Non-Performing Loans in Deutschland
Möglichkeiten und Grenzen des Outsourcing
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Ulrich Bitterling
- Abgabedatum: Mai 2007
- Umfang: 110 Seiten
- Dateigröße: 375,1 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Osnabrück Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1736-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bitterling, Ulrich Mai 2007: Non-Performing Loans in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Problemkredite, Notleidende Kredite, Servicing, Work-Out, Outsourcing
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Bachelorarbeit von Ulrich Bitterling
Einleitung:
Schwache Konjunktur und fortschreitende Globalisierung haben die deutsche Kreditwirtschaft in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt. Aufgrund vieler Unternehmens- und Privatinsolvenzen hat sich bei den Banken ein großer Bestand an notleidenden Krediten (Non-Performing Loans, -NPL) angesammelt, die nicht mehr bedient werden. Diese belasten die Bilanzen und binden finanzielle und personelle Ressourcen.
Darüber hinaus ist durch die neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel II), die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und den wachsenden Ertragsdruck seitens der Kapitalmärkte, bei den Banken ein erheblicher Handlungsbedarf hinsichtlich ihrer NPL und den dahinter stehenden Sicherheiten (meist Immobilien) entstanden. Deshalb entschließen sich Banken seit ein paar Jahren immer häufiger, notleidende Kredite mit einem Abschlag zu veräußern und überlassen es anderen Instituten oder Investoren, die Forderungen zu realisieren.
NPL-Transaktionen gehören heute auch in Deutschland zum Geschäftskreis jeder größeren Bank. Dabei ist die Abwicklung notleidender Kredite keine neue Erscheinung. Schon 2003 lag die Höhe der Wertberichtigungen im deutschen Bankensektor bei rund 23,4 Mrd. Euro. Neu sind allerdings einige Modelle des Outsourcing und des Verkaufs, die in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren entwickelt wurden.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll die Frage stehen, welche konkreten Handlungsoptionen den Banken für das Management von NPL zur Verfügung stehen. Neben dem klassischen institutsinternen Kreditabwicklungsmanagement (Work-Out) werden zunehmend die Optionen eines Verkaufs von NPL oder das Outsourcing dieser Kredite für deutsche Banken interessant. Die vierte Handlungsalternative der Verbriefung der Forderungen steckt in Deutschland z.Zt. noch in der Entwicklungsphase und wird daher nicht berücksichtigt.
Ziel dieser Arbeit ist es, die oben genannten Handlungsoptionen zunächst vorzustellen, um sie dann vergleichend zu betrachten, so dass Aussagen über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Optionen möglich sind. Zudem werden die typischen Abläufe einer NPL-Transaktion unter Berücksichtigung der Möglichkeiten und Grenzen des Outsourcing näher beleuchtet. Dabei wird die Rolle eines Servicers vertieft dargestellt.
Die Arbeit gliedert sich in folgende sechs Abschnitte.
In Kapitel B werden die fachspezifischen Begriffe erläutert, die historischen Hintergründe skizziert und schließlich der deutsche Markt mit seinen gesetzlichen Rahmenbedingungen dargestellt.
In Kapitel C wird der bankinterne Umgang mit Unternehmenskrediten beleuchtet. Vor- und Nachteile dieser Art der Kreditbearbeitung werden anschließend gegenüber gestellt. Zur Veranschaulichung wird zudem der Prozess von der Kreditvergabe bis zum Unternehmenskreditverkauf anhand eines praktischen Beispiels näher beschrieben.
Im darauf folgenden Kapitel D werden die Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die Auslagerung der Problemkreditbearbeitung aufgezeigt, welche sich in bilanzwirksame und bilanzunwirksame aufgliedern. Mit der Darstellung der dabei zu beachtenden Möglichkeiten und Risiken des Outsourcing schließt das Kapitel.
Kapitel E beschäftigt sich mit den einzelnen Phasen des Verkaufs von NPL, wobei die Marktteilnehmer und deren Motivationen gesondert vorgestellt werden.
Die anschließende Bearbeitung der NPL durch einen Servicing-Dienstleister ist Inhalt von Kapitel F, in welchem Funktionen und Aufgaben eines Servicers sowie die Phasen des Servicing beschrieben werden. Die Vorteile eines Servicers gegenüber einer bankinternen Work-Out-Abteilung und die SGK Servicegesellschaft Kreditmanagement mbH als Beispiel ergänzen die Ausführungen zum Servicing.
