Das Beschäftigungssystem Theater
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Ulrike Finn
- Abgabedatum: August 2009
- Umfang: 39 Seiten
- Dateigröße: 1,7 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
- Bibliografie: ca. 60
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3649-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Finn, Ulrike August 2009: Das Beschäftigungssystem Theater, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Theatermanagement, Creative Industry, Künstler, Arbeitskraftunternehmer, Personalmanagement
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Bachelorarbeit von Ulrike Finn
Einleitung:
Wer Kultur und künstlerische Güter wirtschaftlichen Betrachtungsweisen unterziehen will, wird verdächtigt, der Kreativität ungewollte Effizienzkalküle anzuhängen. Begriffe wie `Kulturmanagement´ und `Wirtschaftsfaktor Kultur´ stoßen auf Kritik und Ablehnung. Doch gerade in Zeiten mit zunehmend flexibler werdenden Arbeitsverhältnissen vermehren sich die ökonomischen Untersuchungen in den Wirtschaftszweigen, in denen solche Arbeitsbedingungen schon immer vorhanden waren.
Diese Arbeit fokussiert sich auf das Theater als eine dieser Branchen. Das Ziel ist es, die Eigenschaften von Beschäftigungssystemen im Allgemeinen sowie an Theatern im Speziellen herauszuarbeiten. Dabei werden insbesondere die flexiblen Beschäftigungsverhältnisse der künstlerischen Mitarbeiter und die Frage nach deren Manage-ment beleuchtet. Grob lässt sich die Arbeit in drei Teile eingliedern.
Im ersten Teil wird zur allgemeinen Betrachtung von Beschäftigungssystemen in Kapitel 2, neben einer Erwähnung der Theorien von Ronald H. Coase und Herbert A. Simon, die Theory of Employment Systems von David Marsden vorgestellt. Im zweiten Teil werden die Charakteristika des Beschäftigungssystems Theater genauer untersucht. In Kapitel 3 wird das Theater dazu zunächst als eine `Creative Industry´ gekennzeichnet und die deutsche Theaterlandschaft durch eine Auswertung der Theaterstatistik vorgestellt. In Kapitel 4 werden die theaterspezifischen Beschäftigungsverhältnisse näher beleuchtet. Der Arbeitsmarkt zeichnet sich durch interorganisationale Mobilität und die Bedeutung einer berufsfachlichen Gemeinschaft aus. Arbeitsorganisatorische Strukturen befassen sich mit der Projektstruktur am Theater, den Formen des Spielbetriebs und dem Normalvertrag (NV) Bühne als vertragliche Institution. Darauf aufbauend wird die Wichtigkeit der Bildung sozialen Kapitals erläutert und der Künstler als Arbeitskraftunternehmer eingeordnet. All diese Charakteristika werden in Kapitel 5 auf das Personalmanagement in Theaterbetrieben bezogen, namentlich auf die Hierarchie und die Führung, die Beschaffung sowie die Beurteilung von Personal. Im dritten Teil (Kapitel 6) wird erneut Bezug auf die Theory of Employment Systems genommen und versucht, das Theater dort einzuordnen. Die Arbeit schließt ab mit einem zusammenfassenden Fazit.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Allgemeine Betrachtung von Beschäftigungssystemen | 2 |
| 2.1 | Theorie der Unternehmung von Coase | 3 |
| 2.2 | Die Vorteile von Arbeitsverträgen nach Simon | 3 |
| 2.3 | Marsdens Theory of Employment Systems | 4 |
| 2.3.1 | Bedingungen der Regeln | 5 |
| 2.3.2 | Bedeutung der Beschäftigungsregeln | 6 |
| 2.3.3 | Inter-firm institutions | 7 |
| 3. | Das Theater - eine `Creative Industry´ | 8 |
| 3.1 | Eigenschaften von kreativen Industrien nach Caves | 8 |
| 3.2. | Theaterlandschaft in Deutschland | 10 |
| 4. | Charakteristik der Beschäftigungsverhältnisse am Theater | 11 |
| 4.1 | Der Arbeitsmarkt für Schauspieler | 12 |
| 4.1.1 | Interorganisationale Mobilität | 13 |
| 4.1.2 | Die `occupational community´ und Reputationsbildung | 13 |
| 4.2 | Arbeitsorganisatorische Struktur | 14 |
| 4.2.1 | Formen des Spielbetriebs | 14 |
| 4.2.2 | Vertragliche Gestaltung | 16 |
