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Auswirkungen des Bachelorstudiums auf die Arbeitssituation, Freizeitgestaltung und das soziale Engagement Studierender

Auswirkungen des Bachelorstudiums auf die Arbeitssituation, Freizeitgestaltung und das soziale Engagement Studierender
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Jana Hölzel
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Nordhausen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 40
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3775-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hölzel, Jana Juli 2009: Auswirkungen des Bachelorstudiums auf die Arbeitssituation, Freizeitgestaltung und das soziale Engagement Studierender, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Soziales Engagement, Bachelor, Arbeitssituation, Freizeitgestaltung, Studierende

Bachelorarbeit von Jana Hölzel

Einleitung:

Die Problematik des neuen Studiensystems wird sowohl an Hochschulen, auf dem Arbeitsmarkt, sowie in der Presse stark diskutiert. Es besteht keine einheitliche, gefestigte Meinung zur Abschaffung des Diploms und der Magister-Abschlüsse an Hochschulen und der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Deutschland ist sich noch nicht einig, ob diese Entwicklung positiv oder negativ zu bewerten ist.

Betrachtet man die aktuellen Ereignisse, ist jedoch festzustellen, dass die Meinung wohl eher im Bereich des Negativen liegt. So gab es erst kürzlich den ‘Bildungsstreik 2009’ in ganz Deutschland bei dem sich, laut Presse, 240.000 Menschen (vorwiegend Studenten) in 60 Städten beteiligten. Forderungen aus diesem Streik waren die soziale Öffnung der Hochschulen zum Thema Studiengebühren, Zulassungsbeschränkungen u.a., Abschaffung von Bachelor und Master in der aktuellen Form, das Bildungssystem demokratisieren, sowie die Lehr- und Lernbedingungen deutlich zu verändern und zu verbessern. Mit Slogans wie ‘Heute schon auswendig gelernt?’ oder ‘Selbstbestimmt leben und lernen’ und dazugehörigen Plakaten, signalisieren die Demonstranten ihren Missmut.

Die Umstrukturierung des Studiensystems ist in vollem Gange und es kristallisieren sich nun mehr immer deutlicher die Vor- und Nachteile heraus. Es wird sich von Jahr zu Jahr deutlicher zeigen, ob Bachelor und Master die erwünschten Ziele des Bologna-Prozesses erreichen und einen europäischen Hochschulraum schaffen werden. Die verkürzte Studienzeit soll für einen ersten akademischen Grad vor allem Abiturienten motivieren, die sich eine lange Studienzeit finanziell nicht leisten können. Doch gerade hier gibt es häufig Probleme, da der Bachelor sehr verschult und mit einem straffen Ablaufplan bestückt ist. Studierende mit finanziell schlechteren Situationen hätten somit keine Zeit für Nebentätigkeiten. Die Finanzierung des Studiums, sowie des Lebensunterhaltes würden sich nicht verbessern bzw. das letzte bisschen Freizeit würde zur Arbeitszeit werden. Ausgehend von dieser Problematik könnte auch der gesellschaftlich wichtige Punkt des sozialen Engagements an Bedeutung für die Gruppe der Studierenden verlieren. Nicht auf Grund der Relevanz, sondern einzig und allein wegen des Zeitfaktors.

Das alles sind Spekulationen und Vermutungen. Zeitschriften schreiben Woche für Woche neue Artikel zum Bologna-Prozess. Einige befürworten ihn, andere kritisieren ihn. Die ZEIT legte in einem Artikel die zehn gängigsten Vorurteile über Studierende dar. Neben fehlendem politischen Engagement und der Meinung, dass Studenten früher schlauer waren, wird auch die Zunahme der studentischen Erwerbstätigkeit genannt. Ob diese Zunahme mit der Einführung des Bachelor und Masters wirklich noch zutreffend ist, soll unter anderem in dieser Arbeit im Ansatz beantwortet werden.

Diese Bachelorarbeit soll verdeutlichen, welche Auswirkungen ein Bachelorstudium mit sich bringt. Dieser Aspekt wird hinsichtlich der aktuellen Arbeitssituation, des Freizeitverhaltens und des sozialen Engagements von Studierenden an Thüringer Fachhochschulen betrachtet.

