Auswirkungen der Finanzmarktkrise 2008 auf den Mittelstand
Erfolgreiche Strategien zur Bewältigung und die Lehren aus der Krise für die Zukunft
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Sebastian Mayer
- Abgabedatum: März 2011
- Umfang: 92 Seiten
- Dateigröße: 1,7 MB
- Note: 1,9
- Institution / Hochschule: Duale Hochschule Baden-Württemberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 168
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1919-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mayer, Sebastian März 2011: Auswirkungen der Finanzmarktkrise 2008 auf den Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Finanzmarktkrise, Wirtschaftskrise, Mittelstand, Immobilienkrise, KMU
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Bachelorarbeit von Sebastian Mayer
Einleitung:
Weltweit wurde 2007 die gesamte Finanzdienstleistungsbranche durch die Nachricht der Insolvenz des US-Hypothekenfinanzierers New Century Financial Corporation geschockt. Ein Jahr später gelang es nur noch mit massiver finanzieller Hilfe der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, die beiden größten Hypothekenbanken der USA, Fannie Mae und Freddie Mac, vor der Insolvenz zu bewahren. ‘Unzureichende Transparenz und Kontrolle sowie mangelndes Verantwortungsbewusstsein’ sind nur einige der Vorwürfe, mit denen sich global agierende Finanzdienstleister, die Regierungen der Industrieländer sowie hochrangige Manager konfrontiert sahen. Das Vertrauen in Finanzdienstleistungsbranche wurde nachhaltig erschüttert, eine globale Finanzmarktkrise war nicht mehr aufzuhalten.
Durch die Finanzmarktkrise 2008 entstand schnell eine Interbankenvertrauenskrise, welche nicht nur Folgen für die Finanzdienstleistungsbranche hatte, sondern sich schnell zu einer globalen Krise für die Realwirtschaft ausbreitete. Vor allem der in Deutschland stark vertretene Mittelstand wurde von der Realwirtschaftskrise schwer getroffen. Doch getreu dem Motto ‘wir wollen die Krise als Chance nutzen’ versuchte sowohl die Finanzdienstleistungsbranche, als auch die Realwirtschaft in Verbindung mit dem deutschen Mittelstand die Krise nicht nur zu überwinden, sondern Strategien zu entwickeln und umzusetzen, sodass eine Krise gleichen Ausmaßes nicht wieder eintreten kann.
Doch ist dies überhaupt möglich? Kann man eine Krise mit solch globalen Folgen tatsächlich als Chance nutzen? Ist der Satz, ‘wir werden gestärkt aus der Finanzmarktkrise hervorgehen’ , in Wahrheit nur ein nicht realisierbarer Wunsch oder besteht wirklich die Möglichkeit aus solch einer Krise einen Gewinn für Unternehmen und sogar für eine gesamte Bevölkerungsgruppe erzielen zu können?
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 4 | |
| Abbildungsverzeichnis | 5 | |
| 1. | Einleitung | 6 |
| 2. | Die Entstehung und der Verlauf der Finanzmarktkrise 2008 | 7 |
| 2.1 | Definition ‚Finanzmarktkrise‘ | 7 |
| 2.2 | Die US-Immobilienkrise | 8 |
| 2.2.1 | Die Dot.Com-Blase | 8 |
| 2.2.2 | Die Entstehung der US-Immobilienblase | 10 |
| 2.3 | Der Ausbruch der Finanzmarktkrise | 13 |
| 2.4 | Die Finanzmarktkrise 2008 in Deutschland | 17 |
| 3. | Der Mittelstand in Deutschland | 22 |
| 3.1 | Definition ‚Mittelstand‘ | 22 |
| 3.1.1 | Qualitative Abgrenzung des Mittelstands in Deutschland | 22 |
| 3.1.2 | Quantitative Abgrenzung des Mittelstands in Deutschland | 24 |
| 3.2 | Die Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Volkswirtschaft | 27 |
| 4. | Auswirkungen der Finanzmarktkrise 2008 auf den deutschen Mittelstand | 31 |
| 4.1 | Auswirkungen der Krise auf die deutsche Konjunkturentwicklung | 31 |
| 4.2 | Die Entwicklung der Geschäfts-, Umsatz- und Personallage im deutschen Mittelstand seit der Finanzmarktkrise 2008 | 33 |
| 4.3 | Die Entwicklung der Finanzmarktkrise 2008 zu einer Krise für den deutschen Mittelstand | 37 |
| 4.3.1 | Sinkende Exporte | 37 |
| 4.3.2 | Kreditklemme im deutschen Mittelstand | 39 |
