Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf den Arbeitsmarkt in den mittel- und osteuropäischen Ländern
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Monika Grobelny
- Abgabedatum: September 2007
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 543,9 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
- Bibliografie: ca. 127
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0902-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Grobelny, Monika September 2007: Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf den Arbeitsmarkt in den mittel- und osteuropäischen Ländern, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mitteleuropa, Osteuropa, Direktinvestition, Arbeitsmarkt, Außenwirtschaft
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Diplomarbeit von Monika Grobelny
Einleitung:
Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ Ende 1989 und der anschließende Transformationsprozess von zentralistisch vorgegebenen Planwirtschaften zum marktwirtschaftlichen System führten in den mittel- und osteuropäischen Ländern (im Folgenden abgekürzt mit MOEL) zu fundamentalen politischen und sozialen Veränderungen. Nach jahrzehntelanger Abschottung von der restlichen Welt führte die Reintegration in die Weltwirtschaft, durch rasanten technologischen Wandel und Handels- und Investitionsliberalisierungen getrieben, zu einem noch nie dagewesenen Wettbewerb. Für die bis zu diesem Zeitpunkt am häufigsten staatlich geführten Unternehmen, die durch veraltete Technologien, Überbeschäftigung und zentralistisch vorgegebene Lohnstrukturen geprägt waren, stellte dies eine sehr große Herausforderung dar. In den meisten MOEL stiegen die offiziell ausgewiesenen Arbeitslosenraten von fast null zum Zeitpunkt des Systemwechsels auf zweistellige Werte nur zwei oder drei Jahre später. Wachsende Einkommensungleichheiten führten zu einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft.
Obwohl sehr viele kritische Stimmen vernommen wurden, die der zunehmenden Zahl an Firmen mit ausländischer Beteiligung die Schuld an dem Scheitern vieler einheimischer Unternehmen zuschrieben, setzten viele politische Entscheidungsträger in den MOEL dennoch große Erwartungen an das ausländische Engagement. Man hoffte, dass ausländische Investoren nicht nur Kapital, sondern vor allem auch neues Know-How und Arbeitsplätze ins Land bringen und dadurch den mikro- und makroökonomischen Wandel antreiben würden.
Das Ziel dieser Arbeit ist es darzustellen, welche Konsequenzen der signifikante Anstieg des ausländischen Investitionsvolumens (von nahezu null im Jahr 1990 auf ca. 29,3 Mrd. $ im Jahr 2005) tatsächlich auf die beschriebenen Schwierigkeiten, denen die MOEL seit Beginn der 1990er Jahre ausgesetzt wurden, hatte (UNCTAD 2006). Mit dem Begriff mittel- und osteuropäische Länder werden in dieser Arbeit die in den Jahren 2004 und 2007 aufgenommenen Staaten Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenien, die Slowakei, Rumänien und Bulgarien bezeichnet.
Gang der Untersuchung:
Bevor mit der Analyse begonnen wird, soll das Vorgehen näher erläutert werden.
In Kapitel 2 wird zunächst ein theoretischer und materieller Untersuchungsrahmen aufgebaut. Es erfolgt eine Begriffserklärung und Beschreibung von möglichen Investitionsmotiven, sowie ein theoretischer Ansatz zur Erklärung von Direktinvestitionstätigkeiten. Anschließend wird auf den Umfang und die Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (im Folgenden abgekürzt mit ADI) in den MOEL eingegangen, um eine Vorstellung von ihrer Signifikanz zu erhalten.
Kapitel 3 befasst sich mit den Beschäftigungswirkungen ausländischer Direktinvestitionen und geht hierbei auf die Rolle ein, die ausländische Investoren seit Beginn der Transformation als Arbeitgeber in den MOEL gespielt haben.
In Kapitel 4 wird die Frage untersucht, inwiefern multinationale Unternehmen in den MOEL zu einer Verbesserung der Arbeitnehmerqualifikationen, besonders in Bezug auf die Wissensbasis, beigetragen haben.
Kapitel 5 befasst sich mit den beobachteten Einkommensdisparitäten in den MOEL und fragt nach dem Beitrag ausländischer Investoren zu dieser Problematik.
