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Entwicklung und Implementierung von Anlagerichtlinien bei mittelständischen Unternehmen

Entwicklung und Implementierung von Anlagerichtlinien bei mittelständischen Unternehmen
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Christopher Bauer
  • Abgabedatum: Mai 2009
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 594,7 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Duale Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim Deutschland
  • Bibliografie: ca. 52
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3651-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bauer, Christopher Mai 2009: Entwicklung und Implementierung von Anlagerichtlinien bei mittelständischen Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Risikomanagement, Mittelstand, Asset Management, Risikorichtlinien, Finanzen

Bachelorarbeit von Christopher Bauer

Einleitung:

Vor der aktuellen Finanzmarktkrise, in welcher wir uns immer noch befinden, kannten die wenigsten Anleger die tatsächlichen Risiken ihrer Geldanlage. Dadurch bedingt, dass in den Jahren zuvor die Finanzmärkte weltweit florierten, stieg der Wunsch nach immer höheren Renditen bei gleichzeitig steigendem Risiko, welches durch viele Anleger mehr oder minder bewusst in Kauf genommen wurde. Die Renditen stiegen immer weiter und mit dieser Tatsache einhergehend wuchs die Risikobereitschaft bei Finanzprodukten in den meisten Kundenkreisen. Doch grade der deutsche Mittelstand, welcher in der Regel einen hohen Anlagebedarf inne hat, war nicht von der Gier nach hohen Renditen geprägt. Vielmehr wurden Mittelständler während der Finanzmarktkrise noch sicherheitsbewusster, sodass viele Experten der Meinung sind, Gelder seien falsch oder nicht gewinnbringend investiert. Gründe hierfür lägen in dem fehlenden professionellen Finanzmanagement, worunter auch die Entwicklung von Anlagerichtlinien zählt, auf das zu wenig Augenmerk gelegt wird.

Kapitalmarktorientierte Gesellschaften, respektive Kommanditgesellschaften auf Aktien und Gesellschaften mit beschränkter Haftung, sofern bei beiden ein Aufsichtsrat besteht, sind gesetzlich durch das Kontroll- und Transparenzgesetz dazu verpflichtet Risikomanagement-Ansätze zu konzipieren. Auch Pensionskassen und Versicherungen unterliegen strikten Anlagerichtlinien von Gesetzeswegen. Hier werden oft kategorisch risikoreiche Wertpapiere ausgeschlossen. Übrig bleiben kleine und mittelständische Unternehmen, die oben genannte Rechtsform nicht vorweisen. Somit ist die Entwicklung und Konstitution derartiger Vorschriften nicht gesetzlich verpflichtend und daher alleinig in der Verantwortung des Unternehmens selbst. Die wenigsten der kleinen und mittelständischen Unternehmen können auf festgelegte Richtlinien, die bei der Kapitalanlage der Firmengelder Bandbreiten und Handlungsspielräume vorgeben, zurückgreifen. Doch grade der Mittelstand hat durchgehend einen hohen Anlagebedarf von durchschnittlich 1,8 Mio. Euro. Oft erlebt man das Szenario, dass der Geschäftsführer selbst oder nur ein einziger Mitarbeiter der Finanzabteilung zuständig für die Anlage der Firmengelder ist. Tatsache ist jedoch, dass der unternehmerische Erfolg immer mehr von einem professionellen Finanz – und Treasury-Management abhängig ist. Doch grade bei der Entscheidung nach der richtigen Geldanlage fehlt es bei mittelständischen Unternehmen an entsprechenden Richtlinien, sodass häufig frei nach nicht konstituierten Vorschriften gehandelt wird, was negative Folgen mit sich ziehen kann.

