Auswirkungen von Gehaltsobergrenzen unter besonderer Berücksichtigung von professionellen Sportligen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christoffer Winter
- Abgabedatum: August 2003
- Umfang: 124 Seiten
- Dateigröße: 886,9 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8421-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8421-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8421-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Winter, Christoffer August 2003: Auswirkungen von Gehaltsobergrenzen unter besonderer Berücksichtigung von professionellen Sportligen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Entlohnung, salary cap, US-Sport, UEFA, Kartellrecht
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Diplomarbeit von Christoffer Winter
Problemstellung:
Bereits im Jahre 1956 unterzog Simon Rottenberg den Arbeitsmarkt professioneller Sportler einer ökonomischen Analyse und lieferte mit dem „Gleichgültigkeitsprinzip“ die Basis für die nachfolgende Literatur zu diesem Thema in der amerikanischen Sportökonomie. Am Beispiel des professionellen Baseballs diskutierte Rottenberg zudem als erster Ökonom explizit die Organisationsstrukturen und Vertragsverhältnisse, die dem Profisport zu Grunde liegen. Darunter fällt auch seine Beschreibung der Allokation von Spielertalent auf die Ligamitglieder, gekoppelt an die Idee des ausgeglichenen Wettbewerbs, mit dessen Hilfe eine Gewinnmaximierung innerhalb der monopsonistisch agierenden Liga erzielt werden kann. – Obwohl Rottenberg schon damals über restriktiv wirkende Ansätze wie etwa eine ligaweite Umsatzverteilung oder Minimalgehälter berichtete, so bedurfte es doch erst der kommerziellen Weiterentwicklung der amerikanischen Profiligen, um den Aspekt von Gehaltsobergrenzen in das wissenschaftliche Blickfeld zu rücken.
Die europäische Auseinandersetzung mit dem Arbeitsmarkt der Profisportler konzentrierte sich vor dem sog. „Bosman-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofes vom 15.12.1995 auf die Fragestellung, inwieweit rapide ansteigende Gehälter professioneller Fußballer überhaupt zu rechtfertigen seien. Dabei verschärfte sich in den zurückliegenden zehn Jahren die Debatte um die Gehaltsentwicklung von Fußballprofis, kam es doch zu erheblichen Zuwachsraten in den größten europäischen Ligen. Viele europäische Vereine sehen sich seither gezwungen, den stetig steigenden Gehaltsforderungen ihrer Leistungsträger nachzugeben, zumal dieser Weg häufig als einzige Möglichkeit gesehen wird, das Ziel des Erreichens eines internationalen Wettbewerbs zu verwirklichen. Die Problemstellung, einen Großteil des Gesamtetats in jährlich mit häufig zweistelligen Zuwachsraten steigende Spielergehälter investieren zu müssen, dabei jedoch die Qualifikation für den aus finanzieller Sicht essentiellen Europapokal vorauszusetzen, hat sich für einige Vereine als unüberwindliche Hürde dargestellt. So häufen sich ausgerechnet in den umsatzstärksten professionellen Fußball-Ligen Europas vermehrt die Meldungen von Vereinen, deren Ligaverbände ihnen verschiedenartige Auflagen oder wirtschaftlich begründete Zwangsabstiege in das Amateurlager auferlegt haben.
Als unmittelbare Folge dieser Fehlentwicklungen der letzten Jahre ist in der sportökonomischen Literatur vermehrt der Ruf nach einem System laut geworden, das sich spezifischer institutioneller Arrangements der US-amerikanischen Profiligen bemächtigt, speziell nach der Einführung von Gehaltsobergrenzen und einer dezidierten Umverteilung der Gesamterlöse auf alle Ligamitglieder. Derartige Forderungen werden ungeachtet der ähnlich alarmierenden Gehaltsentwicklung in den amerikanischen Profiligen gestellt. Es wird dabei grundsätzlich die Vermutung nahe gelegt, dass mit Hilfe der amerikanischen Variante eine höhere Rentabilität unter den Liga-Mitgliedern zu erzielen sei. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Gehaltsobergrenzen und anderen Restriktionen des Spielermarktes wird, der anfangs erwähnten Analyse Rottenbergs folgend, besonders in der jüngeren anglo-amerikanischen Literatur häufig das Ziel einer competitive balance – der Ausgeglichenheit des Ligawettbewerbs – vorangestellt, weniger das finanzielle Wohl eines einzelnen Clubs oder Franchise-Nehmers. Dieser Ansatz wird in dieser Arbeit in Frage gestellt, auch wenn er im Lichte einiger weniger Mannschaften, die seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten die wichtigsten Ligen Europas dominieren, sicherlich schnell Anhänger finden würde.