In Kapitel 6 erfolgt eine Diskussion wirtschaftspolitischer Aspekte, die sich aufgrund der zunehmenden Präsenz ausländischer Investoren in den MOEL ergeben haben. Abschließend werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Theorierahmen und Analyse der Direktinvestitionen in den MOEL | 2 |
| 2.1 | Begriffserklärungen | 2 |
| 2.2 | Der eklektische Ansatz von Dunning | 4 |
| 2.3 | Prinzipielle Investitionsmotive | 6 |
| 2.4 | Übersicht möglicher Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt | 8 |
| 2.5 | Investitionsströme in die Transformationsländer | 9 |
| 2.6 | Determinanten ausländischer Direktinvestitionen in die MOEL | 14 |
| 2.7 | Zusammenfassung | 18 |
| 3. | Beschäftigungswirkungen ausländischer Direktinvestitionen | 18 |
| 3.1 | Direkte und indirekte Beschäftigungswirkungen | 18 |
| 3.2 | Beschäftigungssituation in den MOEL | 22 |
| 3.3 | Der Beitrag ausländischer Unternehmen zum Beschäftigungswachstum | 24 |
| 3.3.1 | IN WELCHEN BRANCHEN SIND DIE MEISTEN ARBEITNEHMER IN FIES BESCHÄFTIGT? | 26 |
| 3.3.2 | DIE ROLLE VON GREENFIELD-INVESTITIONEN UND MERGERS & ACQUISITIONS | 29 |
| 3.4 | Abschätzung zukünftiger Beschäftigungsentwicklungen | 34 |
| 3.5 | Fallbeispiel VW-Skoda in Tschechien | 35 |
| 4. | Auswirkungen auf das Know-How im Gastland | 36 |
| 4.1 | Verbesserung des Know-Hows in Unternehmen mit ausländischer Beteiligung | 36 |
| 4.2 | Spillover auf einheimische Unternehmen der MOEL | 41 |
| 4.2.1 | INTRA-INDUSTRIELLE SPILLOVER | 45 |
| 4.2.2 | INTER-INDUSTRIELLE SPILLOVER | 50 |
| 4.3 | Zusammenfassung | 51 |
| 5. | Auswirkungen auf die Lohnstruktur | 52 |
| 5.1 | Theoretische Implikationen | 53 |
| 5.2 | Anhebung des Lohnniveaus? | 55 |
| 5.3 | Einfluss auf die Lohnspreizung | 58 |
| 5.4 | Zusammenfassung | 72 |
| 6. | Anforderungen an politische Entscheidungsträger und Fazit | 73 |
| 6.1 | Einfluss auf Investitionsvolumen sowie - komposition | 74 |
| 6.2 | Förderung des (vertikalen) Spilloverpotentials | 76 |
| 6.3 | VERMEIDUNG VON NATIONALEN UND REGIONALEN LOHNUNGLEICHHEITEN | 77 |
| 6.4 | Fazit | 78 |
| LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS | 80 |
Textprobe:
Kapitel 5., Auswirkungen auf die Lohnstruktur:
In Entwicklungs- und Transformationsländern, aber auch in Industrienationen, wird oft folgendes Phänomen beobachtet: Ausländische Firmen zahlen im Gastland höhere Löhne als lokale Firmen. Meistens ist dies der oben erläuterte Produktivitätsvorteil ausländischer Firmen, der in höheren Löhnen reflektiert wird.
Aber oft können ausländische Investoren durch bestimmte rechtlichen Rahmenbedingungen im Gastland auch dazu gezwungen werden, höhere Löhne zu bezahlen. Andererseits kann die Bereitschaft, höhere Löhne zu bezahlen, auch ein Zeichen für den Versuch sein, einer Diffusion wertvollen Wissens zuvorzukommen. Um nämlich einen hohen Arbeiterumschlag zu verhindern, tendieren FIEs dazu, die Loyalität ihrer Mitarbeiter durch höhere Löhne steigern zu wollen, um einen Verlust von Arbeitskräften mit akkumulierten firmenspezifischen Qualifikationen zu vermeiden, da es sehr kostspielig ist, diese zu ersetzen.
Wie wirkt sich dies auf die Löhne der einheimischen Firmen aus? In einer vollkommenen Wettbewerbssituation werden durch den Eintritt ausländischer Unternehmen in einen Gastmarkt zwei wesentliche lohnsteigernde Effekte erwartet: Eine Steigerung der Arbeitsnachfrage und die durch Produktivitätsspillover induzierte verbesserte Wettbewerbsfähigkeit lokaler Firmen. Kommt es nämlich zu inter- oder intraindustriellen Produktivitätsspillovern und beruhen manche von diesen auf einer gesteigerten Arbeitsproduktivität, dann liegt es nahe, dass inländische Firmen, die mit den ausländischen auf dem gleichen Arbeitsmarkt konkurrieren, ihre Löhne erhöhen müssen.