Daneben sehen sich Banken aktuell der Situation ausgesetzt, dass gerade Mittelständler einen hohen Preis für die Sicherheit der Anlagen zu zahlen bereit sind, respektive inflationsbereinigt sogar eine Negativrendite akzeptieren. Der Wert des Eigenkapitals könnte hierbei schrumpfen, was nach Basel II für mittelständische Unternehmen bei der Kreditvergabe eine noch wichtigere Rolle eingenommen hat. Die starke Orientierung in sicherheitsbewusste, für Banken oft margenschwache, Anlagen spiegelt sich entsprechend auch in den Erträgen aus Wertpapiergeschäften bei den Banken wieder. Daher ist es zum einen für mittelständische Unternehmen wichtig sich aktiv mit ‘Anlagerichtlinien’ auseinander zu setzen. Auf der anderen Seite könnten Banken hier eine lohnende Diversifizierung ihres Leistungsprogramms vornehmen, um einen Mehrwert für bestehende aber auch neue Kunden zu generieren, indem sie diese für das Thema bestmöglich sensibilisieren.

Problemstellung:

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Anlagerichtlinien ist es das Ziel der vorliegenden Arbeit im ersten Schritt Anlagerichtlinien in einen Kontext mit dem Finanzrisikomanagement zu bringen, um anschließend mit einer detaillierten Ausarbeitung mögliche Komponenten einer Anlagerichtlinie vorzustellen. Hierbei soll auf Schwierigkeiten und denkbare Elemente der Ausformulierung hingewiesen sowie und Vor- und Nachteile aufgedeckt werden. Anschließend soll anhand einer empirischen Analyse untersucht werden, inwieweit deutsche Mittelstandsunternehmen bereits in Kontakt mit Anlagerichtlinien kamen und ob eine Beratungsleistung beim Thema Anlagerichtlinien eine sinnvolle Erweiterung des Dienstleistungsangebotes eines Kreditinstitutes darstellen könnten. Kleinunternehmen sind aufgrund des zu vernachlässigenden Kapitalvermögens von allen Betrachtungen ausgeschlossen, sodass das Hauptaugenmerk auf den deutschen Mittelstand gerichtet wird. Des Weiteren wird ein Ansatz zur Implementierung von Anlagerichtlinien bei mittelständischen Unternehmen über eine Balanced-Scorecard veranschaulicht.

Gang der Untersuchung:

Vor dem Hintergrund der Zielsetzung ist die Arbeit wie folgt gegliedert: Das zweite Kapitel definiert zentrale Begriffe und erklärt Bestandteile sowie Abgrenzungen im Bereich der Anlagerichtlinien. Hier werden insbesondere die Einordnung von Anlagerichtlinien im Gesamtkontext des betrieblichen Risikomanagements und Aufgaben der Vorschriften näher geschildert. Der dritte Gliederungspunkt beschreibt einzelne Bestandteile einer Anlagerichtlinie in den wichtigsten Zügen und geht auf Bedeutung und Vorteile der einzelnen Komponenten ein. Anschließend wird mit Hilfe einer empirischen Analyse Aktualität und Relevanz in der Praxis sowie die erwünschte Rolle des Bankberaters beim Thema ‘Anlagerichtlinien’ ermittelt. Das fünfte Kapitel stellt die Möglichkeit der Implementierung von Anlagerichtlinien bei mittelständischen Unternehmen anhand einer Balanced-Scorecard dar. Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse aller Aspekte und Analysen zusammengefasst und in einem abschließenden Fazit eine mögliche weitere Entwicklung aufgezeigt.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS I
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS V
ANHANGSVERZEICHNIS VI
1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 1
2. Zentrale Begriffe und Abgrenzungen bei Anlagerichtlinien 4
2.1 Aufgaben und Ziele von Anlagerichtlinien 4
2.2 Einordnung von Anlagerichtlinien in das betriebliche Finanzrisikomanagement 5
3. Entwicklung von Elementen einer Anlagerichtlinie 7
3.1 Zielsetzung des Finanzmanagements bei der betrieblichen Kapitalanlage 7
3.2 Zuständigkeiten 9
3.2.1 Entwicklung und Verabschiedung der Anlagerichtlinien 9
3.2.2 Prinzip der funktionalen Trennung 10
3.2.2.1 Handel 11
3.2.2.2 Abwicklung 13
3.2.2.3 Controlling 14
3.2.3 Zusammenfassung 16
3.3 Risikotragfähigkeit 17
3.3.1 Ermittlung der Risikotragfähigkeit 17
3.3.2 Mögliches Investitionsvolumen 18
3.4 Limite 20
3.4.1 Verlustlimite 20
3.4.2 Mindestanforderung an Emittentenbonität 25
3.4.3 Maximaler Investitionsgrad je Emittent 27
3.4.4 Handelbare Instrumente und maximaler Investitionsgrad je Assetklasse 27
3.4.5 Zeitlicher Anlagehorizont und sonstige Limite 30
3.5 Performance - und Berichterstattung 31
3.6 Vor- und Nachteile von Anlagerichtlinien 32
3.6.1 Vor- und Nachteile der Implementierung für Unternehmen 33
3.6.2 Vor- und Nachteile des erweiterten Leistungsangebotes aus Bankensicht 34
4. Empirische Analyse 36
4.1 Ausgangssituation 36
4.2 Relevanz von Anlagerichtlinien in der Praxis 38
4.3 Initiator von Anlagerichtlinien 50
4.4 Mehrwert von Anlagerichtlinien für Banken 55
5. Ansätze zur Implementierung von Anlagerichtlinien bei mittelständischen Unternehmen über eine Balanced-Scorecard 58
5.1 Konzept der BSC 58
5.2 Mögliche BSC bei der Implementierung von Anlagerichtlinien 59
6. Fazit 64
ANHANG 66
QUELLENVERZEICHNIS 90

