Die Auswirkungen der "Kokainindustrie" auf die Volkswirtschaften der Andenregion
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Adolf Heckner
- Abgabedatum: Oktober 2002
- Umfang: 73 Seiten
- Dateigröße: 605,3 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Passau Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6486-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6486-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6486-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heckner, Adolf Oktober 2002: Die Auswirkungen der "Kokainindustrie" auf die Volkswirtschaften der Andenregion, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Drogenhandel, Entwicklung, Kolumbien, Peru, Bolivien
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Diplomarbeit von Adolf Heckner
Zusammenfassung:
Die illegale Kokainindustrie ist ein internationaler Wirtschaftszweig mit Umsätzen in Milliardenhöhe. Sie umfasst den Anbau der Kokapflanze, den Export des Kokains durch kriminelle Organisationen („Drogenkartelle“) und den Verkauf an den Endverbraucher. Diese Schattenwirtschaft entzieht sich der staatlichen Kontrolle, reagiert aber auf bekannte ökonomische Signale. Die betroffenen Länder sind die Andenstaaten Bolivien, Peru und Kolumbien, die für 99 % des weltweiten Kokainangebots verantwortlich sind, und auf der Nachfrageseite die westlichen Industriestaaten, von denen die USA den größten Anteil am Konsum haben. Das soziale Problem der Kokainabhängigkeit veranlasst die Regierungen der Konsumländer nicht nur den Handel, sondern auch den Kokaanbau als Quelle der Droge zu bekämpfen. Als globale Erscheinung wirkt sich die Kokainindustrie auf die Außenpolitik der betroffenen Länder aus und beschäftigt auch internationale Organisationen wie die UN. In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Auswirkungen eine Schattenwirtschaft von solcher Größe auf die relativ kleinen Volkswirtschaften der Andenländer hat. Dazu werden zunächst das Ausmaß und der Aufbau der Kokainindustrie erläutert, soweit es deren illegaler Charakter zulässt. Dann werden Entstehung und Entwicklung der Kokainindustrie und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in einer Einzelbetrachtung der drei Produktionsländer untersucht. Schließlich sollen Lösungsansätze für das Kokainproblem dargestellt und deren ökonomische Logik geprüft werden.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | AUFBAU UND AUSMAß DER KOKAININDUSTRIE | 1 |
| 2.1 | Einleitung | 1 |
| 2.2 | Ausmaß der Kokainindustrie | 2 |
| 2.3 | Kokainproduktion | 3 |
| 2.4 | Export und Distribution des Kokains | 4 |
| 2.5 | Kokainkonsum | 6 |
| 2.6 | Kokainpreis | 8 |
| 3. | DIE KOKAININDUSTRIE IN DEN ANDENLÄNDERN | 10 |
| 3.1 | Bolivien | 10 |
| 3.1.1 | Entstehung und Entwicklung der Kokainindustrie | 10 |
| 3.1.2 | Auswirkungen der Kokainindustrie auf Wirtschaft und Politik | 13 |
| 3.2 | Peru | 16 |
| 3.2.1 | Entstehung und Entwicklung der Kokainindustrie | 16 |
| 3.2.2 | Auswirkungen der Kokainindustrie auf Wirtschaft und Politik | 20 |
| 3.3 | Kolumbien | 23 |
| 3.3.1 | Entstehung und Entwicklung der Kokainindustrie | 23 |
| 3.3.2 | Auswirkungen der Kokainindustrie auf Wirtschaft und Politik | 27 |
| 3.3.2.1 | Einnahmen | 27 |
