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Außerschulische Lernorte im Geographieunterricht - Ausstellungen als Orte der Wissensvermittlung?

Außerschulische Lernorte im Geographieunterricht - Ausstellungen als Orte der Wissensvermittlung?
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Thelke Hildebrandt
  • Abgabedatum: Juni 2007
  • Umfang: 80 Seiten
  • Dateigröße: 7,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Flensburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 60
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2888-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hildebrandt, Thelke Juni 2007: Außerschulische Lernorte im Geographieunterricht - Ausstellungen als Orte der Wissensvermittlung?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Außerschulische Lernorte, Geographie, Ausstellungen, Grund- und Hauptschule, Lehramt

Staatsexamensarbeit von Thelke Hildebrandt

Einleitung:

Außerschulische Lernorte im Geographieunterricht bedeuteten für mich in meiner Schulzeit vor allem immer Abwechslung vom regulären Unterricht; sei es die Gesteinsbestimmung auf dem Schulhof oder das mehrtägige „Feldmess-Praktikum“ auf Hallig Hooge. An die Inhalte und Themen, die an diesen außerschulischen Lernorten behandelt wurden, kann ich mich heute noch gut erinnern. Das Aufbauen und Einstellen des Theodoliten, das Protokollieren der Messergebnisse im Team, das Auswerten und Übertragen der Ergebnisse auf eine Karte und natürlich das Kennenlernen der Hallig Hooge durch Prielüberquerungen und Einkaufsgänge auf die benachbarte Warft. All das sind außergewöhnliche Erfahrungen an einem außerschulischen Lernort, die ich sicher nicht vergessen werde. Wahrscheinlich könnte ich auch in einigen Jahren noch die Funktionsweise eines Theodoliten erklären und mit ihm meinen Garten o. ä. vermessen.

Es gab aber auch außerschulische Lernorte im Geographieunterricht, an die ich mich kaum oder gar nicht erinnern kann, nämlich Ausstellungen. So sehr ich auch in meinen Erinnerungen „krame“, ich finde keine Anhaltspunkte, die mich zu Ausstellungsbesuchen im Geographieunterricht führen. Das einzige, was mir überhaupt einfällt, ist der Besuch des ‚Wikingermuseums’ in Haithabu bei Schleswig, doch dieser fand während meiner Grundschulzeit und nicht im Geographieunterricht der weiterführenden Schule statt.

Woran liegt es, dass ich mich nicht an Ausstellungsbesuche im Rahmen des Faches Geographie erinnere? Gab es überhaupt Exkursionen dieser Art in meinem Geographieunterricht?

Da dies nicht der Fall ist, aus welchem Grund verweigerte mein Geographielehrer diese?

Ich denke, die Antwort auf diese Fragen findet man in den Konzeptionen der Ausstellungen. Vielleicht waren die Ausstellungen, die im Rahmen eines speziellen Themas in Frage gekommen wären, nicht schülergerecht konzipiert und mein Geographielehrer hat genau aus diesem Grund Ausstellungsbesuche abgelehnt und gar nicht erst mit uns durchgeführt. Doch was macht eine „schülergerechte“ Ausstellung überhaupt aus? Ist es die Art und Weise, wie die Inhalte präsentiert werden oder ist es das Thema der Ausstellung?

Die Erkenntnis darüber, dass Ausstellungen, deren Grundaufgabe ‚das Ausstellen der Objekte zur Freude und Bildung der Öffentlichkeit’ ist, in meiner Schulzeit offensichtlich ihr oberstes Ziel verfehlt haben, war ausschlaggebend für das Thema meiner Examensarbeit im Fach Geographie.

In meiner Arbeit möchte ich zunächst den Begriff ‚außerschulischer Lernort’ klären und die Vorteile des Lernens an außerschulischen Lernorten gegenüber dem Unterricht im Klassenzimmer aufzeigen. Dazu werde ich auch auf Exkursionen eingehen, da diese die Unterrichtsform darstellen, in der außerschulische Lernorte besucht werden. In meinen Ausführungen halte ich mich hauptsächlich an die Aussagen Birkenhauers und ergänze diese durch aktuelle Beiträge anderer Geographiedidaktiker.

Danach werde ich genauer auf Ausstellungen als außerschulische Lernorte im Geographieunterricht eingehen. Ich möchte einige theoretische Grundlagen erarbeiten und daraus anschließend Kriterien zur Bewertung von Ausstellungen ableiten. Anhand dieser Kriterien werde ich am Ende meiner Arbeit zwei ausgewählte Ausstellungen dahin gehend untersuchen, ob und gegebenenfalls warum sie sich als außerschulische Lernorte für den Geographieunterricht eignen. Als Quellen für diesen Abschnitt sind Weschenfelder & Zacharias, Traub, Vieregg und andere Autoren im Bereich der Museumspädagogik zu nennen.

