier die Kapstädter Jazzszene, in der Mitte des 17. Jahrhunderts ihren Ursprung, wo drei kulturelle Gruppen angeführt werden: colonists (living in Cape Town and passing through from abroad), imported slaves, and indigenous people. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden Sklaven dazu ausgebildet, um die Kolonialherren musikalisch zu unterhalten. Vor allem Sklaven aus Java, Malaysia, Indien, Madagaskar, Mosambik sowie aus Ost-Afrika brachten eine musikalische Vielfalt mit sich, die Ihresgleichen sucht. Die Sklavenmusik setzte sich im Laufe der Zeit gegen die alteingesessene europäische Kolonialmusik (hier wären einige Tänze zu nennen, wie etwa der Walzer, die Polka oder Mazurkas) sowie die bereits vorhandene lokale Musik durch. Nach der Abschaffung der Sklaverei durch die Briten zelebrierten die befreiten Sklaven ab dem Jahre 1834 ihre Musik sowie die Tänze in aller Öffentlichkeit. Carol Muller weist im Kontext dieser völkischen Vielfalt darauf hin, dass Cape culture has always been a Creole culture, that is, a culture that has blended the old and the new, the powerful and the less powerful, the local and the foreign.
Sexual relations across cultural and racial groups was an integral dimension of the first European settlements in the Cape and the people now called ‘Cape Coloured” were some of the first inhabitants of this new culture.
The archival record suggests that these slaves and their Cape Town descendants were brilliant musicians, able to hear and replicate in their singing and instrumental performances almost any musical repertories. From the outset, the place where all Cape residents met together was in the taverns.
Ein Höhepunkt dieser Zusammenkünfte sowie dem gemeinsamen Musizieren und Tanzen waren die New Year’s celebrations, welche bald als der Coon Carnival bekannt werden sollten. Die dargebotenen Rhytmen nannten sich in der Folge als der Cape Town rhytm. Nachdem im Jahre 1890 Orpheus McAdoo sowie die Virginian Jubilee Singers Kapstadt und Durban besuchten, imitierten Coloureds sowie Black Africans ihre ‘afrikanischen’ Idole, die in Amerika erfolgreich waren und vermischten die amerikanische Art und Weise der Jazzmusik mit der eigenen, sodass hier eine ‘genuine black South African urban tradition’ entstehen konnte. Die Tendenz, die amerikanische Jazzmusik als Vorbild für die eigene Musik zu nehmen, hielt auch bis in die 1930er Jahre dank der Überlieferung in südafrikanischen Kinos an und in der Folge kam es zu einer massiven Anzahl von Gründungen verschiedenster Jazzbands. Coloureds mischten ihren eigenen Style mit dem sogenannten western-style und diese Art von Musik bezeichnet Colin Miller als ‘the coloured folk dance repertoire of vastrap, ghoema, and thiekiedraii and the ballroom repertoire of foxtrott, waltzes and squares’. Anerkennung fanden die Musiker, die in einer großen Anzahl coloured waren, von beiden Seiten, den Europäern sowie Coloureds. Ein weiterer Entwicklungseinschnitt in die Kapstädter Jazzszene bedeutete das Grammophon, welches zwischen den 1930er und den 1940er Jahren die (weltweite) Popularmusik nach Südafrika brachte. Dass von nun an auch hiervon Elemente übernommen wurden, muss anhand der Tatsache, dass es sich bei Kapstadt um eine multikulturelle Stadt handelt, wohl nur am Rande erwähnt werden.
Die Kapstädter Jazzszene, also der Cape Jazz, stellt in musikalischer Form die Geschichte dieser Stadt von der Ankunft Jan van Riebeecks im Jahre 1652 bis in die Gegenwart dar. Es werden politische Themen aufgegriffen, seien es Kämpfe, sei es das Leiden Einzelner, seien es Wünsche, welche dem Menschen, der für diese Themen ein offenes Ohr hat, auf der Straße wiedergegeben werden. Diese einfache Art, Jazzmusik zu machen, ist die eine; allerdings die typische. Die Musikerinnen und Musiker treten heute des Weiteren ‘konservativ’ mit Smoking in einem Fünfsternehotel auf und machen das, was das Publikum von ihnen erwartet: zur Unterhaltung spielen. Dies stellt zwar nicht den Cape Jazz dar, gehört allerdings zu dieser Szene, da es ja dieselben Musikerinnen und Musiker sind, welche man an einem anderen Tag 500 Meter weiter auf der Straße musizieren sieht.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836640244
Arbeit zitieren:
Althuber, Franz Oktober 2009: Die Kapstädter Jazzszene als eine Form der Rebellion gegen politische Diskriminierung und Unterdrückung sowie ihr hegemonialer Aufstieg, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Jazz, Kapstadt, Südafrika, Rassismus, Apartheid




