Korpuslinguistische Untersuchung zur Logographie in der französischen SMS-Sprache
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Christina Schmidt
- Abgabedatum: Januar 2009
- Umfang: 45 Seiten
- Dateigröße: 362,8 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
- Bibliografie: ca. 25
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2959-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schmidt, Christina Januar 2009: Korpuslinguistische Untersuchung zur Logographie in der französischen SMS-Sprache, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: SMS-Sprache, Korpuslinguistik, Logographie, belgisches Französisch, Soziolinguistik
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Bachelorarbeit von Christina Schmidt
Einleitung:
„Étu2 basé sur 1 corpus 2s éléments logographikes dans le langage sms“, so könnte der Titel dieser Arbeit in französischer SMS-Sprache lauten. Seitdem die Möglichkeit des Versendens und Empfangens von Kurzmitteilungen bzw. SMS (Short Message Service) alltäglich geworden ist, werden tagtäglich Millionen von ihnen auf der ganzen Welt verschickt. Gerade im frankophonen Raum bildet sich nun immer mehr eine eigene Sprachform anlässlich dieser Kommunikationsform: die SMS-Sprache. Es finden sich die verschiedensten Presseartikel und Internetforen zu diesem Thema, die die Vor- und Nachteile dieser Sprache diskutieren. Zudem gibt es Wörterbücher und sogar Unterricht zur Übersetzung von SMS-Sprache. Der Schriftsteller Phil Marso bietet einen solchen Kurs auf seiner Webseite an.
Kritiker sehen in der Popularität dieser Sprache eine Gefahr für die französische Standardsprache und ihre Orthographie. Doch hier soll keine Diskussion über die Vor- und Nachteile der französischen SMS-Sprache entfacht werden. Der Ansatz dieser Arbeit ist ein anderer, der kurz erläutert werden soll. Die Idee zu dieser Arbeit entstand aufgrund eines Artikels zur französischen SMS-Sprache in der Revue de la presse. In dem Artikel wird ihre außergewöhnliche Graphie beschrieben und der Roman „1Tox“ von Coline Lemeunier erwähnt, welcher den Preis der Fondation Bouygues Telecom 2008 bekommen hat, da er französische SMS-Sprache in den Romanverlauf einbezieht. Der Roman handelt von einer einsamen Frau um die Vierzig, die das SMS-Schreiben für sich entdeckt und daraufhin in eine regelrechte Abhängigkeit gerät. Ihr Leben wird durch das Empfangen und Versenden von SMS bestimmt, da sie sich unter anderem durch die spezielle SMS-Sprache endlich einer Gemeinschaft zugehörig fühlt.
Durch die Lektüre des Romans wurde deutlich, dass die französische SMS-Sprache eine Vielfalt an linguistischen Phänomenen aufweist. Neben den soziolinguistischen Aspekten, fasziniert besonders die variantenreiche Graphie der französischen SMS-Texte. Um nun allerdings spezielle Phänomene der französischen SMS-Sprache untersuchen und fundierte Ergebnisse erzielen zu können, bedarf es einer repräsentativen Sammlung von realen französischen SMS. Das Korpus „SMS pour la science“ von Cédrick Fairon, Jean René Klein und Sébastien Paumier enthält 30.000 SMS, die in Belgien gesammelt wurden und auf CD-ROM zur Verfügung stehen. Das Korpus ist Grundlage dieser Arbeit. Es handelt sich also um eine korpusbasierte Untersuchung zur Logographie. Dies bedeutet, dass die logographische Darstellung von Wörtern im Bereich der französischen SMS-Sprache analysiert und interpretiert werden soll. Um den Titel dieser Arbeit genauer zu verstehen, ist es sinnvoll die einzelnen Begriffe kurz zu erläutern.
Die Korpuslinguistik ist nach Lemnitzer / Zinsmeister eine: „Beschreibung von Äußerungen natürlicher Sprachen, ihrer Elemente und Strukturen, und die darauf aufbauende Theoriebildung auf der Grundlage von Analysen authentischer Texte, die in Korpora zusammengefasst sind.“ Die authentischen Texte sind in diesem Fall die in dem Korpus „SMS pour la science“ gesammelten SMS, da es sich hierbei um tatsächlich versandte SMS handelt. Die Konzentration bei der Untersuchung dieser SMS ist dann auf die logographischen Elemente wie etwa Zahlen oder Zeichen gerichtet. Um das Thema der Arbeit kurz zusammenzufassen, lässt sich sagen, dass das, was untersucht wird, die Logographie ist, dass der Untersuchungsgegenstand die französische SMS-Sprache und dass die Korpuslinguistik das Mittel der Untersuchung ist. Es soll anhand der Korpusbelege überprüft werden, inwiefern in der französischen SMS-Sprache logographische Eigenheiten Verwendung finden und welche Bedeutung ihnen zugewiesen wird.