Vielfach sind Museen Orte von für den Geographieunterricht interessanten Ausstellungen. Museen und Ausstellungen tauchen daher im Text häufig als Begriffspaar auf, obwohl es sich streng genommen nicht um Synonyme handelt.

Die gesamte Arbeit bezieht sich auf den Geographieunterricht an weiterführenden Schulen, bzw. ab der 5. Klassenstufe.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Außerschulische Lernorte im Geographieunterricht 3
2.1 Was sind außerschulische Lernorte? 3
2.2 Welchen Kriterien sollten außerschulische Lernorte standhalten? 7
2.2.1 Authentizität 8
2.2.2 Überschaubarkeit 9
2.2.3 Prägnanz 9
2.2.4 Anmutungscharakter 10
2.2.5 Strukturiertheit 10
2.2.6 Aktivitäten 10
2.3 Außerschulische Lernorte im Überblick 11
2.4 Außerschulische Lernorte und außerschulisches Lernen 13
2.5 Der Besuch eines außerschulischen Lernortes in Form einer Exkursion 14
2.6 Planung, Durchführung und Nachbereitung von Exkursionen 15
2.7 Wozu Exkursionen? 18
2.8 Chancen und Ziele für den Geographieunterricht 20
3. Ausstellungen als außerschulische Lernorte 23
3.1 Definition: Ausstellungen und Museen 23
3.2 Ausstellungsgestaltung 26
3.3 Die historische Entwicklung von Museen 29
3.4 Was ist Museumspädagogik 33
3.5 Welche Aufgaben und Ziele verfolgt die Museumspädagogik? 34
3.6 Museum und Schule 37
3.6.1 Geographieunterricht im Museum 42
3.7 ‚Aus Vitrinen werden Knöpfe’ oder ‚wie sieht das Museum der Zukunft aus?’ 45
4. Bewertung verschiedener Ausstellungen 49
4.1 Auswahl der Bewertungskriterien 49
4.2 Auswahl der Ausstellungen 51
4.3 Bewertung des ‚Multimar Wattforums’ in Tönning 51
4.4 Bewertung des ‚NordseeMuseums’ in Husum 62
4.5 Vergleich der Ausstellungen 70
5. Fazit – ‚Ausstellungen als außerschulische Lernorte im Geographieunterricht?’ 72
6. Literaturverzeichnis 74
7. Abbildungsverzeichnis 78

Textprobe:

Kapitel 3.6.1, Geographieunterricht im Museum:

In einem einführenden Artikel von WENZEL zum Thema ‚Museen’ aus dem Jahr 2000 wird gesagt, dass es in Deutschland über 10.000 Museen gäbe. Mit Blick auf den Geographieunterricht stellt sich nun die Frage, welche Museen für diese Naturwissenschaft geeignet sind. Wie viele von ihnen könnten für Schüler im Geographieunterricht interessant sein? Und wie viele von ihnen weisen dazu auch eine schülergerechte Konzeption auf, so dass sie sinnvoll für Schulklassen genutzt werden können? Sind die Themengebiete der Museen ansatzweise im Lehrplan wieder zu finden oder umgekehrt?

KREMB hat schon 1981 einmal versucht, eine Liste mit den für den Erdkundeunterricht geeigneten Museen in Deutschland zu erstellen. Er weist allerdings selbst darauf hin, dass die Liste unvollständig sei, da es sicherlich noch viele kleine ihm unbekannte Museen gäbe, die ebenso geeignet sein könnten.

Meiner Meinung nach kann die Eignung eines Museums für den Geographieunterricht nicht pauschalisiert werden, sondern ist vielmehr themen- und klassen(stufen-)abhängig zu beurteilen. Die Lehrkraft muss also selbst entscheiden, welches Museum die angestrebten Lernziele unterstützen kann. Auch LOHMANN und KERSTING unterstützen diese Aussage. Sie favorisieren den erkundenden Museumsbesuch des Lehrers, bevor dieser mit der ganzen Schulklasse durchgeführt wird.

Die beschriebene Vorgehensweise werde ich im letzten Kapitel meiner Arbeit selbst durchführen. Ich werde Kriterien aufstellen und diese in zwei Museen überprüfen. Erst nach der kritischen Betrachtung der Museen bzw. Ausstellungen kann die Lehrkraft eine Entscheidung für oder gegen sie treffen.

Welche Themen eignen sich nun für einen Museumsbesuch und wie wird der außerschulische Lernort Museum im Lehrplan eingeordnet?

