Auswirkungen der Europäischen Währungsunion auf die Wettbewerbsbedingungen euroländischer Unternehmen
Hinsichtlich der Faktoren Markttransparenz und Wechselkursvariabilität
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Herzog
- Abgabedatum: November 1999
- Umfang: 87 Seiten
- Dateigröße: 637,3 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5947-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5947-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5947-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Herzog, Stefan November 1999: Auswirkungen der Europäischen Währungsunion auf die Wettbewerbsbedingungen euroländischer Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Industrieökonomik, Außenhandel, intra-euroländischer Handel, pricing-to-market
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Diplomarbeit von Stefan Herzog
Einleitung:
Der Wettbewerb zwischen Unternehmen findet in einem zunehmend globalen Kontext statt. Im Rahmen der „World Trade Organisation“ (WTO) gibt es Bestrebungen zu einer weltweiten Handelsliberalisierung, die den Wettbewerb fördert, wenngleich dieser kein ausdrückliches Ziel der WTO ist.
Zusätzlich bilden sich auf Länderebene zunehmend Gemeinschaften, die Zoll- oder Freihandelsunionen miteinander vereinbaren. Ein solcher Integrationsprozeß dient nicht zuletzt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Der europäische Integrationsprozeß hat mit Abschluß der „Römischen Verträge“ (Vertrag über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft – EWG) 1957 seinen Anfang genommen. Bereits 1970 wurde dann mit dem sogenannten „Werner-Plan“ ein erster Entwurf über die Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion vorgelegt, der jedoch nach der Freigabe der internationalen Wechselkurse Anfang der 70er Jahre sowie aufgrund binnenwirtschaftlicher und politischer Divergenzen nicht umgesetzt wurde. Anstatt dessen folgte 1979 zunächst die Einführung des Europäischen Währungssystems (EWS 1), das als eine „Zone mönetärer Stabilität“ angelegt wurde.
Weitere Fortschritte machte der europäische Integrationsprozeß 1987 durch das Inkrafttreten der Einheitlichen Europäischen Akte und das Binnenmarktprogramm mit dem Ziel, bis Ende 1992 den europäischen Binnenmarkt zu vollenden. Das geschah zum einen über die Liberalisierung des Kapitalverkehrs zum 1. Juli 1990 und zum anderen über die Vollendung des Binnenmarktes zu Beginn des Jahres 1993 und einer damit verbundenen Liberalisierung des Warenverkehrs innerhalb der EU.
Ein zweiter Anlauf zur Schaffung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) sollte hingegen in drei aufeinander folgenden Stufen umgesetzt werden. Dabei sollten im Zuge der ersten beiden Stufen die notwendigen Voraussetzungen einer Währungsunion mittels Konvergenzmaßnahmen geschaffen werden.
Nun sind am 1. Januar 1999 die elf im Mai 1998 in Brüssel nach bestimmten Konvergenzkriterien festgelegten EU-Staaten in die dritte Stufe der Europäischen Währungsunion (EWU) eingetreten. Deren bilaterale Umtauschkurse (und damit gleichzeitig die wechselkursbedingte Wettbewerbsposition innerhalb der EWU-Staatengemeinschaft) wurden ebenfalls zum Jahreswechsel gegenüber dem Euro unwiderruflich fixiert.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollen die Auswirkungen der EWU auf den Wettbewerb untersucht werden. Dabei werden die Wettbewerbsbedingungen der euroländischen Unternehmen hinsichtlich zweier Faktoren untersucht: Zum einen wird die Wettbewerbswirkung der mit der EWU verbundenen erhöhten Markttransparenz anhand eines industrieökonomischen Ansatzes untersucht.
Zum anderen wird gefragt, welche Auswirkungen die EWU über die Eliminierung der Wechselkursunsicherheit auf den Außenhandel als Wettbewerbskanal hat. In einem Exkurs wird außerdem auf die Investitionen als einem weiteren Wettbewerbskanal eingegangen. Dabei werden sowohl theoretische als auch empirische Befunde herangezogen, um zu einer Aussage zu gelangen.
Bei der Bearbeitung des Themas konnten einige Aspekte nicht berücksichtigt werden, obgleich auch sie mehr oder weniger wettbewerbsrelevant sind oder sein können. So ist auf die Behandlung von Transaktionskosten (i.F.v. Umtausch- und Währungssicherungskosten), Zins- und Wachstumseffekten (die insbesondere in Verbindung mit Investitionen von Bedeutung sind) sowie auf die Behandlung der Arbeitsmärkte verzichtet worden, weil eine gebührende Abhandlung den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde.
