Die Auswirkung von Low Cost Carrier auf die Wertschöpfung einer touristischen Destination am Beispiel Tirol
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Silke Jerger
- Abgabedatum: Mai 2010
- Umfang: 82 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: MCI - Management Center Innsbruck GmbH Österreich
- Bibliografie: ca. 83
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0208-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jerger, Silke Mai 2010: Die Auswirkung von Low Cost Carrier auf die Wertschöpfung einer touristischen Destination am Beispiel Tirol, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Billigflieger, Airline, Luftverkehr, Streckennetz, Low Cost Carrier
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Bachelorarbeit von Silke Jerger
Einleitung:
Nach der Gründung des ersten Low Cost Carriers (LCC) in den 60er Jahren in den USA können sich zu Beginn der 90er Jahre die Billigflieger auch in Europa etablieren. Auf Grund ihrer einfachen Kostenstruktur und ihrer günstigen Tarife gelingt es den Low Cost Airlines (LCA) immer mehr, den klassischen Fluglinien Passagiere abzuwerben. Zudem können die LCC auch jene Kunden überzeugen, die zuvor noch keine Flugreise getätigt haben. Dies sind 60 % der Passagiere, die sich zu Flugreisen entscheiden, und 37 %, die innerhalb des Flugmarktes zu LCC wechseln.
Der Grundgedanke der LCC besteht darin, mit niedrigen Flugpreisen Ziegruppen anzusprechen, die sich das Fliegen bisher nicht leisten konnten. Einer der Gründer und langjähriger Vorstandsvorsitzende der Southwest Airline Herb Callaher macht das Konzept der LCC deutlich, in dem er betont: ‘Wir konkurrieren nicht mit anderen Fluggesellschaften, sondern mit landgebundenen Verkehrsmitteln’.
Seit den letzten vier bis fünf Jahren wird auch der Flughafen Innsbruck von LCC angeflogen. Zur Wintersaison 2005 startet erstmals die SkyEurope nach Amsterdam und nach Paris. Genau ein Jahr später zieht die Konkurrenz TUI Fly nach, die damals noch unter dem Namen Hapag Lloyd Express fliegt. Wie die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, wird der Flughafen Innsbruck mit seiner zentralen Lage in Tirol für weitere Billigflieger attraktiver. Im Sommer 2009 wird der Innsbruck Flughafen beispielsweise von zwei nationalen Linienfluggesellschaften, der Austrian Airlines und der Lufthansa, und von vier LCA, wie der Fly Niki, Air Berlin, Tuifly, Transavia, easyJet, angeflogen.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Übernachtungen von Touristen des Nachbarherkunftslandes Deutschland rückgängig sind, dafür aber Länder wie die Niederlande, Großbritannien, Schweiz, Italien und Belgien immer mehr an Bedeutung für den Tiroler Tourismus gewinnen. Hierbei steigt die Bereitschaft, mit Billigfliegern in die gewünschte Urlaubsdestination zu verreisen. Beispielsweise würden in Großbritannien und Italien knapp 60 % eine Flugreise in Betracht ziehen. Da Privatreisende stärker auf Preisänderungen reagieren als Geschäftsreisende, ist die Wahl der Fluggesellschaft preisabhängig. Somit sind Privatpersonen den Angeboten der LCC gegenüber aufgeschlossener. Die Frequenz und auch die Kapazität dieser Flüge werden auch am Flughafen Innsbruck immer größer.
Der Tourismus spielt in Tirol eine große Rolle, da ca. 25.000 Unternehmen direkt vom Tourismus leben und rund 53.000 Menschen, die im Tiroler Tourismus beschäftig sind. Die Auswirkungen auf andere Wirtschaftszweige und den Arbeitsmarkt sind daher selbsterschließend.
Da touristische Destinationen vom Konsumverhalten der Touristen abhängig sind, stellt sich die Frage, inwieweit Passagiere der LCC einen Einfluss auf die Wertschöpfung einer touristischen Destination haben. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Nachfrageeinschätzung darzustellen, welche die Auswirkungen der LCC auf die Wirtschaft einer touristischen Destination widerspiegelt.
Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet daher: Inwiefern wirken sich die LCC auf die Wertschöpfung einer touristischen Destination – am Beispiel Tirol – aus?
Diese Arbeit ist in sechs Kapitel unterteilt. Der erste Teil enthält die Einleitung, die Problemstellung, die Zielsetzung mit der Forschungsfrage und der Aufbau dieser Arbeit, die für den Leser eine erste Einführung in das Thema darstellen soll.