Ziel dieser Arbeit soll sein, welche Auswirkungen der Bologna-Prozess auf die Studiengewohnheiten hat. Es gilt darzulegen, wie die derzeitige Situation der Studierenden in ihrem Bachelorstudium ist und wie sie zu ihrem Studium stehen. Neben der Erläuterung der aktuellen Beschäftigungssituation der Studierenden, soll auch erkenntlich gemacht werden, wie sich deren Freizeit gestaltet und wie viel Zeit ihnen noch für soziales Engagement bleibt. Aber auch deren Meinung zum Studium, zum Bachelor sowie deren Empfindungen sollen eingefangen und reflektiert werden, um eine Prognose für zukünftige Entwicklungen geben zu können bzw. um klare Vorschläge für Veränderungen anbieten zu können.

Beginnende werden nach der Darlegung wichtiger begrifflicher Bestimmungen, im zweiten Kapitel theoretische Grundlagen zum Bologna-Prozess bezüglich der Grundideen, Ziele und Umsetzungen gegeben, sowie der Darlegung der Vor- und Nachteile.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Entwicklungen an Hochschulen (immer am Beispiel von Fachhochschulen, soweit Daten vorhanden sind), der Studienabbruchquoten, wobei hier betrachtet wird, welchen Verlauf diese Quote seit der Einführung des neuen Studiensystems genommen hat. Weiterhin werden die Entwicklungszahlen der zur studentischen Erwerbstätigkeit, der Freizeitgestaltung und natürlich des sozialen Engagements analysiert und erläutert.

Nach Darlegung der Hypothesen in Kapitel vier, befasst sich der darauf folgende Abschnitt mit der Befragung von Bachelorstudieren an Thüringer Fachhochschulen zum genannten Thema. Es werden im Vorfeld die Methodik, sowie Zielgruppe und Auswertungsverfahren erläutert. Nachfolgend, im sechsten Kapitel, werden die deskriptiven Ergebnisse aus der Befragung anschaulich dargelegt und analysiert, worauf dann noch zur Unterscheidung von Auswertungsergebnissen hinsichtlich der Faktoren Fachhochschule, Fachbereich/ Studienabschnitt, Geschlecht und Ausbildung eingegangen wird.

