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Die Außenpolitik Gustav Stresemanns in der deutschen Geschichtsschreibung

Die Außenpolitik Gustav Stresemanns in der deutschen Geschichtsschreibung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Lars Heinisch
  • Abgabedatum: September 2003
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 438,3 KB
  • Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7810-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7810-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7810-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Heinisch, Lars September 2003: Die Außenpolitik Gustav Stresemanns in der deutschen Geschichtsschreibung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Weimarer Republik, Locarno, Verständigungspolitik, Frankreich, Sowjetunion

Diplomarbeit von Lars Heinisch

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Darstellung der Außenpolitik Stresemanns in der deutschen Geschichtsschreibung. Neben den Standardwerken von Erich Eyck, Klaus Hildebrand, Hans Mommsen und Heinrich August Winkler sind vor allem die Arbeiten von Ludwig Zimmermann und Peter Krüger zu beachten.

Angelsächsische Autoren bleiben nicht völlig außen vor. Insbesondere auf das Buch von Henry L. Bretton und die Stresemann-Biographie von Jonathan Wright wird näher eingegangen. Nicht mehr berücksichtigt werden konnte die erst kürzlich erschiene Biographie von Eberhard Kolb.

Zeitlich steht die nach 1945 erschiene Literatur im Focus. Auf die oben gestellten Fragen wird anhand der markanten Stationen deutscher Außenpolitik unter Stresemann eingegangen:

Die Konferenzen von London und Den Haag, auf denen die Frage der Reparationen verhandelt wurde, die Konferenz von Locarno, mit der Stresemann seine Verständigungspolitik begründete, der Berliner Vertrag, der die deutschen Beziehungen zur Sowjetunion regelte und der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Reparationen 5
3. Verständigungspolitik im Westen 13
4. Territoriale Revision im Osten 49
5. Die Beziehungen zur Sowjetunion 59
6. Langfristige politische Ziele 73
7. Fazit 76
8. Literaturverzeichnis 78
9. Anhang 90
Erklärung

Automatisiert erstellter Textauszug:

Megerle (1974, S. 47) weist darauf hin, daß Stresemanns Politik der détente im Westen nicht nur dazu diente im Osten Handlungsspielraum zu erhalten, sondern sie war überhaupt die Voraussetzung für Stresemanns Konzept, durch weltwirtschaftliche Verflechtung den ökonomischen Wiederaufstieg Deutschlands zu bewerkstelligen. Einem ökonomisch starken, mit seinen europäischen und überseeischen Handelspartnern eng kooperierenden Deutschland konnte auf Dauer die politische Gleichberechtigung nicht versagt werden. Wirtschaftliche Stärke und politische Gleichberechtigung würden Deutschland den Wiederaufstieg zur politischen Großmacht ermöglichen. Auch nach Krüger (1985, S. 286 und 408) wollte Stresemann mit seiner Locarnopolitik die politischen Rahmenbedingungen für eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland schaffen. Auf diesem Wege sollte Deutschlands Wirtschaftspotential zur Entfaltung kommen und die deutsche Wirtschaftskraft zum Machtfaktor deutscher Außenpolitik werden. „Hierin liegt eines der grundsätzlichen, von den akuten Erfordernissen40 unabhängigen Motive für die Locarno-Politik“ (Krüger 1985, S. 286). Locarno vertiefte „den Prozeß der Europäisierung des Völkerbundes“ (Stanislav Sierpowski 1994, S. 37). Frankreich, England und Deutschland machten den [...]

