Autismustherapien
Grundhaltungen in der psychotherapeutischen Praxis im Zusammenhang mit der Therapie von autistischen Kindern und Jugendlichen - Eine qualitative Untersuchung -
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Caroline von Taysen
- Abgabedatum: Juni 1998
- Umfang: 121 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1208-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1208-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1208-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: von Taysen, Caroline Juni 1998: Autismustherapien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Klinische Psychologie, Therapeutische Grundhaltungen, Autismustherapien, Qualitative Forschungsmethode, Autismus
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Diplomarbeit von Caroline von Taysen
Gang der Untersuchung:
Im ersten Kapitel, dem theoretischen Teil, werden verschiedene Aspekte der autistischen Störung, sowie ihrer therapeutischen Behandlung dargelegt. Zuerst wird der historische Verlauf der "Entdeckung" des Störugsbildes kurz skizziert, um daraufhin auf die unterschiedlichen Verursachungstheorien näher einzugehen. Anschließend wird der Autismus aus zwei Blickwinkeln beschrieben und erläutert. Die "Außensicht" der professionellen Welt (oder eines großen Teils von ihr) drückt sich in den offiziellen klinisch-diagnostischen Kriterien aus. Diese wird hier durch die "Innensicht" autistischer Menschen anhand schriftlicher Äußerungen über ihre Störung ergänzt, um ein besseres Verständnis für diese Betroffenen zu gewährleisten. Schließlich werden verschiedenartige therapeutische Ansätze kategorisiert und präzisiert.
Im zweiten Kapitel, dem methodischen Teil, wird die Forschungskonzeption dieser Arbeit behandelt. Dort wird zunächst die gewählte Methodik erläutert, woraufhin der Forschungsprozeß durch eine ausführliche Beschreibung des konkreten Handlungsablaufes in der Erhebungs- und Auswertungsphase transparent gemacht werden soll. Das Datenmaterial wurde durch das Führen problemzentrierter Interviews gewonnen und im wesentlichen mit Hilfe der Grounded Theory von Glaser und Strauss ausgewertet.
Im dritten Kapitel werden die Ergebnisse der Deutungsarbeit vorgestellt und weiterführend diskutiert. Sie beschreiben drei verschiedene therapeutische Grundhaltungen, die stichwortartig folgendermaßen charakterisiert werden können:
- Schulenabhängigkeit im Sinne einer ausschließlichen Befürwortung der Lerntheorie und Verhaltenstherapie.
- Bewußte persönliche Integration verschiedener (psychologischer) Theorien zu einer individuellen Handlungsstrategie.
- Spontanes, situativ variables therapeutisches Handeln unter wenig reflektiertem Einbezug unterschiedlicher (psychologischer) Theorien.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| I. Theorie | ||
| 1. | Zur Ätiologie der autistischen Störung | 7 |
| 1.1. | Geschichtlicher Überblick | 7 |
| 1.2. | Die verschiedenen Verursachungstheorien | 9 |
| 2. | Was ist Autismus? | 12 |
| 2.1. | Die diagnostischen Kriterien | 12 |
| 2.2. | Der Kanner’sche Autismus und das Asperger Syndrom | 14 |
| 2.3. | Die Gefahren einer rein klinisch-diagnostischen Perspektive | 16 |
| 2.4. | Das Erscheinungsbild aus der Sichtweise der Betroffenen | 17 |
| 3. | Die Autismustherapie | 23 |
| II. Methoden | ||
| 1. | Die Wahl des Forschungsparadigmas | 28 |
| 1.1. | Das qualitative und das quantitative Wissenschaftsverständnis | 28 |