Die Schlussfolgerungen aus der Befragung und somit die Auswirkungen des Bachelorstudiums, mit dessen Vor- und Nachteilen, werden im siebten Kapitel ausgearbeitet und präsentiert. Ein Ausblick und somit eine Prognose für die weitere Entwicklung an Hochschulen, hinsichtlich der genannten Aspekte der Erwerbstätigkeit, der Freizeitgestaltung und des sozialen Engagements erfolgt abschließend im achten und letzten Kapitel.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis VII
1. Grundlagenbetrachtung 1
1.1 Einführung in die Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Herangehensweise 2
1.3 Begriffliche Bestimmungen 4
1.3.1 Bologna-Prozess 4
1.3.2 Bachelor 4
1.3.3 Master 4
1.3.4 Freiwilliges/ bürgerschaftliches Engagement (soziales Engagement) 4
1.3.5 Deskriptive Statistik 5
1.3.6 Inferenz-statistische Unterschiede 5
2. Der Bologna-Prozess in Deutschland 5
2.1 Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge 5
2.2 Umsetzung in Deutschland 7
2.2.1 Akkreditierung 7
2.2.2 Evaluation 8
2.3 Vor- und Nachteile 9
2.3.1 Vorteile des Bachelors 10
2.3.2 Nachteile des Bachelors 11
2.3.2.1 Leistungspunktesystem und Modularisierung 11
2.3.2.2 Verschulung des Hochschulsystems vs. Lernfreiheit 12
2.3.2.3 Auslandsaufenthalte und Anerkennung von Studienleistungen 14
2.3.2.4 Employability 15
2.3.2.5 Anerkennung und Akzeptanz des Bachelors 15
2.3.2.6 Anerkennung und Akzeptanz des Bachelors durch den Lehrkörper 16
2.3.2.7 Anerkennung und Akzeptanz des Bachelors durch Studierende 16
2.3.2.8 Anerkennung und Akzeptanz des Bachelors durch Arbeitgeber 17
2.3.2.9 Anerkennung und Akzeptanz des Bachelors im Ausland 18
3. Entwicklungen 19
3.1 Entwicklung der Studienabbruchquoten in Deutschland 19
3.2 Entwicklung der studentischen Erwerbstätigkeit 21
3.3 Entwicklung der Freizeitgestaltung Studierender 23
3.4 Bedeutung des freiwilligen Engagements von Jugendlichen/ Studenten 24
3.5 Entwicklung des sozialen Engagements Studierender 25
4. Hypothesen 27
5. Die Befragung 28
5.1 Methodisches Vorgehen 28
5.2 Fragebogengestaltung 28
5.3 Zielgruppe 29
5.4 Auswertungsprozeduren 29
5.5 Probleme während der Befragung 29
6. Ergebnisse der Befragung 30
6.1 Deskriptive Ergebnisse 30
6.1.1 Allgemeine Ergebnisse 31
6.1.2 Nebentätigkeitssituation der befragten Bachelorstudierenden 33
6.1.3 Freizeitsituation der befragten Bachelorstudierenden 35
6.1.4 Soziales Engagement und Freiwilligenarbeit der befragten Bachelorstudierenden 37
6.1.5 Auswertung der Aussagenbeurteilung 39
6.1.6 Auswertung der offen gestellten Fragen 42
6.2 Inferenz-statistische Unterschiede 43
6.2.1 Unterschiede hinsichtlich der Fachhochschule 44
6.2.1.1 Fachhochschule Jena 44
6.2.1.2 Fachhochschule Erfurt 45
6.2.1.3 Fachhochschule Nordhausen 45
6.2.2 Unterschiede hinsichtlich des Fachbereichs/ des Studienabschnitts 48
6.2.2.1 Fachbereich Wirtschaft/ Recht 48
6.2.2.2 Fachbereich Sozialwesen 49
6.2.2.3 Fachbereich Ingenieur-/ Naturwissenschaften 51
6.2.2.4 Studienabschnitt 52
6.2.3 Unterschiede hinsichtlich des Geschlechts 53
6.2.4 Unterschiede hinsichtlich einer vorherigen Berufsbildung 56
6.2.5 Unterschiede hinsichtlich der Ausübung einer studentischen Erwerbstätigkeit 58
6.2.6 Unterschiede hinsichtlich der Belastung 60
7. Schlussfolgerungen aus der Befragung 63
7.1 Betrachtung der Hypothesen 63
7.2 Auswirkungen des Bachelorstudiums 66
7.3 Mögliche prognostizierte Vorteile und Nachteile von Bachelorstudiengängen 72
8. Ausblick/ Prognose der weiteren Entwicklung 73
Literaturverzeichnis VIII
Anhang 1: Fragebogen XIV
Anhang 2: Tabelle der Aussagenbeurteilung XXIV

Textprobe:

Kapitel 3.2, Entwicklung der studentischen Erwerbstätigkeit:

Im Folgenden wird die Entwicklung der Erwerbstätigkeit Studierender im Allgemeinen sowie in Thüringen betrachtet.

Eine Erhebung zur Entwicklung der studentischen Erwerbstätigkeit der FHW Pforzheim ergab, dass im Jahr 1958 75% der BWL Studierenden ‘Jobber’ waren. Es arbeiteten mehr Studenten der FHW in den Ferien als im Vorlesungszeitraum. Im damaligen Vergleich mit der Uni Frankfurt wurde deutlich, dass FH Studenten häufiger als Uni-Studenten in ihren Ferien erwerbstätig waren. Dies begründet sich durch den höheren Grad an Verschulung von FHs in einem Stundenplan, wohin gegen die Zusammenstellung an einer Uni freier wählbar ist. Die Stundenbelastung bei dieser Erhebung betrug damals größtenteils 10-19 Stunden pro Woche.