In Kapitel G werden die zuvor erläuterten Handlungsoptionen gegenübergestellt.
Abschließend fasst Kapitel H die gewonnen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die weitere Marktentwicklung in Deutschland und die damit verbundene Entwicklung des Servicing.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Literaturverzeichnis | VII | |
| A. | Einleitung | 1 |
| B. | Thematische und begriffliche Abgrenzungen | 3 |
| 1. | Definitionen | 3 |
| 2. | Die historische Entwicklung des NPL-Marktes in den USA, Asien und Europa | 6 |
| 3. | Der Markt in Deutschland | 9 |
| 4. | Gesetzliche Rahmenbedingungen | 13 |
| 4.1 | Rechtliche Analyse des Portfolios | 13 |
| 4.2 | Die Übertragung von NPL-Portfolios | 14 |
| 4.3 | Sicherungsrechte | 16 |
| 4.4 | Interessenschutz des Kreditnehmers | 16 |
| C. | Die Behandlung von NPL innerhalb der Kreditinstitute | 19 |
| 1. | Normal- und Intensivbetreuung | 20 |
| 2. | Problemkreditbearbeitung | 23 |
| 3. | Vorteile der institutsinternen Problemkreditbearbeitung | 29 |
| 4. | Nachteile der institutsinternen Problemkreditbearbeitung | 29 |
| D. | Outsourcing der Problemkreditbearbeitung | 32 |
| 1. | Aufsichtsrechtliche Regelungen | 33 |
| 2. | Bilanzunwirksame Auslagerung | 34 |
| 1.1 | Sanierung | 35 |
| 1.2 | Abwicklung | 36 |
| 1.3 | Inkasso | 37 |
| 3. | Bilanzwirksame Auslagerung | 38 |
| 4. | Möglichkeiten und Risiken des Outsourcing | 39 |
| E. | Veräußerung eines NPL-Portfolios | 41 |
| 1. | Der Transaktionsprozess und seine Parteien | 41 |
| 2. | Zeitlicher Ablauf einer NPL-Transaktion | 43 |
| 2.1 | Vorbereitung | 44 |
| 2.2 | Indikation | 45 |
| 2.3 | Due Diligence | 46 |
| 2.4 | Vertragsverhandlung | 49 |
| 2.5 | Vertragsdurchführung | 50 |
| 3. | Chancen und Risiken bei der Veräußerung notleidender Kredite | 51 |
| 3.1 | Motive des Verkäufers | 51 |
| 3.2 | Motive des Käufers | 56 |
| F. | Bearbeitung der NPL durch einen Servicer | 58 |
| 1. | Rolle und Aufgaben eines Servicers | 58 |
| 2. | Das Servicing | 60 |
| 2.1 | Interim Servicing (Pre-Closing) | 60 |
| 2.2 | Closing (Transfertag) | 61 |
| 2.3 | Post Closing | 62 |
| 2.4 | Asset Management | 62 |
| 3. | Aufgabenbereiche des Asset Managements | 63 |
| 3.1 | Die laufende Verwaltung | 63 |
| 3.2 | Die Verwertung | 65 |
| 4. | Vorteile eines Servicers gegenüber einer bankinternen Work-Out-Abteilung | 68 |
| 5. | Die „SGK mbH“ als Beispiel für einen Servicer | 69 |
| G. | Gegenüberstellung der Handlungsalternativen | 74 |
| H. | Fazit und Ausblick | 76 |
| I. | Anhang | 80 |
Textprobe:
Kapitel 2.2, Indikation:
Nachdem die Vorbereitungsphase des Kreditportfolioverkaufs abgeschlossen ist, folgt in der Indikationsphase zunächst die Festlegung des Bietverfahrens. Dabei wird in der Regel ein zweistufiges Verfahren angewandt, welches den Investoren einen ersten Überblick über die zum Verkauf stehenden Engagements ermöglicht. Üblicherweise werden hierbei nur die Art der Kredite, deren Umfang und der Status der Besicherung weitergegeben, während schuldnerbezogene Angaben (Name, Adresse etc.) noch zurückgehalten werden. Daraufhin kommt es zu einem unverbindlichen Angebot durch den Investor, welches die verkaufende Bank auswertet. In diesem Zusammenhang ist der sog. „Letter of Intent“ von Bedeutung, der eine Kaufabsichts- und Vertraulichkeitserklärung zwischen den potentiellen Vertragsparteien darstellt. In der Praxis sind solche Erstgebote jedoch von geringer Aussagekraft, da der Umfang der zur Verfügung stehenden Informationen begrenzt ist und die Investoren bei der ersten Bewertung des Engagements noch wenig Aufwand betreiben.
