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Der Australische Utopische Roman des 20. Jahrhunderts

Der Australische Utopische Roman des 20. Jahrhunderts
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Bettina Rösler
  • Abgabedatum: September 2006
  • Umfang: 102 Seiten
  • Dateigröße: 619,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • Bibliografie: ca. 114
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0879-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rösler, Bettina September 2006: Der Australische Utopische Roman des 20. Jahrhunderts, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Australien, Utopie, Antipoden, Gesellschaftskritik, Literatur

Magisterarbeit von Bettina Rösler

Einleitung:

Terra Australis – Mundus Alter et Idem (1605). Ganz im Sinne des oben genannten Romantitels von Joseph Hall, übersetzt ins Englische: Another World and yet the Same, wurde Australien, noch vor seiner Entdeckung durch die Europäer, oft als eine andere und dennoch dieselbe Welt wahrgenommen. Der unbekannte Kontinent auf der Südhalbkugel beflügelt seit jeher die Phantasie der Menschheit. Ganz der menschlichen Natur entsprechend, immer nach einem besseren Leben zu streben, beschäftigten sich bereits Philosophen der Antike mit utopischen Ideen. Australien als ein Land, dessen Existenz zwar vermutet, jedoch lange Zeit nicht bewiesen war, bot für alternative Gesellschaftsentwürfe in Form von utopischen Texten eine ideale Projektionsfläche.

Das Ziel dieser Arbeit ist, das Zusammenspiel zwischen dem spezifisch Australischen und dem klassisch Utopischen zu analysieren. Zum einen soll aufgezeigt werden, welche Elemente ausgewählter Utopien australischer Schriftsteller charakteristisch für Australien sind. Als zweites Anliegen gilt es, klassisch utopische Merkmale dieser Werke herauszufiltern.

Werke australischer Autoren sind weitestgehend unbekannt. Um die möglicherweise unterschätzte Stellung der australischen Literatur zu verstehen, ist zunächst eine allgemeine Einführung in die australische Literaturlandschaft notwendig. Im zweiten Kapitel der vorliegenden Arbeit folgt dem Überblick über die Entwicklung der Literatur Australiens ein Einblick in die Situation der australischen Literaturwissenschaften an Hochschulen und im Verlagswesen des Landes.

Darauf aufbauend wird im dritten Kapitel das Verhältnis von Utopie und Australien betrachtet. Dem geschichtlichen Abriss hinsichtlich utopischen Denkens in und über den Kontinent Australien folgt in diesem Abschnitt ein Vergleich zwischen den beiden Phänomenen Australian Dream und American Dream.