Des weiteren beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf die Auswirkungen der EWU innerhalb Eurolands. Zum einen hängt die Wirkung der EWU im Außenverhältnis von einer Vielzahl zusätzlicher Faktoren ab, deren Behandlung den Umfang dieser Arbeit übersteigen würde. Zum anderen sind die Effekte in dieser Wirkungsrichtung theoretisch und empirisch weniger erforscht, wodurch die Aussagen einen eher spekulativen Charakter bekämen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| I. | Einleitung | 1 |
| II. | Der Wettbewerb im Lichte erhöhter Markttransparenz durch die EWU | 4 |
| 1. | Problemstellung | 4 |
| 2. | Allgemeines zum Wettbewerb | 5 |
| 2.1 | Begriff und Eigenschaften von Wettbewerb | 5 |
| 2.2 | Funktionsweise und Erscheinungsformen von Wettbewerb | 6 |
| 2.3 | Zur Wettbewerbsintensität | 8 |
| 2.4 | Die wettbewerbliche Ambivalenz von Markttransparenz | 9 |
| 3. | Die Industrieökonomik und Wettbewerb | 14 |
| 3.1 | Die Industrieökonomik und das structure-conduct-performance Paradigma | 14 |
| 3.2 | Die Behandlung des Wettbewerbs in der Industrieökonomik | 16 |
| 3.3 | Probleme industrieökonomischer Untersuchungen | 18 |
| 4. | Schlußfolgerungen: Auswirkungen der EWU auf die Markttransparenz | 19 |
| III. | Auswirkungen der EWU auf den Außenhandel | 21 |
| 1. | Problemstellung | 21 |
| 2. | Die EWU und der intra-euroländische Handel | 22 |
| 2.1 | Der Zusammenhang zwischen Wechselkursunsicherheit und Außenhandel: Eine theoretische Betrachtung | 23 |
| 2.2 | Zur Wechselkursvariabilität | 27 |
| 2.2.1 | Misalignments | 28 |
| 2.2.2 | Wechselkursvolatilität | 29 |
| 2.2.3 | Die Messung von Wechselkursvariabilität | 32 |
| 2.3 | Anpassungsträgheiten im Zusammenhang mit Wechselkursschwankungen | 35 |
| 2.3.1 | Das Konzept des pricing-to-market | 36 |
| 2.3.2 | Das Phänomen der Hysterese | 44 |
| 2.4 | Befund empirischer Studien zum Zusammenhang zwischen Wechselkursvariabilität und Außenhandel | 54 |
| 3. | Exkurs: Wechselkursvariabilität und Investitionen | 67 |
| 4. | Schlußfolgerungen: Außenhandelseffekte der Eliminierung der Wechselkursvariabilität durch die EWU | 71 |
| IV. | Implikationen für den Wettbewerb in Euroland | 76 |
| 1. | Auswirkungen erhöhter Markttransparenz | 76 |
| 2. | Auswirkungen der Eliminierung der Wechselkursvariabilität | 78 |
| Literaturverzeichnis | VII |
37 eine Erweiterung der Infrastruktur als nicht notwendig erachten, sofern die Aufwertung des US-Dollars als nur vorübergehend erachtet wird. Werden also Anpassungskosten einbezogen, so hängt das Ausmaß des pricing-to-market zum einen davon ab, wie lange die Währungsaufwertung bereits andauert und zum anderen davon, für wie nachhaltig diese Aufwertung gehalten wird. Das zweite Modell setzt an der Nachfrageseite an und betrachtet eine verzögerte Anpassung der Nachfrage („Nachfrage-lag“) an Preisänderungen. Durch den „trade-off“ zwischen einer gegenwärtigen Gewinnschmälerung und einer zukünftigen Umsatzsteigerung bekommt die Preissetzungsentscheidung einer Unternehmung einen investitionsähnlichen Charakter. Wird eine Währungsabwertung also als dauerhaft angesehen, so wird der Exporteur die Preise in Erwartung höherer zukünftiger Gewinne senken. Die Preissenkung ist jedoch wiederum abhängig von weiteren funktionalen Annahmen. Erwartet der Exporteur hingegen, daß die Abwertung nur temporärer Natur ist, wird er die Preise unverändert lassen. Somit liefert dieses Modell lediglich Bedingungen, unter denen pricing-to-market Verhalten profitabel ist. Ein dritter Erklärungsansatz verwendet die Unternehmensreputation in Bezug auf die Preissetzung. Dieses Modell basiert auf der Annahme, daß der Markteintritt für potentielle Käufer mit Kosten verbunden ist, noch bevor diese eine Kaufentscheidung treffen (z.B. durch hohe Informationskosten bei komplexen und differenzierten Gütern). Der Markteintritt wird jedoch nur in dem Fall vollzogen, daß der angebotene Preis hinreichend attraktiv ist. Dabei kommt es nicht nur auf den gegenwärtigen Preis an, sondern auch auf den Preis zum Zeitpunkt der Kaufentscheidung, nachdem sich der Kunde für den Markteintritt entschieden hat. Die Preiserwartung folgt der über einige Zeit aufgebauten Reputation, wodurch Unternehmen einer bestimmten Preiskategorie zugeordnet werden. Die Preisträgheit wird nun dadurch erklärt, daß die Nachfrager in ihrer Kaufentscheidung ex post, d.h. nach dem Markteintritt, nicht mehr so frei sind wie ex [...]
