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Auswirkungen von Steuersenkungen auf die Konsum-/ Sparneigung

Eine wirtschaftspsychologische Betrachtung am Beispiel von Deutschland und den USA

Auswirkungen von Steuersenkungen auf die Konsum-/ Sparneigung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: David Schulte-Herbrüggen
  • Abgabedatum: April 2006
  • Umfang: 69 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9639-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9639-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9639-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schulte-Herbrüggen, David April 2006: Auswirkungen von Steuersenkungen auf die Konsum-/ Sparneigung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Abgaben, Steuern, Kulturvergleich, Bedürfnis, Steuerzufriedenheit

Diplomarbeit von David Schulte-Herbrüggen

Einleitung:

Mit Antritt der SPD Regierung im Jahr 1998 wurde eine umfassende Senkung der Einkommenssteuersätze bei gleichzeitiger Erhöhung der Freibeträge in Gang gebracht. Erklärtes Ziel dieser Maßnahmen war es insbesondere, den privaten Konsum anzukurbeln, um so die seit Jahren schwache Binnenkonjunktur beleben zu können.

Die Bundesregierung folgte also dem Gedanken Keynes, dass die Menschen mit einem größeren Budget auch mehr konsumieren. Betrachtet man die Entwicklung des privaten Konsums seit Beginn der Steuerreform im Jahr 1998, so stellt man allerdings fest, dass die Konsumausgaben in Deutschland (D) keineswegs überdurchschnittlich gestiegen sind.

Untersucht man im selben Zeitraum die Konsumentwicklung in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), so findet sich im Zuge der dortigen Steuersenkungsmaßnahmen eine wesentlich größere Konsumzunahme. Die vorliegende Arbeit versucht aus psychologischer Sicht zu ergründen, warum die Wirkungen von Steuersenkungen auf den Konsum in D und den USA so unterschiedlich ausfallen.

Gang der Untersuchung:

Im zweiten Kapitel werden zunächst grundlegende Begriffe wie Steuern, private Haushalte, Ersparnis und Konsum erläutert. Beschäftigt man sich im Folgenden mit der Konsum-/Sparentscheidung der privaten Haushalte, erscheint eine Betrachtung aus ökonomischer Perspektive nicht immer ausreichend. Katona merkte an, dass die Nachfrage nach Wirtschaftsgütern (und damit die Konsum-/Sparentscheidung) nicht nur von der Kaufkraft, sondern auch von der Kaufbereitschaft abhängt. Das heißt, dass die Motive und Erwartungen der privaten Haushalte eine wichtige Rolle bei Kaufentscheidungen spielen, welche in der Ökonomie aber oftmals vernachlässigt werden. So misst Keynes der Rolle der Erwartungen im Wirtschaftsleben zwar großes Gewicht bei, schenkt selbigen bei der Erklärung des Verbraucherverhaltens aber keinerlei Beachtung.

Dem Autor erscheint daher eine Betrachtung aus psychologischer Perspektive notwendig, und er verdeutlicht dies in Kapitel 2.2.4 noch einmal anhand eines Beispiels. Anschließend werden, unter Rückgriff auf Maslows Bedürfnispyramide, mögliche Gründe für Abweichungen von ökonomischen Verhaltensweisen skizziert, sowie Hypothesen aufgestellt, welche in Kapitel 4 auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden.

Zuvor ist aber genauer zu überprüfen, ob vergleichbare Steuerentlastungen in den USA tatsächlich einen größeren Konsumanstieg als in D zur Folge hatten. Es wäre ja denkbar, dass in den USA auch eine stärkere Entlastung stattfand, was den erhöhten Konsum erklären könnte.

Deshalb wird in Kapitel 3 zunächst untersucht, in welchem Ausmaß Steuerentlastungen in beiden Ländern stattgefunden haben. Dabei müssen in einem ersten Schritt die Gegebenheiten der unterschiedlichen Steuersysteme erläutert und berücksichtigt werden, da gleiche relative Steuerentlastungen aufgrund unterschiedlicher Bemessungsgrundlagen (BMG) zu verschiedenen Ergebnissen führen könnten. In einem zweiten Schritt werden dann die seit 1998 im Bereich der Einkommenssteuer (ESt.) durchgeführten Steuerentlastungen näher untersucht.

Daran schließt sich die Betrachtung der Konsum- und Ersparnisentwicklung beider Länder in selbigem Zeitraum an, wobei es dem Autor geboten erscheint, auch auf die Problematik eines internationalen Vergleichs hinzuweisen. Abschließend werden die länderspezifischen Steuerentlastungen mit der Entwicklung der jeweiligen Konsum- und Sparquote in Beziehung gesetzt, um beurteilen zu können, wie stark sich das Spar- bzw. Konsumverhalten aufgrund dieser Maßnahmen verändert hat.

