Auswirkungen der Web Services Technologien auf das Management von Geschäftsprozessen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Frank Horche
- Abgabedatum: Mai 2003
- Umfang: 94 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7209-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7209-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7209-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Horche, Frank Mai 2003: Auswirkungen der Web Services Technologien auf das Management von Geschäftsprozessen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Geschäftsprozessmanagement, EAI, Workflow, Systemarchitektur, Anwendungsintegration
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Diplomarbeit von Frank Horche
Problemstellung:
Unternehmen sehen sich heute einem immer stärker werdenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt, bei sich ständig und immer schneller ändernden Rahmenbedingungen. Globalisierung und die weltweite Vernetzung durch Informations- und Kommunikationstechnologien werden häufig als Treiber dieser Entwicklung angeführt. Als Reaktion darauf versuchen Unternehmen gleichzeitig verschiedene Ziele zu verfolgen: Kosten senken, Qualität erhöhen, Time to Market verkürzen und Kundenzufriedenheit optimieren. Gleichzeitig verlangt der Trend zur Konzentration auf eigene Kernkompetenzen und der damit verbundenen verteilten Leistungserstellung, nach der Integration aller beteiligten Parteien entlang der Wertschöpfungskette.
Im Rahmen der Reengineering-Bewegung in den 90er Jahren versuchten viele Unternehmen ihre Effizienz durch Neugestaltung und gleichzeitige Automatisierung der Geschäftsprozesse zu steigern, indem sie diese an Standardlösungen der ERP-Systeme anpassten. Die Implementierung erfolgte in langwierigen Projekten, bei denen die Geschäftsprozesse in monolithischen Systemen abgebildet wurden. Smith/Fingar beschreiben das Problem dieses Ansatzes treffend: „These solutions had all the flexibility of wet concrete before they were installed and all the flexibility of dry concrete after installation.” Die Geschäftsprozesse sind bis zum nächsten Reengineering-Projekt in der Software zementiert.
Die Änderung einzelner Geschäftsprozesse, wie z.B. die Anbindung eines neuen Lieferanten, lassen sich dadurch nur mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand realisieren. Daher setzen Unternehmen nach und nach zusätzliche Anwendungen zur spezifischen Funktionsunterstützung ein, wodurch jedoch die Komplexität der gesamten IuK-Infrastruktur steigt, gleichzeitig die Transparenz der Prozesse abnimmt und somit die Flexibilität des Systems hinsichtlich der Anpassung von Geschäftsprozessen noch weiter sinkt. Ein Management der internen und unternehmensübergreifenden Geschäftsprozesse wird unter diesen Aspekten unmöglich, wodurch Unternehmen zunehmend ihre Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen der Umfeldbedingungen verlieren.
Die Internettechnologien wurden im Hype der „New Economy“ zunächst als perfekte Lösung zur Bewältigung der unternehmensübergreifenden Integration angesehen. Doch mit der Ernüchterung des Jahres 2000 verbreitete sich auch die Einsicht, dass die reine Automatisierung von Geschäftsprozessen der Komplexität des Problems nicht gerecht wird. Mittlerweile werden die Web Services Technologien als ein neues Paradigma in der Softwareentwicklung angepriesen. So sollen laut Hagel durch eine standardisierte lose Kopplung einzelner Softwarekomponenten die Unternehmen an Flexibilität und Agilität gewinnen und somit das Geschäftsprozessmanagement wieder in den Fokus der unternehmerischen Tätigkeit rücken.
Gang der Untersuchung:
Kann das Flexibilitätsproblem der aktuellen IuK-Infrastrukturen mit Hilfe der Web Services Technologien gelöst werden? Welche Auswirkungen haben diese Technologien auf das Management von Geschäftsprozessen? Diese zentralen Fragestellungen sind Gegenstand dieser Arbeit, wobei ausgehend von der Bedeutung des Web Services Ansatzes für die technische Systemarchitektur ökonomische Implikationen für das Geschäftsprozessmanagement und entsprechende Handlungsempfehlungen erarbeitet werden sollen.