In der von mir gesichteten Literatur werden, soweit ich feststellen konnte, keine speziellen Themen aus dem Geographieunterricht genannt, welche sich besonders gut mit Hilfe eines Museumsbesuches bearbeiten oder verbinden lassen. Ich denke, auch hier muss jeder Lehrer selbst entscheiden, ob er zu einem Thema mit seiner Klasse eine Ausstellung besuchen möchte oder nicht. Schreiber formuliert diese Tatsache wie folgt: ‘Die Absichten von Ausstellungen können mit der Zielsetzung der Unterrichtssequenz übereinstimmen – oder eben nicht’.

Gegenüber anderen Fächern hat der Geographieunterricht den Vorteil, dass aus vielen verschiedenen Museumssparten ein Thema gewählt werden kann. Aspekte der Geographie findet man nicht nur in Naturkundemuseen, sondern auch in kulturhistorischen Museen, Technik- oder Kunstmuseen. Diese Feststellung machte ich auch bei der Auswahl der Ausstellungen in Kapitel 4.

In nahezu jedem Museum findet man letztendlich Elemente, die in der Schulgeographie genutzt werden könnten. Sei es ein Gemälde, welches eine Sturmflut zeigt, die in Originalgröße nachgebauten Häuser der Wikinger oder eine Weltkarte aus dem 17. Jahrhundert, alle diese Exponate besitzen einen geographischen Hintergrund, bzw. Zusammenhang. Damit ist gezeigt, welche vielfältigen Auswahlmöglichkeiten eine Lehrkraft in Bezug auf Museen hat. Für mich stellt diese Tatsache einen weiteren Grund für Geographielehrer dar, Museen bzw. Ausstellungen stärker im Unterricht einzusetzen.

Im Lehrplan der Sekundarstufe I für das Fach Geographie werden Museumsbesuche zwar nicht zwingend gefordert, es werden aber zu verschiedenen Unterrichtsthemen Museums- bzw. Ausstellungsbesuche vorgeschlagen, wie z. B. der Besuch von regionalen Umweltzentren zum Thema ’Ökosystem Weltmeer’ in der 9./10. Klasse.

Neben diesen konkreten Unterrichtsvorschlägen beinhaltet der Lehrplan auch allgemeine Grundsätze der Unterrichtsgestaltung. Hier findet man z. B. die Forderung, dass Schule offen sein muss für außerschulische Lernorte und dass die Schüler ‘den Unterricht aktiv und selbstverantwortlich’ mitgestalten sollen.

Außerdem sieht das Konzept der Grundbildung im Lehrplan vor, dass die Schüler lernen sollen, Informationen sinnvoll zu nutzen. Das heißt, sie sollen mit Informationsquellen umgehen lernen und sie kritisch beurteilen können. FRIEDRICHS & MÜLLER stimmen diesem Konzept der Grundbildung zu. Sie sind der Meinung, dass Museen so transparent, im Sinne von ‘übersichtlich’, wie Kaufhäuser für die Besucher sein müssten.

‘Nun lernt wohl fast jeder von Kindesbeinen an, wie man sich in einem Kaufhaus zurechtfindet, aber nur eine relativ kleine Gruppe lernt dies auch in bezug auf Museen. Museen haben eigenständige Informationssysteme deren Gewinn bringende Nutzung Übung erfordert’.

Das Stichwort ‘Gewinn bringend’ führt zu einer Frage, die sich viele Lehrkräfte stellen, wenn sie einen Museumsbesuch planen: ‘Wie kann ich überprüfen, was bei den Schülern ‘hängen geblieben’ ist? Ich muss ihnen schließlich für das Unterrichtsthema, welches auch im Museum behandelt wurde, später eine Note geben!’ Diese Frage wird im Lehrplan unter der Überschrift ‘Leistungsbewertung’ beantwortet:

‘Bewertet werden können im einzelnen z.B.:

- Beiträge in Gruppen- und Unterrichtsgesprächen; - Vortragen und Gestalten […]; - Projektaufträge und –präsentationen […]’.

Gerade in Museen bzw. Ausstellungen können Gespräche, Vorträge und Präsentationen von Projekten als Unterrichtsmethoden genutzt werden (vgl. Kapitel 3.6). Die Lehrkraft hat außerdem die Möglichkeit, die Schüler bei der Bearbeitung der Aufgabenstellung im Museum zu beobachten und ihr Verhalten während der Arbeit mit in die Bewertung einfließen zu lassen (z. B. Engagement, Teamgeist,…).

Arbeit zitieren:
Hildebrandt, Thelke Juni 2007: Außerschulische Lernorte im Geographieunterricht - Ausstellungen als Orte der Wissensvermittlung?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Außerschulische Lernorte, Geographie, Ausstellungen, Grund- und Hauptschule, Lehramt

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