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Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf Investmentstrategien von Privatinvestoren

Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf Investmentstrategien von Privatinvestoren
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Mohamed Nahari
  • Abgabedatum: September 2008
  • Umfang: 81 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Bergische Universität Wuppertal Deutschland
  • Bibliografie: ca. 38
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2229-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Nahari, Mohamed September 2008: Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf Investmentstrategien von Privatinvestoren, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Abgeltungssteuer, Anlagestrategie, Anlageproduktion, Analyse, Steuerbelastung

Bachelorarbeit von Mohamed Nahari

Einleitung:

Das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 (UntStRefG 2008) enthält nicht nur Neuerungen, die unmittelbar die Besteuerung von ‘Unternehmen’ betreffen, sondern auch solche, die die Besteuerung von Privatpersonen tangieren. Diese Neuerungen zeigen sich insbesondere in den zahlreichen, mitunter grundlegenden Änderungen bei der Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen. Die augenfälligste Veränderung besteht dabei in der Einführung einer sog. Abgeltungsteuer. Diese beruht auf dem Konzept des Steuerabzugs an der Quelle. Für Privatanleger sollen damit Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und eine evtl. Kirchensteuer grundsätzlich abgegolten sein. Für Kapitalerträge, die der Kapitalertragsteuer unterlegen haben, findet demnach gem. § 25 Abs. 1 i.V.m. § 43 Abs. 5 EStG keine Veranlagung mehr statt. Soweit ein solcher Steuerabzug nicht stattgefunden hat, muss der Steuerpflichtige die Einkünfte aus Kapitalvermögen erklären und das Finanzamt setzt die Einkommensteuer fest.

Ziel der Abgeltungsteuer ist es die Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen zu vereinfachen und damit Bürokratie abzubauen, Steuerentlastungen gewähren, eine gleichmäßige Besteuerung der Erträge aus Finanzprodukten zu gewährleisten und zur Steuerehrlichkeit beizutragen. Hauptsächlich soll aber das Risiko gemindert werden, das Privatinvestoren allein aus steuerlichen Gründen Kapital in das Ausland verlagern. Die Besteuerung soll daher möglichst anonym erfolgen, um einer Anlage des Kapitals außerhalb Deutschlands entgegen zu wirken.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Teil der Arbeit sollen die allgemeine Steuerpflicht sowie derzeit zu beachtende Regelungen, die bei der Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen wichtig sind, aufgezeigt werden. Anschließend soll die neue Abgeltungsteuer und ihre Komponenten erläutert werden.

Im Kapitel 3.3 wird ein Vorher-Nachher-Vergleich verschiedener Kapitalanlageformen durchgeführt, wo die Besteuerung sowohl vor als auch nach Einführung der Abgeltungsteuer darlegt wird. Um die Auswirkungen quantitativ zu erfassen, werden im Kapitel 3.4, in Anlehnung an den Aufsatz von Prof. Dr. Christoph Spengel und Chritof Ernst, verschiedene Szenarien simuliert. Diese sollen als Grundlage der darauffolgenden Handlungsempfehlungen dienen.

Das Ziel dieser Arbeit ist nicht die Einführung der Abgeltungsteuer als solche zu kritisieren, sondern die Änderungen herauszuarbeiten, die Privatinvestoren mit Einführung der Abgeltungsteuer erfahren werden. Deshalb wird darauf verzichtet auf Probleme wie verfassungsrechtliche und systematische Aspekte der Abgeltungsteuer, die in der einschlägigen Literatur bereits ausführlich behandelt wurden, einzugehen. Vielmehr soll die Arbeit Privatinvestoren dabei helfen, die Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen zu verstehen und Handlungsempfehlungen zu geben.