Dennoch erhält das Kreditinstitut einen ersten Eindruck über den zu erzielenden Verkaufserlös. Da die Erzielung eines möglichst hohen Verkaufspreises für die Bank im Vordergrund steht, ist es für diese von Vorteil, den Kreis der Bieter auf ein Minimum (ca. vier) zu begrenzen. Wie die Praxis gezeigt hat, ist das Interesse der vorwiegend internationalen Investoren bei kleinerer Bieteranzahl und bei möglichst großvolumigen Portfolios höher. Als Begründung sind wiederum die mit der Transaktion verbundenen hohen Kosten für die Investoren zu sehen.
Im Gegensatz dazu werden dem Investor beim einstufigen Bietverfahren (direkte Due Diligence) alle zur Verfügung stehenden Unterlagen zu den zu veräußernden Kreditportfolios unmittelbar zur Verfügung gestellt. Nach der Durchsicht und Bewertung kommt es zur Abgabe eines bindenden Angebotes durch die jeweiligen Interessenten.
Kapitel 2.3, Due Diligence:
Einer der wichtigsten Schritte einer NPL-Transaktion ist die Durchführung einer Due Diligence Prüfung. Im deutschen Sprachgebrauch wird sie häufig als „Sorgfältigkeitsprüfung“ bezeichnet. Beim Verkauf ist sie einer der wichtigsten Aspekte und stellt mit großer Arbeitsbelastung und Komplexität hohe Anforderungen an die beteiligten Vertragspartner. Nach Froitzheim stellt die Due Diligence sogar die „größte Herausforderung einer NPL-Transaktion“ dar. Die Due Diligence ist ein „stichtagsbezogenes, klar strukturiertes, planvolles Preisfindungsverfahren zur Bewertung der Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken, d.h. der Werthaltigkeit des Kreditportfolios“.
Vor der zweiten und abschließenden Bieterrunde werden alle für die ausgewählten Investoren relevanten Informationen in einem Datenraum (Data Room) im Hause des Verkäufers zur Verfügung gestellt. Im Datenraum herrschen festgelegte Regeln, die einen vertraulichen Umgang gewährleisten und sicherstellen, dass die Prüfer gleichermaßen unterstützt werden. Die Investoren, meist durch beauftragte externe Experten (Banken, Anwälte und Wirtschaftsprüfer) vertreten, müssen die Kaufobjekte einer intensiven Untersuchung unterziehen, um diese beurteilen zu können.
Im Rahmen der Due Diligence spielen folgende Berater eine wichtige Rolle: Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Immobiliensachverständige, Rechtsanwaltsbüros und letztendlich die Servicegesellschaften. Während dieser Portfolioanalyse wählen die Investoren im Stichprobenverfahren einzelne Engagements aus und führen Einzelprüfungen durch. „Nur wenn es gelingt, zu jeder im Kreditportfolio befindlichen Forderung alle Informationen zu Kreditnehmern und Sicherheiten zusammenzutragen, kann überhaupt eine wirtschaftlich sinnvolle NPL-Transaktion zustande kommen.“ Des Weiteren gibt die Due Diligence dem zukünftigen Servicer Aufschluss über den Umfang der bereits durchgeführten Sanierungsmaßnahmen und somit Hinweise auf mögliche Lösungsansätze.
Ziel der Due Diligence ist folglich die Gewinnung eines umfassenden Überblicks über das zum Verkauf stehende Portfolio, um letztlich ein verbindliches Kaufpreisangebot zu ermöglichen. Die Zeitspanne der Due Diligence beträgt je nach Größe des Portfolios, Datenqualität und Homogenität der Forderungen sowie Anzahl der eingebundenen Investoren sechs bis acht Wochen. Im Rahmen der Due Diligence sind diverse Themenbereiche zu unterscheiden:
- Wirtschaftliche (Commercial Due Diligence).