Die Fragestellung, die jedoch implizit bestehen bleibt, ist die der grundsätzlichen Übertragbarkeit eines amerikanischen Modells auf den europäischen Profisport. Sind die Strukturen, die das Bosman-Urteil geschaffen hat, wirklich vergleichbar mit denen in den Vereinigten Staaten, etwa einer free agency in der National Basketball Association (NBA) oder der National Football League (NFL)? Inwiefern können offenkundige Unterschiede des amerikanischen Systems, z.B. in der Eigentümerstruktur, der Vermarktung oder dem college draft kompensiert werden, und können Gehaltsobergrenzen trotzdem zu der erwünschten finanziellen Konsolidierung der europäischen Vereine beitragen? Weitergehend stellt sich die Frage, wie der Einfluss amerikanischer und europäischer Spielergewerkschaften einzuschätzen ist – gewährleisten die zumeist deutlich jüngeren europäischen Spielergewerkschaften die Schaffung ähnlicher Marktstrukturen und Arbeitsbedingungen für Profisportler? Anhand dieser Fragestellungen wird in dieser Arbeit analysiert, ob vergleichbare Gehaltsobergrenzensysteme in Europa funktionieren können.
Die starke Reglementierung der Einkommen von Spitzensportlern – vor allem die Gehaltsrestriktion durch die Festlegung von Obergrenzen – ist eine auf dem sonstigen Arbeitsmarkt bisher selten anzutreffende Besonderheit. Dementsprechend stellt die Untersuchung von Gehaltsobergrenzen in anderen Bereichen des Arbeitsmarktes außerhalb des Spitzensports ein noch junges Forschungsgebiet dar. Im Rahmen dieser Arbeit soll daher auch anhand der Vergabe von Forschungsgeldern im amerikanischen Gesundheitswesen aufgezeigt werden, welche (für europäische Verhältnisse) neuen Ansätze denkbar sind und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssten.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Gestaltungsmöglichkeiten von Gehaltsobergrenzen | 4 |
| 2.1 | Grundlagen | 4 |
| 2.2 | Harte Gehaltsobergrenzen - Hard Salary Caps | 5 |
| 2.2.1 | National Football League (NFL) | 6 |
| 2.2.2 | Major League Soccer (MLS) | 10 |
| 2.2.3 | Department of Health and Human Services (HHS) | 10 |
| 2.2.4 | Rookie Salary Caps (NHL, NFL, NBA) | 12 |
| 2.3 | Weiche Gehaltsobergrenzen - Soft Salary Caps | 14 |
| 2.3.1 | National Basketball Association (NBA) | 15 |
| 2.3.2 | NBA Rookie Scale | 21 |
| 3. | Gehaltsobergrenzen im Allokationsprozess | 23 |
| 3.1 | Ausgewogener Wettbewerb als Zielsetzung von Gehaltsobergrenzen | 23 |
| 3.2 | Weitere Maßnahmen zur Erhaltung eines ausgewogenen Wettbewerbs | 30 |
| 3.2.1 | Konzept der Free Agency | 30 |
| 3.2.2 | Konzept des Revenue Sharing | 32 |
| 3.2.3 | Konzept des College Draft | 37 |
| 3.3 | Two Club Model | 40 |
| 3.4 | Bedingungen optimaler Allokation der Ressourcen | 48 |
| 3.4.1 | Gewerkschaftliche Organisation | 48 |
| 3.4.2 | Kartellrechtliche Voraussetzungen | 52 |
| 4. | Distributive Auswirkungen von Gehaltsobergrenzen | 56 |
| 4.1 | Gehaltsdeterminanten | 56 |
| 4.2 | Empirische Evidenz zur Gehaltsdistribution in NBA und NFL | 62 |
| 5. | Implementierung eines Gehaltsobergrenzenmodells in Europa? | 68 |
| 5.1 | Theoriegestützte Gestaltungsvoraussetzungen | 68 |
| 5.1.1 | Ausgewogener Wettbewerb in europäischen Profiligen | 70 |
| 5.1.2 | Organisation | 72 |
| 5.1.3 | Vermarktungsformen und Umsatzumverteilung | 77 |
| 5.1.4 | Kartellrecht | 79 |
| 5.2 | Alternative Lösungsvorschläge und Umgehungsmöglichkeiten | 83 |
| 5.2.1 | Handgelder - Signing Bonuses | 83 |
| 5.2.2 | Luxussteuer - Luxury Tax | 84 |
| 5.2.3 | Einheitliche Lizenzierungsverfahren | 86 |
| 5.3 | Gehaltsobergrenzen in der biomedizinischen Forschung | 88 |
| 5.4 | Kritische Würdigung | 90 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 92 |
| Anhang | 95 | |
| Quellenverzeichnis | 107 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 116 |
Das Kartellrecht der USA ist im Sherman Antitrust Act und ergänzend im Clayton Act und dem Federal Trade Commission Act verankert.119 Die am häufigsten in der Rechtssprechung angewandten Vorschriften finden sich im Sherman Antitrust Act § 1, der wettbewerbsschädigende Absprachen verbietet und im Sherman Antitrust Act § 2, der die Ausnutzung einer Monopolstellung untersagt. Das Kartellrecht gilt grundsätzlich als auf die Profiligen anwendbar, weil es sich um eine wirtschaftliche Betätigung der Teams und der Liga handelt, die den Sport unmittelbar mit dem kommerziellen Erfolg verbindet.120 Besonders das reserve system, welches vor Einführung der free agency herrschte, wurde immer wieder von Spielern gerichtlich angezweifelt, da es gegen kartellrechtliche Vorschriften zu verstoßen schien. [...]