| 3.3.2.2 | Beschäftigte | 28 |
| 3.3.2.3 | Wirtschaftliche Auswirkungen | 29 |
| 3.3.2.4 | Das Verhältnis zu Guerilla und Paramilitärs | 34 |
| 3.3.2.5 | Konflikte mit dem Staat | 37 |
| 3.4 | Zusammenfassung und Ergebnis | 39 |
| 4. | DROGENKONTROLLMAßNAHMEN | 41 |
| 4.1 | Einleitung | 41 |
| 4.2 | Die Rolle der USA | 41 |
| 4.2 | Prohibition | 44 |
| 4.3 | Bekämpfung des Kokainangebots | 45 |
| 4.3.1 | Ökonomische Theorie | 45 |
| 4.3.2 | Anbauvernichtung | 47 |
| 4.3.3 | Substitution | 50 |
| 4.3.3.1 | Ziele und Hindernisse | 50 |
| 4.3.3.2 | Substitution im „Simple Economic Model of Cocaine Production“ | 52 |
| 4.3.3.3 | Schlussfolgerung | 53 |
| 4.3.4 | Alternative Entwicklung | 54 |
| 4.3.5 | Bekämpfung von Kokainproduktion und –handel | 57 |
| 4.3.5.1 | Ziele und Hindernisse | 57 |
| 4.3.5.2 | Bekämpfung von Kokainproduktion und -handel im „Simple Economic Model of Cocaine Production“ | 57 |
| 4.3.5.3 | Erfahrungen und Schlussfolgerung | 58 |
| 4.3.6 | Schlussfolgerung | 59 |
| 4.4 | Legalisierung | 59 |
| 4.4.1 | Einleitung | 59 |
| 4.4.2 | Ideologische und rechtliche Grundlage | 60 |
| 4.4.3 | Die Kosten der Prohibition | 61 |
| 4.4.4 | Die Folgen einer Legalisierung | 62 |
| 4.4.5 | Schlussfolgerung | 65 |
| 5. | ERGEBNIS | 65 |
| LITERATURVERZEICHNIS | IV |
10 % des BSP geschätzt.247 Allerdings kann man die Eskalation der Gewalt bei weitem nicht dem Drogenhandel allein anlasten. 3.3.2.4 Das Verhältnis zu Guerilla und Paramilitärs Wie eingangs erwähnt herrschen in Kolumbien seit Jahrzehnten bürgerkriegsähnliche Zustände an denen sich verschiedene Gruppen beteiligen. Neben der kolumbianischen Armee existieren drei irreguläre Armeen: die linken Guerillas der Revolutionären Bewaffneten Streitkräfte Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia; FARC) und der kleineren Nationalen Befreiungsarmee (Ejercito de Liberacion Nacional; ELN); die rechten paramilitärischen Gruppierungen, von denen die meisten in den Vereinigten Selbstverteidungstruppen Kolumbiens (Autodefensas Unidas de Colombia; AUC) organisiert sind.248 Die Guerillagruppen entstanden in den sechziger Jahren als Antwort auf soziale Ungleichheit und eine undemokratische Zweiparteienherrschaft, die Liberale und Konservative zur Beendigung der Violencia vereinbart hatten.249 Die Paramilitärs erwuchsen aus der Abwesenheit der Staatsmacht als kleine Gruppen bewaffneter Privatpersonen: „Zum einen sind es [die Paramilitärs] von Großgrundbesitzern ins Leben gerufene Selbstverteidigungsgruppen, die eine lange Tradition als Schutz gegen Banditen und Guerilla haben, zum anderen gibt es von den Militärs gegründete Selbstverteidigungsgruppen, die von ihnen trainiert und bewaffnet wurden, wie dies im Armeehandbuch für den Anti-Guerillakampf auch ausdrücklich vorgesehen ist.“250 Die bewaffneten Sicherheitskräfte der Drogenhändler sind dabei nur ein Baustein im anarchistischen Chaos Kolumbiens. Zwar ist kaum bestritten, dass die Welle der Gewalt zwischen 1985 und 1991 in großem Ausmaß durch den Drogenhandel generiert wurde.251 Aber die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen werden heute von anderen Gruppen begangen. Die Interamerikanische Menschenrechtsorganisation untersuchte 240 Mordfälle, von denen mit einem [...]
