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Auswirkungen des Verzehrs tierischer Lipide und Proteine auf ausgewählte Zivilisationskrankheiten

Auswirkungen des Verzehrs tierischer Lipide und Proteine auf ausgewählte Zivilisationskrankheiten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claudia Scherer
  • Abgabedatum: Oktober 1997
  • Umfang: 77 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0476-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0476-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0476-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Scherer, Claudia Oktober 1997: Auswirkungen des Verzehrs tierischer Lipide und Proteine auf ausgewählte Zivilisationskrankheiten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Adipositas, Arteriosklerose, Diabetes, Gicht

Diplomarbeit von Claudia Scherer

Einleitung:

Die Wortkombination Zivilisationskrankheiten erscheint auf den ersten Blick als widersprüchlich, da aufgrund des technischen Entwicklungsstandes und des medizinischen Fortschritts die Vermutung nahe liegt, dass Krankheiten heute eher eine untergeordnete Rolle spielen, da die Wissenschaft sie gut im Griff zu haben scheint. Dennoch gibt es sie und bei intensiverer Auseinandersetzung erkennt man die Aktualität des Begriffs, wenn man sich die politische Diskussion bewusst macht. Aufgrund der erhöhten Ausgaben im Gesundheitswesen steht gerade die Kostenexplosion in diesem Bereich im Brennpunkt politischer Diskussionen und entwickelt sich zum Prüfstein für den Sozialstaat, da die Grenzen zwischen notwendigem und übertriebenem Sparverhalten schnell überschritten sind. Vielen Bundesbürgern wird regelmäßig eine Kur bewilligt, deren Erfolg vielfach zumindest teilweise in Frage zu stellen ist, da es meist nicht möglich ist, den Patienten den Zusammenhang zwischen ihrer Krankheit und ihrer Ernährungsweise bewusst zu machen.

Die Kosten für ernährungsabhängige Krankheiten beliefen sich im Jahr 1990 für die alten Bundesländer auf 83,5 Mrd. DM, wovon allein 33 Mrd. DM (ca. 40%) auf Herz-Kreislauferkrankungen entfielen (Kohlmeier et al., 1993; Margarine Institut, 1995d). Könnte man diese Kosten reduzieren, wäre es möglich, die Ausgaben in diesem Zweig des Gesundheitssystems ganz erheblich einzuschränken. Außerdem trägt eine langfristige bewusste Ernährungsumstellung zu einem gesteigerten Lebensbewusstsein und Wohlbefinden der Betroffenen bei. So sind beispielsweise 40% der Bundesbürger übergewichtig (anonym, 1996) und leiden sehr häufig an den Folgeerkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Gicht.

In vielen wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass der Verzehr von tierischen Proteinen und Lipiden mit den genannten Krankheiten in Zusammenhang steht. Aus diesem Grund ist es wichtig aufzuzeigen, in welchen Lebensmitteln sie enthalten sind und in welcher Art und Weise sie von Menschen verzehrt werden.

So werden Fette als gesättigte oder ungesättigte bzw. als „sichtbare“ oder „unsichtbare“ Fettsäuren aufgenommen. Proteine werden nach ihrer biologischen Wertigkeit beurteilt, die umso höher ist, je mehr essentielle, d.h. für den Körper notwendige Aminosäuren enthalten sind.

Aus den Daten der VERA-Studie, die sich auf die Bundesrepublik Deutschland beziehen, geht hervor, dass bei Männern die mittlere tägliche Gesamtzufuhr an Proteinen 93,5 g/d beträgt, wovon allein die tierischen Proteine einen Anteil von insgesamt 55,6 g/d ausmachen. Dies entspricht einem Prozentsatz von fast 52,0% (Kübler et al., 1994). Frauen nehmen nach den Erhebungen der VERA-Studie täglich im Mittel insgesamt 71,8 g Protein zu sich, wovon die tierischen Proteine einen Anteil von insgesamt 42 g ausmachen, was einem Prozentsatz von 30,2% entspricht.

Bei der mittleren täglichen Gesamtzufuhr an tierischen Fetten sehen die Verzehrsgewohnheiten der Deutschen folgendermaßen aus: Männer nehmen pro Tag insgesamt 120,8 g Fett zu sich, wovon tierische Fette einen Anteil von 80,5 g ausmachen, was einem Anteil von etwas mehr als 97,0% entspricht. Frauen nehmen pro Tag insgesamt 92,7 g Fett auf, wovon tierische Fette einen Anteil von 59,6 g ausmachen. Dies entspricht einem Anteil von 55,3% entspricht.

Aufgrund der Tatsache, dass Männer und Frauen in Deutschland im Mittel 41,08% ihrer täglichen Energiezufuhr durch tierische Proteine und sogar 76,1% in Form von tierischen Fetten zu sich nehmen, wird in der Arbeit nicht weiter nach tierischen und pflanzlichen Fetten bzw. Proteinen differenziert, da besonders pflanzliche Fette in der menschlichen Ernährung eine untergeordnete Rolle spielen.

