Sterben Nacht-Schichtarbeiter früher?
Eine Analyse der gesundheitlichen und sozialen Folgen von Nacht-Schichtarbeit
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Tobias Kröpelin
- Abgabedatum: März 2009
- Umfang: 89 Seiten
- Dateigröße: 524,3 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
- Bibliografie: ca. 27
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3252-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kröpelin, Tobias März 2009: Sterben Nacht-Schichtarbeiter früher?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Schichtarbeit, Sozialforschung, Mortalität, Gesundheit, Bildung
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Bachelorarbeit von Tobias Kröpelin
Einleitung:
In dieser Arbeit möchte ich meine bisher im Studium erworbenen Fähigkeiten vertiefen und anwenden. Daher habe ich mich für eine empirische Arbeit entschieden. Dies gibt mir einerseits die Möglichkeit eine deskriptive Beschreibung meiner Thematik und des aktuellen Forschungsstandes vorzunehmen; andererseits kann ich mein Wissen im Bereich computergestützte Datenauswertung mit SAS nutzen und festigen.
Als Public Health relevante Thematik, analysiere ich Nacht-Schichtarbeiter im Vergleich zu nicht Nacht-Schichtarbeitern im Bezug auf Gesundheit, Mortalität, Zufriedenheit und ihr soziales Gefüge. Ich halte dies für eine sehr wichtige Thematik, da in mehreren nationalen sowie internationalen Studien nachgewiesen wurde, dass Personen die Nacht-Schichtarbeit leisten dadurch gesundheitlich und sozial beeinträchtigt sind. Hierin sehe ich die besondere Public Health Relevanz, da es sich bei Nacht-Schichtarbeitern um eine genau definierbare Personengruppe, mit spezifischen gesundheitlichen und sozialen Problemen handelt. Die Erforschung solcher spezifischer Problemlagen und darauf aufbauend die Erstellung präventiver Maßnahmen sehe ich als ein wichtiges Aufgabenfeld im Bereich Public Health.
Gang der Untersuchung:
Anfangs beschreibe ich grundlegend was Sozialstrukturanalyse ist sowie verschiedene grundlegende Modelle. Im Weiteren gehe ich auf die Messung der einzelnen Dimensionen sozialer Schicht ein. Danach zeige ich verschiedene Ansätze und Modelle der Sozialforschung auf, um daraufhin Grundlagen sozialer Ungleichheit darzustellen. Im weiteren Verlauf erkläre ich den Sozialgradienten sowie die physischen, psychischen und sozialen Folgen der Nacht-Schichtarbeit. Im Anschluss an den deskriptiven Teil der Arbeit lege ich meine Hypothese und Forschungsfragen dar, bevor ich Basisangaben zum Datensatz und zur Methodik mache.
Der erste analytische Abschnitt dient zur weiteren Beschreibung des Datensatzes, zur Darstellung der Verteilung von Männern und Frauen und der Analyse der Sterblichkeit. Darauf folgt die Auswertung verschiedener Dimensionen subjektiver Gesundheit. Im weiteren Verlauf werden physische Beschwerden und Symptome ausgewertet. Danach untersuche ich die Auswirkung der Nacht-Schichtarbeit auf den Schlaf, das Schlafbedürfnis sowie auf den Konsum von Schlafmitteln. Der nächste Abschnitt betrachtet zwei weitere, häufig Abhängigkeit hervorrufende, Medikamentengruppen. Darauf folgt eine Analyse des Rauchverhaltens. Anschließend werden unterschiedlichste Dimensionen subjektiver Zufriedenheit ausgewertet. Den Abschluss der Analysen bildet die Betrachtung des Familienstandes und der sozialen Netzwerke.