| 1.2. | Die Entscheidung für ein qualitatives Forschungsparadigma | 32 |
| 2. | Erhebung und Durchführung der Untersuchung | 33 |
| 2.1. | Das Interview | 33 |
| 2.1.1. | Das problemzentrierte Interview | 33 |
| 2.1.2. | Das Expert(inn)eninterview | 35 |
| 2.2. | Die Interviewpartner(innen) | 36 |
| 2.3. | Durchführung der Interviews | 38 |
| 2.3.1. | Probleme bei der Interviewdurchführung | 41 |
| 2.4. | Das Transkriptionssystem | 42 |
| 3. | Auswertung der Interviews | 43 |
| 3.1. | Die Grounded Theory | 43 |
| 3.1.1. | Die einzelnen Kodierschritte | 44 |
| 3.2. | Die Analyse des Sprachgebrauchs | 48 |
| 3.3. | Der Deutungsprozeß in der Forschungswerkstatt | 49 |
| 3.4. | Probleme bei der Auswertung | 50 |
| III. Ergebnisse | ||
| 1. | Darstellung der einzelnen Fälle | 51 |
| 1. Fall | 54 | |
| 2. Fall | 70 | |
| 3. Fall | 86 | |
| 2. | Diskussion | 105 |
| Bibliographie | 108 |
tät in ihren Ausführungen. Sie bemüht sich im zwischenmenschlichen Bereich um emotionalen Beziehungsaufbau und interaktiven Austausch, das heißt, sie nimmt eine aktive, partizipierende Haltung ein („wir23 (...) haben damals ganz viel Glück gehabt“ 67-69). In der Darstellung ihrer Person als Psychotherapeutin für autistische Kinder und Jugendliche und in der Beschreibung ihres Ausbildungsweges führt Frau Fischer gefühlsgeleitete und vernunftgeleitete Argumente an. Sie thematisiert ferner den Beziehungsaspekt. So weist sie auf die Anstrengung und Mühe hin, die ihr Beruf bedeuten („das ist auch anstrengend“ 120-121; „soviel Zeitaufwand, soviel Kraftaufwand“ 127-128) und spricht vom Verantwortungsbewußtsein für die eigenen Kräfte („psychische Hygiene“ Postskript) und die des Klienten und der Klientin („weil diese enge Nähe, also wirklich diese enge Kommunikation, (...) mehr halten sie gar nicht aus“ 452-454). Sie engagiert sich innerhalb ihrer Arbeit und erlebt positive und negative Gefühle im therapeutischen Prozeß, die sie auch verstandesmäßig einordnet („was ich also nervend erlebt habe“ 316-317; „ich hab’ jetzt einen sehr spannenden Fall, den ich als sehr spannend empfinde“ 367-368; „Das sind dann die tragischen Fälle, die immer sehr weh tun (...), aber das ist halt so, diese Situationen gibt es“ 399403; „Ich hab’ sehr kleine Patienten, eine dreijährige, ganz süße (lacht)“ 467-468). Die Motivation zur Behandlung der autistischen Störung erlangte sie während ihres ersten Kontaktes mit autistischen Menschen (530-536). Sie liegt im emotionalen Empfinden für diese Kinder begründet und wurde daraufhin durch die Aneignung theoretischen Wissens weiterentwickelt („und ich fand das total spannend, ich weiß auch nicht, wieso, das kann ich gar nicht genau sagen. Ich fand das nur seehr interessante Kinder, (...) und hab’ dann während des Studiums halt auch ganz viel gelesen“ 532-537). Diese Neigung bleibt bis zur Gegenwart bestehen („Ich bin eigentlich immer bei den Autisten geblieben (...). Das hat mich einfach gepackt.“ 556-558). Im Sinne des Einbezugs emotionaler Aspekte versteht sie als Teil ihrer Ausbildung neben dem Erlernen therapeutischer Techniken auch die Entwicklung von Kontrolle über die eigenen Gefühle (763-776). In ihrem Sprachgebrauch äußert sich Frau Fischer häufig auf emotionale Weise, wie zum Beispiel durch kurzes Lachen (z. B. 34; 157; 292; 324; 468; 530; 673), Seufzen (529) oder Ausrufe („Das find’ ich ganz toll!“ 589; „Jaaa!“ 758). [...]