Die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse werden in Kapitel 4 diskutiert und aus psychologischer Sicht beleuchtet. Dabei spielen zum einen steuerliche Aspekte eine Rolle, insbesondere die Steuerzufriedenheit, wobei zunächst zu klären ist, von welchen Faktoren selbige abhängt. Diese Determinanten liefern Hinweise, wie die Belastung durch die ESt. in D und den USA perzipiert wird, was wiederum einen Rückschluss auf die Verwendung der Steuerentlastung ermöglicht. Zusätzlich wird untersucht, wie merklich die Entlastung in D und den USA gewesen ist, was ebenfalls einen Einfluss auf die Konsum-/Sparentscheidung des zusätzlich zur Verfügung stehenden Einkommens hat.

Des Weiteren werden kulturelle Aspekte beider Länder beleuchtet. So spielen die Ausprägungen des Sicherheits-, Sozial- und Anerkennungsbedürfnis eine Rolle, welche mit Hilfe von Hofstedes Untersuchungen zum Kulturvergleich (2002) näher beleuchtet werden. Ebenso ist zu untersuchen, welchen Einfluss die Altersstruktur in D auf das Spar- und Konsumverhalten besitzt, wie hoch die Kreditneigung der Haushalte in beiden Ländern ist und welche Sanktionen bei Überschuldung drohen.

Im dritten Teil dieses Kapitels wird diskutiert, welche Effekte es durch die Einführung des Euros in D gegeben hat, wobei zum einen der Einfluss der Medien, zum anderen Effekte der Geldillusion beleuchtet werden.

Abschließend erfolgen in Kapitel 5 eine kritische Würdigung sowie eine Zusammenfassung in Kapitel 6.

Inhaltsverzeichnis:

1. Fragestellung 4
2. Der private Haushalt und Formen der Geldverwendung 6
2.1 Steuern 6
2.1.1 Definition des Steuerbegriffs 6
2.1.2 Reaktionen der Haushalte auf steuerliche Belastungen 6
2.2 Konsum- und Sparentscheidung des Haushaltes 8
2.2.1 Definition des privaten Haushaltes 9
2.2.2 Definition des Konsums 9
2.2.3 Definition der Ersparnis 10
2.2.4 Wirtschaftliches Verhalten - Ökonomie vs. Psychologie - 11
2.3 Konsum- und Sparentscheidungen aus psychologischer Sicht 12
2.3.1 Bedürfnisbefriedigung durch Konsum bzw. Ersparnis 12
2.3.2 Konsum durch negative Ersparnis 16
2.3.3 Einflüsse der Euro Einführung auf die Konsum-/Sparentscheidung 17
3. Das Finanzverhalten von privaten Haushalten in D und den USA 18
3.1 Systematische Grundlagen 18
3.1.1 Steuern in D 18
3.1.2 Steuern in den USA 18
3.1.3 Reformen der Einkommenssteuer in D zwischen 1998 und 2004 20
3.1.4 Reformen der Einkommenssteuer in den USA zwischen 1998 und 2004 21
3.2 Konsum- und Ersparnisentwicklung 22
3.2.1 Entwicklung der Konsumquote in D und den USA 22
3.2.2 Entwicklung der Sparquote in D und den USA 24
3.2.3 Probleme im internationalen Vergleich 25
3.2.4 Vergleich der vorliegenden Zahlen 26
4. Psychologische Ursachen für das Finanzverhalten 27
4.1 Steuern 27
4.1.1 Determinanten der Steuerzufriedenheit 27
4.1.2 Bewertung der Einkommenssteuer in D und den USA 31
4.1.3 Entscheidung über die Verwendung der Steuerentlastung in D und den USA 36
4.1.4 Merklichkeit der Steuerentlastung 37
4.2 Soziale Determinanten von Konsum und Sparen 38
4.2.1 Das Sicherheitsbedürfnis in D und den USA 38
4.2.2 Einfluss der Altersstruktur auf die Konsum-/Sparentscheidung 43
4.2.3 Das soziale Bedürfnis in D und den USA 46
4.2.4 Das Anerkennungsbedürfnis in D und den USA 48
4.2.5 Negative Ersparnis 52
4.2.5.1 Die Kreditneigung in D und den USA 52
4.2.5.2 Sanktionen bei Überschuldung in D und den USA 54
4.3 Effekte der Währungsunion 58
4.3.1 Beeinflussung durch die Medien 58
4.3.2 Effekte der Geldillusion 60
5. Grenzen der vorliegenden Arbeit und Ausblick 61
6. Zusammenfassung 63
7. Literaturverzeichnis 64
8. Abbildungsverzeichnis 72
9. Tabellenverzeichnis 72
10. Anhang: Tabelle - Bevölkerungsstruktur in D und den USA im Jahr 2004 73