Kapitel 3 – Gehaltsobergrenzen im Allokationsprozess Spielergewerkschaften und die in der Folgezeit vermehrt gestellten Forderungen nach Gehaltsobergrenzen der Team-Eigentümer Ende der achtziger Jahre deutlich. Ebenso haben die Arbeitskämpfe in den amerikanischen Profiligen jedoch jene Schwierigkeiten aufgezeigt, die sich den Spielergewerkschaften dabei stellen, den Streik als effizientes Instrument des Arbeitskampfes einzusetzen. Zwar konnten in der Geschichte der Spielergewerkschaften immer wieder Verbesserungen für die Belange der Spieler erzielt werden, eine Zunahme des Einflusses gelang jedoch selten. Der einzige Weg, der die Spieler in dieser Hinsicht vorangebracht hat, war der gerichtliche im Rahmen von Kartellklagen (siehe Kapitel 3.4.2), wenn auch meistens in Verbindung mit einer tarifvertraglichen Einigung.116 Der Streik während der NFL-Saison 1987/1988 verdeutlicht zudem, wie wichtig eine straffe Organisationsstruktur für eine Spielergewerkschaft ist: während die Team-Eigentümer auf Streik-Rückstellungen in Höhe von 150 Mio. US-$ zurückgreifen konnten, gab es derartige Vorkehrungen bei der NFLPA nicht und diese musste sich verschulden, um den Streik aufrechterhalten zu können. Auch die Macht der Team-Eigentümer in Bezug auf Fernsehvermarktung und Substitution durch Ersatzspieler wurde unterschätzt: Die kurzfristig von den Teams engagierten Ersatzspieler verringerten die Zuschauerzahlen während des Streiks zwar um ca. 60 %, entgegen den Erwartungen der Spielergewerkschaft übertrugen aber die Fernsehanstalten – bei Zahlung der vollständigen Vertragssumme – sämtliche Spiele.117 [...]
Die Einführung der Gehaltsobergrenzen war einer der Hauptgründe für die Anfang der neunziger Jahre stattfindenden Arbeitskämpfe und führte in der MLB zum längsten Streik in der Geschichte des amerikanischen Profisports.114 Keine der betrachteten Ligen vermochte es letztlich, eine Gehaltsobergrenze einzuführen, ohne dabei auf den Widerstand eines organisierten Spielerverbandes zu treffen. Die daraus folgenden Arbeitskämpfe hatten in der Regel negative Folgen für Eigentümer und Spieler. Besonders negativ waren die Folgen des Streiks in der MLB 1994/1995: Die Zuschauerzahlen sanken in der Folgesaison des Streiks um ca. 20 %, sowohl die Spieler als auch die Eigentümer mussten hohe Umsatzeinbußen hinnehmen (geschätzte 700 Mio. US-$ während des Streikes und weitere 300 Mio. US-$ aus der Verzögerung der Saison 1995/1996) und es wurde ein großer Imageverlust der Liga bei den Fans festgestellt.115 Wahrscheinlich am schmerzhaftesten für die Beteiligten des MLB-Streiks war jedoch der Fakt, dass die Vorschriften des alten Tarifvertrages auch nach Beendigung des Streiks ihre Gültigkeit behielten, letztlich also nichts erreicht wurde. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832484217
Arbeit zitieren:
Winter, Christoffer August 2003: Auswirkungen von Gehaltsobergrenzen unter besonderer Berücksichtigung von professionellen Sportligen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Entlohnung, salary cap, US-Sport, UEFA, Kartellrecht