Die gesamte Arbeit betrachtet daher ausschließlich Privatpersonen, die Kapital im Privatvermögen (Anteile im Betriebsvermögen werden ausgeblendet) halten und deren Beteiligungen 1 % des Gesellschaftskapitals innerhalb der letzten fünf Jahre nicht überstiegen haben.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Aufbau der Arbeit 1
1.2 Ziel der Arbeit 2
2. Allgemeine Steuerpflicht 2
3. Vergleich der jetzigen Besteuerung vs. zukünftiger Besteuerung 4
3.1 Bisherige Besteuerung von Kapitalerträgen [VZ 2008] 4
3.1.1 Einkommensteuervorauszahlung nach § 43 ff. EStG a.F. 5
3.1.2 Halbeinkünfteverfahren § 3 Nr. 40 Satz 1 d EStG a.F. 6
3.1.3 Werbungskosten 7
3.1.4 Sparer-Freibetrag 8
3.1.5 Spekulationsfrist 9
3.1.6 Verlustverrechnung 9
3.2 Zukünftige Besteuerung von Kapitalerträgen [VZ 2009] 10
3.2.1 Der neue § 20 EStG im Überblick 10
3.2.2 Abgeltungsteuer gem. § 32 d EStG 14
3.2.3 Einführung eines Sparer-Pauschbetrags 17
3.2.4 Abschaffung der Spekulationsfrist 17
3.3 Vorher-Nachher-Vergleich ausgewählter Anlageformen 17
3.3.1 Sparzinsen 18
3.3.2 Aktien und ähnliche Wertpapiere 19
3.3.3 Fonds 22
3.3.3.1 Offene Fonds 24
3.3.3.2 Geschlossene Fonds 28
3.3.4 Zertifikate 28
3.3.5 Anleihen 30
3.3.6 Kapital-Lebensversicherungen 31
3.4 Quantitative Analyse der Steuerbelastung privater Kapitalanlagen 32
3.4.1 Modellprämissen 33
3.4.2 Steuerbelastungen nach Rechtsstand 2007 34
3.4.3 Steuerbelastungen nach Rechtsstand 2009 36
3.4.4 Übergangszeitraum bis Ende 2008 39
3.4.5 Handlungsempfehlung 41
4. Schlussbetrachtung 44
Literaturverzeichnis 46
Anhang 50

Kapitel 3.4.5, Handlungsempfehlung:

Die durchgeführte ‘Quantitative Analyse der Steuerbelastung privater Kapitalanalgen’ hat ergeben, dass die Abgeltungsteuer erhebliche Auswirkungen auf Kapitalanlagen von Privatinvestoren haben wird. Investoren können aber durch bestimmte Anlagestrategien die negativen Auswirkungen der Abgeltungsteuer begrenzen bzw. Vorteile daraus schöpfen. Im Folgenden sollen für die Strategien Value-Ansatz, Momentum-Ansatz, Growth-Ansatz und Contrarian-Ansatz Empfehlungen aufgezeigt werden.

Zinsen sind voll einkommensteuerpflichtig. Investoren mit einem persönlichen Steuersatz über 25 % sollten daher versuchen Zinserträge nach Ablauf des Jahres 2008 zu realisieren, um so in den Vorteil des niedrigeren Steuersatzes der Abgeltungsteuer zu kommen. Eine Möglichkeit wären Investitionen in Zerobonds, die Zinsen erst am Ende der Laufzeit ausschütten. Geeignet ist diese Strategie insbesondere für Langzeitinvestoren, die auf das eingesetzte Kapital in naher Zukunft nicht angewiesen sind. Der Investitionszeitpunkt spielt hierbei keine Rolle.

Eine Investition im Übergangszeitraum ist im Vergleich zur Investition nach Einführung der Abgeltungsteuer für alle hier untersuchten Anlageformen, mit Ausnahme die der Zertifikate, attraktiver. Der Bestandsschutz der Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne aus Kapitalanlagen, die bis zum Ablauf des Jahres 2008 angeschafft wurden und nach mindestens einem Jahr Haltedauer veräußert werden, wirkt sich insbesondere bei Aktien und Anleihen positiv aus. Investoren die der Value- oder Growth-Ansatz-Strategie folgen, sollten noch während des Übergangszeitraums investieren. Der Investor mit der Value-Ansatz-Strategie verfolgt das Ziel, nur in ‘werthaltige’ Aktien zu investieren und diese möglichst lange zu halten. Das heißt nur in solche Unternehmen zu investieren, die über einen langen Zeitraum eine gute Marktstellung sowie eine kontinuierliche Gewinnentwicklung aufweisen können und in Zukunft dies auch wahrscheinlich fortsetzen werden. Der Growth-Ansatz ist die gegensätzliche Strategie zum Value-Ansatz. Dieser Investor versucht in Unternehmen zu investieren, die die höchste Wachstumsdynamik aufweisen bzw. in Märkte agieren die ein starkes Wachstum versprechen (bspw. in der Internet-Boom-Phase in ein Unternehmen des ‘Neuen Marktes’). Auf die Einzelbewertung der Unternehmen wird hier weniger Wert gelegt. Auch hier soll das Investment möglichst lange gehalten werden.