Automatisiert erstellter Textauszug:

In diesem Kapitel soll zudem herausgefunden werden, ob sich die Merklichkeit der Steuerentlastung in D und den USA unterscheidet, wobei einerseits die Art der Steuerzahlung, andererseits die Art der Steuererstattung zu berücksichtigen ist. In D wird die ESt. vornehmlich durch die Lohnsteuer abgeführt, welche einen Anteil von 80% an der ESt. ausmacht (Hickel, 2004). Dabei handelt es sich um eine relativ unmerkliche Steuer, da diese vom Bruttolohn des AN einbehalten und durch den AG direkt an das Finanzamt abgeführt wird. Ein ähnliches System existiert aber auch in den USA, wo der Anteil der Lohnsteuer (hier Personal Income Tax) ebenfalls bei ca. 80% liegt (United States Government Printing Office, 2005). Wie in D wird die ESt. durch den AG abgeführt, wobei ein Teil dieser Steuer auf den Bund (Federal Tax), der andere auf den jeweiligen Bundesstaat (Local Tax) entfällt. Da die Lohnsteuer in beiden Ländern auf die gleiche Art [...]

Entscheidungen zu treffen, weshalb in der Ökonomie oftmals davon gesprochen wird, dass das Individuum bestrebt ist, seinen Nutzen zu maximieren. Dieser stellt aber keinen objektiven Wert dar, weil der Nutzen des Einzelnen nicht nur vom Endergebnis, sondern auch von begleitenden Mitteln und Umständen abhängt (Higgins, 2000). Sprechen Mittel und Umstände gegen die Prinzipien des Entscheiders, so beeinflusst dies den Wert des Ergebnisses, wobei Beach (1990) in diesem Zusammenhang auch das Gerechtigkeitsprinzip nennt. Deshalb wird auch das Ausmaß der empfundenen Steuerentlastung wesentlich von der Steuerzufriedenheit abhängen, welche, wie gezeigt, von der perzipierten Gerechtigkeit in Abhängigkeit von Erträgen und Aufwendungen bestimmt ist. Demnach wird bei Unzufriedenheit das Ausmaß der Entlastung geringer als bei Zufriedenheit empfunden werden, was erklären könnte, warum die Deutschen die Steuerentlastungen der vergangenen Jahre als zu gering einstuften, um verstärkt in den Konsum zu investieren (Witte & Scheffer, 2003). Aus den Ausführungen lässt sich die Richtigkeit von Hypothese 1) ableiten, dass nämlich die Deutschen aufgrund der größeren Unzufriedenheit mit dem herrschenden Steuersystem weniger als die Amerikaner geneigt sind, Steuerentlastungen in den Konsum zu investieren. [...]

Hinweise auf die Verwendung der Steuerentlastung bietet Higgins (1998) „Regulatory Focus Theory“. Demnach hängt die Entscheidung eines Individuums maßgeblich davon ab, worauf seine Aufmerksamkeit gerichtet ist. Dabei existiert zum einen der Promotions-Fokus, welcher auf die Anwesenheit angenehmer Ereignisse fixiert ist, zum anderen der Präventions-Fokus, welcher unangenehme Ereignisse vermeiden möchte. Man kann davon ausgehen, dass bei (Steuer)Zufriedenheit der Promotions-Fokus salient ist, während bei Unzufriedenheit der Präventions-Fokus vorherrscht, um eine noch größere Unzufriedenheit zu vermeiden. Dies wird deutlich, da Higgins (2000) beim Promotions-Fokus von „gainnongain concerns“ und beim Präventions-Fokus von „loss-nonloss concerns“ spricht. Daher perzipiert das Individuum die Entlastung im Fall der Steuerzufriedenheit als Gewinn, während bei Unzufriedenheit der Verlust (vergangener Steuerzahlungen) im Vordergrund stehen wird. Daher werden die Menschen in D auf die Vermeidung eines weiteren monetären [...]

Arbeit zitieren:
Schulte-Herbrüggen, David April 2006: Auswirkungen von Steuersenkungen auf die Konsum-/ Sparneigung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Abgaben, Steuern, Kulturvergleich, Bedürfnis, Steuerzufriedenheit

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