Bereits bei dieser Erhebung lies sich herauskristallisieren, dass der meistgenannte Grund für eine Erwerbstätigkeit, neben dem Studium, die Sicherung des Lebensunterhaltes war. So wurde schon damals, Jahre vor der Entscheidung, zu einer neuen Studienstruktur in Europa und Deutschland geschrieben: ‘Das Bedürfnis Jobben zu müssen bzw. zu wollen, drängt sich zunehmend in den Studienalltag und engt den Freiraum für das Studium, die Freizeit und die Familie stark ein. Es ist fraglich, inwieweit der Student noch die Möglichkeit hat, seine Interessen im Studium verwirklichen zu können.’ Nach einer Sonderauswertung für Thüringen aus der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes wurde aufgezeigt, dass 50% der Studenten an Thüringer Hochschulen neben ihrem Studium erwerbstätig sind. Der zeitliche Aufwand für eine Nebentätigkeit von Studenten an Thüringer Fachhochschule im Jahr 2006 lag bei durchschnittlich 5 Stunden pro Woche. Im Vergleich mit der Erhebung von 1997 ist dies ein Rückgang von fast einer Stunde (1997: 5,9 Stunden). Vor allem die Erwerbstätigkeit der Frauen ist seit 2003 stark zurückgegangen. In Zahlen sind dies 1,5 Stunden. Betrachtet man ihre männlichen Kommilitonen, so stieg deren Arbeitsaufwand seit 2003 und liegt nun über dem Wert der Frauen. Es fand sich kein Zusammenhang zwischen einem zunehmenden Alter der Studenten mit einer zunehmenden Erwerbstätigkeit. Auch ist der sinkende Anteil der Erwerbstätigen nicht mit der Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu begründen. Jedoch gaben 30% der Studierenden die Studienbelastung als den ausschlaggebenden Grund für ihre ‘Erwerbslosigkeit’ an. Dieser Anteil lag geschlechterspezifisch bei den Frauen noch 7 Prozentpunkte über dem allgemeinen Thüringer Durchschnitt.

Die Art der ausgeführten Tätigkeit war hauptsächlich ein Aushilfsjob (34,4% in Thüringen, 38% an Thüringer FHs) oder die Tätigkeit als Hiwi (29% in Thüringen, 20% an Thüringer FHs). Auffallend ist, dass ein Nebenjob im erlernten Beruf an FHs von ca. 26% ausgeführt wird und somit die zweithäufigste Art der Tätigkeit ist. An den Universitäten hingegen nimmt diese Gruppe lediglich 5% ein. Dies bestätigt, dass Studieninteressierte mit abgeschlossener Berufsausbildung vorzugsweise ein Fachhochschulstudium aufnehmen und ihr Berufsziel weniger wissenschaftlich orientieren. Dies bestätigt auch der 10. Studierendensurvey. Laut diesem habe 21% der FH-Studenten bereits vorab eine Berufsausbildung abgeschlossen. An Universitäten beträgt dieser Anteil nur 12%. Hinsichtlich der Motive für eine Nebentätigkeit überwiegen hier die finanziellen Aspekte. 69% der Studenten möchten sich mehr leisten können. Mit einer Steigerung von 2% gegenüber 2003 verstärkte sich dieses Motiv. 53% gaben die Sicherung Ihres Lebensunterhaltes als Motiv an (Mehrfachantworten waren möglich). Gegenüber 2003 gab es hierbei keine Veränderung. Wie sich das Ergebnis hinsichtlich der Studierendenbefragung gestaltet und ob es vergleichbare Ergebnisse gibt, wird in Kapitel sechs erläutert.

3.3 Entwicklung der Freizeitgestaltung Studierender:

Zum Thema Freizeitgestaltung von Studierenden und einer daraus resultierenden Entwicklung, gibt es keine spezifischen Daten. Die nachfolgenden Erkenntnisse wurden aus der Shell-Jugendstudie gewonnen.

Innerhalb ihrer Freizeit verbringen Studenten in Thüringen durchschnittlich 16,1 Stunden mit studienrelevanten Tätigkeiten/ Selbststudium. Das ist ein Anstieg von 0,8 Stunden seit 2007. Hierbei verbringen Frauen etwas mehr Zeit für ihr Selbststudium als Männer und ‘opfern’ somit häufiger ihre Freizeit.

Aus der aktuellen Shell-Jugendstudie von 2006 geht hervor, dass die Top fünf der Freizeitbeschäftigungen von Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren die nachfolgenden Aktivitäten sind (Mehrfachantworten waren möglich).

1. Musik hören:

63% der Jugendlichen gaben dies an, mit einem Rückgang zu 2002 von drei Prozent.

2. Fernsehen:

Dieser Beschäftigung gingen 58% nach. Gegenüber 2002 gab es nur einen minimalen Rückgang von einem Prozent.