Die Vorgehensweise dieser Arbeit ist dabei folgende: Zunächst soll auf die SMS-Sprache und die möglichen Probleme hinsichtlich der Exaktheit und Repräsentativität der Untersuchungsergebnisse hingewiesen werden, um den Leser für eben diese zu sensibilisieren. Anschließend folgt ein Abschnitt zur Logographie, um dann das Korpus und seine Besonderheiten und Abfragemöglichkeiten vorzustellen. An die Korpusvorstellung schließt die Analyse der logographischen Phänomene an, die den Hauptteil der Arbeit bildet. Die Ergebnisse der Analyse und Auswertung werden abschließend im Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Einleitung | 3 |
| II. | Problemaufriss | 5 |
| 1. | SMS-Sprache | 5 |
| 2. | Repräsentativität des Korpus | 11 |
| III. | Logographie | 14 |
| IV. | Korpus | 18 |
| V. | Analyse, Auswertung und Ergebnisse | 22 |
| VI. | Fazit und Ausblick | 33 |
| VII. | Literaturverzeichnis | 35 |
| VIII. | Anhang | 38 |
| 1. | Belegsammlung | 38 |
| 2. | Soziolinguistischer Fragebogen des Projekts | 44 |
Textprobe:
Kapitel III, Logographie:
In diesem Abschnitt soll geklärt werden, was unter dem Begriff der Logographie zu verstehen ist, um die anschließende Analyse der logographischen Phänomene in der SMS-Sprache verständlich zu machen. Die Logographie ist ein Zeichensystem, deren Zeichen, die Logogramme, jeweils ein Wort bzw. Lexem darstellen. Damit unterscheidet sich die Logographie von der französischen Alphabetschrift; denn:
Alle Schriftsysteme lassen sich auf drei Grundtypen zurückführen: Alphabetschriften, Silbenschriften und logographische Schriften. Diese drei Schrifttypen werden danach unterschieden, welches das kleinste Element des Sprachsystems ist, das sie graphisch repräsentieren: das Phonem, die Silbe oder das Wort.
Ein Lexem gehört zu den kleinsten bedeutungstragenden Elementen einer Sprache und hat im Gegensatz zu einem Morphem lexikalische Bedeutung. Lexeme beschreiben ausschließlich die außersprachliche Wirklichkeit und haben keine grammatische Bedeutung wie die Morpheme, die auf eine innersprachliche Beziehung verweisen. „Ein Morphem ist ein minimales, nicht weiter unterteilbares sprachliches Zeichen mit signifiant und signifié.“ Jedes sprachliche Zeichen besteht aus diesen beiden Seiten, also dem Lautbild und der Bedeutung, oder auch, nach Ferdinand de Saussure, dem signifiant und dem signifié. Dies bedeutet, dass es zum Einen um die lautliche Realisierung des Wortes und zum Anderen um die inhaltliche Bedeutung, das Konzept „maison“, geht. Jeder, der den Begriff „maison“ hört oder liest und die französische Sprache beherrscht, wird damit irgendeine Art von Haus assoziieren und nicht etwa einen Tisch.
Doch Zeichen sind abhängig von dem Kontext, in dem sie geäußert werden, und sie bedürfen einer möglichst eindeutigen Interpretation, die bei dem jeweiligen Sender und Empfänger die selbe sein sollte. Die Zeichenbedeutung muss zwischen Sender und Empfänger festgelegt sein, um Missverständnisse zu vermeiden. Das Zeichen steht dabei immer stellvertretend für die Bedeutung, die es repräsentiert. Zu den sprachlichen Zeichen zählen die bereits erwähnten Morpheme und Lexeme, die allgemein den Monemen untergeordnet sind und sich folgendermaßen differenzieren lassen: „Den lexikalischen Elementen (éléments lexicaux, lexèmes) gegenüber stehen die grammatischen (éléments grammaticaux, morphèmes), die Relationen und Bestimmungen innerhalb oder zwischen den Lexemen ausdrücken.“ Um auf die Begriffe von signifiant und signifié und die Unterschiede zwischen Schrift- und Sprechsprache zurückzukommen, müssen auch die Unterschiede zwischen Graphemen und Phonemen beschrieben werden. Allgemein formuliert, repräsentieren die Grapheme die Phoneme, wobei ein Graphem mehrere Phoneme repräsentieren und ein Phonem mehrere Graphien haben kann.
Dürscheid fasst zusammen: „Das Graphem stellt (in Alphabetschriften) die schriftliche Repräsentation des Phonems dar.“ Phoneme sind dagegen die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten einer Sprache. Sie sind die Verschriftlichung von akustisch wahrnehmbaren Lauten. Geckeler / Dietrich erklären: „[...] so repräsentiert z.B. nfrz. c je nach lautlichem Kontext die Phoneme /k/ (z.B. cas, col, cuve) und /s/ (z.B. in cerf, cire).“ Grapheme werden also hauptsächlich in der Schriftsprache verwendet, während die Phoneme im Bereich der Sprechsprache eine bedeutende Rolle spielen. Es wurde bereits deutlich, dass Schriftsprache dauerhaft und Sprechsprache flüchtig ist. Daraus ergibt sich dann auf sprachgeschichtlicher Ebene, „dass sich die graphische Form einer bestimmten Sprache traditionellerweise immer konservativ, ja retardierend gegenüber der phonischen Entwicklung der Sprache verhält.“ So kann es auf Grund der Sprachentwicklung zu Verschiebungen oder Veränderungen der Graphem-Phonem-Relation kommen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836629591
Arbeit zitieren:
Schmidt, Christina Januar 2009: Korpuslinguistische Untersuchung zur Logographie in der französischen SMS-Sprache, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
SMS-Sprache, Korpuslinguistik, Logographie, belgisches Französisch, Soziolinguistik