Doch selbst wenn es, wie im Fall der MOEL, zu keinen oder nur sehr geringen Produktivitäts-Spillovern kommt, da zum Beispiel FIEs ihr Know-How streng absichern, können sie allein durch die gestiegene Arbeitsnachfrage und den daraus entstehenden Wettbewerb einen Konkurrenzkampf auf dem Gastarbeitsmarkt erzeugen und so lokale Firmen „zwingen”, höhere Löhne zu bezahlen, wenn sie nicht ihre Arbeiter an die FIEs verlieren möchten, denn kein Land verfügt über ein unendlich elastisches Arbeitsangebot.. Lohnspillover können im Übrigen auch negativ sein, wenn zum Beispiel lokale Firmen dem Wettbewerb mit den technologisch überlegenen FIEs nicht gewachsen sind und durch Lohnsenkungen ihre Existenz abzusichern versuchen.
5.1, Theoretische Implikationen:
Im Folgenden werden drei Erklärungsansätze vorgestellt, die den Zusammenhang zwischen ADI und der Lohnentwicklung im Gastland näher erläutern sollen. Ihre Implikationen sind teilweise sehr unterschiedlich. Da Arbeitnehmer bezüglich ihrer Qualifikation und Position keine homogene Masse bilden, wird, um eine differenzierte Aussage treffen zu können, der Arbeitsmarkt in vier unterschiedliche Sektoren eingeteilt: Kapitalintensiv mit hochqualifizierten Arbeitskräften (KH), kapitalintensiv mit geringqualifizierten Arbeitskräften (KG), arbeitsintensiv mit hochqualifizierten Arbeitskräften (AH) und arbeitsintensiv mit geringqualifizierten Arbeitskräften (AG).
Traditionelle Handelstheorien (Heckscher-Ohlin, Stolper-Samuelson):
Die traditionellen Handelstheorien erwarten aufgrund der Öffnung der Kapitalmärkte und den daraus folgenden ADI-Zuflüssen einen durchaus positiven Effekt auf das Lohniveau Geringqualifizierter im Gastland. Länder mit einem komparativen Vorteil in arbeitsintensiven Industrien erfahren eine gestiegene Nachfrage nach Arbeit. Man kann dies noch weiterführen, indem man davon ausgeht, dass Land 1 (zum Beispiel die EU) relativ großzügig mit hochqualifizierten Arbeitskräften ausgestattet ist, und Land 2 (zum Beispiel die MOEL) reicher mit niedrigqualifizierten Arbeitskräften. Das Faktorpreisausgleichstheorem impliziert, dass durch die gestiegene Nachfrage nach geringqualifizierter Arbeit für diese Arbeitnehmer die Löhne in den Sektoren AH und AG steigen, während die Wirkung auf die Löhne der Hochqualifizierten in den Sektoren KH und KG uneindeutig ist. Sie hängt von der Substitutionsrate zwischen Kapital und Qualifikation ab.
Politische Ökonomie (Verhandlungstheorie):
Die Verhandlungstheorie impliziert, dass es sowohl von der Faktorintensität des jeweiligen Sektors, als auch der Verhandlungsmacht der Gewerkschaften abhängt, ob der Forderung nach höheren Löhnen stattgegeben wird. In kapitalintensiven Sektoren spielen Arbeitskosten keine wesentliche Rolle, somit sind Lohnerhöhungen hier durchaus realistisch. Auch die Verhandlungsmacht ist in kapitalintensiven Sektoren höher, da es sich meistens um eine überschaubare Anzahl großer Firmen handelt, wodurch kollektive Handlungen besser organisiert werden können.
In arbeitsintensiven Sektoren hängt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wesentlich von niedrigen Lohnkosten ab. Des Weiteren sind durch die starke regionale Verteilung der arbeitsintensiven Industrie kollektive Handlungen schwieriger durchzuführen, da die Verhandlungsmacht geringer ist. Aber auch die Bedeutung der Arbeitnehmerqualifikationen spielt eine wesentliche Rolle: Handelt es sich um Sektoren, die hochqualifizierte Arbeitnehmer benötigen, sind auch hier Lohnerhöhungen wahrscheinlicher, da hochqualifizierte Arbeitskraft, im Gegensatz zu geringqualifizierter, schwer zu ersetzen ist. Mittels Lohnerhöhungen wird auch die Arbeitnehmerloyalität erhöht. Die Verhandlungsmacht hängt somit positiv mit Kapital- und Qualifikationsintensität (zum Beispiel Auto-Industrie) und negativ mit Arbeits- und Niedrigqualifikationsintensität (zum Beispiel Textil-Industrie) zusammen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836609029
Arbeit zitieren:
Grobelny, Monika September 2007: Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf den Arbeitsmarkt in den mittel- und osteuropäischen Ländern, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Mitteleuropa, Osteuropa, Direktinvestition, Arbeitsmarkt, Außenwirtschaft