Bevor die klassisch utopischen Elemente australischer Utopien in Kapitel 6 näher analysiert werden können, wird in Kapitel 4 zunächst ein Überblick zu den allgemeinen Merkmalen utopischer Literatur gegeben. Hierbei wird auf das Verhältnis von Narrativität zur Diskursivität, die Charakterisierung utopischer Figuren, den Konflikt zwischen Zivilisation und der Natur des Menschen sowie auf Gesellschaftskritik in utopischen Texten eingegangen. Die inhaltliche und thematische Einführung in die ausgewählten australischen Utopien, welche in Kapitel 6 analysiert werden, erfolgt in Kapitel 5. Neben der inhaltlichen Vorstellung der Werke wird zur Hervorhebung des spezifisch Australischen der Schwerpunkt auf den historischen Hintergrund gelegt. Abschließend werden in Kapitel 7 die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINFÜHRUNG 1
2 STELLUNG DER AUSTRALISCHEN LITERATUR 3
2.1 ENTWICKLUNG DER AUSTRALISCHEN LITERATUR 3
2.2 AUSTRALISCHE LITERATUR AN AUSTRALISCHEN UNIVERSITÄTEN 11
2.3 AUSTRALIENS VERLAGSWESEN 13
2.4 ENTWICKLUNGSMÖGLICHKEITEN 15
3. UTOPIE UND AUSTRALIEN 18
3.1 AUSTRALIEN ALS SCHAUPLATZ UTOPISCHER LITERATUR 18
3.1.1 VOR DER ENTDECKUNG BIS ZUM ANFANG DER BESIEDLUNG 19
3.1.2 BEGINN DER BESIEDLUNG BIS ZUM ENDE DER STRÄFLINGSTRANSPORTE 22
3.1.3 DIE ZWEITE HÄLFTE DES 19. JAHRHUNDERTS 25
3.1.4 DIE 1890ER 27
3.1.5 NACH DER FÖDERATION BIS ZUM ZWEITEN WELTKRIEG 30
3.1.6 ENTWICKLUNGEN SEIT DEM ENDE DES ZWEITEN WELTKRIEGES 31
3.1.7 ZWISCHENFAZIT 33
3.2 AUSTRALIAN DREAM VS. AMERICAN DREAM 34
4. ALLGEMEINE MERKMALE UTOPISCHER LITERATUR 39
4.1 NARRATIVITÄT VS. DISKURSIVITÄT 41
4.2 CHARAKTERE 42
4.3 KONFLIKT ZIVILISATION VS. NATUR 44
4.4 GESELLSCHAFTSKRITIK 45
5. EINFÜHRUNG IN INHALTE UND THEMEN AUSGEWÄHLTER TEXTE 47
5.1 AUSTRALISCHER SOZIALISMUS UND DIE ARBEITERBEWEGUNG 47
5.1.1 WERKE 48
5.1.2 HISTORISCHER HINTERGRUND 52
5.2 IDENTITÄTSSUCHE EINER JUNGEN NATION 54
5.2.1 WERKE 55
5.2.2 HISTORISCHER HINTERGRUND 59
5.3 XENOPHOBISCHE TENDENZEN 66
5.3.1 WERK: BELOW THE LINE (1991) 66
5.3.2 HISTORISCHER HINTERGRUND 68
6. UTOPISCHE MERKMALE IN DEN AUSGEWÄHLTEN TEXTEN 71
6.1 NARRATIVITÄT VS. DISKURSIVITÄT 71
6.2 CHARAKTERE 76
6.3 KONFLIKT ZIVILISATION VS. NATUR 81
6.4 GESELLSCHAFTSKRITIK 88
7. FAZIT 92
LITERATURVERZEICHNIS 93

Textprobe:

Kapitel 3.1.1, Vor der Entdeckung bis zum Anfang der Besiedlung:

Schon der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras (582-496 v. Chr.) ging anhand seiner Theorie der Harmonie und des natürlichen Gleichgewichts davon aus, dass es eine Gegenerde geben müsste. Im Mittelalter jedoch drängte die Kirche derartige Anschauungen zurück. Erst im 15. Jahrhundert sorgte die Entdeckung des amerikanischen Festlandes für einen verstärkten Glauben an die Existenz von Land jenseits des Äquators. Dieses ‘hypothetische Südland’ wurde damals in die Seekarten als Terra australis incognita oder auch Terra australis nondum cognita (noch nicht bekannt) eingetragen.

The charm of romance and adventure surrounding the discovery of hitherto unknown lands has from the earliest ages been the lure that has tempted men to prosecute voyages and travels of exploration. Whether under the pretext of science, religion or conquest, hardship and danger have alike been undergone with fortitude and cheerfulness, in the hope of being the first to find things strange and new, and return to civilized communities with the tidings.

Im 16. und 17. Jahrhundert zog es die westliche Welt immer mehr in die Terra australis incognita, vor allem aus Hoffnung auf Profit und wissenschaftliche Erkenntnisse. Nicht nur Entdecker wurden in Versuchung gebracht, auf Forschungsreisen aufzubrechen. Auch die Phantasie vieler Schriftsteller wurde durch die Vorstellung möglicher unbekannter Gebiete und fremder Kulturen angeregt. Oft wurde das Südland als Schauplatz für utopische Texte genutzt. Es entwickelte sich ein regelrechter Antipoden-Mythos, in dem Autoren eine Welt kreierten, die als Gegenstück zur wirklichen Welt fungiert. Ein frühes Beispiel hierfür ist Dialogue Against the Fever Pestilence (1564) von Bullein.

Ende des 15. Jahrhunderts teilten sich die Portugiesen und Spanier die Welt in zwei Interessensphären, wobei die Grenze durch das noch unbekannte Australien verlief. Die tatsächliche Entdeckung Australiens ist nicht eindeutig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass die Portugiesen im 16. Jahrhundert als erstes Australien umsegelten, dies allerdings geheim halten mussten, da sie bei der Umsegelung die Grenze zum spanischen Interessengebiet überquerten. Da die Spanier den langen Umweg über Amerika segeln mussten, erreichten sie Australien erst 1605. Jedoch hatten beide Nationen weder ein Interesse an der Erforschung noch sahen sie einen Nutzen in der Besiedlung dieses fernen, schwer zu erreichenden Landes. Dieses Desinteresse und die damit einhergehende verschobene Erforschung führten schließlich dazu, dass der Antipoden-Mythos noch weit ins 17. Jahrhundert seine Wirkung zeigte. Das Land war weiterhin unbekannt und utopischen Phantasien wurden keine realen Erkenntnisse entgegengesetzt.