Textprobe:

Kapitel 3.6.1, Vor- und Nachteile der Implementierung für Unternehmen:

Ausformulierte Anlagerichtlinien bringen klare Hierarchien und Handlungsanweisungen mit sich, sodass hier Kompetenzüberschneidungen und Probleme auf Basis der Principal-Agent-Theorie vermieden werden können. Ferner wird auch bedingt die Anreizasymmetrie zwischen der zuständigen Person für die Finanzanlangen und dessen Entscheidungen beseitigt. So ist in der Praxis häufig eine gewisse Anreizasymmetrie vorzufinden, d.h. dass das Anlagemanagement bei guter Performance nicht belohnt wird, sich aber im Gegenzug bei Verlusten zu rechtfertigen hat. Sind dem Anlagemanagement klare Handlungsvorgaben gemacht worden, so muss hier auch keine Rechtfertigung stattfinden. Es könnte ferner auch über ein performancegesteuertes Bonussystem für das Anlagemanagement nachgedacht werden, um die Anreizasymmetrie weiter einzuschränken. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Finanz- und Investitionsplanung kommt Ordnung und Struktur in das Anlagemanagement, womit es möglich ist, das Geld fristenkongruent anzulegen und somit die Chance auf eine höhere Rendite zu berücksichtigen. Die unternehmensspezifische Risikoaffinität wird dabei stets gewährleistet, da die Anlagerichtlinien explizit auf die Vorgaben des Unternehmens ausgearbeitet wurden. Durch die geschaffene Transparenz über Risikopositionen und das entsprechende Berichtswesen werden zum einen Risiken vermieden und vermindert und zum anderen können schnelle Entscheidungen bei Notfällen herbeigeführt werden. Ein weiterer Vorteil könnte darin bestehen, dass durch die Verwendung von Anlagerichtlinien die Öffentlichkeitswirkung des Unternehmens in positivem Maße gesteigert wird. Stakeholder erlangen somit einen tieferen Einblick in die Unternehmensziele auf Finanzebene, was das Ansehen in Bereichen wie Sicherheit und Zuverlässigkeit steigern könnte.