Die angeführten Krankheiten weisen in der Gesellschaft eine immer höhere Prävalenz auf. Darüber hinaus ist es möglich, die Erkrankungen häufig allein mit einer Umstellung der Ernährungsweise wirkungsvoll zu therapieren, weshalb sie in der vorliegenden Arbeit besondere Beachtung finden.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Konsequenzen des erhöhten Verzehrs an tierischen Fetten und Eiweißen mit deren Auswirkungen auf die o.a. Krankheiten darzulegen und eine Übersicht über trophologischen Maßnahmen zu geben, die bei den entsprechenden Krankheiten empfohlen werden können.

Abschließend wird kurz das geopolitische Spannungsfeld erläutert, in dem die Ernährungsweise in der westlichen Welt mit ihren Auswirkungen auf die Ländern der sogenannten „Dritten-Welt“ steht.

Zusammenfassung:

Die hier vorgelegte Recherche hat ergeben, dass der ausschlaggebende Grund für die hohe Krankheitsrate in der Bundesrepublik in einer hyperkalorischen Ernährung, vor allem in einem überhöhten Fettverzehr, begründet liegt.

Adipositas und Diabetes mellitus Typ-II (Altersdiabetes mit erworbener Insulinresistenz) sind die primären Folgen dieses Essverhaltens. Beide Krankheiten könnten ohne weiteres mit einer dem jeweiligen Bedarf entsprechenden Energiezufuhr und sportlicher Betätigung wirkungsvoll therapiert werden.

Unbestritten ist in Fachkreisen, dass die Adipositas die häufigste ernährungsabhängige Stoffwechselstörung ist und oft gemeinsam mit einer Hypertonie und einer androiden Fettakkumulation auftritt.

Des weiteren hat die Recherche in Übereinstimmung mit anderen Experten ergeben, dass sich der Ernährungszustand drastisch verbessern würde, wenn mehr höhermolekulare Kohlenhydrate verzehrt würden. Aus diesem Grund empfehlen Fachleute sowohl für die Therapie der Adipositas als auch für die des Diabetes mellitus Typ-II eine energiereduzierte, kohlenhydratreiche, fettarme und abwechslungsreiche Mischkost, die dem Bedarf angepasst ist und zur Gewichtsreduktion beiträgt.

Ebenso herrscht bei manchen Experten keine Einstimmigkeit darüber, ob n-3 Fettsäuren die Glucosetoleranz verschlechtern oder nicht. Den einfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem der Ölsäure, wird ein LDL-senkender Effekt nachgesagt, der aber den HDL-Spiegel nicht beeinflusst.

Arteriosklerose entwickelt sich aufgrund von Plaquebildungen an der Intima der Gefäßwände und führt über Gefäßverengungen und den damit verbundenen Versorgungsengpässen zu Herzinfarkt und Schlaganfall.

Einstimmigkeit besteht unter den Fachleuten darüber, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren den HDL-Spiegel senken..

Hyperhomocysteinurie wird als ein unabhängiger Risikofaktor für Koronarerkrankungen diskutiert, wobei es noch keine endgültigen Beweise dafür gibt, ob Hyperhomocysteinurie tatsächlich mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose in Verbindung zu bringen ist.

Bei der Entstehung von Gicht spielen Vererbung und Umwelt eine gemeinsame Rolle.

Fettreiche Ernährung führt zu einer Hemmung der renalen Harnsäureausscheidung, was die Entwicklung eines Gichtanfalls begünstigt.

Die Überschussproduktion von Lebensmitteln in Deutschland wird durch Subventionen finanziert. Gleichzeitig führt der Export dieser Überschüsse dazu, dass die Empfängerländer in eine ungesunde Abhängigkeit geraten. Deren Landwirtschaft hat keine Möglichkeit, eine Eigendynamik zu entwickeln aus der eines Tages die wirtschaftliche Unabhängigkeit resultieren könnte.

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen verlangt, das Qualitätsbewusstsein in der deutschen Bevölkerung zu schärfen, wodurch Lebensmittelüberschüsse und Subventionszahlungen dafür verringert werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Einfluß tierischer Lipide und Proteine auf die Gesundheit des Menschen 7
2.1 Tabellarische Darstellung ausgewählter Studien zum Lipid- und Proteinverzehr und deren Beitrag zu ausgewählten Zivilisationskrankheiten 7
2.2 Aufbau und Resorption tierischer Lipide 9
2.3 Aufbau und Resorption tierischer Proteine 11
2.4 Interdependenzen ausgewählter Zivilisationskrankheiten 13
2.5 Bedeutung des Verzehrs tierischer Lipide und Proteine für die Entstehung ausgewählter Zivilisationskrankheiten 15
2.5.1 Adipositas 15
2.5.1.1 Definition und Allgemeines 15
2.5.1.2 Pathologische Veränderungen 19
2.5.1.3 Trophologische Präventionsmaßnahmen 21
2.5.2 Diabetes mellitus Typ II 25
2.5.2.1 Definition und Allgemeines 25
2.5.2.2 Pathologische Veränderungen 26
2.5.2.3 Trophologische Präventionsmaßnahmen 28
2.5.3 Arteriosklerose 33
2.5.3.1 Definition und Allgemeines 33
2.5.3.2 Pathologische Veränderungen 34
2.5.3.3 Trophologische Präventionsmaßnahmen 39
2.5.4 Gicht 44
2.5.4.1 Definition und Allgemeines 44
2.5.4.2 Pathologische Veränderungen 45
2.5.4.3 Trophologische Präventionsmaßnahmen 46
2.6 Beitrag verschiedener Faktoren an Zivilisationskrankheiten und ihre Bekämpfung 50
2.7 Geopolitische Bedeutung des Protein- und Fettverzehrs 54
3. Diskussion und Ausblick 59
4. Zusammenfassung 63
5. Literaturverzeichnis 65
6. Anhang 74