| 4.3 | Soziales Kapital | 17 |
| 4.4 | Konzept des Arbeitskraftunternehmers | 19 |
| 5. | Personalmanagement | 21 |
| 5.1 | Hierarchische Strukturen | 22 |
| 5.2 | Führung im Theater | 22 |
| 5.2.1 | Konfliktlösung als größte Aufgabe | 23 |
| 5.2.2 | Managerintendant - für einen persönlicheren Führungsstil | 24 |
| 5.3 | Beschaffung von Personal | 24 |
| 5.4 | Bewertung und Entwicklung von Personal | 26 |
| 6. | Anwendung der Theory of Employment Systems auf das Theater | 27 |
| 6.1 | Training- oder production-approach? | 27 |
| 6.2 | Task- oder function-centred approach? | 28 |
| 6.3 | Interorganisationale Institutionen des Theaters | 29 |
| 7. | Fazit | 29 |
| Literaturverzeichnis | IV |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Eigenschaften von kreativen Industrien nach Caves:
Was die 'Creative Industries' besonders macht und von anderen Industrien unterscheidet, stellt Caves anhand von sieben grundlegenden Merkmalen (properties) dar. Diese werden zunächst allgemein erklärt und anknüpfend auf das Theater bezogen. Die nobody knows property weist auf die Schwierigkeit hin, dass der Erfolg eines kreativen Produktes ungewiss ist. Caves spricht von einem 'experience good'; es ist nicht im Voraus feststellbar, ob dem Kunden das Endprodukt gefallen wird. Auf die Theaterproduktion trifft dies bekanntermaßen zu, sie kann ebenso erfolgreich sein, wie missglücken und in Kritik geraten, ohne dass dies vor der Aufführung abschätzbar ist. Während sich die Arbeiter in anderen Industrien eher um ihre Bezahlung und die Arbeitsbedingungen sorgen, bemühen sich Künstler um das eigentliche Produkt, den Output, den sie zu erbringen haben. Diese Eigenschaft nennt Caves die art for art´s sake property. Mit ihr lässt sich erklären, weshalb Künstler sich mit vergleichsweise prekären Beschäftigungsverhältnissen zufrieden geben. Weiterhin ist es in kreativen Industrien üblich, dass komplexe kreative Produkte oft unterschiedliche Fähigkeiten erfordern. Für diese motley crew property ist das Theater als teamorientierte Industrie ein treffendes Exempel. Verschiedenste Talente werden hier vereint, um an einem bestimmten Produkt zu wirken. Dass diese Talente und Fähigkeiten bewertet und in eine Rangfolge gebracht werden, ist die Eigenschaft der A list/B list property. Der starke zeitliche Koordinationsaufwand ist eine weitere Eigenschaft von 'Creative Industries'. Projekte müssen in einer bestimmten Zeit abgeschlossen werden und es existieren feste Termine und Anfangszeiten, um die immateriellen Produkte zu präsentieren. Caves bezeichnet dies als time flies property. Die Dauerhaftigkeit von kreativen Produkten, die ars longa property, lässt sich durch Aufnahmen und Aufzeichnungen der kreativen Produkte erreichen. Sie spielt am Theater allerdings eher eine untergeordnete Rolle, da das Schauspiel eine unmittelbare 'Live-Kunst' ist und Mitschnitte eher unüblich bzw. sogar urheberrechtlich beschränkt sind. Ebenso tritt die infinite variety property, die, wie der Name sagt, die Interpretationsspielräume und Variationsmöglichkeiten von Produkten beschreibt, auf das Theater bezogen, in den Hintergrund.
Zusammengefasst lassen sich die properties von 'Creative Industries' nahezu problemlos auf das Theater übertragen. Weitere typische Merkmale der 'Creative Industries', wie das sogenannte 'gatekeeping', der Erwerb von Reputation innerhalb einer 'occupational community' und bestehende Unsicherheit werden später näher erläutert. Hier sei nur erwähnt, dass sie alle auf das Theater angewendet werden können und somit dazu berechtigt, dieses als eine 'Creative Industry' zu bezeichnen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836636490
Arbeit zitieren:
Finn, Ulrike August 2009: Das Beschäftigungssystem Theater, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Theatermanagement, Creative Industry, Künstler, Arbeitskraftunternehmer, Personalmanagement