zog und seine Stellung innerhalb dieses Systems stieg, desto nachteiliger und riskanter mußte es für die nationalen Interessen sein, dieses System aufzugeben und auf seine Vorteile zu verzichten, und desto schwerer mußte es mit der Zeit werden, die das System erschütternde Grenzrevision vorzunehmen“ (Krüger 1985, S. 299). Aus dem durch die Locarnopolitik selbst geschaffenen System konnte Deutschland nur unter Inkaufnahme erheblicher Nachteile wieder ausbrechen. Krüger meint hier meines Erachtens folgendes: Deutschland hätte dank seiner Locarnopolitik den Wiederaufstieg zur wirtschaftlich, politisch und letztlich auch militärischen Großmacht im Einvernehmen mit den Westmächten zwar vollziehen können, doch wäre der Preis für den dann möglichen Rückgriff auf die Mittel traditioneller Machtpolitik zur Verwirklichung seiner territorialen Forderungen, sei es die Drohung mit Krieg oder gar die Anwendung militärischer Mittel, zu hoch gewesen. Nur unter dem Verlust von all dem, was es zuvor auf dem Wege vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Westmächten erworben hatte, hätte Deutschland seine ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel gegen Polen einsetzen können. Etwas überspitzt formuliert lautet Krügers These: Mit Locarno legte sich Deutschland in seiner Ostpolitik Ketten an. Von 1926 an wurde zunehmend klar, „daß die Alternative lautete: entweder Fortsetzung der Verständigungspolitik oder rücksichtslose antipolnische Politik. Beides zugleich ging nicht“ (Krüger 1985, S. 303, s. auch S. 310 f. und 321). Die deutsche Außenpolitik unter Stresemann entschied sich für das erstere. Sie hielt daran fest, in enger Zusammenarbeit mit England und Frankreich „an einer Politik der Entspannung und Stabilisierung in Europa mitzuwirken. Man ließ sich nicht darauf ein, eine scheinbar günstige Gelegenheit zu nutzen, um mit der Sowjetunion eigene Wege [...]

würde sich Deutschland die „beste Voraussetzung“ für ein neues Sedan schaffen (zitiert nach Höltje 1958, S. 66). Frankreich würde eine Revision der deutsch-polnischen Grenze nur billigen, wenn es Polen als Bündnispartner zur Eindämmung Deutschlands nicht mehr bräuchte. Dazu mußte das französische Sicherheitsbedürfnis durch Deutschland „voll und ganz befriedigt“ werden (Maxelon 1982, S. 154; ebenso: Kolb 2000, S. 64). „Um Frankreich das Gefühl der Sicherheit zu geben, war Stresemann bereit, jegliche Garantie zum Schutz der deutsch-französischen Grenze zu gewähren“, so Weidenfeld (1972, S. 125). Für Krüger (1985, S. 297 f.) hingegen war die in Locarno begründete Politik der Verständigung nicht in erster Linie Mittel zum Zweck. „Es ist [...] abwegig zu behaupten, die Sicherheitsinitiative sei vor allem zum Zwecke der Vorbereitung einer Grenzrevision im Osten in Gang gesetzt worden“ (Krüger 1985, S. 298). Es ging Stresemann mit seiner Locarnopolitik vielmehr um die Etablierung eines neuen Politikstils: Wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit sollten zwischenstaatliche Bande und gegenseitiges Vertrauen schaffen und eine friedliche Schlichtung von Interessenkonflikten ermöglichen. Stresemanns Verständigunspolitik war ein „Ausdruck jener liberal-demokratischen politischen Kultur und Grundvorstellungen, die man gemeinhin als westlich bezeichnet“. In diesem Sinne verstanden bildete die „Westpolitik“ Stresemanns „die Substanz Weimarer Außenpolitik überhaupt“ (Krüger 1985, S. 297). Die Locarnopolitik Stresemanns war keine Politik des Nachgebens und Einlenkens. Es war eine Politik, die die Handlungsfreiheit der Akteure begrenzte, indem sie Regeln setzte. Ziel war die Schlichtung von Machtkonflikten und der friedliche Ausgleich nationaler Interessen [...]

Arbeit zitieren:
Heinisch, Lars September 2003: Die Außenpolitik Gustav Stresemanns in der deutschen Geschichtsschreibung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Weimarer Republik, Locarno, Verständigungspolitik, Frankreich, Sowjetunion

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