Das möglicherweise bekannteste Werk, das unter dem Einfluss jenen Mythos’ geschrieben wurde, ist Mundus Alter et Idem (1605) von Joseph Hall. Diese satirische Reiseerzählung, welche in fast ganz Europa gelesen wurde, berichtet von einem Südkontinent mit verkehrten Tugenden. Hall allegorisiert und abstrahiert die Mängel seiner zeitgenössischen Gesellschaft in seiner Satire. Auf der ‘verkehrten’ Seite der Welt wird alles umgekehrt: Laster werden zu Tugenden und Sittsamkeit zur Untugend. Auch Richard Bromes Drama The Antipodes (1638) baut auf diesem Prinzip der Gegensätzlichkeiten auf. Ebenso basiert Gabriel de Foignys utopischer Staat in A New Discovery of Terra Australis Incognita or the Southern World (1676) auf dem Grundsatz der Werteumkehrung.

Solange dieses Land des Südens nicht erforscht war, entstanden immer neue Visionen und „fancy could invest it with all the characteristics which might satisfy Utopian yearnings“. Diese Vorstellung hat lange Zeit das Image Australiens geprägt. Gibson nennt diesen Vorgang das diminishing paradise. Zuerst kannte man das Land überhaupt nicht und stellte sich vor, es wäre unendlich groß. Diese Vorstellung wurde durch die Entdeckung aller geografischen Grenzen enttäuscht. Dennoch entstanden immer neue Spekulationen über mögliche fremde Zivilisationen innerhalb der zahlreichen unergründeten Gebiete.

Over a period of centuries […] the expectations about Terra Australis were continually compromised as the extent of the unknown regions of the southern hemisphere diminished each time an explorer returned from there.

Ende des 17. Jahrhunderts begannen sich die Briten für die Erforschung der Antipoden zu interessieren vor allem durch den Verlust ihrer amerikanischen Kolonien. Diese hatten 1776 ihre Unabhängigkeit erklärt. William Dampier (1652-1715), eine Berühmtheit seiner Zeit, war der erste englische Reiseschriftsteller, der Australien näher beschrieb. Seine erfolgreichen Werke A New Voyage Round the World (1697) und A Voyage to New Holland (1703/1709) können als die erste englische Literatur über das authentische Australien angesehen werden. Er übernahm die Rolle eines betrachtenden Außenseiters. Dementsprechend nüchtern waren seine Berichte, welche sich vor allem auf empirische Daten und Details konzentrierten. White (1981) bezeichnet Dampiers Reiseberichte als sehr negativ vor allem bezüglich der Schilderung der Ureinwohner. Offensichtlich war Dampier enttäuscht, da nichts auf diesem Kontinent wirtschaftlich nutzbar war. Somit war kein profitabler Handel in Aussicht.

Obgleich der Unzulänglichkeiten in Dampiers Berichten, konnte sich kaum ein Schriftsteller des frühen 18. Jahrhunderts dem Einfluss seiner Reiseliteratur entziehen. Schriftsteller wie Daniel Defoe (1660-1731) oder Jonathan Swift (1667-1745) wurden mit Unmengen geografischer Informationen ausgestattet. So entwickelte zum Beispiel Defoe Dampiers Image Australiens in seinen Werken weiter. Zwar gehen seine Darstellungen zunächst einher mit Dampiers negativen Naturbeschreibungen, jedoch lässt er seine Charaktere in Bereiche dringen, welche von Dampier unergründet blieben. In diesen unergründeten Gebieten lässt Defoe seine Protagonisten paradiesische Landschaften finden. Auch Swift nutzt die von Dampier vermittelten Eindrücke in seinen Werken. So verarbeitet er beispielsweise in seinem berühmten Gulliver’s Travels.

Arbeit zitieren:
Rösler, Bettina September 2006: Der Australische Utopische Roman des 20. Jahrhunderts, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Australien, Utopie, Antipoden, Gesellschaftskritik, Literatur

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