Schließen möchte ich diese Arbeit mit einem dreigliedrigen Fazit. Aussagekräftige Ergebnisse sollen zusammengefasst dargestellt- und ein Hinweis auf entstandene Forschungsfragen gegeben werden. Den letzten Abschnitt bildet eine Diskussion der grundlegenden Kritikpunkte an dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 3 |
| 2. | GRUNDLAGEN DER SOZIALSTRUKTURANALYSE | 4 |
| 2.1 | Theoretische Grundlagen: Soziale Schichten und Klassen | 5 |
| 2.2 | Darstellung und Messung sozialer Schicht | 6 |
| 2.2.1 | Bildung | 6 |
| 2.2.2 | Beruf | 7 |
| 2.2.3 | Einkommen | 8 |
| 3. | BESCHREIBUNG DER LEBENSSTIL- UND MILIEUANSÄTZE | 8 |
| 3.1 | Lebensstile | 9 |
| 3.2 | Milieus | 10 |
| 4. | SOZIALE UNGLEICHHEIT | 11 |
| 4.1 | Forschungsstand der Auswirkung des Sozialgradienten | 13 |
| 4.2 | Soziale Auswirkungen der Nacht-Schichtarbeit | 15 |
| 4.3 | Gesundheitliche Auswirkungen von Nacht-Schichtarbeit | 17 |
| 5. | HYPOTHESEN | 18 |
| 6. | BESCHREIBUNG DER DATENBASIS | 19 |
| 7. | METHODIK | 20 |
| 8. | ANALYSEN ZUR WEITEREN BESCHREIBUNG DES DATENSATZES | 20 |
| 8.1 | Geschlecht & Nacht-Schichtarbeit | 21 |
| 8.2 | Altersverteilung der Nacht-Schichttätigkeit | 22 |
| 8.3 | Abhängigkeit der Nacht-Schichtarbeit vom Bildungsniveau | 23 |
| 8.4 | Subjektive Belastung durch Nacht-Schichtarbeit | 24 |
| 8.5 | Mortalitätsanalysen | 25 |
| 8.5.1 | Mortalitätsanalysen: Logistische Regression | 26 |
| 9. | SUBJEKTIVE EINSCHÄTZUNGEN ZUR GESUNDHEIT | 28 |
| 9.1 | Beachtung der eigenen Gesundheit | 28 |
| 9.2 | Gegenwärtiger Gesundheitszustand | 30 |
| 9.3 | Zufrieden mit der Gesundheit | 32 |
| 9.4 | Diskussion | 33 |
| 10. | BESCHWERDEN | 34 |
| 10.1 | Schluckbeschwerden | 34 |
| 10.2 | Sodbrennen oder saures Aufstoßen | 35 |
| 10.3 | Diskussion | 36 |
| 11. | SCHMERZEN | 37 |
| 11.1 | Kreuz und Rückenschmerzen | 37 |
| 11.2 | Nacken und Schulterschmerzen | 39 |
| 11.3 | Diskussion | 41 |
| 12. | AUSWIRKUNGEN AUF DEN SCHLAF | 41 |
| 12.1 | Übermäßiges Schlafbedürfnis | 42 |
| 12.2 | Schlaflosigkeit | 43 |
| 12.3 | Schlafmittelkonsum | 45 |
| 12.4 | Diskussion | 46 |
| 13. | MEDIKAMENTENKONSUM | 47 |
| 13.1 | Beruhigungsmittel | 47 |
| 13.2 | Stimmungsbeeinflussende Medikamente | 49 |
| 13.3 | Diskussion | 50 |
| 14. | RAUCHEN | 50 |
| 14.1 | Diskussion | 51 |
| 15. | ZUFRIEDENHEIT | 51 |
| 15.1 | Arbeitssituation | 52 |
| 15.2 | Wohnsituation | 54 |
| 15.3 | Finanzielle Lage | 55 |
| 15.4 | Freizeit | 57 |
| 15.5 | Familiäre Situation | 58 |
| 15.6 | Soziale Beziehungen | 60 |
| 15.7 | Leben Allgemein | 61 |
| 15.8 | Diskussion | 62 |
| 16. | SOZIALE NETZWERKE | 63 |
| 16.1 | Familienstand-ledig | 63 |
| 16.2 | Familienstand- verheiratet | 64 |
| 16.3 | Verlass auf Personen | 66 |
| 16.4 | Freundschaft mit Personen | 67 |
| 16.5 | Diskussion | 67 |
| 17. | HAUPTERGEBNISSE | 68 |
| 17.1 | Entstandene Forschungsfragen | 71 |
| 18. | KRITIK | 71 |
| 19. | LITERATURVERZEICHNIS | 73 |
| Bücher | 73 | |
| Internetquellen | 74 | |
| Zeitschriftenartikel | 75 | |
| 20. | ANHANG | 76 |
| 20.1 | Tabellenverzeichnis | 76 |
Textprobe:
Kapitel 4.2, Soziale Auswirkungen der Nacht-Schichtarbeit:
Die Auswirkungen der Schicht- und Nachtarbeit zeigen sich auf verschiedenen Ebenen. Die sozialen Dimensionen wie Familienleben und Teilhabe am ‘öffentlichen Leben’ werden ebenso beeinflusst wie die physische und psychische Gesundheit.