Nachteile, die einem Unternehmen durch die Implementierung von Anlagerichtlinien entstehen könnten, liegen in den hohen Kosten die mit einer Entwicklung, Einführung und Umsetzung der Richtlinien entstehen würden. Vielen Unternehmen ist es wichtig, dass die endgültige Ausarbeitung durch einen Anwalt oder Wirtschaftsprüfer erfolgt, was mit weiteren Kosten verbunden ist. Daneben werden unter Umständen auch zusätzliche Personalkosten auf das Unternehmen zukommen, da Mitarbeiterkapazitäten erhöht und fachlich geeignetes Personal gefunden werden muss, um den gestellten Anforderungen an Handel, Abwicklung und Controlling gerecht zu werden. Auch könnten starre Regelungen die Flexibilität und die Renditechancen des Unternehmens einschränken und zu wenig Spielraum bei Marktveränderungen geben. Ein Beispiel hierzu wäre die aktuelle Marktlage in der Bundeswertpapiere aufgrund der starken Nachfrage nur sehr wenig Zinsen generieren. Hat ein Unternehmen vereinbart nur in Wertpapiere des Bundes zu investieren, so erzielt das Kapital womöglich nicht einmal die Inflationsrate. Ferner ist das Anlagemanagement von der Professionalität der Finanzplanung abhängig. Bei Fehlkalkulationen könnte das Kapital zu lange gebunden werden und ist unter Umständen nur mit Kursverlusten für wichtige Investitionszwecke oder Zahlungsverpflichtungen liquidierbar.

Vor- und Nachteile des erweiterten Leistungsangebotes aus Bankensicht:

Sofern Anlagerichtlinien bei Unternehmen bestehen, werden diese in den meisten Fällen dem Bankberater offen gelegt. Dieser erhält dadurch einen umfassenden Einblick in die Anlagestrategie und Vermögenssituation des Unternehmens. Aufbauend darauf ist es diesem möglich, die Beratungsleistung durch individuelle Lösungsvorschläge und maßgeschneiderte Angebote zu steigern. Auch sind der Bank die geordneten Befugnisse und Handlungsanweisungen bekannt, sodass in Schadensfällen eine klare Beweisführung der Tatbestandsmerkmale möglich ist. Durch das Angebot der Bank Unternehmen bei der Entwicklung von Anlagerichtlinien behilflich zu sein, wird zum einen die Kundenbindung durch das erweiterte Angebot erhöht und zum anderen kann die Neukundenakquise auf ein zusätzliches Argumentarium zugreifen, um die Attraktivität der Bank zu steigern und weitere Zielgruppen anzusprechen. Die Verminderung der Anreizasymmetrie der zuständigen Person der betrieblichen Kapitalanlagen kann dazu führen, dass Treasurer ihrer Aufgabe mehr Professionalität und Beachtung schenken und somit nicht nur Termingelder anlegen oder in Renten investieren. Margenstärkere Produkte und das Mehrgeschäft hätten eine Ertragssteigerung der Banken zur Folge. Auch ist es möglich höhere Erträge durch margenstärkeres Wertpapiergeschäft zu erwirtschaften, vorausgesetzt, dass auch sicherheitsorientierte Unternehmen einen gewissen Teil ihres Depots in Aktien, Fonds oder ähnliches geben werden.

Die Diversifizierung des Leistungsprogramms bringt den Nachteil mit sich, dass für eine adäquate Beratung im Bereich ‘Anlagerichtlinien’ entsprechende Fachkräfte benötigt werden und dieses mit Kosten verbunden ist. Entweder müssen hierfür neue Mitarbeiter eingestellt werden oder bestehende Mitarbeiter durch Seminare und Vorträge geschult werden. Ein schwieriger Punkt ist die exakte Messung des Mehrwertes, der die Zusatzleistung der Bank zur Folge hat, da die wenigsten Unternehmen bereit sein werden hierfür eine gesonderte Vergütung zu zahlen. Auch wenn dieser Mehrwert quantifizierbar gemacht werden kann, so bleibt dennoch die Frage offen, ob dieser die aufgebrachten Kosten auch decken kann.

Arbeit zitieren:
Bauer, Christopher Mai 2009: Entwicklung und Implementierung von Anlagerichtlinien bei mittelständischen Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Risikomanagement, Mittelstand, Asset Management, Risikorichtlinien, Finanzen

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