Der zweite Teil beinhaltet eine nähere Beschreibung der LCC im Hinblick auf ihren Ursprung und strategischen Ausrichtungen. Anhand von Zahlen und Fakten soll die Entwicklung der letzten Jahre im Detail analysiert werden.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der Definition einer touristischen Destination und verdeutlicht dies am Beispiel Tirol. Desweiteren wird der Begriff Wertschöpfung erläutert. Darauf aufbauend werden Ermittlungsverfahren touristischer Wertschöpfung aufgegriffen und näher erklärt.
Im Folgenden werden die Auswirkungen der LCC auf eine touristische Destination dargestellt.
Die empirische Untersuchung in Abschnitt fünf wird für die Beantwortung der aufgestellten Hypothesen hinzugezogen. Diese sollen im Weiteren zur Beantwortung der Forschungsfrage dienen.
In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse zusammengefasst, kritisch reflektiert und ein Ausblick in die Zukunft gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | v | |
| Tabellenverzeichnis | vi | |
| Abkürzungsverzeichnis | vii | |
| 1. | Einleitung | 8 |
| 1.1 | Problemstellung | 8 |
| 1.2 | Zielsetzung | 9 |
| 1.3 | Forschungsfrage | 9 |
| 1.4 | Hypothesen | 9 |
| 1.5 | Vorgehensweise | 10 |
| 2. | Low Cost Carrier | 11 |
| 2.1 | Begriffsdefinition | 11 |
| 2.2 | Liberalisierung des Luftverkehrs | 12 |
| 2.3 | Entwicklung der Low Cost Carrier | 13 |
| 2.4 | Strategien der Low Cost Carrier | 18 |
| 2.4.1 | Marketing | 19 |
| 2.4.2 | Flotte | 21 |
| 2.4.3 | Streckennetz | 21 |
| 2.4.4 | Zusammenfassung | 21 |
| 3. | Wertschöpfung einer touristischen Destination | 23 |
| 3.1 | Touristische Destination | 23 |
| 3.1.2 | Theoretische Grundlagen | 23 |
| 3.1.3 | Tourismusdestination Tirol | 27 |
| 3.2 | Wertschöpfung | 29 |
| 3.2.1 | Theoretische Grundlagen | 29 |
| 3.2.2 | Direkte, indirekt und induzierte Effekte | 32 |
| 3.2.3 | Ermittlung der touristischen Wertschöpfung | 33 |
| 4. | Auswirkung der Low Cost Carrier auf den Tourismus | 36 |
| 5. | Empirische Erhebung und Auswertung | 39 |
| 5.1 | Methodik | 39 |
| 5.1.1 | Erhebungsdesign | 40 |
| 5.1.2 | Gestaltung des Fragebogens | 41 |
| 5.2 | Nachfrageeinschätzung | 41 |
| 5.2.1 | Demographische Zusammensetzung der Stichprobe | 42 |
| 5.2.2 | Untersuchung und Interpretation der Hypothese 1 | 43 |
| 5.2.3 | Untersuchung und Interpretation der Hypothese 2 | 48 |
| 5.2.4 | Zusammenfassung | 53 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 55 |
| 6.1 | Fazit | 55 |
| 6.2 | Kritische Reflexion | 56 |
| 6.3 | Ausblick | 57 |
| Literaturverzeichnis | 59 | |
| Anhang | 66 |
Textprobe:
Kapitel 4, Auswirkung der Low Cost Carrier auf den Tourismus:
Der internationale Tourismus ist ein unsichtbarer Exportträger, der eine direkte Auswirkung auf die Zahlungsbilanz eines Landes hat. Dieser Geldfluss hat direkten Einfluss auf den Umsatz einzelner Unternehmen, das Haushaltseinkommen, die Beschäftigungszahlen und die Staatseinnahmen.
Die Infrastruktur von Transportmitteln spielt für die Entwicklung des Tourismus und touristischen Regionen eine wesentliche Rolle. Ist ein Tourist auf Grund mangelnder Transportmitteln verhindert, eine von ihm bevorzugten Destination zu bereisen, wird er eine alternative Destination für seinen Aufenthalt wählen. Die Wahl der Destination hängt oftmals von den voneinder abhängigen Faktoren Reisezeit, Entfernung und Kosten ab. Die niedrigen Preise der Billigfluglinien haben den Effekt, dass mehr Menschen in Destinationen reisen, die sie ohne das Angebot der Billigflieger gar nicht in Erwägung ziehen würden. Die Entfernung zur Destination beinflusst die Wahl des Transportmittels. Beispielsweise favorisieren Touristen aus nahe gelegenen Herkunftsgebieten die Anreise mit dem Auto, hingegen präferieren internationale Touristen die Anreise mit dem Flugzeug. Jede Entwicklung innerhalb der Transporttechnologie ermöglicht es, noch weiter, schneller, sicherer und günstiger zu reisen. Die Entwicklung im Passagierluftverkehr spendet einen großen Beitrag zum Wachstum der Tourismusbranche sowie zur Entwicklung neuer Märkte.