Im zweiten Kapitel werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Geschäftsprozessmanagements betrachtet, der Bezug zur IuK-Systemarchitektur hergestellt und die tieferen Ursachen für die Flexibilitätsprobleme beleuchtet. Die Web Services Technologien werden im dritten Kapitel vorgestellt und vor dem Hintergrund dieser Ursachen ausgewählte Aspekte des Ansatzes näher betrachtet. Anschließend werden in Kapitel vier die Bedeutung dieser Technologie für die IuK-Systemarchitektur untersucht, ein integrierter Architekturansatz vorgestellt und die Auswirkungen auf die damit verbundenen Bereiche im Management von Geschäftsprozessen herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Anhangsverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und Vorgehensweise | 2 |
| 2. | Geschäftsprozessmanagement | 3 |
| 2.1 | Grundlagen des Prozessmanagements | 3 |
| 2.1.1 | Prozessorientierung und Geschäftsprozess | 3 |
| 2.1.2 | Ansätze zum Management von Geschäftsprozessen | 4 |
| 2.2 | Das ARIS House of Business Engineering als Rahmenkonzept | 8 |
| 2.3 | Status Quo der IuK-Systemarchitektur | 12 |
| 2.3.1 | Betriebswirtschaftliche Standardsoftware | 12 |
| 2.3.2 | Workflow-Management-Systeme | 14 |
| 2.3.3 | Middleware zur Daten- und Anwendungsintegration | 16 |
| 2.4 | Anforderungen an neue Technologien zur Unterstützung eines flexiblen Geschäftsprozessmanagements | 19 |
| 3. | Web Services Technologien | 21 |
| 3.1 | Grundlagen der Web Services | 21 |
| 3.1.1 | Konzept der Service Oriented Architecture | 21 |
| 3.1.2 | Definition und Funktionsweise von Web Services | 23 |
| 3.1.3 | Elementare Standards im Überblick | 25 |
| 3.2 | Standards im Bereich Prozessmanagement | 26 |
| 3.2.1 | Orchestrierung und Choreographie | 27 |
| 3.2.2 | Technische Anforderungen | 27 |
| 3.2.3 | BPEL4WS | 29 |
| 3.2.4 | WSCI | 30 |
| 3.2.5 | BPML | 31 |
| 3.2.6 | Gegenüberstellung der betrachteten Standards | 33 |
| 3.3 | Zusammenfassung | 35 |
| 4. | Auswirkungen der Web Services Technologien auf das Geschäftsprozessmanagement | 37 |
| 4.1 | Web Services als Enabler für ein flexibles Geschäftsprozessmanagement | 37 |
| 4.1.1 | Web Services als Basis für einen flexiblen Architekturansatz | 37 |
| 4.1.2 | Die Bedeutung von Web Services für die IuK-Systemarchitektur | 39 |
| 4.2 | Integrierte Geschäftsprozessmanagement-Systeme | 43 |
| 4.2.1 | Grundlagen des GPMS-Konzepts | 43 |
| 4.2.2 | Der Prozesslebenszyklus im GPMS-Konzept | 44 |
| 4.2.3 | Architektur integrierter GPMS | 47 |
| 4.2.4 | Zusammenfassung und Ausblick | 49 |
| 4.3 | Implikationen eines flexiblen Geschäftsprozessmanagement auf Basis der Web Services Technologien | 50 |
| 4.3.1 | Anwendungsnutzen integrierter GPMS | 50 |
| 4.3.2 | Entstehung dynamischer Wertschöpfungsnetze | 54 |
| 4.3.3 | Wirtschaftlichkeitsbetrachtung integrierter GPMS | 57 |
| 4.3.4 | Kritische Würdigung und Handlungsempfehlungen | 58 |
| 5. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 63 |
| Anhang | 65 | |
| Literaturverzeichnis | VIII |
Im vorliegenden Kapitel wurden allgemein die Web Services Technologien und insbesondere die Prozesskoordination lose gekoppelter Komponenten betrachtet. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Web Services einen Trend zur Separation von IuK-Systemen widerspiegeln. Die SOA reduziert die Komplexität bei der Integration heterogener Systeme durch die Zerlegung monolithischer Systeme in feingranulare Komponenten. Die technische Implementierung der SOA durch Web Services setzt auf der bestehenden IuK-Infrastruktur auf und abstrahiert die Integrationslogik auf eine eigene, höhere Systemebene. Web Services sind dabei inhärent prozessorientiert: Sie kommunizieren asynchron durch Nachrichtenaustausch und kapseln die Transformationsfunktionalität der zugrunde liegenden Softwarekomponenten. Sie stellen damit diskrete Aktivitäten innerhalb eines übergeordneten Geschäftsprozesses dar. Web Services besitzen selbstbeschreibende Schnittstellen, so dass externe Komponenten dynamisch auf die gekapselte Funktionalität zugreifen können. Durch die standardisierte lose Kopplung der Komponenten wird die Flexibilität der Sys185 186 187 188 [...]