senkten und administrative Importhemnisse abbauten, so dass unter Gaviria schon 97 % der Einfuhren unbeschränkt waren.241 Während diese Schocktherapie der Globalisierung die unvorbereitete nationale Industrie in die Krise stürzte, beschleunigte der Druck der illegalen Kaufkraft andererseits die moderne Entwicklung der inländischen Industrie, indem er sie im Wettbewerb mit ausländischen Unternehmen zu effizienter Produktion zwang.242 Der massive Devisenzufluss birgt die Gefahr der Inflation durch eine gesteigerte Nachfrage, die den Markt überfordert, wenn in der Industrie keine Überkapazitäten vorhanden sind.243 Allerdings hatte der Wirtschaftsliberalismus für ein ausreichendes Angebot an Importgütern gesorgt, zumal die Repatriierung von Drogendollar an sich ja deflationär wirkt. Eine weitere Gefahr ist der zunehmende Gebrauch von Dollar als Parallelwährung in Kolumbien.244 Da das Kokaingeschäft hauptsächlich auf Bargeldtransaktionen beruht, sind dort Hunderte von Millionen Dollarscheinen im Umlauf, die im Alltag als Währung genutzt werden können. Durch die abnehmende Verwendung des Peso wird die Wirksamkeit monetärer Politik eingeschränkt. Schließlich ergeben sich als negativer Effekt der Kokainindustrie noch indirekte volkswirtschaftliche Kosten.245 Die Staatsausgaben für Armee und Polizei stiegen von 1,7 % des BSP in den siebziger Jahren auf fast 3 % im Jahr 1994. Hinzu kommen Kosten für Sicherheit im Privatsektor: Versicherungen gegen Raub und Terrorismus, Dienste privater Sicherheitsfirmen. Da der Staat die Sicherheit von Bürgern und Unternehmen nicht garantieren kann, müssen diese auf private Anbieter zurückgreifen: „There are as many private security guards in Colombia as there are policemen.“246 Neben den Kosten, die entstehen, um Gewalt zu verhindern, ergeben sich weitere aus den Folgen der Gewalt für Krankenhäuser, Justiz etc. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden durch Gewaltverbrechen im Jahr 1994 wird auf fast $ 7 Mrd. oder [...]
Die Devisenzuflüsse tragen unzweifelhaft zur Stabilisierung des Staates bei, indem sie Probleme wie Zahlungsunfähigkeit, Währungsverfall, Kapitalflucht und Hyperinflation mildern, die gerade in Lateinamerika so häufig sind.232 Durch den Dollarüberschuss entstand ein vernünftiges Gleichgewicht, das die in den achtziger Jahren verbreiteten Probleme durch Auslandsschulden in Kolumbien abdämpfte.233 Die Vorteile dieser Dollarinjektion waren der Regierung wie erwähnt wichtiger als ihre illegale Herkunft. Andererseits wird auch argumentiert, dass die relativ starke Volkswirtschaft Kolumbiens einer solchen illegalen Devisenspritze gar nicht bedurfte, da diese verzichtbar bzw. (auf legalem Weg) ersetzbar war.234 Dies ist allerdings angesichts der aktuellen Rezession235 und des heftigen Einbruchs der Kaffeeexporte fraglich. Die durch die Drogendollar erfolgte Stärkung der Landeswährung muss auch in Kolumbien mit der „niederländischen Krankheit“ („Dutch Disease“) bezahlt werden, d. h. die internationale Wettbewerbsfähigkeit des legalen Exportsektors wird geschwächt.236 Die Einnahmen der Drogenhändler steigern die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, sowohl nach inländischen als auch nach importierten.237 Oben wurde bereits beschrieben, welche Investitionen und Konsumausgaben die Drogenhändler tätigen. Positive Auswirkungen durch Stimulation der lokalen Wirtschaft (z. B. Bausektor, Dienstleistungen) liegen auf der Hand. Die Bauwirtschaft erzielte Anfang der neunziger Jahre die höchsten Wachstumsraten der Geschichte, was ohne die Drogendollar sicherlich nicht möglich gewesen wäre.238 In Cali werden 30 - 40 % der Bauaufträge durch Drogengelder finanziert.239 Andererseits konzentrierte sich die erhöhte Nachfrage großenteils auf Importgüter, die durch den vorteilhaften Wechselkurs und im Zuge erster Liberalisierungsbemühungen und einer Öffnung für internationale Märkte (1975, 1978-82) günstig wurden.240 Auch die liberalen Regierungen Barco (1986-1990) und Gaviria (1990-1994) setzten den Öffnungsprozess fort, indem sie Zölle [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832464868
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Heckner, Adolf Oktober 2002: Die Auswirkungen der "Kokainindustrie" auf die Volkswirtschaften der Andenregion, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Drogenhandel, Entwicklung, Kolumbien, Peru, Bolivien