| 4.3.3 | Wechselkursschwankungen | 41 |
| 4.4 | Die Firma Märklin - ein mittelständisches Unternehmen in der Krise | 45 |
| 5. | Erfolgreiche Strategien zur Bewältigung der Krise | 47 |
| 5.1 | Staatliche Strategien zur Bewältigung der Krise im Mittelstand | 47 |
| 5.1.1 | ‚Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärke (Konjunkturpaket I)‘ | 47 |
| 5.1.2 | ‚Entschlossen in der Krise, stark für den nächsten Aufschwung (Konjunkturpaket II)‘ | 49 |
| 5.1.3 | Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz | 53 |
| 5.1.4 | Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz (Konjunkturpaket III) | 54 |
| 5.1.5 | Staatliche Maßnahmen zur Bewältigung der Krise - eine kurze Bilanz | 56 |
| 6. | Die Lehren aus der Finanzmarktkrise 2008 für die Zukunft | 59 |
| 6.1 | Änderungen der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen | 59 |
| 6.1.1 | Revitalisierung der Finanzmärkte - ein ‚come back‘ der Sozialen Marktwirtschaft | 59 |
| 6.1.2 | Basel III - erhöhte Liquidität als Lehre aus der Krise? | 62 |
| 6.2 | Neuausrichtung des menschlichen Handelns | 64 |
| 6.2.1 | Sozialethische Lehren aus der Finanzmarktkrise 2008 | 64 |
| 6.2.2 | Auswirkungen und Konsequenzen aus Sicht des Mittelstandes | 67 |
| 7. | Fazit | 70 |
| Literaturverzeichnis | 72 | |
| Internetquellenverzeichnis | 76 | |
| Glossar | 87 |
Textprobe:
Kapitel 4.3.2, Kreditklemme im deutschen Mittelstand:
‘Eine Kreditklemme ist eine Geldmarktkrise. Sie tritt ein, wenn eine schlechte Finanzsituation Banken dazu zwingt, die Kreditvergabe zu drosseln oder ganz einzustellen und ist wesentlich schwerwiegender als eine Liquiditätskrise’.
Die Kreditklemme im deutschen Mittelstand zur Zeit der Finanzmarktkrise 2008 hat zwei Ursachen. Banken agierten bei der Kreditvergabe aufgrund einer Vertrauenskrise, welche durch negative Erfahrungen mit leichtfertig vergebenen Krediten auf dem US-Hypothekenmarkt sowie der ungewissen Folgen der Krise für die Finanz- und Realwirtschaft verursacht wurde, restriktiv und gewährten sich untereinander keine Kredite mehr. Verstärkt wurde die Vertrauenskrise auf dem Interbankenmarkt durch die Eigenkapitalvorschriften des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (kurz: Basel II). Diese beinhalten, dass das jeweils vorzuhaltende Eigenkapital der Banken der Bonität des Kreditnehmers angepasst sein muss. Das heißt, Banken müssen für Kreditnehmer mit geringer Bonität mehr Eigenkapital vorhalten, als für Kreditnehmer guter Bonität. Die dadurch entstehenden Kosten werden durch eine Anpassung der Kreditzinsen in Form von Risikoaufschlägen an die Kunden weitergegeben.
Die teilweise hohen Verluste der Banken aufgrund getätigter Investitionen in ‚faule‘ US-Immobilienpapiere kombiniert mit den strikten Regelungen von Basel II führten dazu, dass weniger Bankengelder für Kredite der Realwirtschaft zur Verfügung standen. Aufgrund der Krise verschlechterte sich bei vielen mittelständischen Unternehmen deren Rating. Durch die Regelungen von Basel II stiegen dadurch die Kreditnebenkosten für kreditnehmende mittelständische Betriebe stark an. Resultierend aus der schlechten Auftragslage sowie aus den für viele KMU nicht weiter tragbaren Kreditnebenkosten konnte der Mittelstand generell weniger Kredite in Anspruch nehmen. Die rückläufige Vergabe von Krediten hatte direkte Auswirkungen auf die Realwirtschaft, denn je weniger Kredite vergeben werden, desto weniger Investitionen werden getätigt, und desto eher werden Expansionspläne oder Mitarbeiteraufstockungen verworfen und desto negativer werden häufig auch die Gewinn- und Beschäftigungsquoten. Dadurch ergibt sich eine steigende Zahl von Insolvenzen im Mittelstand und die Bonitäten der KMU verschlechterten sich weiter. Ein Kreislauf war geschaffen, bei dem zunehmend Banken und mittelständische Betriebe massiv in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, was so auch die Kreditklemme weiter verschärfte.