Automatisiert erstellter Textauszug:

In der sogenannten „VERA-Studie“ wurde kein direkter Zusammenhang zwischen dem Nahrungscholesterin und dem Cholesterinspiegel des Blutes festgestellt (Kübler, 1994). Die Leber als Ort der endogenen Cholesterinsynthese drosselt über einen Rückkopplungsmechanismus die Eigensynthese, wenn mit der Nahrung Cholesterin zugeführt wird (Worm, 1995). Bei cholesterinarmer Ernährung beläuft sich die körpereigene Cholesterinsynthese auf 11-13 mg pro Kilogramm Körpergewicht (Worm, 1995). Ein Teil des aufgenommenen Cholesterins wird in der Leber zu Gallensäuren abgebaut oder zur Synthese von Steroidhormonen herangezogen. Ein anderer Teil ist in der Peripherie des Körpers dafür verantwortlich, die Fluidität der Zellmembranen zu erhalten (Stryer, 1994). Wegen des beschriebenen Rückkopplungsmechanismus erhöhen beispielsweise 100 mg Nahrungscholesterin den Serumcholesterinspiegel nur um 1,5-2 mg/dl (Ginsberg et al., 1994; Hopkins, 1992). Laut Pietrzik bewegt sich diese Erhöhung allerdings in einem Rahmen von 5 mg. Tabelle 7 gibt eine Übersicht über die Gewichtung verschiedener Risikofaktoren und deren Manifestation. Dabei wird unter anderem deutlich, daß Passiv-Rauchen einen entscheidenden Risikofaktor für die Entstehung der Arteriosklerose darstellt. Darüber hinaus steigt die Prävalenz der Arteriosklerose mit steigender Anzahl von Risikofaktoren nicht exponentiell an, sondern potentiell. Das bedeutet, daß bei zwei vorliegenden Risikofaktoren das Krankheitsrisiko bereits um das Vierfache erhöht ist. [...]

Viele neuere Forschungsergebnisse stützen die Hypothese, daß die Oxidation des LDLMoleküls der entscheidende auslösende Faktor für die Entstehung einer Arteriosklerose ist (Worm, 1995). Im Organismus entstehen durch Einwirkung von Umweltgiften freie Radikale. Diese treiben die Oxidation des LDL-Moleküls voran, das dadurch nicht mehr an seinen Rezeptor binden kann und statt dessen eine zytotoxische Wirkung entfaltet. Als Folge dieser Zellschädigung kommt es zu einer verstärkten Anlagerung von Monozyten an das Endothel und zu deren Umwandlung in Makrophagen. Der ScavengerRezeptor10 dieser Makrophagen bindet oxidiertes Licht, wird aber nicht durch Cholesterin gehemmt. Dadurch häufen sich große Mengen Cholesterin in den Makrophagen an, wodurch sie sich in Schaumzellen umwandeln und somit die atherogenetischen Prozesse begünstigen (Wahrburg & Assmann, 1995). [...]

Auch über die Rolle der Fettsäuren ist man sich in Fachkreisen noch nicht einig. Nach Aussage von Zöllner und Tató (1993) stellen die gesättigten Fettsäuren, die einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Nahrung sowohl in ihrer Menge als auch in ihrer Relation zueinander sehr wichtige Determinanten für das Serumcholesterin dar (Zöllner & Tató, 1993). Andererseits sagt Worm, daß die Konzentration des Serumcholesterinspiegels unabhängig von der Ernährung mit dem Alter ansteigt (Worm, 1995). In der Bundesrepublik weisen 70-90% der Männer und Frauen im Alter über 40 Jahren einen Serumcholesterinspiegel über 200 mg/dl auf, der ärztlich behandelt werden muß (Nationale Cholesterin Initiative, 1990). [...]

Arbeit zitieren:
Scherer, Claudia Oktober 1997: Auswirkungen des Verzehrs tierischer Lipide und Proteine auf ausgewählte Zivilisationskrankheiten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Adipositas, Arteriosklerose, Diabetes, Gicht

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