Sollen während der Laufzeit Kapitalanlagen umgeschichtet werden bzw. Neuinvestitionen in bestehende Kapitalanlagen erfolgen (z.B. bei Fondssparplänen), ergibt sich ein Vorteil bei normalen Spareinlagen für Investoren mit einem persönlichen Steuersatz höher als 25 %. Umschichtungen bei Aktien und andere Beteiligungen an Kapitalgesellschaften werden hingegen unattraktiver, da das Halbeinkünfteverfahren entfällt und auch Veräußerungsgewinne aus wiederangelegten laufenden Erträgen sowie neuinvestierten Spareinlagen der Abgeltungsteuer unterliegen. Ein weiterer Nachteil sind die eingeschränkten Verlustverrechnungsmöglichkeiten (siehe Kapitel 3.2.1). Investoren sollten daher bei den oben genannten Beteiligungen an Kapitalgesellschaften von Umschichtungen absehen. Zertifikate sind sowohl vor als auch nach Einführung der Abgeltungsteuer die beste Investitionsentscheidung unter den hier getroffenen Annahmen, wenn die laufenden Erträge in den Kurswert eingerechnet werden. Die Abgeltungsteuer fällt hier erst am Ende der Laufzeit an. So kann von einem Zinsvorteil durch Steuerstundung partizipiert werden.

Kurzfristige Investoren die bspw. nach dem Momentum-Ansatz agieren, d.h. die Auffassung vertreten, das Aufwärtstrends bei Aktien aus Seitwärtsbewegungen und sog. Beschleunigungsphasen bestehen, in denen die Aktien effektiv zulegen, werden nun mit Einführung der Abgeltungsteuer nicht mehr schlechter gestellt als Langzeitinvestoren, sofern ihre persönlichen Steuersätze nicht niedriger als 25 % sind. Denn diese können meist die einjährige Haltedauer nicht erfüllen um Kursgewinne steuerfrei zu vereinnahmen, da das Ziel dieser Strategie ist, die Seitwärtsbewegungen auszublenden und in der Phase der Kursgewinne investiert zu sein. Ein idealtypisches Beispiel liefert die Aktie des Sportartikelherstellers PUMA (siehe Abb. 16). Der oben genannte Investor würde idealerweise Ende August 01 kaufen und im Dezember 01 seine Beteiligung wieder verkaufen. Mit Einführung der Abgeltungsteuer hat die Haltedauer keinen Einfluss mehr auf die Besteuerung der Kursgewinne. Der Investor zahlt immer den gleichen Steuersatz.

Privatinvestoren die nach dem Contrarian-Ansatz ihre Anlageentscheidungen treffen, erfahren ebenfalls durch die Einführung der Abgeltungsteuer eine Entlastung, da es sich auch hier meist um kurzfristige Investoren handelt. Diese haben im Gegensatz zum Momentum-Ansatz, das Ziel stets gegen die allgemeine Marktstimmung zu handeln. Hier wird die Annahme vertreten, dass wenn alle Anleger dasselbe tun, die Wende (Gegenbewegung) logischerweise die Folge ist. Das heißt sie würden im Moment der größten Euphorie verkaufen und wieder im dem Moment einsteigen, wenn der Pessimismus am größten ist.

Etwas Risikofreudigere Investoren können nun vermehrt von langfristigen zu kurzfristigen Investoren werden, da es mit Einführung der Abgeltungsteuer keinen so naheliegenden Grund, wie den der steuerfreien Partizipation an Kursgewinnen, mehr gibt Wertpapiere länger als ein Jahr zu halten. Gewinne können ohne Einfluss auf die Besteuerung sofort realisiert werden. Verluste können aber aus ursprünglich kurzfristigen Investoren langfristige Investoren werden lassen, da diese aufgrund der beschränkten Verlustverrechnungsmöglichkeiten, eher auf eine Wende hoffen als die Verluste zu realisieren.

Arbeit zitieren:
Nahari, Mohamed September 2008: Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf Investmentstrategien von Privatinvestoren, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Abgeltungssteuer, Anlagestrategie, Anlageproduktion, Analyse, Steuerbelastung

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