Da der Mittelstand besonders abhängig von der klassischen Finanzierung durch Bankkredite ist, wurde er von diesem ‚Teufelskreis‘ überwiegend getroffen. Kapital, welches in der Finanzmarktkrise 2008 notwendig gewesen wäre, konnte den kleinen und mittleren Unternehmen im Verlaufe der Krise nicht weiter zur Verfügung gestellt werden. Zwar haben viele mittelständische Unternehmen aus der Dot.Com-Krise gelernt und ihre Eigenkapitalrücklagen stetig gesteigert, doch durch die enormen Absatzrückgänge als Folge der Finanzmarktkrise 2008 waren auch diese Risikopuffer schnell aufgebraucht. So ergab eine im April 2009 durchgeführte Studie der WGZ-Bank, dass die Zahl der Unternehmen, die über eine Eigenkapitaldeckung von über 20 Prozent verfügen, stark rückläufig ist. Des Weiteren ging aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thorten hervor, dass bereits Anfang 2009 circa zwei Drittel aller deutschen mittelständischen Unternehmen darüber klagten, sie hätten selbst bei der Aufnahme gewöhnlicher Kredite nachhaltig Schwierigkeiten.
4.3.3, Wechselkursschwankungen:
Bei dem Begriff ‚Wechselkurs‘ ist zwischen nominalem und realem Wechselkurs zu unterscheiden. ‘Während der nominale Wechselkurs das Austauschverhältnis von zwei Währungen beschreibt, definiert der reale Wechselkurs das Austauschverhältnis von Gütern’. Der nominale Wechselkurs ist somit der Preis einer Währung, der in einer anderen Währung bezahlt werden muss. Im folgenden Abschnitt ist der Begriff ‚Wechselkurs‘ immer als nominaler Wechselkurs zu verstehen.
Die Basis von flexiblen Wechselkursen ist das sogenannte ‚Floating‘. Dies bedeutet, dass ‘der Wechselkurs einer Währung zu anderen Währungen nicht durch staatliche Preisfestsetzungen fixiert ist. Der Preis wird durch die Angebots- und Nachfragebedingungen am Devisenmarkt gebildet und unterliegt den entsprechenden Schwankungen (auch flexible Wechselkurse genannt)’. Hierbei muss zwischen dem sogenannten ‚sauberen‘ und dem ‚schmutzigen Floating‘ unterschieden werden. ‚Sauberes Floating‘ bedeutet, dass die Nationalbanken nicht auf den Devisenmärkten eingreifen und somit den Mechanismus von Angebot und Nachfrage nicht beeinflussen. Beim ‚schmutzigen Floating‘ hingegen wirken die Notenbanken aktiv auf die Devisenmärkte ein, indem fremde Währungen ge- oder verkauft werden. Die Europäische Zentralbank zeigte bereits mehrfach Anzeichen für ‚schmutziges Floating‘. So intervenierte sie in mehreren Fällen am Devisenmarkt, um den Euro vor dem US-Dollar zu schützen. Es wurde somit auf den Verlauf der Schwankungen zwischen zwei Währungen Einfluss genommen.
Schwankungen innerhalb der Währungen können sowohl zu Wechselkursgewinnen als auch Wechselkursverlusten führen. Beträgt beispielsweise zu einem beliebigen Zeit¬punkt X1 der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar 1,600 und die Kreditsumme 160 US-$, so hätte es positive Auswirkungen für den Kreditnehmer, wenn im Zeitpunkt X2 der Wechselkurs 1,700 beträgt. Die Rückführung des in Höhe von 160 US-$ aufgenommen Kredites würde nur noch 94,12 € kosten. Würde der Wechselkurs im Zeitpunkt X2 jedoch nur noch 1,500 betragen, so hätte dies negative Auswirkungen auf den aufgenommenen Kredit, da für die gesamte Rückführung des Kredites 106,67 € notwendig wären. Steigende Wechselkurse sind somit von Vorteil für Unternehmen.
Entgegen der Wirkung der Kreditklemme, die hauptsächlich national agierende Unternehmen beeinflusste, betrifft der Effekt der Wechselkurse hauptsächlich international agierende mittelständische Unternehmen, die in den ‚Nicht-Euro-Raum‘ exportieren. Insgesamt betrug die Zahl der Exporte zwischen deutschen Unternehmen mit Unternehmen, die nicht der europäischen Währungsunion angehören, im Jahr 2009 38 Prozent. Eine Tatsache, die verdeutlicht, dass Wechselkursverluste große Verluste für KMU nach sich ziehen können.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842819191
Arbeit zitieren:
Mayer, Sebastian März 2011: Auswirkungen der Finanzmarktkrise 2008 auf den Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Finanzmarktkrise, Wirtschaftskrise, Mittelstand, Immobilienkrise, KMU