36 Während die schwedischen Lohnstückkosten (gemessen in US-Dollar) zwischen 1985 und 1987 um 70% stiegen, betrug der Anstieg der Exportpreise für Volvos lediglich 17%. Daran ist ein weiteres Mal die Preisträgheit in Reaktion auf Wechselkursbewegungen zu erkennen. Wie sind nun diese Beobachtungen zu erklären? Einige Autoren betrachten das Modell des pricing-to-market als statisch.115 Unter „statisch“ ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, daß es unerheblich ist, ob Unternehmen die Wechselkursänderung als temporär oder persistent ansehen. Das bedeutet, daß Unternehmen (in statischen Modellen) das pricing-to-market beibehielten, auch wenn ein für unbestimmte Zeit unveränderter Dollaranstieg erwartet werden würde. Diese Annahme wird von anderen Autoren als unrealistisch und unplausibel bewertet.116 Krugman117 wendet sich daher dynamischen Modellen zu, in denen die USDollaraufwertung als temporär angenommen wird. Daher basieren die von Unternehmen gesetzten Preise auf den langfristigen Kosten und nicht auf den vorübergehend durch einen starken US-Dollar niedrigen Kosten. Er stellt drei Modelle vor, die der Plausibilisierung dienen, warum Importpreise im Vergleich zur Wechselkursänderung unterproportional fallen, wenn die Währungsaufwertung entweder nicht antizipiert wurde oder wenn erwartet wird, daß diese sich wieder umkehrt. Das erste Modell sucht eine angebotsseitige Begründung, indem angenommen wird, daß einem preisdiskriminierenden Monopolisten Kosten durch die Anpassung von Außenhandelsaktivitäten entstehen. Stellt man sich beispielsweise einen Automobilhersteller vor, der seine Umsätze steigern will, so entstehen ihm durch den notwendigen Ausbau der Infrastruktur für Distribution und Service zusätzliche Kosten. Wertet der US-Dollar plötzlich auf, so wird der Exporteur die Preise nicht an die neue Wechselkursparität anpassen bzw. senken, bevor er nicht die notwendigen zusätzlichen Kapazitäten aufgebaut hat. Vielmehr ist zu erwarten, daß der Exporteur die Preise graduell mit der entsprechenden Kapazitätsanpassung senken wird. Des weiteren wird der Monopolist [...]
Trotz einer massiven Abwertung des US-Dollars nach 1985 stiegen die Importpreise nur sehr zögerlich und in relativ geringem Maße, was für ein pricing-tomarket spricht. Die Empirie spricht klar für die Existenz von pricing-to-market und zeigt, daß mehr als 30% der realen Dollaraufwertung in der ersten Hälfte der 80er Jahre in einer Divergenz zwischen US-Importpreisen und den Preisen für dieselben Güter auf anderen lokalen Märkten widergespiegelt wird. Pricing-tomarket Verhalten scheint sich jedoch selektiv in Bezug auf Branchen zu vollziehen und - selbst wenn es beobachtet werden kann - nicht in vollständiger Form aufzutreten.113 Was auf der aggregierten Ebene gezeigt werden kann, veranschaulicht Krugman114 zusätzlich an einem konkreten mikroökonomischen Beispiel: Er betrachtet die Preise für Volvos, die von Schweden in die USA exportiert werden. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832459475
Arbeit zitieren:
Herzog, Stefan November 1999: Auswirkungen der Europäischen Währungsunion auf die Wettbewerbsbedingungen euroländischer Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Industrieökonomik, Außenhandel, intra-euroländischer Handel, pricing-to-market