Die Schichteinteilung wirkt sich auf das gesamte Familienleben aus. Zu Schlafzeiten des in Schichten arbeitenden Familienmitgliedes sollte Ruhe herrschen. Kinder können nur sehr begrenzt spielen und auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten können lediglich dann durchgeführt werden, wenn sie keinen Lärm verursachen. Gemeinsame Aktivitäten lassen sich nur an den freien Tagen planen und durchführen, da sich die Tagesabläufe der Schichtarbeiter meist nicht mit denen der anderen Familienmitglieder vereinbaren lassen. Die Partnerin eines Schichtarbeiters sagt: ‚… wir hängen beide drinne in den drei Schichten’. Auch sie muss ihr Leben nach dem Schichtrhythmus planen, um Zeit mit ihrem Partner oder der ganzen Familie zu verbringen.
Entweder schlafen Schichtarbeiter wenn die anderen Familienmitglieder wach sind oder gehen zur Arbeit bevor diese aufstehen. Ein besonderes Problem stellt dies im Bezug auf die Kindeserziehung dar, denn die unregelmäßige Teilnahme am Familienalltag schließt sie aus einigen Bereichen beinahe gänzlich aus.
Schichtarbeiterfamilien müssen mit zwei Zeiten leben, zum einen der durch den Schichtrhythmus vorgegebenen Zeit und der ‘sozialen Zeit’ außerhalb der Familie. Dies führt zu einer Vielzahl an Problemen, da die ‘soziale Zeit’ wie Öffnungszeiten von Badeanstalten, Schulen und Behörden oder auch Einladungen zu Feiern und Vereinstreffen nur in seltenen Fällen mit den Schichtplänen vereinbar sind. Behördengänge und andere wichtige Termine bleiben dem Partner überlassen oder der/die im Schichtsystem arbeitende muss sich dazu Urlaub nehmen, besonders wenn er/sie alleine lebt. Die meisten Feiern und Treffen werden auf das Wochenende verschoben, da nicht Schichtarbeiter dann frei haben. Ein Schichtarbeiter meint dazu: ‚ Du kommst zu spät hin oder musst früh weg’. Bei Nachtschicht muss er um 22:00 Uhr anfangen zu arbeiten und die Feier ‘früh’ verlassen. Hat er Spätschicht, kommt er ‘verspätet’ auf die Feier, ist geschafft von der Arbeit und hat Schwierigkeiten, sich der entspannten Stimmung anzupassen. Diese Probleme führen dazu, dass solche Einladungen oft generell abgelehnt werden. Auch die Mitgliedschaft in Vereinen wird dadurch stark beeinflusst, da man entweder nur sehr selten teilnehmen kann, oder es eine genaue Planung der Urlaubstage erfordert. Gerade Aufgaben, die eine regelmäßige Anwesenheit erfordern, können von Schichtarbeitern oft nicht übernommen werden. Jedoch besonders soziale und kulturelle Interaktionen und Gegebenheiten stellen eine wichtige Ressource zur Bewältigung der steigenden Belastungen durch die Arbeitswelt dar.