- Rechtliche (Legal Due Diligence).
- Steuerliche (Tax Due Diligence).
Die Commercial Due Diligence umfasst beispielsweise folgende Bereiche:
- Werthaltigkeit, Wirksamkeit und Durchsetzbarkeit der Forderungen und Sicherheiten.
- Analyse der Schuldnerbonitäten, Liquiditätssituationen und Wertrelationen der Sicherheiten zu den Forderungen.
- Kreditlaufzeiten, Tilgungsprofile, Verzinsungen, Zahlungshistorie und Wertberichtigungen.
Die Legal Due Diligence bezieht sich u.a. auf folgende Punkte:
- Wirksamkeit der Kreditverträge und Sicherheitenbestellungen.
- Informationen über Zwangsvollstreckungs- und Insolvenzverfahren.
- Verjährungsprobleme, AGBs und andere Formerfordernisse.
Unter Legal Due Diligence wird dabei die rechtliche Prüfung des vorhandenen Aktenbestandes verstanden. Die Due Diligence soll auch rechtlich umfassende Klarheit über den Kaufgegenstand bringen. Ein weiterer wesentlicher Prüfungspunkt der Legal Due Diligence ist die Prüfung der Portfoliobesicherung. Die Art der Besicherung hat nicht nur Einfluss auf die Werthaltigkeit des Portfolios, sondern auch auf die Vorgehensweise, die Art der Bewertung und den erforderlichen Informationsbedarf im Rahmen der Due Diligence. Im Wesentlichen lassen sich drei Kreditarten mit unterschiedlicher Besicherung darstellen:
- Immobilienkredite an Privatleute (grundpfandrechtlich gesicherte Wohnungsbaukredite, gekennzeichnet durch standardisierte Kreditverträge und homogene Strukturen und große Stückzahl).
- Grundpfandrechtlich gesicherte Firmenkundenkredite zum Erwerb von gewerblich genutzten Immobilien (diese Darlehen sind deutlich komplexer und größer und erfordern dadurch einen höheren Bewertungs- und Analyseaufwand).
- Nicht besicherte Konsumenten- oder Firmenkredite mit hoher Komplexität und erheblichem Analyseaufwand (diese Kredite besitzen den geringsten Homogenitätsgrad und aufgrund der nicht vorhandenen Sicherheiten stehen Bonität und Zahlungshistorie im Vordergrund).
Da im Falle von gekündigten Krediten ohnehin kein Kapitaldienst mehr geleistet werden kann, liegt der Schwerpunkt der NPL Due Diligence folglich nicht auf der Bonitätsanalyse, sondern auf der Ermittlung der Werthaltigkeit der Immobile. Die Analyse der wesentlichen Kenndaten der Immobilie beinhaltet Flächenangabe, Mieteinnahmen, Leerstand, Laufzeit, Ausgestaltung der Mietverträge und Brutto- oder Nettoeinnahmen.
Eine sorgfältige Due Diligence verursacht zwar hohe Transaktionskosten, führt in der Regel aber beim späteren Verkauf zu höheren Angeboten. Scholz und Hofmann weisen daraufhin, dass bei intransparenter Aktenlage sogar pauschal Preisabschläge vorgenommen werden. Aus diesem Grund ist es maßgeblich, das die Vollständigkeit, Verlässlichkeit und Aktualität der durch die veräußernde Bank bereitgestellten Informationen gewährleistet ist.
Die Due Diligence ist also ein wesentliches Kriterium für den erfolgreichen Verkauf eines NPL-Portfolios. Sie ist mit der Prüfung im Rahmen eines M&A-Prozesses vergleichbar. Im daran anschließenden Bietverfahren wird den Investoren die Möglichkeit gegeben, ein verbindliches Angebot abzugeben. In der Regel bekommt der Meistbietende den Zuschlag, da die Qualität der Investoren und deren Erstangebot bereits in der ersten Phase überprüft wurde.
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Problemkredite, Notleidende Kredite, Servicing, Work-Out, Outsourcing




