Die Auswirkungen der erfolgswirksamen Marktbewertung von Finanzinstrumenten auf die Produktgestaltung von Lebensversicherungsunternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nicoletta Fuchs
- Abgabedatum: Februar 2003
- Umfang: 98 Seiten
- Dateigröße: 2,0 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7403-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7403-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7403-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Fuchs, Nicoletta Februar 2003: Die Auswirkungen der erfolgswirksamen Marktbewertung von Finanzinstrumenten auf die Produktgestaltung von Lebensversicherungsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Lebensversicherung, Kapitalanlage, Fair Value, Rechnungszins, Finanzgarantie
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Diplomarbeit von Nicoletta Fuchs
Zusammenfassung:
Anlass und Ausgangspunkt der vorliegenden Diplomarbeit ist der Ende 2000 von der Financial Instruments Joint Working Group of Standardsetters (JWG) veröffentlichte Draft Standard „Financial Instruments and Similar Items“. Erstmalig in der Geschichte der Rechnungslegung wird hier in einem Standard das Konzept der Full Fair Value Bewertung konkret umgesetzt. Welchen Einfluss dieser Standard auf die bestehenden Rechnungslegungsnormen im derzeitigen Entwurfsstadium schon hat, ist am Beispiel der EU Fair Value Richtlinie und seiner Umsetzung in nationales Recht durch den Vorschlag des DRSC erkennbar. Es besteht also einerseits sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene die eindeutige Tendenz hin zu einer Full Fair Value–Bewertung von Finanzinstrumenten. Andererseits ist die Lebensversicherungsproduktion durch die typischerweise vorschüssige Prämienzahlung in Kombination mit Spar- und Entsparvorgängen mit einer erheblichen Kapitalbildung verbunden. In der Folge steht dem Unternehmen über einen a priori unbestimmten Zeitraum ein enormes Volumen an Geldmitteln zur Verfügung, welches größten Teils in Finanzinstrumente investiert wird. Aus diesem Grund tangieren sowohl nationale, als auch internationale Rechnungslegungsvorschriften für Finanzinstrumente die Lebensversicherungsunternehmen in besonderem Maße. Die Entwicklungen hin zu einer Full Fair Value Bewertung hat für die Versicherer bzw. für das Produkt Lebensversicherung weitreichende Konsequenzen.
Die vorliegende Arbeit untergliedert sich in drei Hauptbestandteile. In einem ersten Schritt wird die Wirkungsweise der Marktwertbilanzierung auf das Kapitalanlageergebnis und den gesamten Jahresabschluss eines Lebensversicherers dargestellt. Diese Ausführungen basieren auf einem Überblick über die theoretischen Konzeptionen der Marktwertbewertung und der Darstellung des Vorschlags der JWG in Abgrenzung zu den bestehenden Konzepten der Zeitwertbilanzierung.
Im zweiten Teil dieser Arbeit werden die leistungstheoretischen Grundlagen der kapitalbildenden Lebensversicherung genauer untersucht, um die durch eine Full fair Value Bewertung induzierte Problematik für Lebensversicherer detailliert darzustellen.. Aufgrund der Leistungsmerkmale einer Lebensversicherung stellt die Produktebene an die Kapitalanlageebene die Anforderung, dass der Lebensversicherer sowohl für die nominelle Kapitalerhaltung, als auch für die jederzeit mögliche Kapitalverfügung und mindestens für die zugesagten Verzinsung Sorge zu tragen hat. Die bei der Produktion von Lebensversicherungsschutz abgegebenen Finanzgarantien machen es erforderlich, das Kapital so anzulegen, dass eine periodische Ergebniszuweisung in entsprechender Höhe möglich ist. Dies setzt allerdings voraus, dass das Kapitalanlageergebnis von Jahr zu Jahr entsprechend hoch und wenig volatil ist. Im Rahmen einer marktwertorientierte Bewertung der Kapitalanlagen entsteht für Lebensversicherer z.B. das Problem, dass eine systematische Glättung des Anlageergebnisses durch das gezielte Bilden und Auflösen stiller Reserven nicht mehr gangbar sein wird.