sind“ 73-74). Diese werden, wenn nötig, modifiziert und teilweise neu entwickelt („ich hab’ mit einigen praktisch stundenlang geklopft (...), hab’ Rhythmen mit denen geklopft, wo ich das therapeutisch leider gar nicht einordnen konnte.“ 279-283; „Aber ich kann Ihnen nicht sagen, welche Therapierichtung das ist“ 297-298). Frau Fischer stellt sich bei der Auswahl therapeutischer Maßnahmen individuell auf die jeweiligen Klient(inn)en ein („Man muß bei jedem autistischen Kind neu gucken, was es da gibt.“ 381-382). Zusätzlich macht sie ihre Vorgehensweise abhängig von den spezifischen Gemütslagen der autistischen Menschen. In „guten Phasen (...), wo sie gut ansprechbar sind“ (428-429), können Anforderungen gestellt werden, während sie es wichtig findet, „in schlechten Phasen bei den Autisten alles so recht (?) zu halten, nicht zu verändern“ (438440). Ihr Repertoire an Techniken beinhaltet • verhaltenstherapeutische Ansätze (72-73; 199-202; 212-218), • familientherapeutische Elemente (479-504), • Anteile der klientenzentrierten Gesprächstherapie (siehe oben), • körperbezogene Therapieformen (650-651). Sie bedient sich auch sprachtherapeutischer Techniken, wie der Facilitated Communication (622-627) oder der Gebärdensprache (367-374). Dem Einsatz von Medikamenten steht sie kritisch gegenüber („das bremst die Entwicklung eigentlich“ 399). Zur Unterstützung der kognitiven Funktionen sowie zur Minderung von Hyperaktivität stimmt sie in schweren Fällen einer milden Medikation dennoch zu (595-613). Die Aspekte der Perspektivenübernahme und der Praxisorientierung als Methoden der Erkenntnisgewinnung werden als zentrale Gesichtspunkte innerhalb der Fallgeschichte behandelt. Frau Fischer muß mehrmals ihre Vorstellungen über den autistischen Jungen und ihr Verhalten ihm gegenüber ändern, um einen produktiven therapeutischen Prozeß zu ermöglichen (36-57). In diesem Zusammenhang betont sie, „wie wenig therapeutisch diese Therapien dann noch sind“ (58-59). In ihrer therapeutischen Vorgehensweise orientiert sie sich daraufhin an den spezifischen Symptomen und Fähigkeiten des Klienten und integriert Techniken der Verhaltenstherapie und der klientenzentrierten Therapie (70-79; 140-143). Zuletzt wird die Gewichtung emotionaler und rationaler Aspekte auf den sechs intrapersonalen Ebenen behandelt. Frau Fischer integriert bewußt Emotionalität und Rationali64 [...]
schen Menschen erhaltene Informationen (wie oben bereits erläutert). Ihre Annahmen werden durch Fallbeispiele belegt und begründet. Diesbezüglich nennt sie autistische Symptome auf den folgenden Ebenen: • die Verhaltensebene („diese Stereotypien, diese Rituale, diese (...) zwanghafte Ordnung“ 358-359; „und dann ein Kind ‘nen Taxifahrer zusammengeschlagen hat“ 395-396), • die Gefühlsebene („Angst vor fremden Räumen, fremden Menschen, alles, was neu war“ 20-21; „Veränderungsängste“ 84; „Berührungsängste“ 237; „die Ängste sind ja in einigen einigen Bereichen massiv, in anderen sind sie überhaupt nicht vorhanden“ 223-225), • die Ebene der sozialen Beziehungen („Es gibt keine Freunde in dem Sinne, wie wir das verstehen, er hat Bekannte, das sind für ihn Freunde, das’s also ‘ne andere Wertigkeit“ 175-177), • die Ebene der Wahrnehmungsaufnahme und -verarbeitung („die (...) sind teilweise überempfindlich, oder haben zu wenig Sensibilität im körperlichen Bereich (...). Das ist ja einfach ‘ne ganz andere Wahrnehmung“ 239-243), • die sprachliche Ebene („sprachlich - fast normal entwickelt ist, hat ziemlich viel Echolalie“ 207-208; „kann Sprache aus welchen Gründen auch immer nicht benutzen und hat jetzt über Gebärdensprache gelernt, sich auszudrücken“ 371-374), • die Ebene der Entwicklung („die Entwicklung bei Autisten ist ja nicht so, wie bei anderen Kindern, daß es so langsam steigend ist, sondern wirklich wie so Treppen (...). Die bleiben ganz unten und dann geht so’n plötzlicher Sprung nach oben, dann gibt’s wieder so’n Plateau und dann geht’s wieder nach oben.“ 776-781). Durch die Verknüpfung einiger dieser Ebenen erklärt Frau Fischer ihre Annahmen. So führt sie beispielsweise stereotypes Verhalten auf die Reduktion von Unsicherheits- und Angstgefühlen zurück („offensichtlich scheint eh dieses Kleben, diese Rituale einfach Sicherheit zu geben, also nicht, um irgend jemanden zu ärgern, sondern das ist ‘n Konzept von der Welt: Wenn ich Ordnung habe, komme ich leichter zurecht.“ 353-356). Rückzugsverhalten deutet sie als Reaktion auf die Wahrnehmungsstörungen („Die haben einfach auch diese Reizüberflutung, weil sie besser wahrnehmen als wir und deshalb müssen sie auch immer wieder Ruhe suchen, Isolation suchen.“ 714-717). „Flexibilität“ (461) und eine Vielfalt an Therapiemethoden bestimmen die Anwendung therapeutischer Techniken („daß verschiedene [therapeutische] Elemente parallel gelaufen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832412081
Arbeit zitieren:
von Taysen, Caroline Juni 1998: Autismustherapien, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Klinische Psychologie, Therapeutische Grundhaltungen, Autismustherapien, Qualitative Forschungsmethode, Autismus