Gesundheitliche Auswirkungen von Nacht-Schichtarbeit:
Die gesundheitlichen Folgen der Nacht-Schichtarbeit beziehen sich auf die Auswirkungen der Arbeit, außerdem auf die Folgen des fehlenden Nachtschlafs, den unregelmäßigen Schlafrhythmus und die häufigen Störungen des Tagschlafs. Aus biologischer Sicht ist der Mensch tagaktiv. Dies wird durch einen zirkadianen 25 Stunden Rhythmus gesteuert.
Hierzu wird der zirkadiane Rhythmus mit der Umwelt synchronisiert. Als Zeitgeber werden der Wechsel von hell zu dunkel, Klimabedingungen, Aktivitäten und soziale Gegebenheiten wie Arbeitszeiten herangezogen. Eine Verschiebung oder Umstellung des zirkadianen Schlaf-Wachrhythmus hat negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Gerade bei Schichtarbeitern wird diese Umstellung, durch Licht als äußeren Zeitgeber, behindert. Denn zur Nachtschicht wird in beleuchteten Gebäuden gearbeitet und zur Zeit des Tagschlafs ist es ebenfalls hell.
Die gesundheitlichen Folgen kann man in kurz- und langfristige Auswirkungen unterscheiden. Kurzfristig wirkt sich die Arbeit gegen den zirkadianen Rhythmus negativ auf das Reaktionsvermögen und die Leistungsfähigkeit aus. Des Weiteren führt es zu Übermüdung und Unausgeglichenheit. Ein zusätzliches Risiko ist die Erhöhung der Unfallgefahr bei der Arbeit oder dem Heimweg. Langfristig kann Nacht-Schichtarbeit zu Schlafstörungen, Magen-Darmerkrankungen, Depressionen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Übergewicht, sexuellen Störungen, Problemen in der Schwangerschaft, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus führen. Auch eine kanzerogene Wirkung konnte die International Agency for Research in Cancer (IARC) nachweisen. Diese Wirkung entsteht, da nachts der Stoffwechsel verlangsamt wird. Dadurch scheiden Leber und Niere nur eingeschränkt Kanzerogene aus, wodurch sie sich im Körper akkumulieren und zu einer erhöhten Anzahl neoplastisch transformierten Zellen führen. Eine Verbindung mehrerer dieser Zellen stellt einen Tumor dar. Die Bekämpfung der Neoplasmen ist Aufgabe natürlicher Killerzellen, deren Zahl jedoch in Folge der nachts herabgesetzten Malatoninproduktion ebenfalls stark abnimmt.
Hypothesen:
Die Grundlage meiner Analysen bildet die These, dass sich Nacht- Schichtarbeiter vor allem aus einem niedrigen Bildungsniveau bzw. unteren sozialen Schichten rekrutieren, ausgenommen Personen mit einem sehr hohen Bildungsniveau wie z.B. Ärzte oder Beamte bei Polizei und Feuerwehr, welche ebenfalls häufig nachts arbeiten.
Daher gehe ich davon aus, dass sich die durch Nacht-Schichtarbeit bestehenden Risiken zusammen mit denen der unteren sozialen Schichten verstärken. Demnach sind im Nacht-Schichtsystem tätige Personen von höheren Risiken im Bezug auf Mortalität, Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Lebensstilen betroffen als Personen die nicht im Nacht-Schichtsystem arbeiten.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836632522
Arbeit zitieren:
Kröpelin, Tobias März 2009: Sterben Nacht-Schichtarbeiter früher?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Schichtarbeit, Sozialforschung, Mortalität, Gesundheit, Bildung