Die Konsequenzen der erfolgswirksamen Marktbewertung von Finanzinstrumenten auf der Produktebene werden im dritten Teil dieser Arbeit behandelt. Neben den entsprechenden Modifikationen im Rahmen der Produktgestaltung, sind Änderungen der Reservepolitik, als Reaktion auf die geänderten Bedingungen in der Kapitalanlageebene denkbar. Diese nicht die Bildung von Rücklagen oder die Beteiligungsfinanzierung betreffenden Änderungen werden im Rahmen dieser Arbeit dahingehend betrachtet, dass zunächst die theoretischen Möglichkeiten der Produktgestaltung aufgezeigt werden. Ergänzend dazu wird anhand empirischer Beispiele dargestellt, welche theoretischen Möglichkeiten der Produktgestaltung unter welchen Bedingungen in der Praxis bereits heute schon realisiert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Überblick und Vorgehensweise | 4 |
| 2. | Die erfolgswirksame Marktwertbewertung vonFinanzinstrumenten | 5 |
| 2.1 | Die verschiedenen Konzepte der Zeitwertbilanzierung in der Rechnungslegung | 5 |
| 2.2 | Die Bewertung von Finanzinstrumenten nach dem Vorschlag der Joint Working Group | 10 |
| 2.2.1 | Gegenstand und Anwendungsbereich | 10 |
| 2.2.2 | Bewertungskonzeption | 11 |
| 2.2.3 | Konzeptionelle Probleme | 14 |
| 2.3 | Die Bedeutung der Full Fair Value Bewertung von Finanzinstrumenten für das Lebensversicherungsunternehmen | 16 |
| 3. | Die kapitalbildende Lebensversicherung | 20 |
| 3.1 | Das Leistungsprofil und die Charakteristika derkapitalbildende Lebensversicherung | 20 |
| 3.2 | Leistungstheoretische Grundlagen der kapitalbildende Lebensversicherung | 25 |
| 3.2.1 | Analyse der leistungstheoretischen Zusammenhänge | 25 |
| 3.2.2 | Das versicherungstechnische Äquivalenzprinzip | 29 |
| 3.2.3 | Die Überschussbeteiligung | 32 |
| 3.2.3 | Die Anforderungen der Produktebene an die Kapitalanlageebene und die durch die erfolgswirksame Marktwertbewertung induzierte Problematik | 37 |
| 4. | Konsequenzen der erfolgswirksame Marktwertbewertung von Finanzinstrumenten auf der Produktebene | 43 |
| 4.1 | Theoretische Optionen in der Produktgestaltung | 43 |
| 4.1.1 | Modifikationen der Leistungsgarantien | 44 |
| 4.1.2 | Modifikationen der nicht garantierten Leistungen und Reservestellung | 53 |
| 4.2 | Empirisches Beispiel | 57 |
| 5. | Fazit | 62 |
| Anhang I | Abbildungen, Tabellen, Beispiele | 65 |
| Anhang II | Auszug aus den allgemeinen Versicherungsbedingungen für die kapitalbildende Lebensversicherung der Aachener und Münchener Lebensversicherungs AG | 76 |
| Anhang III | Auszug aus den Verbraucherinformationen zur kapitalbildenden Lebensversicherung der Aachener und Münchener Lebensversicherungs AG | 81 |
| Literaturverzeichnis | 84 |
Überschussentstehung184 und wird in ihrer absoluten Höhe determiniert durch das Ausmaß des zinstragenden Kapitals, den Umfang der Verwaltungsaufwendungen und der Verzinsung der Kapitalanlagen sowie der außerordentlichen Entwicklung.185 Die zweite wesentliche Quelle der Überschussentstehung ist der Sterblichkeitsgewinn als Bestandteil des Risikoergebnisses des Lebensversicherers.186 Sterblichkeitsgewinne entstehen, wenn weniger Versicherungsnehmer eines Kollektivs sterben, als bei der Kalkulation auf Basis der Sterbewahrscheinlichkeit angenommen. Ursächlich hierfür ist zum einen die Risikoauslese und zum anderen die Kalkulation auf Basis verzerrter Wahrscheinlichkeiten.187 Die Versicherungsnehmer sind, nach einem unternehmensindividuellem Gewinnbeteiligungssystem, an den Überschüssen zu beteiligen. Dies kann in Form der direkten Auszahlung der Überschüsse erfolgen, durch Verrechnung mit den Prämienzahlungen oder durch verzinsliche Ansammlung beim Versicherungsunternehmen sowie durch Verwendung der Überschüsse zur Erhöhung der Versicherungssumme.188 Die Zuteilung der Überschüsse189 erfolgt bei inländischen Versicherern überwiegend nach den sogenannten natürlichen Überschusssystemen190, welche eine verursachungsgerechte und zeitnahe Zuteilung der Überschüsse vorsehen.191 Ausgehend vom Rohüberschuss werden die verbleibenden Überschüsse im Rahmen eines komplexen Abrechnungsprozesses den Versicherungsverträgen zum größten Teil jährlich192 zugeführt.193 Mit dem Ziel einer zeitnahen Gewinnbeteiligung der [...]