3. sich mit Leuten treffen:

57% treffen sich gern mit Freunden und Bekannten, jedoch mit einem Abwärtstrend von fünf Prozent.

4. im Internet surfen:

Mit 38% und dem stärksten Zuwachs seit 2002 (26%) wird das Medium Internet immer mehr zum Bestandteil der jugendlichen Freizeit. Vor allem aufgrund des Booms der letzten Jahre von Communitites wie StudiVZ/ MeinVZ, Facebook, MySpace und vielen anderen wird das Internet immer mehr zum Treffpunkt mit Freunden von der Couch aus.

5. Disco, Partys:

Weiterhin beliebt und mit einer Steigerung von vier Prozent nehmen Partys einen Anteil von 38% ein.

Mit 20% liegen die PC-Spiele für Jugendliche auf Platz zehn. Den größten Rückgang gegenüber 2002 hat der Freizeitsport, sowie das Treffen mit Leuten zu verzeichnen.

Diese Entwicklung spiegelt die allgemeinen Annahmen wieder, dass Jugendliche immer größere ‘Sportmuffel’ sind und sich mehr mit dem Internet in ihren vier Wänden als mit ihren realen Freunden beschäftigen.

3.4 Bedeutung des freiwilligen Engagements von Jugendlichen/ Studenten:

Die Bedeutung des freiwilligen Engagements nimmt in allen Lebensbereichen deutlich zu und wird auch seitens des Bundes gefördert und befürwortet. Mit der Initiative ZivilEngagement (www.Initiative-ZivilEngagement.de) möchte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zum Thema bürgerschaftliches Engagement, aufklären, informieren und motivieren. Auch werden Tipps zu steuerrechtlichen Absetzungsmöglichkeiten und anderen relevanten Themen gegeben.

Bürgerschaftliches Engagement ist ein mittlerweile überall präsentes Thema für unsere Gesellschaft. Gerade für Jugendliche und im speziellen für Studenten ist dies ein wichtiger Wert für die eigene Persönlichkeit, aber auch für die Gesellschaft.

Dr. Michael Bürsch äußerte sich zum bürgerschaftlichen Engagement folgendermaßen: ‘Bürgerschaftliches Engagement in seiner gesamten Vielfalt hält unsere Gesellschaft zusammen, macht sie lebendig und lebenswert. Die engagierten Bürgerinnen und Bürger schaffen mit ihrem Einsatz eine Atmosphäre der Solidarität, der Zugehörigkeit und des Vertrauens. Gleichzeitig ist das Engagement der Bürgerinnen und Bürger der Grundpfeiler einer lebendigen, sozialen Demokratie.’ Soziales Engagement bereichert unsere Gesellschaft, stabilisiert sie und gibt dem Engagierten das Gefühl etwas Gutes und Sinnvolles zu vollbringen. Weiterhin wird das soziale Engagement auch hinsichtlich der Aufrechterhaltung unseres sozialen Systems immer bedeutsamer. Der demografische Wandel führt zu einer immer älterwerdenden Gesellschaft. Das bedeutet, dass immer weniger junge Menschen die Existenz und den Lebensunterhalt für die ältere Generation, bei immer knapperen finanziellen Mitteln, erarbeiten müssen. Entsprach der jugendliche Anteil an der deutschen Bevölkerung im Jahr 1950 noch 30,4 %, so waren es 2001 bereits nur noch 20,9 %. Ein Jugendlicher/ junger Erwachsener muss für immer mehr ältere Menschen sorgen. Auch werden die Gelder und staatlichen Zuschüsse im sozialen Bereich immer knapper, so dass es auch hier von elementarer Bedeutung ist soziales Engagement zu aquirieren und zu fördern.

3.5 Entwicklung des sozialen Engagements Studierender:

Die Darlegung der Entwicklung des sozialen Engagements Studierender wird durch fehlende Literatur erschwert. Die Freiwilligensurveys von 1999 und 2004 untersuchen diese Personengruppe nicht spezifisch, es erfolgt lediglich einer allgemeine Darstellung des Engagements hinsichtlich des Bildungsstatus, in dem die Gruppe der Studenten erwähnt wird. Um den Ansatz einer Entwicklung zeigen zu können, wird das freiwillige Engagement Jugendlicher aus den Freiwilligensurveys dargestellt.