35 tendenzen nachweisen.185 Für die Durchsetzung eines Standards ist die Bereitstellung entsprechender Entwicklungs- und Managementwerkzeuge von großer Bedeutung. In diesem Bereich ist BPEL4WS durch die Unterstützung von IBM und Microsoft in der besseren Ausgangssituation.186 Nachteilig könnte sich jedoch auswirken, dass BPEL4WS in Gegensatz zu BPML (noch) kein offener Standard ist. Insbesondere haben Microsoft und IBM die Einführung eines Lizenzmodells nicht explizit ausgeschlossen, was ein Hemmnis für eine breite Adoption von BPEL4WS darstellen könnte.187 Für den weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit wird von einem Szenario ausgegangen, in dem sich (nicht zuletzt aufgrund der Ähnlichkeit der hier dargestellten Ansätze und den Konvergenztendenzen) ein einheitlicher offener Standard durchsetzen wird, der auch als Metasprache für spezielle Substandards, wie z.B. branchenorientierte kollaborative Protokolle, dienen kann.188 3.3 Zusammenfassung [...]
34 Gemeinsam haben BPML und BPEL4WS die grundlegende Idee, Prozesse als ausführbaren Code zu betrachten. Komplexe Geschäftsprozesse können standardisiert modelliert und unabhängig von der zugrunde liegenden Infrastruktur direkt in einer separaten Systemumgebung ausgeführt werden. Dadurch können Web Services unabhängig von ihrer technischen Implementierung flexibel koordiniert werden. Zur Umsetzung dieser Idee verwenden beide Standards die gleichen formalen Grundlagen: XML und Pi-Calculus.181 Der Formalismus des Pi-Calculus ist eine mathematisches Modell, das auf die Kommunikation zwischen Prozesskomponenten in sich ständig rekonfigurierenden Netzwerken ausgerichtet ist und eine natürliche Modellierung von Mobilität, d.h. die dynamische Rekonfiguration von Prozessverknüpfungen erlaubt.182 Komplexe, sich über mehrere Organisationen erstreckende Geschäftsprozesse (End-to-End Prozesse) bestehen aus mehreren unabhängigen Prozessen, die während ihrer Ausführung dynamisch miteinander interagieren. Pi-Calculus ermöglicht eine über mehrere Systeme verteilte Verarbeitung bzw. Ausführung solcher Prozesse. Bisher existierende Ansätze (WfMS) verwenden zumeist ein einziges zentrales Prozessmanagement-System, welches zudem nur statische Prozessmodelle verarbeiten kann. Durch Pi-Calculus können wesentlich dynamischere Prozesstopologien unterstützt werden, als das bei bisherigen Workflow-Ansätzen möglich war. Die Möglichkeit der Modellierung und Ausführung komplexer End-to-End Prozesse, die sich über mehrere Organisationen erstrecken und bei denen zuvor nicht explizit modellierte Teilnehmer dynamisch zum Prozess hinzustoßen können, und diese wiederum selbst Prozesse repräsentieren, sind die eigentliche Innovationen der hier betrachteten Standards.183 Da sowohl BPEL4WS als auch BPML/WSCI XML-basierte Notationen sind, könnten Prozessdefinitionen zumindest theoretisch beliebig zwischen verschiedenen Standards konvertiert werden, wodurch grundsätzlich die Interoperabilität gegeben sein sollte.184 Zwar sind beide Standards noch in einem frühen Entwicklungsstadium, jedoch lassen sich bereits technische Konvergenz- [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832472092
Arbeit zitieren:
Horche, Frank Mai 2003: Auswirkungen der Web Services Technologien auf das Management von Geschäftsprozessen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Geschäftsprozessmanagement, EAI, Workflow, Systemarchitektur, Anwendungsintegration