Die Struktur des Tourismus in Bezug auf die Wahl der Reisedestination und den Grund der Reise wird erheblich von der Entwicklung der Luftverkehrsbranche beeinflusst. Auch die Qualität des Transportes erhält durch die Einführung der LCC einen neuen Stellenwert, da seither zunehmend neue Destinationen und Märkte erschlossen werden. Die verbesserte Mobilität wird als fundamentale Entwicklung der nationalen und regionalen Wirtschaft gesehen, da sie einen Anstieg des touristischen Konsum hervorruft.
Für Bieger und Wittmer ist eine Destination von sozialen, ökologischen, politischen und ökonomischen Einflussfaktoren geprägt. Der Flugverkehr wiederum wird durch Faktoren wie Regulierungen, Netzwerke und Allianzen, Technik und Ökonomie der eigenen Region und der Zieldestination beeinflusst. Bei der Tourismusnachfrage einer Destination wird zwischen der Qualität der Besucher und Quantität der Besucher, sowie die Struktur des Besuches unterschieden. Diese haben wesentliche Auswirkungen auf die Atmosphäre einer Destination. Auf der Seite der Fluganbieter haben vor allem die Zeiten und die Frequenz der Flüge einen Einfluss auf ihre Passagiere. Hierbei wird die Qualität des Besuchers bestimmt. Kommt man auf die Lage und die Größe des Flughafens zu sprechen, so spielt diese eine große Rolle im Hinblick auf die Erreichbarkeit einer Destination und die Landemöglichkeit verschiedener Flugzeugtypen. Dies wiederum beeinflusst das Preisniveau der einzelnen Anbieter und somit auch auf die Qualität der Besucher, die in die Destination reisen.
Die Kooperation zwischen LCC und Regionen ist im Rahmen der Integration Europas und in der Entwicklung der eigenen Destination sehr erfolgreich. Es kann teilweise ein enormes Wirtschaftswachstum und eine positive Entwicklung von Klein- und Mittelbetrieben auf Grund von steigenden Arbeitsplätzen und Besucherzahlen beobachtet werden. Ein weiterer signifikanter Effekt auf die regionale Wirtschaft geht von der Reduzierung der saisonbedingten Fluktuation des Flugverkehrs aus, da LCC die Region auch in der Nebensaison bedienen.
Kritisch anzumerken ist, dass sich das Flugzeug seit der Einführung der LCC als Personentransportmittel vom Luxusgut zum Massengut entwickelt hat. Auf Grund der günstigen Preise haben sie auch Personen aus niedrigen Einkommensschichten den Zugang zu Luftverkehrsreisen ermöglicht. An dieser Stelle wird erneut auf die Problematik des Fluglärms und dessen negative Auswirkung auf die angesiedelte Bevölkerung, als auch auf die klimaschädlichen Emissionen hingewiesen, die durch die Verbrennung der großen Mengen Kerosin enstehen. (vgl. Kapitel 2.3).
Das Institut für Verkehrswissenschaft der Universität Köln veröffentlicht 2004 eine Studie über die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen des Low Cost Marktes im Raum Köln/Bonn. Diese zeigt folgende Entwicklung:
- eine Erhöhung der regionalen Wertschöpfung aufgrund des Anstiegs der Reisetätigkeit durch LCC.
- ein Anstieg der Beschäftigungen am Flughafen und die damit verbundene regionale Wertschöpfung.
- Vorteile für die in der Region ansässigen Unternehmen durch Absatzsteigerung und Kostensenkung.
- eine Steigerung der Kaufkraft am jeweiligen Zielort.
Der Autor untersucht nun in Folge, ob sich aufgrund von LCC Vorteile in Bezug auf die Wertschöpfung für die Destination Tirol ergeben. Hierfür wird im nächsten Kapitel die Empirie vorgestellt und ausgewertet.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842802087
Arbeit zitieren:
Jerger, Silke Mai 2010: Die Auswirkung von Low Cost Carrier auf die Wertschöpfung einer touristischen Destination am Beispiel Tirol, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Billigflieger, Airline, Luftverkehr, Streckennetz, Low Cost Carrier