Beiträge an die Versicherten ex post fast vollständig rückvergütet werden.175 Die Ansprüche176 der Versicherungsnehmer auf eine Beteiligung am Gewinn der Unternehmung basieren sowohl auf aufsichtsrechtlichen, als auch auf vertragsrechtlichen Normen.177 Die folgenden Ausführungen dienen dazu, die leistungstheoretischen Zusammenhänge zwischen versicherungstechnischem Bereich und dem Kapitalanlagegeschäft bezüglich der vom Versicherer nicht-garantierten Leistungen darzustellen. Der Überschuss eines Lebensversicherers wird im Allgemeinen in seine Entstehungsquellen zerlegt.178 Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um Zins- und Sterblichkeitsgewinne.179 Außerdem ist die Überschussentstehung bedingt durch die Entwicklung des Sonstigen Ergebnisses. Das Sonstige Ergebnis beinhaltet insbesondere die Ergebniswirkungen aus der vorzeitigen Auflösung der Verträge.180 Das Zinsergebnis ist Bestandteil des Kapitalanlageergebnisses.181 Zinsgewinne entstehen aus der Differenz zwischen den tatsächlich erwirtschafteten Erträgen aus der Kapitalanlage und den rechnungsmäßigen Zinsen sowie den Verwaltungsaufwendungen für die Kapitalanlage.182 Das übrige Ergebnis aus den Kapitalanlagegeschäften enthält die Gewinne und Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen sowie die außerordentlichen Zu- und Abschreibungen auf bzw. zu den Kapitalanlagen.183 Das Kapitalanlageergebnis ist die maßgebliche Komponente der [...]
Durch Rückgriff auf das Äquivalenzprinzip, basierend auf den Erwartungsbarwerten, wird sowohl der Unsicherheit der Zahlungsströme, als auch der Tatsache, dass das angesammelte Kapital mindestens in Höhe des Rechnungszinses verzinslich angelegt wird, Rechnung getragen. So wird ein über die Laufzeit konstanter Preis kalkuliert, der ex ante mindestens erforderlich ist, um die Kapitalverfügung in Höhe der Versicherungssumme bei Eintritt des Versicherungsfalls zu gewährleisten. Der Rechnungszins repräsentiert durch seine Berücksichtigung in der Kalkulation, die garantierte Verzinsung des angesammelten Kapitals.172 Implizit wird hier auch die Gewährung der Optionsrechte kalkuliert, da beispielsweise die Wertermittlung des Rückkaufwertes bei vorzeitiger Beendigung des Vertrages auf denselben Rechnungsgrundlagen beruht. Die wesentliche Verbindung zwischen versicherungstechnischem Bereich und Kapitalanlagetätigkeit mit Bezug auf die garantierten Leistungen, ist der Diskontierungsfaktor in Höhe des garantierten Mindestzinses. Denn durch die Berücksichtigung der Finanzgarantie in der Kalkulation wird vorausgesetzt, dass diese auch erwirtschaftet wird. Des weiteren unterstellt die Anwendung des Äquivalenzprinzips, dass die Summe der eingezahlten Beiträge nominell über die gesamte Laufzeit erhalten bleibt. Dies ist ebenfalls nur bei entsprechenden Ergebnissen im Kapitalanlagebereich möglich. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832474034
Arbeit zitieren:
Fuchs, Nicoletta Februar 2003: Die Auswirkungen der erfolgswirksamen Marktbewertung von Finanzinstrumenten auf die Produktgestaltung von Lebensversicherungsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Lebensversicherung, Kapitalanlage, Fair Value, Rechnungszins, Finanzgarantie