Innerhalb der Freiwilligensurveys 1999 und 2004 wurden Jugendliche zu ihrem Engagement befragt. Hierfür wurde festgesetzt, dass die Gruppe junger Menschen zwischen 14 und 24 Jahre liegt und somit zumindest teils, leider nicht differenziert, die Studentenschaft mit einbezogen hat. Wie in Kapitel sechs noch verdeutlicht wird haben 60,9 % der Befragungsteilnehmer der durchgeführten Studierendenbefragung, ein Alter bis 23 Jahren angegeben und gelten somit noch zum Bereich der Jugendlichen im Freiwilligensurvey.

Der Freiwilligensurvey 2004 brachte hervor, dass sich 36% der Jugendlichen aktiv engagieren (1999: 37%) und zusätzliche 43% der 14-24 Jährigen grundsätzlich zu einem freiwilligen Engagement bereit wären (1999: 40%). Weiterhin hebt sich die Gruppe der Jugendlichen positiv hervor, da sie sich, obwohl bereits aktiv engagiert, noch mehr engagieren wollen. Engagement ist hierbei eine Tätigkeit mit einer geringen Entschädigung. Beachtenswert ist auch, dass 80% der Engagierten ihre freiwillige Tätigkeit als wichtig bzw. sehr wichtig ansehen. Als Gründe für das hohe Engagement nennen die Befragten vor allem Lernchancen aus dem Engagement. Diese Zahlen belegen, dass das jugendliche Engagement erheblich höher ist als vor Durchführung des Surveys vermutet.

Bei der Darstellung der Aktivitätsbereiche wurde die Gruppe der Jugendlichen in zwei Untergruppen geteilt – die Gruppe der 14 bis 19 Jährigen und die Gruppe der 20 bis 24 Jährigen. Um eine stärkere Anlehnung an die Gruppe der Studierenden zu bekommen, werden hier die Ergebnisse der 20 bis 24 Jährigen betrachtet.

Die Zielgruppe ist vor allem im sportlichen (1999: 48%/ 2004: 49%), sowie im Bereich der Freizeit und Geselligkeit aktiv (1999: 28%/ 2004: 27%), was bedeutet, dass diese Jugendlichen ohne jegliche Art einer Entschädigung aktiv sind. Engagiert wird sich überwiegend im kirchlichen (und schulischen) Bereich, wobei es hier keine Unterteilung der Gruppe der Jugendlichen gab. Von Bedeutung ist auch, dass der Bildungsstatus ebenfalls Einfluss auf das jugendliche Engagement nimmt. Ein höherer Bildungsstand bedeutet laut der Statistik auch ein höheres soziales Engagement. Anhand dieser Untersuchung wurde ersichtlich, dass sich 46% der Studenten im Jahr 1999 und 42% im Jahr 2004 engagieren. Dies ist ein leichter Rückgang, jedoch weiterhin eine stattliche Quote. Aktiv tätig sind 36% der Studierenden im Jahr 2004, mit einer Steigerung von einem Prozentpunkt zu 1999. Jugendliche sind überwiegend in Vereinen tätig (49%, beide Surveys), sowie in Kirchen/ kirchlichen Vereinigungen (2004: 12%) und stattlichen/ kommunalen Einrichtungen (2004: 10%). Hinsichtlich der Genderstatistik wird im Survey-Vergleich deutlich, dass das Engagement der männlichen Jugendlichen höher ist als der weiblichen, wobei die Engagementquote der männlichen Jugendlichen in 2004 im Vergleich zu 1999 gesunken ist. Weiterhin stieg der Anteil der weiblichen Bereitschaft zum Engagement, jedoch sank der Anteil der weiblichen Engagierten in Vorstands- und Leitungspositionen.

Die Studentenbefragung wird zeigen, wie es sich mit dem sozialen Engagement von Studenten an Thüringer Fachhochschulen verhält.

Arbeit zitieren:
Hölzel, Jana Juli 2009: Auswirkungen des Bachelorstudiums auf die Arbeitssituation, Freizeitgestaltung und das soziale Engagement Studierender, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Soziales Engagement, Bachelor, Arbeitssituation, Freizeitgestaltung, Studierende

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